Warum quält die Regierung die Gastronomen so?

Von | 6. November 2020

(ANDREAS TÖGEL) Vielen Unternehmern, besonders solchen, die im Gastgewerbe und in der Hotellerie tätig sind, geht es derzeit wie gesetzestreuen Waffenbesitzern seit vielen Jahren: Sie können noch so brav jedem Bocksprung der Behörden folgen, jede Mange Kosten und Mühen auf sich nehmen (z. B. für die immer strenger regulierte Registrierung und Verwahrung ihres Eigentums) – am Ende sind sie aber doch die Dummen. Eine neue Richtlinie aus Brüssel, ein dadurch motivierter Federstrich des Ministers – und sie sind entrechtet und enteignet.

So haben etwa Gastwirte und Betreiber von Beherbergungsbetrieben unter dem Eindruck der von der WHO ausgerufenen Pandemie die Auslastung ihrer Etablissements drastisch reduziert, für große Abstände zwischen den Tischen gesorgt, Desinfektionsmittel bereitgestellt und den – selbstverständlich unbezahlten – Aufwand der Kundenregistrierung auf sich genommen, um nun zum Dank von der Regierung erneut zum Zusperren gezwungen zu werden.

Für die Betreiber von Fitnessstudios gilt Ähnliches: Auch sie haben rigoros auf die Zahl der Trainierenden geachtet, ausreichende Abstände zwischen den Trainingsgeräten sichergesellt und die Einhaltung der Maskenpflicht gewissenhaft überwacht – gleichfalls vergebens. Und das, obwohl es keine einzige Meldung über Infektionscluster in derartigen Betrieben gibt. Die bislang vorliegenden Daten besagen, dass in den Hotels und in den Fitnessstudios – anders als bei feuchtfröhlichen privaten Feten – nur ein sehr geringes Ansteckungsrisiko besteht. Es mutet daher an wie blanker Hohn, wenn ausgerechnet diesen Unternehmen nun zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres die wirtschaftliche Basis entzogen wird. Für Unternehmensberater, Schausteller, Künstler und viele andere Berufsgruppen gilt übrigens nichts anderes.

Die Philosophin und Bestsellerautorin Ayn Rand hat schon vor Jahrzehnten die haarsträubende gesellschaftliche Schieflage kritisiert, die eintritt, wenn Nichtproduzenten darüber zu befinden haben, ob Produzenten etwas produzieren dürfen oder nicht. Ist es daher nicht blanke Ironie, dass es ausgerechnet die Berufsgruppen, die von den Lockdowns wirtschaftlich nicht betroffen sind – nämlich Politiker und Staatsbedienstete  – in der Hand haben, den Ruin vieler anderer herbeizuschreiben oder zu dekretieren? Um zu erkennen, dass auch ihr Einkommen von einer erfolgreichen, privatwirtschaftlich organisierten Güter- und Dienstleistungsproduktion abhängt, mussten diese Damen und Herren allerdings mit der Gabe gesegnet sein, über den Tellerrand hinausblicken zu können. Das ist bedauerlicherweise nicht der Fall.

Der Umstand, dass viele Staaten der Dritten Welt – namentlich solche in Afrika – wirtschaftlich so außerordentlich mies dastehen, ist vor allem dem dort herrschenden Mangel an Rechtssicherheit geschuldet. Denn erfolgreiche unternehmerische Tätigkeit setzt Rechts- und Planungssicherheit voraus. Wie aber sollen Gastwirte, Hoteliers oder andere Unternehmer sinnvoll planen und wirtschaften, wenn sie sich heute nicht darauf verlassen können, dass die Gesetzeslage in zwei, drei Monaten oder in einem halben Jahr nicht völlig anders aussehen wird? Wird die Regierung, wenn ihr danach ist oder dubiose „Experten“ es ihr einreden, nach dem zweiten auch einen dritten und einen vierten Lockdown verfügen? Und kann jemand allen Ernstes glauben, dass es unter derartigen Umständen möglich sein wird, mit Aussicht auf Erfolg Unternehmen zu gründen oder zu führen?

Nicht, dass man die Gefährlichkeit der Covid-19-Pandemie bagatellisieren sollte. Aber man sollte die Proportionen nicht aus den Augen verlieren: Es handelt sich nämlich weder um die Pest, noch um Ebola (mit Todeswahrscheinlichkeiten von bis zu 90 Prozent). Panik ist also nicht angezeigt.

Diejenigen, die so lautstark und unerbittlich auf der Rettung jedes einzelnen Menschenlebens bestehen, sollen gefälligst auch dazusagen, mit welchem Geld sie das zu bewerkstelligen gedenken, wenn demnächst auf breiter Front die Steuerzahler infolge von Masseninsolvenzen ausfallen. Leben ist eben lebensgefährlich und die Welt ist kein Ponyhof. Auch wenn die Frage noch so grausam klingt, so ist sie doch zu stellen: Rechtfertigt es die Rettung einiger Tausender, durch wiederholtes Niederfahren der Betriebe den herrschenden Wohlstand nachhaltig zu beschädigen und damit schwere, möglicherweise auch gewaltsam verlaufende Verteilungskämpfe heraufzubeschwören?

Die Politik übt sich in Zweckoptimismus. Das Gelaber über einen „demnächst verfügbaren Impfstoff“ hat den Charakter des sprichwörtlichen Pfeifens im Wald: Es soll die Angst vertreiben und Mut machen. Gegen allenfalls dräuende Gefahren wappnen kann es indes nicht. Einen sicheren, in ausreichender Menge zur Verfügung stehenden Impfstoff wird es so bald nämlich nicht geben, falls die Pharmaindustrie nicht in ein Minenfeld zu laufen beabsichtigt. Und selbst wenn sie sich auf ein Hasardspiel einlassen und in Rekordzeit ein Wunderpräparat aus dem Hut zaubern sollte, ist noch lange nicht gesagt, dass die Menschen sich freiwillig dem Risiko aussetzen werden, sich mit einem Medikament behandeln zu lassen, dessen Risiken und Nebenwirkungen nicht genügend evaluiert sind.

In meinem Umfeld findet sich jedenfalls keiner, der derart tollkühn wäre.

Fazit: Wir werden, vielleicht sogar noch auf Jahre hinaus, mit dem Virus leben müssen. Auch die Wirtschaft. Die Betriebe brauchen – mit oder ohne Impfstoff – Rechts- und Planungssicherheit. Die derzeit herrschende, prekäre Situation mit einer völlig ungewissen künftigen Rechtslage, wird einerseits den weltweit tätigen Umsatzriesen wie Amazon zu einem weiteren Höhenflug verhelfen. Allerdings wird sie andererseits Tausenden Mittelstandsbetrieben den Garaus machen. Weil die aber den Großteil der Arbeitsplätze bieten, kann und darf das der herrschenden Klasse nicht egal sein.

7 Gedanken zu „Warum quält die Regierung die Gastronomen so?

  1. Johannes

    Wenn man immer wieder predigt welche Verhaltensweisen einzuhalten sind zB im Lebensmittelhandel und dann der Gastronomie nicht die selbe Möglichkeit gibt unter diesen Auflagen zu arbeiten scheint es ungerecht zu sein.

    Dabei wäre es gerade im November sowieso ruhiger, daher eine gute Gelegenheit es auch zu probieren.

    Wie man gesehen hat sind, besonders vor einem angekündigten Lockdowne, erst recht viele unterwegs. Jeder möchte noch schnell die Gunst der Stunde nutzen. Die Zahlen stiegen prompt proportional mit dieser Einstellung.

    Ich denke man konnte sehen das sehr viele nicht selbständig denken. Wenn es erlaubt ist geht man in übervollen Lokale obwohl man weiß das es der Verbreitung von covid 19 und der eigenen Infektion Vorschub leistet.
    Wenn es verboten wird nimmt man es zur Kenntnis und hält sich daran.
    Ein guter Mittelweg sowohl von der Politik als auch von den Menschen wäre notwendig. Vielleicht versagt hier der Bildungsauftrag des ORF. Man hat ja besseres zu tun, etwa über die Zahlen in den USA, nach meiner Meinung, pseudowissenschaftliche Abhandlungen zu präsentieren.

  2. CE___

    Der Hinweis auf Ayn Rand ist kongenial, Herr Tögel.

    Wie viele Wochen trage ich schon haargenau denselben Gedanken mit mir herum.

    Die heutige Situation in ganz Europa, Nordamerika, Ozeanien, etc. mit diesen Lockdowns ist wie aus dem Roman “Atlas Shrugged” entlehnt.

    Das einzige was (nur noch) fehlt ist die Reaktion der Unternehmer und auch Arbeiter/Angestellten darauf.

    Und es zeigt sich auf die Eigenschaft von Unternehmern wie in “Atlas Shrugged” beschrieben, man gibt nicht auf, und auch wenn einem Bonzen, Bürokraten und Apparatschiks noch so starke Orkan-Böen in das Gesicht blasen, man schnauft weiter wie ein Schlachtschiff.

    Nur: Für was?

    Ja für was eigentlich? Für was kämpft man (weiter)?

    Eigentlich eh’ nur für die eigene Eitelkeit und Stolz.

    Ist doch so nur mehr, oder?

    Noch was zu tun befiehlt die Eitelkeit – ein legendärer Song-Textbaustein von S.T.S.

    Eigentlich müssten die von den Lockdowns betroffenen Unternehmer und Macher, auch als Arbeiter und Angestellte, egal wo in Europa, alles hinschmeißen, rufen “macht’ Euch Euren Schees doch all’eene”, und die Füße in den weißen Sand stecken mit einer Bottle Rotwein in der Hand.

  3. GeBa

    Warum geht die Gastronomie nicht auf die Barrikaden?
    Wo ist deren Standesvertretung?
    Wo man hinschaut gibt es nur mehr feige A…löcher

  4. Gerhi09

    Es tut gut, in Zeiten wie dieseneinen vernünftigen Beitrag zu lesen. Danke, Herr Tögel. Leider sind Menschen mit wirtschaftlichem Wissen und Hausvertsand – wie Sie einer sind – eine aussterbende Spezies.
    Gott schütze Österreich!

  5. Falke

    Wie Herr Tögel richtig sagt, sind weder Gastronomiebetriebe, noch Hotels, noch Fitnessstudios, noch Sportvereine, noch Theater Verbreiter von Infektionen; es gab in diesen Bereichen noch keinen einzigen Cluster. Abgesehen davon, dass es daher völlig absurd ist, gerade diese Betriebe zu sperren, muss man sich fragen, wie sich die Regierung vorstellt, damit eine Reduktion der Infektionen zu erreichen. Wenn von dort Null Infektionen kommen – also weniger als Null? 🙂

  6. sokrates9

    Man fährt die Angst und Schreckensschiene;, das beschert der Regierung (noch) hervorragende Beliebtheitswerte. Ob tausende Klein und Mittelunternehmer vor die Hunde gehen ist doch den Bürokraten völlig egal.An einer effizienten Analyse wo Cluster sind , wie man Infektionen vermeiden kann, wo wird nach Wahrscheinlichkeiten einer Ansteckungsgefahr sein, wo nicht , das um für alle eine optimale Seuchenbekämpfung zu erreichen – Fehlanzeige.Es herrscht totale Ignoranz – facts and figures sind intellektuell zu hoch. Fußballstadien wo leicht der zehnfache 15 Meter Abstand sein könnte werden auf 1000 beschränkt- reine Willkür,Wirte werden sekkiert, trotz großer Investitionen begonnen von Heizschwammerln , Plexiglas, Masken..es müssen alle schließen Kunst und Kultur wird auf Null reduziert.Cluster von unseren Schutzsuchenden gibt es nicht türkische Hochzeiten usw dürfen nicht erwähnt werden.Die WHO wird jetzt da Sie von Grippeähnlicher Mortalität spricht, das wird ignoriert, panikartig beachtet man die Infektionen. In der Grippe vor 3 Jahren sind ca 4500 Menschen gestorben, im Umkehrschluss bei Letalität von 2% heißt das dass in Österreich es mindesten 900,000! Infizierte gegeben hat. Das hat niemand interessiert!

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