Warum eigentlich nicht 3.000 Euro Mindestlohn?

(WERNER REICHEL) Kabarett im öffentlich-rechtlichen TV. Ein Kleinkünstler erklärt dem Publikum die Welt: Es gibt immer mehr arme Leute bei uns und das Geld dieser armen Menschen haben jetzt die Reichen. Das ist kein Scherz oder eigentlich doch. Aber so hat es der gute Mann mit Witz und Verstand gesagt. Dem anwesenden Publikum gefällt’s, es klatscht begeistert. Für ökonomisch Ahnungslose ist die Wirtschaft offenbar ein Nullsummenspiel. Reichtum entsteht nur, wenn man den Armen Geld wegnimmt, sprich sie ausbeutet. Reichtum ist also immer etwas Verwerfliches, etwas Unmoralisches, Böses und hat nichts mit Leistung, Innovation, Risikobereitschaft, Wissen, Kreativität. etc. zu tun. Diese Sichtweise und dieses intellektuelle Niveau findet man nicht nur im deutschsprachigen Kabarett und im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, sondern im ganzen Land. In den Schulen, bei linken Stammtischen, Universitäten, in der Literatur und in der Politik.

Dieses Unwissen  ist in der  Regel mit einigen ranzigen sozialistischen Binsenweisheiten angereichert. Wer Kinder hat, sollte mal einen Blick in deren Schulbücher werfen, um zu sehen, welchen Stellenwert und welches Image dort Wirtschaft hat.  Wer sein Wissen primär aus heimischen Schulen, geisteswissenschaftlichen Studienrichtungen und den  Mainstreammedien  beizieht/bezogen hat und sein Leben lang nur in staatlich  geschützten Bereichen tätig war, für den ist Wirtschaft nicht mehr als ein spanisches Dorf.  Allerdings  ist fast jeder, so wie im Fußball, auch in Ökonomie ein Fachmann. Aber wie hat es Dieter Bohlen so trefflich ausgedrückt: „Das Problem ist: Mach einem Bekloppten klar, dass er ein Bekloppter ist.“

In unseren Breiten ist die Ansicht weit verbreitet, dass der Staat so wie Dagobert Duck einen gigantischen Geldspeicher besitzt, in dem sich mehrere Fantasilliarden Euro befinden. Allenthalben hört man deshalb von Künstlern, von NGOs, von Pensionistenvertretern, von Theaterdirektoren, von Sportverbänden, vom Verband der …logen, von Umweltschützern, von Integrationsvereinen, von den Kämpfern gegen rechts,  kurz, von allen, die (noch mehr) Geld vom „Staat“  wollen, das Argument: Österreich sei schließlich eines der reichsten Länder der Welt und für dies und jenes müsse doch schließlich genügend Geld da sein. Ja, Geld ist in dieser Denke quasi unbegrenzt vorhanden, man muss es nur „sozial gerecht“ verteilen. Politiker und Parteien die das nicht tun, sind einfach  böswillig, neoliberal und überhaupt.

Es herrscht noch immer die Vorstellung, Reichtum und Wohlstand seien in Österreich und  Europa einfach da, einfach so. Das Bewusstsein, dass man Wohlstand nicht konservieren kann, dass man ihn sich Jahr für Jahr und Tag für Tag erarbeiten muss, fehlt in weiten Teilen der Bevölkerung völlig. Das ist kein Wunder und auch so gewollt. In Österreich lebt rund die Hälfte der Bevölkerung vom Staat, nur 50 Prozent der Österreicher sind in der Privatwirtschaft tätig und auch von Ihnen beziehen rund die Hälfte mehr Transferleistungen als sie Steuern zahlen.

Der Sozialstaat hat sich ein Heer von Abhängigen geschaffen, das dank der staatlich gesteuerten Bildung  und dank der von ihm abhängigen Künstler, Wissenschaftler, Medien, Lehrer und Intellektuellen extrem wirtschafts- und  unternehmerfeindlich eingestellt ist und sich nichts mehr, als einen möglichst gut ausgebauten Nanny-State wünscht. Diese staatsgläubigen ökonomisch Ahnungslosen sind eine ideale politische Verschubmasse. Weil sie selbst die einfachsten wirtschaftlichen  Zusammenhänge  nicht verstehen (wollen), kann man ihnen fast alles einreden, selbst den haarsträubendsten Unsinn. Etwa, dass man mit Notenpresse und Umverteilung Wohlstand, Fortschritt  und sozialen Frieden schaffen kann.

Leider ist dieses Denken nicht nur in der Bevölkerung, sondern  bis in die höchsten Politikerkreise verbreitet.  So hat Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek vor kurzem einen Mindestlohn von 1.500 Euro fordert. Tolle  Idee. Dann haben auch Putzfrauen und Tellerwäscher endlich mehr Geld, das geben sie wieder aus und kurbeln damit die Wirtschaft an, der Staat  nimmt dadurch mehr Steuern ein und alle sind glücklich.

Warum fordert  Heinisch Hosek nicht gleich 3.000 Euro Mindestlohn?  Dann wird alles gleich doppelt so gut. Und warum haben Länder wie Haiti, Burundi oder  Bangladesch diese  bahnbrechende Idee noch nicht umgesetzt? Gäbe es mehr Heinisch Hoseks auf dieser Welt, sie wäre ein besserer und gerechterer Ort. Garantiert.

Nun ja,  die Frauenministerin  ist eben genau wie so eine ökonomisch Ahnungslose, die solche Forderungen ohne ökonomische  Grundkenntnisse einfach so daher sagt. Die gelernte Hauptschullehrerin kennt Privatwirtschaft in Theorie und Praxis nur vom Hörensagen. Trotzdem bekommt sie für solche Forderungen viel Applaus.

Das alles erinnert an das magische Weltbild indigener Völker. Da die Jäger- und Sammler keinen Tau von Naturgesetzen und den großen Zusammenhängen hatten,  waren sie der festen Überzeugung, mit Magie und Ritualen den Lauf der Dinge  in ihrem Sinne beeinflussen zu können. Mit allerlei Hokus Pokus versuchte man etwa das Wetter, die Jahreszeiten  oder die Tierwanderungen zu  beeinflussen. Man wusste es eben nicht besser.

Unsere heutigen sozialistischen Politiker in allen Parteien und die  Mainstreamjournalisten  könnten oder vielmehr müssten es aber besser wissen. Und es hält auch niemand die Bürger davon ab, sich mit Ökonomie auseinanderzusetzen. Aber mit meinem simplen Weltbild, ohne jede Eigenverantwortung und  den immer gleichen Sündenböcken, lebt es sich einfach bequemer.  Noch.

19 comments

  1. sokrates9

    Die Indoktrination der letzten 40 Jahre wirkt! Selbst die “Wirtschaftspartei ÖVP hat schon den ökonomischen Verstand verloren; gestern folgendes Urteil gelesen: Muslima bewirbt sich in Konditorei als Servierkraft! Die Frage ob Sie ihren Schleier im Dienst ablegt wird entrüstet verneint! Sie bekommt die Stelle nicht, klagt wegen Diskriminierung und bekommt 7 Monatsgehälter Schadenersatz!(4700.-€)Solche Gesetze werden mit Hilfe ÖVP beschlossen!

  2. Ehrenmitglied der ÖBB

    Das “simple Weltbild” ist eine Ursache, wie Reichel es nennt.
    Eine weitere Ursache ist – und ich spreche aus Erfahrung – das die meisten Menschen einfach nicht in der Lage (vulgär ausgedrückt: zu dumm) sind, um die Zusammenhänge zu verstehen!
    Das beginnt schon in der Schule. Die Wirtschaft fordert, mehr Wirtschaftswissen in den Schulen zu vermitteln.
    Aber Hallo!, wenn es schon Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben sowie den einfachsten Rechnungsarten gibt, wie sollten da komplizierte bzw. komplexe Zusammenhänge verstanden werden?
    Darüber hinaus gibt es die “Immunisierungsstrategie” gegenüber Informationen, die jene simplen Weltbilder in Frage stellen, die Herr Reichel beschreibt. (verfolgen sie einmal eine typische Sendung “Im Zentrum” des ORF, da werden jene, die Fakten liefern und die besseren Gegenargumente zum s.WB haben niedergeschrien oder ständig unterbrochen, einen Gedankengang gänzlich zu formulieren ist beinahe unmöglich, wenn es der Moderatorin oder ihrer Genossen nicht passt.)
    usw…..

  3. Thomas Holzer

    Hat ja auch der Herr Foglar, mehr oder weniger unwidersprochen, am Sonntag “Im Zentrum” sinngemäß verlautbart: “Wir haben Geld wie Sand am Meer, wir müssen es nur richtig einsetzen”

    Und mit der heute zu beschließenden Umverteilung -euphemistisch als GröStraZ bezeichnet- wird wieder ein großer Schritt zu noch mehr staatlichem Einfluß getätigt.(Die Absetzbarkeit von (fast) allem, was privat organisiert wird -z.B. Krankenzusatzversicherung, Lebensversicherung, Wohnungssanierung, um nur einige zu nennen- wird abgeschafft) Staatlich oktroyierte “Vorsorge” ist jedoch gut.

  4. Marianne

    Das kennen wir schon von den vergangenen roten und braunen Sozis. Irrealer Schwachsinn wir von Systemmedien und Staatskünstlern so lange nachgeplappert bis die Realität sie überholt und das Werkel kolabiert. Blöd waren nur die zig Millionen Toten als Kollateralschaden. Hoffentlich geht bei den zeitgenössischen Sozis aller Farbschattierungen mit weniger Opfern ab. Verlieren werden trotzdem alle, auch die die in ihrer Dimmheit begeistert mitgeschrien haben.

  5. DDr. Paal

    Dem Ökonomisch etwas gebildeteren ist aber auch bewusst, dass das empfinden über Arm und Reich sehr relativ ist. Sprich wie stehe ich relativ zu anderen da. Nur etwa die 4% der reichsten Inder würden in den USA nicht als sehr Arm gelten. Darüber hinaus entscheidet zu über 2/3 wer einmal Reich ist und wer nicht die Geburt! Also nur ein geringer Teil wird von Leistung, Innovation, Risikobereitschaft, Wissen oder Kreativität bestimmt.

  6. menschmaschine

    Der Zusammenbruch wird kommen. Er ist unvermeidlich. Vielleicht nicht morgen oder übermorgen, aber bald.
    Dann werden die Heinisch-Hoseks und Foglars und wie sie alle heißen dumm aus der Wäsche schauen.
    Aber nur kurz. Denn im nächsten Moment werden sie wissen: Es war nicht ihre schwachsinnige Ideologie oder ihre Ahnungslosigkeit, der den Zusammenbruch herbeigeführt hat, nein.
    Es war der Neoliberalismus. Sie haben es ja immer schon gewußt.

  7. menschmaschine

    Übrigens ein sehr guter Kommentar von Herrn Reichel.
    Genau so ist es.

  8. Christian Weiss

    Kleinkünstler und ihre Ökonomiekenntnisse…
    Da fällt mir Volker Pispers ein. Dessen selbstgefällige und ignorante Auftritte sind jeweils auch legendär. Der verzapft da eine Stunde lang monumentalen Schwachsinn. Im Publikum sitzt das selbsternannte Bildungsbürgertum und schmunzelt nickend und wissend, dass der böse Kapitalismus natürlich ganz etwas Verrücktes ist und die Welt natürlich völlig wahnsinnig geworden sein muss, wenn einfache Mechanismen wie Angebot und Nachfrage ihre Wirkung entfalten. Da lacht man sich dann jeweils schlapp, wenn der Pispers wieder mal den Unternehmen Irrsinn unterstellt, wenn z.B. Kleider aus Ostasien kommen. Wie es dort ohne den Verkauf von Gütern in den Westen zu Wohlstand kommen soll, kann zwar keiner erklären, aber blöd sind die “Neoliberalen”.

  9. Herr Karl jun.

    Dieses bemerkenswerte Verständnis von “Wirtschaft” wird dieser Tage gerade in Griechenland auf Regierungsebene so richtig zelebriert. Wer die englischsprachichen Zeitungen Griechenlands liest oder ab und an die griechlischen Leitmedien (durch PC-Übersetzungsprogramme ohnehin etwas “verzerrt”) konsumiert, kommt aus dem Staunen über soviel steinzeit-ökonomisches und “magisches” Denken nicht heraus. Es erinnert frappant an die 30er Jahre, wo die Nazi-Sozen ja auch ein X für ein U vormachen konnten. Deshalb ist die Warnung von Varoufakis vor den Faschisten so besonders fies – er ist mit ihnen ja schon mitten im Machtzentrum.

  10. menschmaschine

    @ Herr Karl jun.

    Richtig, Tsipras koaliert mit Rechtsextremen. Ich warte deshalb seit Wochen auf EU-Sanktionen. Wann kommen die endlich? Bei uns hats damals nicht so lange gedauert. Seltsam…

  11. Thomas Holzer

    @menschmaschine
    Damals waren ja auch keine Linken an der Regierung beteiligt 😉
    wobei: die “Rechten” sind ja in Wahrheit “nur” nationale Sozialisten; insofern sind Anel, FPÖ, Front National et al. alle Sozialisten, genauso wie ÖVP, SPÖ, Syriza, CDU, et al.

  12. Thomas Holzer

    “Also nur ein geringer Teil wird von Leistung, Innovation, Risikobereitschaft, Wissen oder Kreativität bestimmt.”

    So what?
    that’s life; I don’t mind.
    Nur Umverteilungsfanatiker, Etatisten und Sozialisten werden dies ins Treffen führen, um ihren Bestrebungen, andere zu berauben(sic!), zu “unterstützen, respektive die Masse in ihrem Neid auf die “bösen Reichen” zu bestärken

  13. Rennziege

    17. März 2015 – 16:35 Thomas Holzer
    Alles gut, Herr Holzer! Aber man versteht Sie auch ohne Ihr geliebtes “sic!” — das Sie leider ziemlich sinnfern einsetzen. Nix für ungut.

  14. Mario Wolf

    Leistung, Innovation, Risikobereitschaft, Wissen sind verwerfliche, weil individualistische Fähigkeiten Die breite, linksideologisch indoktrinierte Masse weiss es besser. Nur abhängig bleiben, der Staat wird es schon richten Und der Neid kann man auch noch geniessen – auf die “Reichen”

  15. Gutartiges Geschwulst

    “Warum eigentlich nicht 3.000 Euro Mindestlohn?”

    Weil es menschenverachtend wäre! Soziale Gerechtigkeit ist erst dann erreicht, wenn jeder Haushalt über eine eigene Notenpresse verfügt.

  16. Gustav 2.0

    ich kann ihrem Artikel nur zustimmen. Wenn wir aber die 3000€ als Brutto Brutto als samt den verschleierten Abgaben die als Unternehmer noch zusätzlich abzuführen sind, versteht…dann ist der Komiker gerade beim österreichischen durchschnitts Netto Bezug angekommen. (aktuell bei 1808,- €)

  17. H.Trickler

    @sokrates9:
    Wenn ein dummer Unternehmer beim Bewerbungsgespräch eine derart illegitime Frage stellt gehört diese Dummheit gehörig bestraft!

  18. Christian Peter

    @H. Trickler

    Nicht wirklich, denn das passiert aufgrund von Gesetzen, die niemand braucht.

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