Warum Österreich gerade jetzt der NATO beitreten sollte

(C.O.) Angesichts der eskalierenden Konfrontation zwischen Russland und dem Westen über die ungestüme Heimholung der Krim ins Reich des neuen Zaren, Wladimir Putin, war wenig überraschend, dass Bundeskanzler Werner Faymann flugs die jüngst etwas in Vergessenheit geratene Ikone Neutralität vom Speicher des Kanzleramtes holen ließ und zum Vorbild für den Rest der Welt erklärte: Keinem Verteidigungsbündnis anzugehören, sei „sehr zeitgemäß“.

Dass allein der Nato-Beitritt den Völkern vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer Schutz vor russischer Bedrohung gebracht hat und deshalb dort als äußerst zeitgemäß verstanden wird, dürfte sich halt noch nicht bis ins Kanzleramt in Wien durchgesprochen haben. Dergleichen ahistorischer Neutralismus kommt, gerade in diesen Tagen, trotzdem gut an im Land. Nicht zuletzt deswegen, weil eine Mehrheit der (vor allem etwas älteren) Österreicher noch immer davon überzeugt sein dürfte, dass die Neutralität in den Jahren des Kalten Krieges einen substanziellen Beitrag zur äußeren Sicherheit des Landes geleistet habe.

Diese Behauptung gehört zwar zum Dogmenschatz der Zweiten Republik, ist aber trotzdem frei erfunden. Denn einziger Garant dafür, dass die damalige Sowjetunion nicht so mit Österreich verfahren konnte wie Russland heute mit der Ukraine, war die Nato, die Österreich auch ohne Mitgliedschaft des Landes gegen vorrückende Sowjetpanzer verteidigt hätte. Für Österreich war das jahrzehntelang eine höchst komfortable, wenn auch reichlich halbseidene Situation: Wir konnten die Vorteile der Nato genießen, ohne die Kosten der Mitgliedschaft tragen zu müssen. Sehr österreichisch, das.

Die neue Konfrontation zwischen Russland und den westlichen Demokratien wäre deshalb eine hervorragende Gelegenheit, diese historischen Verbindlichkeiten abzutragen und gleichzeitig Österreichs in den vergangenen Jahren redlich erworbenen Ruf, ein eher unverlässlicher Kantonist mit stark narzisstischer Disposition zu sein, mit einem Schlag zu beseitigen: Indem die Republik endlich der Nato beitritt und damit die Landesverteidigung auf eine seriöse Basis stellte, anstatt sie wie bisher als Teil der Operettenkultur dieses Landes zu verstehen.

Gerade in einem Augenblick, in dem der Westen, geschwächt von der selbst verursachten Finanzkrise, einem der außenpolitisch ungeschicktesten US-Präsidenten der Nachkriegszeit und geschwächt auch von den eigenen Elektoraten, denen vor allem die Vollversorgung mit Krawallfernsehen und Büchsenbier zentrales politisches Anliegen ist – gerade in diesem Augenblick also, in dem der Westen zunehmend von den autoritären Systemen in China und Russland herausgefordert wird, wäre ein Beitritt Österreichs zum westlichen Militärbündnis ein kleines, aber feines Zeichen.

Ein Zeichen dafür nämlich, dass wir uns zu den Werten der westlichen Demokratien bekennen und bereit sind, dieses Bekenntnis auch mit entsprechenden Verpflichtungen zu untermauern – sowie auch die Kosten zu tragen, die damit verbunden sind.

Man muss ja nicht gleich so weit gehen, die zeitweilige Verlegung der Eurofighter-Flotte aus Zeltweg nach Kattowitz zu erwägen und damit den Polen eine kleine Wiedergutmachung dafür anzubieten, dass Österreich während des Freiheitskampfes der polnischen Arbeiter gegen die kommunistischen Unterdrücker in den 1980er-Jahren auf der falschen Seite der Geschichte stand, nämlich der des Regimes.

Im neutralen Schweden ist die sicherheitspolitische Debatte angesichts der als bedrohlich empfundenen Politik Putins bereits im Gang. Zwar schließt die Regierung einen Nato-Beitritt – wie ihn Militärexperten fordern, weil sich Schweden allein höchstens eine Woche gegen einen Angriff aus Russland wehren könne – noch aus. Aber die Stimmung in der Bevölkerung dreht sich: Keinem Verteidigungsbündnis anzugehören, wird von immer mehr Schweden als „unzeitgemäß“ und als Sicherheitsrisiko verstanden. (“Presse”)

59 comments

  1. Mourawetz

    @Manuel Leitgeb, Rennziege, Thomas Holzer

    Na wenns weiter nichts ist, am Geld solls nicht scheitern. Neben besagter Europa-reifen Güssing-Kaserne ist selbiger Zeitung in ihrer Online-Ausgabe zu entnehmen, dass die Hypo Alpe Adria lachhafte 1,43 Mrd bis September benötigt. Diese Summe hat sich im Laufe des heutigen Tages erhöht, aber macht nichts: Was auch immer auf der Endrechnung stehen mag, der österreichische Steuerzahler wird dafür gerade stehen. Da werden sich ja noch ein paar läppische Millionen für ein paar niedliche Pandur-Panzer finden und ein paar Tausender für die entsprechende Führerschein-Ausbildung. Dabei fällt mir ein: warum rettet man nicht DiTech mit ein paar Steuermillionen, den abgezwickten Senkrechtstarter aus Polen? Dessen Rettung wäre schon um ein paar Millionen zu haben, spottbillig, 255 Arbeitsplätze gerettet, ein Schnäppchen im Vergleich zum Millionengrab HAA. Der österreichische Steuerzahler würde sich wohl dafür entscheiden. Aber der, der zahlt, ist bekanntlich ja immer der Letzte, den man fragt.

  2. Manuel Leitgeb

    ad Rennziege
    Auch wenn man de facto einer Meinung ist, mag ich solche Diskussionen, zwecks Erkennen anderer Sichtweisen 🙂 Danke auch für die Blumen, als teils “Betroffener” ist mir das Thema eben wichtig.

    ad world-citizen
    Verzeihen Sie den Ausdruck, aber diese simple Darstellung ist Schwachsinn. Aus mehreren Gründen, aber vor allem zwei:
    1) Die Ausrüstung ist viel zu verschieden. Damit eine Armee schlagkräftig ist, müssen die Soldaten einer Waffengattung zumindest halbwegs die gleiche Ausrüstung haben, davon sind wir weit entfernt (der Eurofighter ist ja ein Versuch in diese Richtung).
    2) Die Hälfte müßte sowieso weggeworfen und durch Neues ersetzt werden, weil einfach viel zu alt. Bestes Beispiel ist eh Österreich: Wenn Sie einem französischen Soldaten sagen er soll sich eines unserer kleinen Standardtruppenfahrzeuge (Puch G oder Pinzgauer) ansehen, wird er sie fragen ob das aus dem Mueseum zum Geschichtsunterricht herangeschafft wurde.

  3. Christian Peter

    Es gibt bessere Ideen für Österreich, als der Nato beizutreten : Übernehmen wir das Schweizer Modell für Frieden, Freiheit, Neutralität und Demokratie und verabschieden wir uns endlich aus der Europäischen Union.

  4. FDominicus

    Es gibt bessere Ideen für Österreich, als der Nato beizutreten : Übernehmen wir das Schweizer Modell für Frieden, Freiheit, Neutralität und Demokratie und verabschieden wir uns endlich aus der Europäischen Union. – See more at: https://www.ortneronline.at/?p=27835#comments

    Und so etwas ähnliches machen wir bitte mit BW. Wird zwar ein wenig bitter für Grün/Rot, aber nun ja umso süßer für nicht grün Rote 😉

  5. Anarchist

    Für mich ist es irrelevant ob Ihr nun von Kommunisten oder Faschisten um die Ecke gebracht werdet.

  6. KFG

    Herr Ortner,

    Sie sind offenbar ein geübter Propagandist in der Verbreitung der “Wahrheit” aus dem Sichtwinkel von USA und Nato.
    Es beginnt gleich mit einer Übertreibung, einer Lüge, einer Unterstellung und einer Unterschlagung (alles in einem Satz!):
    “Angesichts der eskalierenden Konfrontation zwischen Russland und dem Westen über die ungestüme Heimholung der Krim ins Reich des neuen Zaren, ”
    – wissen Sie, was eine “eskalierende Konfrontation” ist?
    – indem Russland zuerst genannt wird behaupten Sie, es hätte diese Konfrontation
    begonnen,
    – die “Heimholung ins Reich” soll Putin in die Nähe Hitlers rücken und ihn als
    Alleinherrscher (Zaren) darstellen,
    – der urdemokratisch stattgefundene, völkerrechtskonforme Wahlakt wird komplett
    ausgeblendet.
    Offernbar sind Sie nicht über den politischen Aufbau der russischen Förderation und die entsprechend geordneten Machtbefugnisse des Präsidenten informiert.

    “Dass allein der Nato-Beitritt den Völkern vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer Schutz vor russischer Bedrohung gebracht hat…”
    Belegen Sie bitte ihre freche Behauptung von einer russischen Bedrohung! Sie stellen hier in unzulässiger Weise eine natlose Verbindung zwischen der Sowjetunion und Russland her, das niemanden bedroht hat.
    Jeder halbwegs aufgewachte Mensch sieht, wer auf eine Eskalation hinarbeitet. Er erkennt den Sinn der amerikanischen “Raketenabwehr” in Verbindung mit der medialen Hetze als Vorbereitung eines Krieges mit Russland (und China).
    In diesen perfiden Plan soll Östereich mit einbezogen werden, wie Sie und Ihresgleichen es gerne hätten: “Die neue Konfrontation zwischen Russland und den westlichen Demokratien wäre deshalb eine hervorragende Gelegenheit…”

    Weiterhin beschreiben Sie dann den dekadenten Zustand der westlichen Demokratien. Den es jetzt zu verteidigen gilt:
    “Gerade in einem Augenblick, in dem der Westen, geschwächt von der selbst verursachten Finanzkrise, einem der außenpolitisch ungeschicktesten US-Präsidenten der Nachkriegszeit und geschwächt auch von den eigenen Elektoraten, denen vor allem die Vollversorgung mit Krawallfernsehen und Büchsenbier zentrales politisches Anliegen ist-“.
    Ja auch Sie haben, wie ich dem Stil Ihres Artikels entnehme, zur Verblödung der Masse beigetragen.
    Es hat in Österreich und anderswo sicher niemand etwas dagegen, wenn Sie sich persönlich in die Nato-Armee eingliedern und vom Schreibtischtäter zur Realität aufsteigen würden, doch verschonen Sie Ihre Landsleute mit Ihrer Kriegslüsternheit.
    Kriegshetzer zuerst an die Front!
    Für Österreich jedenfalls sind Sie eine ausgemachte Schande!
    Guten Tag!

  7. Weninger

    @KFG
    Dann war der Anschluss Österreichs wohl auch “urdemokratisch”, oder?

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