Warum sich Putin wirklich gewandelt hat

“….Die Gründe für Moskaus aggressiven Revisionismus liegen in den Auswirkungen der Finanzkrise von 2007 und 2008 auf die Weltpolitik….” (hier)

9 comments

  1. Rennziege

    Harold James möge verzeihen. Er berücksichtigt nicht, dass die Finanzkrise des Westens von 2007/08 ein bitteres Äquivalent im Russland von heute hat: Die weltweite Talfahrt so gut wie aller Rohstoffpreise trifft ein schwach industrialisiertes Land, das primär vom Verkauf seiner Bodenschätze lebt, besonders hart.
    Putin weiß, dass dem russischen Bären die Klauen und Zähne gezogen wurden, so unverhofft wie gegenwärtig unabänderlich. Die nähere Zukunft wird uns einen ziemlich zahmen Владимир Владимирович Путин bescheren, der außer provokanter Rhetorik keine Pfeile mehr im Köcher hat. Die marode Wirtschaft und die knurrenden Mägen der Russischen Föderation werden seine ganze Aufmerksamkeit brauchen.

  2. Ähm

    “Putinversteher”, allein mit diesem Wort weiß der Leser, wohin der Artikel gehen wird und tatsächlich, nichts als leere Worthülsen und argumentfreie Zone. Da wird folgender Schwachsinn fabriziert:

    “Doch in Wahrheit hat der Westen nie versprochen, die Nato nicht zu erweitern. Tatsächlich präsentierten die USA im Frühjahr 1990 das starke Argument, dass ein wiedervereinigtes Deutschland nicht Teil zweier unterschiedlicher Sicherheitssysteme sein könne.”

    Eine Aussage, die nichts anderes bedeutet, als dass Deutschland nun dem Westen anheim gefallen ist, soll also Argument dafür sein, dass es dieses Versprechen nie gab? Nur weil der “Russ” nicht sofort den Krieg erklärte ob dieser Frevelei?! Mr. James hat wohl einen im Tee gehabt, als er dies verfasste.

    Oder doch nicht?
    Sehr interessant zu Mr. James zu bemerken ist nämlich, dass er anno 2012 folgendes Buch schrieb:
    Making the European Monetary Union. Harvard University Press, Cambridge (Massachusetts), USA 2012, ISBN 978-0-674066830.
    Wissen Sie, wer das Vorwort zu diesem Buch schrieb? Mario Draghi!

    Nun sind ja Argumente ad hominem nicht gerade edel, aber erstens gibt es seitens Mr. James’ nicht wirklich sachliche Argumente, die man entkräften könnte und zweitens ist es schon bemerkenswert, dass als Wortführer gegen Putin Männer zum Zug kommen, die uns so richtig in die Schei*e reiten wollen.
    Wen ruft Herr Ortner als Nächsten auf, um gegen die Putinversteher zu “argumentieren”? Jose Manuel Durao Barroso? Jean Claude Juncker? Mario Draghi himself?

  3. Enpi

    @Rennziege
    im Prinzip wäre ihr geschildertes Szenario ein optimales für den Westen und es wird wahrscheinlich auch so in den westlichen Staatskanzleien gehandelt. Es könnte aber auch ein gefährlicher Trugschluß sein.

    Was die Propagierer des Szenarios nämlich vergessen ist der Umstand, daß ein Land selbst mit einer maroden Wirtschaft durchaus noch in der Lage ist, ja sogar verpflichtet ist, sich auf seine Stärken zu besinnen. Diese wären im Falle Rußlands sein hochgerüstetes Militär. Kurzfristig sind uns derzeit laut Experten die russischen konventionellen (also nicht-nuklearen) Streitkräfte überlegen. Ein russischer Angriff, ist daher nicht unbedingt vom Tisch, nur weil Rußlands Wirtschaft am Boden liegt, oder weil die westlichen Staatslenker, die fast alle im Frieden aufwuchesen, sich dieses Szenario nicht vorstellen können. Im Gegenteil, der Umstand des ökonomischen Niedergangs könnte sogar der letztendliche Auslöser für diesen Supergau sein.

    Natürlich weiß Rußland, daß es trotz momentaner militärischer Überlegenheit gegen ein Staatenbündnis mit dem 25 fachen BIP des eigenen nicht auf Dauer gewinnen kann, allerdings könnte es auf Gebietsgewinne, sagen wir bis Polen oder Rhein, spekulieren, um nach ein paar Kriegsmonaten, auf den grundsätzlichen westlichen Pazifismus zählend, einen günstigen Waffenstillstand, auszuhandeln.

    Leider ist das militärische Sachwissen bei den politischen und wirtschaftlichen Entscheidern des Westens zu schwach ausgeprägt, um sich solch ein Szenario auch nur ansatzweise denken zu können. Ich bin mir jedoch sicher, daß dies in Rußland anders ist.

  4. Rennziege

    3. Januar 2015 – 11:51 Enpi
    Da haben Sie aber eine hübsche Räuberpistole aus dem Halfter gezogen, wenn auch nur mit geopolitischen Platzpatronen geladen.
    Selbst wenn man die konventionell-militärischen Parameter Europas für entscheidend hält, als da sind:
    (a) flächendeckend kaputtgesparte Armeen,
    (b) Rekruten, die 10 Klimmzüge nur mit Hilfe eines Gabelstaplers bewältigen,
    (c) rollendes und fliegendes Material maximal zu 50% einsatzbereit, längst kannibalisiert wegen mangelnder Ersatzteile,
    (d) Aufrechterhaltung der “Friedensidee” um jeden Preis …

    … wird W.W. Putin nicht so idiotisch sein, Mitteleuropa (zwecks “Gebietsgewinnen”, wie Sie sagen) anzugreifen, auf welche Art auch immer. Denn es ist der Westen, der Russland weit bereitwilliger aus der wirtschaftlichen und sozialen Patsche helfen wird als China, Nordkorea oder Kuba. Warum wohl?
    Schon Gorbatschow, Honecker et al. wurden vom Westen durch großzügige Finanzspritzen gerettet, als dem Ostblock unweigerlich die Puste ausging.
    Putins Russland aber, 25 Jahre nach Perestrojka und Glasnost immer noch gebeutelt und schwankend, braucht Europa. Und Europa braucht Russland, um — trotz der Ehe mit den USA und der fortschreitenden Islamisierung — Reste seiner Identität zu bewahren.

  5. Der Realist

    wir könnten froh sein, würden sich auch unsere Politiker manchmal wandeln. Russland wird auch ohne den Rest der Welt überleben, nur Europa ohne Russland tut sich da bestimmt schwerer, und wenn es nur gilt, uns wieder einmal zu befreien.

  6. Mourawetz

    …sehr guter Essay, gibt Einblicke in das eiskalte Machtkalkül des moderennen Rasputins! dank an Christian Ortner!
    Natürlich muss man den Essay zu Ende lesen. Leider haben die Putin-Versteher die Zeit offenbar lieber dafür genutzt, um im Internet etwas aufzugabeln, das den Autor diskreditieren könnte. Schade, Schade.

    “Doch in Wahrheit hat der Westen nie versprochen, die Nato nicht zu erweitern. Tatsächlich präsentierten die USA im Frühjahr 1990 das starke Argument, dass ein wiedervereinigtes Deutschland nicht Teil zweier unterschiedlicher Sicherheitssysteme sein könne.

    Grundlegender ist, dass Russland in den Neunzigerjahren wenig Sorge über die Erweiterung der europäischen Wirtschafts- und Sicherheitsstrukturen in die früheren Satellitenstaaten der Sowjetunion in Mittel- und Osteuropa oder selbst in die gerade unabhängig gewordenen früheren Sowjetrepubliken erkennen liess. Hätte es das getan, so hätte der Kreml vermutlich keine zwei Jahrzehnte gebraucht, um zurückzuschlagen.”

    Manchmal hilft einfach weiterlesen!

  7. Rennziege

    3. Januar 2015 – 20:18 Mourawetz
    Witzbold! Der Autor (nicht Christian Ortner, sondern Harold James) diskreditiert sich selbst. So gesehen hätten Sie weiterlesen müssen, Onkel. Und soweit Ihre Kritik mich betreffen sollte: Ich habe partout nichts im Internet oder sonst wo “aufgegabelt”, sondern Geschichte und Gegenwart mit Hilfe meiner grauen Zellen in Einklang gebracht.

  8. Ähm

    @ Weiterlesen hilft

    Ich habe weitergelesen danke. Das Problem ist nur, dass der Autor mit dem zweiten Absatz dem ersten argumentativ den Zahn zieht, also habe ich darüber hinweggesehen. Nimmt man aber wirklich den ganzen Text, bleibt, wie ich sagte, argumentatives Niemandsland.

  9. Mourawetz

    @Rennziege

    (halb)witzig ist nur,dass Sie wieder mal nur mit Verbalinjurien um sich werfen können. Dabei sind Sie nicht mal gemeint gewesen. Wie jämmerlich Sie doch sind.

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