Warum es kleinen Geschäften oft mies geht

(ANDREAS UNTERBERGER) Man hört überall Klagen, wie schlecht es den kleinen Geschäftsleuten ginge. Zwei kleine Begebenheiten machen mir klar, dass daran manches auch selbst verschuldet und nicht nur Folge der schlechten Zeiten, des bösen Internets und des Ladenschluss-Gesetzes ist.

Die Schuldigen sind in diesen Fällen eindeutig: einmal die Wirtschaftskammer und einmal die eigene linke Dummheit.

Begebenheit 1: Ich wollte eine Glasscheibe (für eine zerbrochene Laterne) kaufen. Als ich das Geschäft betrat, wurde mir vom Inhaber mit Bedauern gesagt: Hier könne ich nur Glasscheiben zusammen mit einem Bilderrahmen kaufen. Die Gewerbeordnung erlaube ihm leider nicht den Verkauf von Glasscheiben ohne Rahmen. Worauf mir wieder der heldenhafte Kampf der Wirtschaftskammer und ihrer Innungen für die Aufrechterhaltung der mittelalterlichen Gewerbeordnung einfiel. Offenbar will sie mich vor den Gefahren einer rahmenlosen Scheibe schützen.

Begebenheit 2: Ich wollte in einer Buchhandlung in der Wiener Josefstädterstraße „Deutschland von Sinnen“ von Akif Pirinçci erwerben (der deutsch-türkische Autor arbeitet darin in oft drastischen, aber klaren Worten sehr kritisch die Folgen der Islamisierung und Zuwanderung heraus). Die verächtliche Antwort des Geschäftsbesitzers klang so, als hätte ich mitten im Vatikan nach einem pornografischen Werk verlangt: „Solche Sachen führen wir nicht“. Danke, alles klar. Ich verlasse beschämt die Buchhandlung und schaue seither immer vor Betreten eines anderen Buchladens, ob dort vielleicht „solche Sachen“ doch verkauft werden. Sonst bleibt ja immer noch das Internet . (TB). .

6 comments

  1. Thomas Holzer

    “Offenbar will sie mich vor den Gefahren einer rahmenlosen Scheibe schützen.”

    Nun denn, irgendjemand muß doch zumindest versuchen, uns vor derlei Unbill zu schützen; und wer könnte es besser, als Väterchen Kammern und Staat und Politikerdarsteller.

    zu Begebenheit 2: es sollte doch wohl jedem Unternehmer freigestellt sein, welche Bücher mit welchem Inhalt etc. er verkaufen will oder nicht! Oder wollen Sie ex lege jedem Buchhändler ein “Vollsortiment” verordnen?! Das kann es doch wohl nicht sein

  2. Ehrenmitglied der ÖBB

    @ Thomas Holzer
    “Vollsortiment”? Nein, aber eine Buchhandlung sollte auch ein Dienstleister sein und wenn nicht lagernd, dann halt bestellen. Bei meinen Buchhandlungen ist das jedenfalls so. Eine weitere, die mir das verweigert hatte, wurde nicht mehr besucht. Punkt. Auch das ist freie Marktwirtschaft!

  3. Anton Aushecker

    Ich lese hier keine Verordnung eines Vollsortiments. Vielmehr lese ich über die Einstellung eines Unternehmers, lieber auf Umsatz zu verzichten als gegen die eigene Einstellung zu handeln. Völlig legitim. Aber dass mir dann bitte keiner mehr über die armen kleinen Buchhandlungen und das pöhse Internetz jammert.

  4. Thomas Holzer

    @Ehrenmitglied der ÖBB
    Wie ein Buchhändler oder jeder andere sein Unternehmen gestaltet, sollte ihm überlassen sein und bleiben. Und wir als Kunden haben ja die “Qual der Wahl” 😉

  5. freeman

    @Thomas Holzer:
    Nur soll der Unternehmer dann nicht klagen und fordern, daß der Staat meine Wahlfreiheit einschränken oder besteuern solle, nur weil sich zB Amazon nicht um die rechte Gesinnung seiner Kunden schert.

  6. Thomas Holzer

    @freeman
    Klagen und fordern darf er meinetwegen, ob berechtigt oder unberechtigt, das tun doch viele………nur “unsere” Politikerdarsteller sollten halt derlei dummen Forderungen nicht nachgeben, sie nicht erfüllen 😉

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