Warum nicht gleich 100% Spitzensteuersatz?

(ANDREAS TÖGEL) Wenn es nach den Vorstellungen der Sozialisten ginge, wäre alles ganz einfach: Die Arbeitgeber würden dann volle 100 Prozent der auszuzahlenden Lohnsummen an den Fiskus überweisen. Der hätte für eine absolut „gerechte“, also gleiche, Verteilung von (nicht allzu großen) Taschengeldern an die Werktätigen zu sorgen. Wir wissen ja schließlich: Geld verdirbt den Charakter. Ein Zusatznutzen der Maßnahme bestünde in der Schaffung Tausender zusätzliche Dienstposten im öffentlichen Dienst.

Inhaber eines großen Proletariernachweises und Parteigenossen, die durch besonders pünktliche Bezahlung ihrer Mitgliedsbeiträge hervortreten, könnten mit ein paar Euro mehr verwöhnt werden.

Durch unterschiedliche Tätigkeiten, Leistungsungleichheiten und/oder die blanke Willkür ausbeuterischer Arbeitgeber bedingte Einkommensunterschiede, gehörten jedenfalls der Geschichte an. Mit dem Schmerz des Neides vermeintlich oder tatsächlich Zukurzgekommener wäre es vorbei. Ob dem marxistische Ideal des „jedem nach seinen Bedürfnissen“ damit endlich zum Durchbruch verholfen wäre, hinge lediglich von der Genialität des Politbüros ab. An der kann indes ohnehin nicht der geringste Zweifel bestehen.

Leider gibt es aber immer noch gar nicht so wenige Spielverderber, die den Segnungen der totalen Gleichmacherei – nicht nur im staatlichen Schulwesen – mit unbegreiflicher Skepsis und hartnäckigem Widerstand begegnen. Diese düsteren Reaktionäre bestehen etwa darauf, arbeitenden Menschen, gleich ob selbständig oder angestellt, wenigstens kleine Teile ihrer Einkommen zur willkürlichen Eigenverfügung zu überlassen. Auch lehnen es diese Finsterlinge – in vollständiger Verkennung der Brutalität der Marktwirtschaft und des Privatrechts – ab, hoheitliche Eingriffe in die Preis- und Lohnbildung vorzunehmen, was in der Folge zu brandgefährlichen sozialen Schieflagen führt. Unbelehrbare Marktfundamentalisten wollen die empirisch vielfach erwiesene Überlegenheit staatlicher Wirtschaftsplanung (wie man sie etwa in der „DDR“ erlebt hat oder heute noch in Venezuela, Zimbabwe oder auf Kuba studieren kann) einfach nicht akzeptieren.

So kommt es für die beharrlichen Anwälte der „sozialen Gerechtigkeit“ heute darauf an, die Mühen der Ebene weiterhin unbeirrt zu durchmessen und sich vorerst – bis zur (vollständigen) Verwirklichung der Diktatur des Proletariats – mit dem Erreichen von Etappenzielen zu begnügen.

Der von den austriakischen Sozialisten eben ersonnene, 60prozentige Spitzensatz der Einkommenssteuer, ist ein solches. Immerhin wird damit ein einsamer europäischer Rekord markiert. Das ist doch schon was. Dass dieser Schritt nur als notwenige Vorleistung für die in Wahrheit angepeilte Anhebung der Kapitalertragssteuer dient (die, eine alpenrepublikanische Spezialität, verfassungsgesetzlich abgesichert am Höchsttarif der EkSt. hängt), liegt auf der Hand. Denn Kapitalerträge, in der hochideologisierten Vorstellungswelt der staatsverliebten Linken, „leistungslose Einkommen“, sind schlechthin die Inkarnation des Bösen. Und das gilt es, immer, überall und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln radikal zu bekämpfen.

Doch maximale Steuerlasten sind nur ein Instrument aus dem Arsenal der Umverteilungsfraktion. Ein anderes ist nicht minder wirksam, wenn es darum geht, eine egalitäre Gesellschaft nach dem imponierenden Vorbild einer Termitenkolonie zu schaffen.

Was fällt daher einer mit ihren Schulreformen ganz und gar gescheiterten, linken Unterrichtsministerin ein, die, um von ihrer beeindruckenden Inkompetenz abzulenken, eine Entlastungsoffensive plant? Richtig – die hochoriginelle Forderung nach einem Mindestlohn! 1.500 Euro monatlich (das Jahr hat in Österreich – anders als im rückschrittlichen Rest der Welt – volle 14 Monate), sollen es, nach dem Willen der Dame sein, deren Doppelnamen man sich deshalb nicht zu merken braucht, weil sie wohl, da sie sich gegenwärtig mit erstaunlicher Vehemenz zur Belastung für ihre Partei entwickelt, demnächst entsorgt wird.

Frauen, so die Genossin (die als gelernte Behindertenlehrerin klarerweise eine hochkarätige Expertin für die Gesetzmäßigkeiten des Arbeitsmarktes ist), würden von diesem Schachzug in besonderem Maße profitieren. Warum sie dann nur 1.500 Euro fordert, will allerdings nicht so recht einleuchten, da doch 3.000 Euro den Betroffenen fraglos deutlich größere finanzielle Spielräume eröffneten und zudem doppelt so „sozial“ wären. Immerhin aber setzt sie mit ihrer bahnbrechenden Forderung zweifellos einen beherzten Schritt im Interesse der Frauen. Nicht wenige davon (etwa solche, die im traditionell schlecht bezahlten Reinigungs- Friseur- oder Gastgewerbe beschäftigt sind), werden sich schon bald wesentlich intensiver um ihre Familien kümmern können, da sie über entscheidend mehr Freizeit verfügen werden. Wenn auch nicht freiwillig…

Tagebuch

10 comments

  1. AO

    hat schon Margaret Thatcher gesagt:
    “The problem with socialism is, that you eventually run out of other peoples money”

  2. mike

    Danke, Herr Tögel, für diesen guten Kommentar.
    Wir wissen leider, dass die roten Bonzen in SPÖ, ÖGB, AK, oder auch die Grünen und sonstige linke Pleampln nicht lernfähig sind.Die ÖVP ist leider zu schwach, um all diesen Unsinn abzuwehren.

  3. Thomas Holzer

    So ist es, leider!
    Die OEVP ist nicht zu schwach, überhaupt nicht, sondern macht liebend gerne mit bei diesem Unfug, um nicht zu schreiben, daß sie eine der treibenden Kräfte ist.
    Man sehe sich nur die Vorstellungen der -ach so- markradikalen, marktliberalen IV in Bezug auf Schule an, detto WK et al..
    Der Sozialismus hat sich über alle Parteien und das gesamte Land gebreitet; kein Wunder nach mehr als 60 Jahren Indoktrinierung

  4. Ehrenmitglied der ÖBB

    @ Thomas Holzer
    wo sie recht haben, haben sie recht!
    Aber zur Indoktrinierung gehören zwei, nämlich auch die, welche sich indoktrinieren lassen.
    Leider sind Foren, wie Ortner Online u. Ä trotz intensiver Bemühungen nicht mehr in der Lage, das Ruder herumzureissen. Oder irre ich mich?
    Gibt es doch noch genügend Staatsbürger, die diesen Klamauk durchschauen und nach Alternativen suchen?
    Dann wäre noch Hoffnung?
    PS: hat sich Herr Hollande von Spitzensteuersatz 70% schon wieder verabschiedet?

  5. sokrates9

    Thomas Holzer@ Ich finde das ist Kommunismus in Reinkultur! Meiner Meinung nach ist der Sozialismus nicht so “Marktradikal” Gebe aber zu dass es immer schwieriger ist den Unterschied zwischen Kommunismus und Sozialismus zu finden! Auch der Unterschied zwischen ÖVP und SPÖ ist ja de facto nicht mehr feststellbar1

  6. Thomas Holzer

    “Aber zur Indoktrinierung gehören zwei, nämlich auch die, welche sich indoktrinieren lassen.”

    Da haben Sie vollkommen recht!
    Leider ist -nicht nur in unserem Land- nur mehr eine Minderheit bereit, nachzudenken! und nicht blindlings den “Segnungen” der Obrigkeit zu folgen, respektive einzufordern.

    Kommunismus und Sozialismus unterscheiden sich nur im Weg! Das Ziel ist ident

  7. Mario Wolf

    Glückwunsch und Dank für diesen Kommentar. Es ist bereits tatsächlich gelungen die Menschen die arbeiten zu bestrafen. Bedingt durch ein Schafreflex – Kopf runter und fressen, heraus, haben es die Geschorenen nicht gemerkt. Auch die tatale Abhängigkeit vom Staat, d.h. kein eigenes Einkommen, sondern Zuteilung durch den Staat, wird sie nicht stören. Mit etwas panem, dafür mit um so mehr circenses, werden die indoktrinierten weiter vegetieren.

  8. Rennziege

    Wieder einmal meisterlich, Herr Tögel!
    Aber wie würden das Beamtenheer, die einschlägigen Pensionäre sowie Politiker und Funktionäre aller Art aufheulen, wenn auch sie, allesamt …
    Inhaber eines großen Proletariernachweises und Parteigenossen,
    … von der marxistischen Gleichmacherei betroffen wären, die sie in ihren Sprechblasen stets hebeisehnen? Oder wird die Genialität des Polibüros, wie im Sozialismus üblich, ein Drittel seiner Leibeigenen (verdiente Genossen, Führungspersonal der Staatsbetriebe, Geheimdienstler, Blockwarte und andere Denunzianten, etc.) stillschweigend von der “sozialen Gerechtigkeit” befreien?
    Und wo erblicken Sie immer noch gar nicht so wenige Spielverderber, die hartnäckigen Widerstand leisten?
    Bin zwar nimmer so nah am Ball, aber ich sehe und höre nur einen politischen Gesangsverein, der unisono trällert, keineswegs vielstimmig.

  9. Ehrenmitglied der ÖBB

    @ Rennziege
    Die “marxistische Gleichmacherei” hatte schon seit Lenin Ausnahmen zugelassen. So beklagt Lenin in einem Brief an Kautsky, dass es die Massen nur zum “tradeunionistischen” Bewusstsein bringe, die Revolution aber der “Avantgarde” bedarf.
    Die Avantgarde, das waren die gleichgemachten Genossen mit den Datschas und anderen Privilegien innerhalb der SU und deren Satelliten .
    Und die “Avantgarde” zieht sich bis heute hin, in der SPÖ nennt man sie Toscanafraktion.
    🙂

  10. H.Trickler

    Waarumm nur 100% Spitzensteuersatz???
    Ich bin für 1000%, das wirkt viel rascher und intensiver.

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