Warum fliegen Airlines über Kriegsgebiete?

(ANDREAS UNTERBERGER)  Die Beweise gegen die pro-russischen Separatisten werden immer erdrückender. Der rauchende Raketenwerfer wird freilich nie auftauchen. Dazu steht offenbar zu viel auf dem Spiel, als dass die Wahrheit eine Chance hätte. Aber gleichzeitig wird umso fragwürdiger, warum Aua, Lufthansa und einige andere Luftlinien bis Donnerstag das ostukrainische Krisengebiet überflogen haben. Ist ihnen das Leben ihrer Passagiere so wenig wert?

Gewiss: Weder die Ukraine noch Russland haben gesagt, dass der Luftraum für hochfliegende Maschinen gesperrt wäre. Aber wenn man die sonstigen Kleinigkeiten ins Kalkül zieht, die beim Zivilfliegen oft bis ins Lächerliche berücksichtigt werden, dann wundert man sich schon sehr, weshalb bis zum Unglück über die Ostukraine geflogen worden ist.

Die Ersparnis an Treibstoff, weil man den direktesten Weg nach Osten genommen hat, kann doch nicht im Ernst der Grund dafür sein. Man kann aber auch nicht wirklich an solchen Leichtsinn, an solche Trägheit westlicher Manager im Geiste glauben.

Irgendeinen Grund muss es jedoch geben. Schließlich haben andere Gesellschaften schon längst einen großen Bogen um die Ostukraine gemacht. Obwohl deren Überfliegen von niemandem im formellen Sinn verboten worden ist. Aua wie Lufthansa haben mit diesem Überfliegen mehr an Vertrauen verloren, als sie leicht verkraften können. Und noch mehr an Vertrauen kostet es eine Reihe von Fluggesellschaften, wenn weiterhin Afghanistan und der Irak überflogen werden!

Gewiss: Ich selbst habe mich als Journalist etliche Male in sehr brenzlige Situationen begeben. Ich erinnere mich an Flugzeuge, wo in zehn Kilometer Höhe jedes Licht abgeschaltet wurde, um nicht von Kämpfern entdeckt zu werden; bevor es in engen Spiralen nächtens nach unten ging. Aber es war ein freiwillig angetretener Flug in Krisengebiete (trotz aller Angst). Und nicht ein Transport von Familien in die Ferien.

Die Täter waren die Rebellen
Beim Abschuss der malaysischen Maschine selber habe ich nicht die geringsten Zweifel mehr, dass das Verbrechen von den prorussischen Rebellen begangen worden ist. Viel zu viele Beweise sprechen die gleiche Sprache, deuten in die gleiche Richtung.

Die unabhängige Untersuchung, die laut zahllosen Regierungen den letzten Beweis bringen soll, freilich kostet mich nur noch einen Lacher. Wenn der russische Geheimdienst in der Zwischenzeit nicht längst jedes Indiz, das Moskau noch zusätzlich belastet, beiseite geschafft und manipuliert hat, dann wäre dort kein einziger Mann sein Geld wert. Unter den Trümmern wird daher sicher nicht mehr der letzte Beweis auftauchen. Wenn er überhaupt je dort war.

Die Rufe nach Untersuchung dienen wohl primär als Ablenkung vieler Regierungen angesichts der Empörung vieler Menschen. Diese Empörung wird aber wieder abklingen, so kalkulieren sie. Und Europa wird sich dann wieder um Waffenlieferungen an die Ukraine drücken. Hingegen wird Amerika (unterstützt von den Niederlanden, England, Polen und den Balten) wohl jetzt endgültig liefern.

Ich bin jedenfalls mittlerweile über die Urheberschaft sicher. Es liegen mittlerweile eine Unzahl von Indizien gegen Russland vor. Indizien die wohl fast jeden Strafrichter der Welt eine Verurteilung aussprechen ließen:

Die von der Ukraine noch vor dem Wissen um die malaysische Identität der abgeschossenen Maschine abgefangenen und von Kiew sofort veröffentlichten(!) Mitteilungen und Gespräche von Rebellen, die von diesen wieder gelöscht wurden, als bekannt wurde, dass es sich um ein ziviles Flugzeug eines unbeteiligten Landes handelt;
Die Empörung über die von Moskau verlangten Lügen – der Ausdruck wird wörtlich verwendet – von Journalisten beim Propagandasender „Russia Today“, obwohl sie damit ihren gutbezahlten Job verlieren;
Das Herumstammeln der russischen Führung, die als einzigen Vorwurf gegen die Ukraine zu formulieren imstande war, dass der Abschuss über ukrainischem Territorium stattgefunden hat – aber verschwieg, dass es dort die Rebellen die Kontrolle haben;
Die offensichtlichen Erkenntnisse westlicher Satelliten über diese Rakete, die (im Gegensatz zum Südpazifik, wo ein der gleichen Linie gehörendes Flugzeug spurlos verschwunden ist) die Ostukraine sehr genau beobachten;
Die Weigerung der Rebellen, unabhängige OSZE-Experten an Ort und Stelle sofort und unbegrenzte Untersuchungen vornehmen zu lassen, nachdem sie selbst tagelang Zeit hatten, alles Belastende beiseitezuräumen.
Wer nach weiteren Beweisen ruft, der wird wohl nie überzeugbar sein.

Putin selbst erweist sich leider als ganz schwach. Er versäumt die letzte Chance, sein Land dorthin zurückzuführen, wo Russland, das uns so viele großartige Künstler geschenkt hat, eigentlich hingehört: Nämlich in den Kreis der rechtsstaatlichen Demokratien. Er hat wie ein Zauberlehrling den Abschaum geschickt und ist nicht mehr imstande, sich von diesem und seinen Taten zu trennen. (TB)

 

6 comments

  1. PP

    Kann sein, mag sein, muss aber nicht zwangsläufig sein. Ich rufe nach weiteren Beweisen und bin dann vielleicht überzeugbar. Bisher ist die Suppe zu dünn und das Interessensgemenge zu dick.
    “Cui bono” war bei vielen Verbrechen eine zielführende Frage. Umgekehrt heißt das natürlich nicht, dass Verbrecher nicht einfach dumm sind.

  2. Mourawetz

    wenn man bedenkt, dass dies alles nur geschah, weil ein paar intellektuelle C-Politiker am Maidan mitdemonstriert haben, wie uns die Putin-Versteher weismachen wollen. Das hat der Westen nun davon. Ein paar hundert Tote Passagiere vor allem Niederländer, geschieht ihnen schon recht, nicht wahr? Aber warum auch mussten sie über die Ukraine fliegen. Noch einmal: der Westen hat nichts in der Ukraine verloren weder ein Flugzeug 10.000 m über dem Boden noch Demonstranten am Maidan. Das hat Putin doch klar gemacht!

  3. Thomas Holzer

    Ist schon interessant, daß diese Gespräche von Rebellen
    a.) nur vom ukrainischen Geheimdienst abgefangen wurden
    b.) die Spione auf den US-Schiffen im Schwarzen Meer nichts davon mitbekommen haben
    c.) die anscheinend allwissende NSA auch nichts gehört hat
    d.) die “Echtheit” der Mitschnitte von der US-Botschaft in Kiew(sic!) bestätigt wurde
    e.) der ukrainische Geheimdienst sonst anscheinend nichts hört, weil ansonsten hätte er die “Rebellion” im Osten der Ukraine schon in deren Anfängen im Keim erstickt.

    @Unterberger
    Auf der ganzen Welt fliegen Airlines über Krisengebiete! Hernach, nach einer Katastrophe, ist man im wohligen Wohnzimmer in Wien natürlich immer gescheiter

  4. gms

    LePenseur,

    “Nun, da gilt es vielleicht noch ein bisserl abzuwarten, was wen »erdrückt« …”

    Meiner bescheidenen Meinung nach war’s das schon, das Ganze endet irgendwann ergebnislos. Weder die Amerikaner noch die Ukrainer werden irgendetwas auf den Tisch legen. Warum sollten sie auch?
    Malaysien hat in der Angelegenheit mangels Gewicht nichts mitzureden, und für die Niederländer in deren Rolle als Ermittlungsleiter werden die Toten auch nicht lebendiger, falls sie doch wider Erwarten als Nato-Mitglied auf die Staatsraison pfeifen sollten und der Sache auf den Grund gehen.

    Die versammelte Medienmeute paddelt auch schon retour und plappert – eine mutmaßlich lobotomierte Medienkonsumentenmasse ansprechend, die Aufständischen hätten erfolgreich alle Beweise vernichtet — ein Phantasma, das den üblichen Verdächtigen runter geht wie Öl und von nachgelagerten Polit-Marionetten willfährig übernommen wird. Wie das geht, hat inzwischen auch schon unsere Putativzukunfsthoffnung Sebastian Kurz bewiesen, der sich heute für ein Waffenembargo ins Zeug wirft in der irrigen Hoffnung, dergestalt andere Sanktionen abzuwenden.

    Nachdem Putin sowieso allein die generelle Scheiße in der Ukraine angerichtet hatte und hernach, egal ob er mit dem Absturz von MH17 etwas zu tun hatte oder nicht, die Leichen nicht eigenhändig wiederbelebte, schießt ein geisteskranker Westen sich selbst und Rußland per Nachbrenner retour in den kalten Krieg, von dem wir noch glücklich sein können, wenn er tatsächlich kalt bleibt.

    Gäbe es in der EU noch eine Zivilgesellschaft, wäre die aktuelle Dressurelite schon längst in den Orcus gekickt worden, so aber zieht eben diese einmal mehr das Stimmvieh der vereinigten Idiocracy Europas am Nasenring durch die Historie. Mission accomplished!

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