Warum Putin so faszinierend ist

“….Mit Putin geht es vielen Deutschen wie mit den Russen auf dem Kudamm: Man lächelt über den Männlichkeitskult und das Blingbling, aber in dem Spott verbirgt sich auch Bewunderung für eine Art zu leben, die man sich selber nicht mehr traut….” (Witzige Analyse in SpOn)

12 comments

  1. Erich Bauer

    Und schon wieder diese ASTRO-TYPOLOGIE. Diesmal über die Leser…

    Von welchem “Stern” ist der denn geleitet?

    “Der CDU-Wirtschaftsrat wirft der Europäischen Union in der Ukraine-Krise schweres Fehlverhalten gegenüber Russland vor und fordert Gespräche mit Moskau über die Sanierung der ukrainischen Staatsfinanzen. Verbandspräsident Kurt Lauk sagt: „Die russische Politik war in den letzten 25 Jahren sehr klar, was die Ausweitung der EU und NATO betrifft. Moskau hat zu Polen, Ungarn und sogar den Balten gesagt: Okay, aber bitte nicht weiter. Bei der Entwicklung in der Ukraine wurde das missachtet.” Lauk betonte: „Man hätte mit Russland reden müssen.” Nun gehe es darum, Gesprächsfäden nach Moskau zu knüpfen und zu halten. Angesichts des drohenden Staatsbankrotts der Ukraine fordert er außerdem einen gemeinsamen Vorschlag von EU und Russland zur Sanierung der Finanzen. Er warnte: „Es kann schwer sein, dass der Internationale Währungsfonds den bankrotten Staat mit unseren Steuergeldern unterstützt und die neue Regierung in Kiew das Geld sofort an Putin für Gaslieferungen überweist.” Es müsse klar sein, dass Russland ein wichtiger Handelspartner sei. 2012 hätten die 30 deutschen Dax-Unternehmen dort 22 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet und 48 000 Mitarbeiter beschäftigt. (ukraine news)

    Die letzten Wochen am Bauch liegend vor Obama… und jetzt – ohne sich auch nur kurz aufrichtend – sofort am Bauche weiterkriechend… zu Putin. 🙂

  2. gms

    Jan Fleischhauer: “So stellt sich am Ende die einfache Frage, was man bevorzugt: ein Leben unter russischer oder amerikanischer Protektion”

    Tatsächlich? Weshalb schrieb er nicht, man stünde vor der Wahl zwischen einem chinesischen Protektorat und jenem von Brasilien? Diese Frage wäre nicht minder einfach, zugleich aber ebenso abrundtief bescheuert. Allenfalls lobotomierte Hamster schlucken heute noch solche TINA-Köder (There Is No Alternative).

    Vergangenen Mittwoch mußte sogar Jean Asselborn in der ARD zur Primetime kleinlaut einräumen, es sei ein Fehler gewesen, im vergangen Herbst die Ukraine vor die Wahl zu stellen, entweder mit der EU zu assoziieren, oder mit der russischen Zone. Eine wirtschaftliche Annäherung der Ukraine an _beide_ Blöcke? — No fucking way! – Gezeichnet, Ihre EU-Nomenklatura.
    Daß zugleich dieses Abkommen mit der EU einen militärischen Beigeschmack hatte, sickert auch erst nach und nach in das Wissen der breiten Öffentlichkeit ein. Eine Abgesandte der Prantl-Prawda, aus deren Feder unzählige Putin-gleich-Kriegstreiber-Pamphlete stammten, suchte ihr Heil in derselben Sendung in endlosen Mäandersätzen der Preisklasse, es sei im Nachhinein (“ex post”) immer leicht, die Fehler zu erkennen, aber irgendwie und allgemein und aber dennoch, bla bla fasel.

    Auch muß man Asselborn schon im höchtsten Maß dankbar sein, auch die Vorbildwirkung der Krim auf abspaltungswillige Ethnien in Spanien und sonstwo in der EU zu thematisieren. Tell news!

    Ebenso spricht sich langsam rum, wonach (siehe ZDF “Monitor”) auf dem Maidan Anti-Lukaschenkow-Demonstanten von hinten von eigenen Leuten erschossen wurden, und die diesbezüglichen Ermittlungen der sog. Übergangsregierung mit sofortigen anderslautenden Ergebnissen reine propandistische Willkür ohne jede Basis waren. Zu den Truppenbewegungen in Russland und den flankierenden markigen Sprüchen des Nato-Generalsekretärs gab es zeitgleich weitere westliche Putin-Gegner, die statt dessen den Truppenrückzug bestätigten und dies als Zeichen der Wirksamkeit der Sanktionen verkauften. Nachdem diverse Satelitenfotos mit grenznahen russischen Truppen sich als Fälschungen herausstellten, wurde es in den Medien schlagartig still diesbezüglich. Schuß – Ofen – Ende.

    Die Absetzung der vormaligen Regierung im Parlament Kiews verfehlte die nötige Mehrheit von 75% knapp, wurde aber dennoch angenommen. Wer wollte da schon päpstlicher sein als der Papst, nicht wahr?
    Im Osten der Ukraine verbarikadiert sich heute vorgeblich der russische Mob, damals am Maidan aber waren einzig unschuldige und von jeder äußeren Einflußnahme unabhängige Engel tätig. Es bedarf keines einschlägigen Studiums mehr zum Behirnen wonach das Völkerrecht in sich widersprüchlich ist, und zugleich der sog. Westen sich nach Belieben auf den einen oder den anderen einander ausschließenden Aspekt kapriziert. Im Klartext: “Es sind beschissene und unsinnige Regeln, aber es sind unsere, und wir bestimmen über deren Auslegung.” – Bekannte Analogien mit “Bastards” sollte jeder selbst finden können.

    Liebe Putin-Verdreher: Eure abschließende Küchentischpsychologisierung ist bei Tageslicht bloß noch der Abgesang eines Comical-Ali’s. Laßt eure hilflose Inkontinenz gerne noch ein paar Tage lang weitertropfen, denn das Ausmaß der Verachtung, die euch für dieses Treiben entgegenschlägt, wird deshalb auch nicht mehr größer. Damit die nächste Propagandaschlacht nicht ebenso in die Hose geht: Die Kontrolle des Internets muß lückenlos sein! Wenn ihr vorne A sagt, während hinten Z durch’s Bild läuft, dann habt ihr diesbezüglich versagt. Also — macht es das nächste Mal besser, dann schluckt man wahrscheinlich auch wieder euren oben d’rauf gepappten “faszinierend”-Fraß.

  3. Mona Rieboldt

    Der Westen, edel, hilfreich und gut, will doch nur Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit den total von Russland (heute Putin genannt) unterdrückten Menschen in der Ukraine bringen. Und wer das nicht glauben will, ist ein autoritärer Deutscher und rechts.

    Und wer konnte denn im Westen ahnen, dass die russische Mehrheit auf der Krim zu Russland wollte, daher ist das Referendum auch nicht rechtens. Wäre das Referendum zugunsten des Westens ausgefallen, wäre das Referendum völlig in Ordnung gewesen.
    Und nun wollen auch die russisch sprechenden Menschen in der Ost-Ukraine ebenfalls zu Russland, da droht man mit der Nato.
    In der Ukraine hat der Westen gezündelt und nun zerfällt sie.

  4. Erich Bauer

    Mit der „Berichterstattung“ der letzten Wochen haben sich die Mainstream-Medien höchstselbst aus dem „Bewerb“ genommen. Insbesondere die „Qualitätsmedien“. Sogar die FAZ ließ sich zu einem Leser-Bashing hinreißen, welches in seiner Absurdität tatsächlich an atemlose, zugedröhnte Foren-Trolle erinnert. Letzte Woche war es Hans Ulrich Gumprecht, der die „Russland-Versteher“ als „Morast“ beschimpfte und kollektiv zum Psychiater schicken wollte… Eine Maßnahme, die in der Ex-Sowjetunion offiziell und gar nicht heimlich angewandt wurde.

    Die ARD hat mit einem locker-flockigen Praktikanten-Clip auf ihrem Youtube-Kanal auch einen Versuch gestartet („Ukraine: Verschwörungsvideos in den sozialen Netzwerken“) und hat schon nach kürzester Zeit und über 750 wütenden Kommentaren die Kommentarfunktion abgeschaltet. Mit stolzgeschwellter Brust wurde verkündet, dass bis jetzt 66 wahrheitsliebende ARD-Mitarbeiter den Daumen hoch und über 4.250 „dreckige russische Agenten“ den Daumen runter gedrückt haben. Ja, was soll man dazu sagen? Die Versuche der Meinungslenkung und auch die tapfere Realitätsverleugnung vieler Journalisten in Westeuropa, nehmen mittlerweile ziemlich skurrile und bizarre Züge an.

    Die Alpha-Journaille scheint zu spüren, dass in den letzten Wochen etwas passiert ist das sie existentiell bedroht. Nicht anders lassen sich derartige „intellektuelle“ Entleibungen erklären.

    In der subventionierten Traumwelt der „Opinion-Leader“ ist man immer von der „Bewusstlosigkeit“ der Leser ausgegangen. Welch ein Irrtum. Die „Bewusstlosen“ werden immer weniger. Und der bewusstlose Mainstream-Schrott erweist sich als unverkäuflich – in jedem Sinne.

    Der Standard schicht seine Mitarbeiter vertrauensvoll in die Hände der fEU-Foren-Maulwürfe… 🙂 Dort werden sie wahrscheinlich die schlimmsten Erfahrungen ihres Lebens machen müssen… :-)))

  5. gms

    Mona Rieboldt,

    “In der Ukraine hat der Westen gezündelt und nun zerfällt sie.”

    Ja, eh. Was kümmert aber etwa die “Süddeutsche” ihr vor Jahren selbst Veröffentlichtes [1], wenn heute “Putin = Brandstifter!”- und “Annexion!”-Hysterie besser ins Konzept paßt?

    So konnte man etwa vor Jahren in der SZ lesen – von wegen Drama des Zusammenbruchs der UDSSR – ein Sager, der Putin in den vergangenen Wochen bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit mit dem entsprechenden Spin umgehängt wurde: “Die Wahrheit ist, dass Russland nach dem Zusammenbruch der UdSSR den direkten Zugang zu seinen größten Exportmärkten verloren hatte.” — Das klingt anders, als der heutzutage Rußland angedichtete neoimperalistische Phantomschmerz.

    2001 sprach Putin im deutschen Bundestag. Sehenswert! Neun Jahre später erneuerte er seinen Appell der vertieften Zusammenheit zwischen der EU und Russland [1]. Lesenswert!

    Dort heißt es u.a. auch: “Die Annäherung zwischen Russland und der EU kann unmöglich gegen jemanden gerichtet sein und verlangt keinerlei Abschwächung der Beziehungen zu traditionellen Partnern und Verbündeten. Die erneuerten Prinzipien unseres Zusammenwirkens könnten wir im Grundlagenabkommen zwischen Russland und der EU verankern, an welchem jetzt gearbeitet wird. Dieses Vertragswerk ist mit einem strategischen Ansatz anzugehen. Wir sollten es versuchen, 20 bis 30 Jahre, ja 50 Jahre vorauszudenken.”

    So, und nun die Frage in die Runde? — Was hat die EU daraus gemacht?

    Torpediert hatten oben genanntes Grundlagenabkommen in der Vergangheit zumeist Polen und Litauen — just jene Länder, die in den jüngsten Tagen einen russischen Einmarsch auf ihr Staatsgebiet herbeiphantasierten und damit die Nato aufhusteten (oder auch umgekehrt). Soviel zum Thema Phantomschmerz. Vladimir Yakunin bemerkt hierzu nüchtern [2]: “Ohne Ende werden die Völker der Russischen Föderation zur Reue für die Fehler der sowjetischen Vergangenheit aufgerufen.”

    [1] 25. November 2010 13:36 Putin: Plädoyer für Wirtschaftsgemeinschaft Von Lissabon bis Wladiwostok
    sueddeutsche.de/wirtschaft/putin-plaedoyer-fuer-wirtschaftsgemeinschaft-von-lissabon-bis-wladiwostok-1.1027908
    [2] wpfdc.org/blog/economics/18804-von-lissabon-bis-wladiwostok

  6. Thomas Holzer

    @ Mona Rieboldt
    Sie haben vergessen zu erwähnen, daß die EU die! Heilslehre Demokratie jedem Volk aufs Auge drücken will, frei nach dem Motto: “Und sind sie nicht willig, so brauchen wir Gewalt(sprich Sanktionen) Wo kämen wir denn hin, wenn es auf diesem Planeten auch nur noch ein Land gibt, welches nicht demokratisch vergammelt……….

  7. perry

    @world-citizen

    der westentaschen-stalin hats möglich gemacht: zum ersten mal kann ich einen kommentar von ihnen goutieren! die restlichen kommentare, die mit liberalität aber schon gar nichts zu tun haben, sind einfach nur zum kotzen!

  8. Reinhard

    In den Redaktionsstuben sämtlicher Coleur, da geben sich die Ideologien ja die Klinke, gibt es ein neues Hobby: psychologische Ferndiagnose all jener (da es ja scheinbar mehr sind, als den Obertanen lieb sein kann), die die Kriegspropaganda nicht mittrompeten und das Versagen des Westens und den plumpen “Einig sind wir stark gegen den brutalen Imperator!”-Wahlkampf der abwrackenden Feudalelite aus den dritten reihen der regionalen Parteihäuser am Brüsseler Kaiserhof anprangern.
    Seltsamerweise kommen sämtliche Hobbygehirngärtner zum gleichen zufällig auch vom Presseförderungsverteiler erwünschten Ergebnis, nämlich: Wer unseren Sulf nicht wortgetreu wiederkäut, ist fasziniert von radikalen Führerfiguren und eigentlich (na was wohl? Keule raus, und—) NAZI!
    Bei aller Wertschätzung für Herrn Fleischhauer, aber hier reiht er sich in eine Phalanx aus Propagandaschreiberlingen und nutzt die Gunste der Stunde, sich durch pseudopsychologischen Schwachsinn bei den Machthabern einzuschleimen. Ob er es nötig hat?

  9. Christian Weiss

    Wie richtig Fleischhauer doch liegt. Die Reaktionen beweisen es. Dazu gesellt sich bei den Putin-Verstehern noch ein grosse Portion Antiamerikanismus.

  10. gms

    Christian Weiss,

    “Wie richtig Fleischhauer doch liegt. Die Reaktionen beweisen es.”

    Aber sicher doch. Die Reaktionen beweisen auch, daß der Osterhase lebt, und dieser mit einem rotnasigen Rentier ein sexuelles Verhältnis hat, aus dem bislang sieben Zwerge hervorgingen.

    “Dazu gesellt sich bei den Putin-Verstehern noch ein grosse Portion Antiamerikanismus.”

    Früher mußten zur flächendeckenden Verbreitung solcher argumentfreien Zeilen noch Bäume d’ran glauben, heute kann jeder Hinterher-Denker ein paar Elektronen hierfür mißbrauchen. Keyboards sind ja geduldigt, und solangen nicht wirklich jeder alles wiederholt hat, was jemand davor schon abgekupfert hat, dreht die Orgel sich weiter.

    Damit die Zwerge heute nicht hungern müssen: Der perfideste Antiamerikanist war dann wohl Kissinger, nicht wahr? Daß Staaten weniger Freunde haben, als viel mehr Interessen, ist weder neu noch amoralisch. US-amerikanische Verdienste und Errungenschaften, der Can-Do-Spirit und die Betonung der Eigenverantwortlichkeit, etc., all dies ist respektabel. Lächerlich aber ist das moralische Verbrämen von Interessen im Anlaßfall, sowie die hierfür verwendeten Mittel. Einzig das wurde gewogen und nach westlichen Maßstäben als gravierend zu leicht erkannt.

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