Warum uns die Arbeit nie ausgehen wird

(CHRISTIAN ORTNER)Es ist eine der ältesten Utopien der Menschheit überhaupt: eines Tages in einer Welt zu leben, in der die Menschen von anstrengender körperlicher Arbeit völlig befreit sind, weil Roboter und Automaten die Produktion fast aller Güter übernommen haben. Doch je näher diese Utopie kommt – und sie ist schon sehr, sehr nahe -, umso mehr Menschen fürchten sich plötzlich vor dem, was tausende Generationen vor ihnen herbeigesehnt haben.

In immer kürzeren Abständen warnen Kulturpessimisten davor, dass uns einfach die Arbeit ausginge, weil Maschinen sie erledigen, Massenarbeitslosigkeit im Gefolge. “Die triste Zukunft der Arbeit” malte etwa jüngst bedrohlich das Magazin “profil” an die Wand. Der Roboter ersetze demnach den Fließbandarbeiter, die Drohne den Postboten, das selbstfahrende Auto den Taxler, der Rechner die Buchhalterin, selbst das älteste Gewerbe der Welt könnte humanoiden Sexrobotern zum Opfer fallen, die gerade entwickelt werden – eine riesige Reservearmee Arbeitsloser wäre die Folge. Die Utopie wird scheinbar zum Alptraum.

Doch zum Glück ist auch ein Alptraum letztlich nur ein Traum – in der Realität ist die Wahrscheinlichkeit, dass uns tatsächlich die Arbeit ausgeht, nahe null. Prophezeit wird das ja immer, wenn neue Technologien humane Arbeitskraft ersetzen – nur gestimmt hat es halt zum Glück noch nie. Dass heute 3 Prozent der Bevölkerung imstande sind, alle mit Nahrungsmitteln zu versorgen und dazu nicht wie früher 30 Prozent aller Arbeitskräfte nötig sind, hätte in dieser pessimistischen Logik zu Massenarbeitslosigkeit führen müssen – hat es aber nicht, weil die Industrialisierung entsprechend viele neue Jobs schuf. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass das heute oder morgen anders sein sollte.

Natürlich werden tendenziell immer weniger Fließbandarbeiter gebraucht – aber dafür verdienen etwa in den USA schon eine Million Menschen ihren Lebensunterhalt rund um die Produktion und den Einsatz von Smartphone-Apps, einem Produkt, dessen Existenz vor 20 Jahren kein Mensch hätte erahnen können.

Nur weinerliche Pessimisten mit ausgeprägter Neigung zur Angstlust werden glauben, dass die Kreativität der Menschen jäh schwindet, genauso wie ihre Freude am Konsum von Produkten, die wir uns heute genauso wenig vorstellen können wie ein Homo sapiens der 1960er Google (40.000 Mitarbeiter) oder Amazon (230.000 Mitarbeiter). Aber selbst in den traditionellen Industrien ist die Angst vor dem Kollegen Roboter, der den Facharbeiter arbeitslos macht, so verbreitet wie übertrieben. In der deutschen Autoindustrie, einem globalen Vorreiter der Automatisierung, stieg die Zahl der Roboter seit 2010 von 80.000 auf 100.000 Exemplare an. Doch damit wurden nicht 20.000 Jobs wegrationalisiert – die Zahl der menschlichen Mitarbeiter stieg in diesem Zeitraum sogar von 70.000 auf 75.000. Zwar fielen dank Automatisierung einfachere Jobs weg – doch das wurde durch einen Mehrbedarf an Personal im Kreativbereich mehr als kompensiert. Nicht “die Arbeit” geht uns aus, sondern die stumpfsinnige und nicht sinnstiftende Arbeit, für deren Verrichtung keinerlei Wissen erforderlich ist. So wie schon ein Großteil der schweren körperlichen Arbeit verschwunden ist, ohne dass ihr jemand eine Träne nachweinen würde. In Zukunft wird das nicht anders sein. (“WZ”)

19 comments

  1. Alois Morwitzer

    …Nicht „die Arbeit“ geht uns aus, sondern die stumpfsinnige und nicht sinnstiftende Arbeit, für deren Verrichtung keinerlei Wissen erforderlich ist…

    Und davor haben die Gewerkschafter am Meisten Angst.

  2. Selbstdenker

    @Alois Morwitzer:
    Exakt so ist es!

    Die wenigsten Mitteleuropäer würden jene Arbeiten freiwillig verrichten, die nun von Robotern erfüllt werden (z.B. Punktschweißen am Fließband). Den Bedarf an geringqualifizierten, austauschbaren, niedrig entlohnten Arbeitskräften müsste man durch Zuwanderung – mit allen damit verbundenen Problemen – decken. Um in so einem Szenario wettbewerbsfähig bleiben zu können, müssten bei offenen Grenzen Qualifikation und Entlohnung langfristig auf ein Dritte-Welt Niveau abgesenkt werden.

    Gerade für Deutschland wäre die zunehmende Automatisierung ein Segen: der Arbeitsmarkt würde sich in Richtung hoch qualifizierter, nicht so leicht automatisierbarer Arbeitsfelder mit höher Grenzproduktivität und somit auch besserer Entlohnung der Human Resources verändern. Ein Bedarf an Zuwanderung geringqualifizierter Arbeitskräfte wäre so gut wie nicht mehr gegeben.

    Die Gewerkschaft hat bei einer High-Tech Strategie das Problem, dass ihnen das Narrativ (Arbeitsleid, Ausbeutung, etc.) abraucht. Das Milieu von Facharbeitern, Absolventen technischer Studienrichtungen und Freiberuflern hat mehr Loyalität gegenüber dem Arbeit- bzw. Auftraggeber als zu einem willkürlichen Kollektiv.

    Den Gewerkschaften fällt schlichtweg die Geschäftsgrundlage weg.

    Im Lichte dieser Zusammenhänge kann die Willkommens-Politik von Merkel aus volkswirtschaftlicher Sicht nur als Expansion des staatlich alimentierten “Sozialsektors” verstanden werden. Als Arbeitskräfte – ein “Argument”, das man noch vor einem Jahr ernsthaft strapazierte – sind die Migranten weitgehend nicht einsetzbar.

    Es sind dauerhafte Kunden vom Sozial-, Sicherheits- und Justizsystem, die man sich nun millionenfach nach Deutschland holt. Eine Art Migrations-Keynesianismus.

  3. Falke

    Da muss man sich fragen, warum Mercedes-Chef Zetsche die Millionen Migranten so freudig begrüßt hat, die ja bestenfalls für die “stumpfsinnigen” und “schweren körperlichen” Arbeiten geeignet sind; derartige Arbeitsplätze sind ja gerade in der Premium-Autoindustrie kaum mehr vorhanden.

  4. Christian Peter

    Da bin ich mir nicht so sicher : Man braucht sich nur anzusehen, wie sich multinationale Konzerne der New Economy wie Amazon, Apple @ Co die Taschen vollstopfen, dabei Millionen heimische Arbeitsplätze in der mittelständischen Wirtschaft vernichten – freilich ohne selbst nennenswert Arbeitsplätze zu schaffen oder Steuern zu bezahlen.

  5. Selbstdenker

    @Christian Peter:
    Die von mir geschilderten Prozesse spielen sich innerhalb der Industrie ab und haben mit der New Economy eigentlich nichts zu tun.

    Es ist ein Unterschied, ob man ganze Sektoren (z.B. das produzierende Gewerbe in den USA) absterben lässt und glaubt, dass ein neu entstandener Sektor die wegfallenden Jobs auffangen würde oder ob man den Sektor an sich produktiver macht.

    Ich bin der Meinung, dass hoher Know-how Anteil, hohe Qualität und hohe Produktivität der beste Standortschutz sind. Überzogener Protektionismus und destruktive Gewerkschaftspolitik (Arbeitszeitverkürzung, künstliche Senkung der Produktivität, Quotenregelungen, Bürokratie) sind die todsichere Fahrkarte in Richtung Deindustrialisierung. Sehen Sie sich den Zustand der französischen Industrie an.

    In den USA und UK ist ja auch genau das passiert: die Gewerkschaften – insbesondere die UAW – haben die Produktivität aus Angst vom Verlust geringqualifizierter Jobs und dem damit verbundenen Organisierungsgrad – künstlich gedrückt. In den späten 1970igern und frühen 1980igern haben ihnen dann die Japaner eine Gestreckte verpasst aus denen sich der Automobilbereich in den genannten Ländern nicht mehr erholt hat. Importzölle hin oder her.

    Die Deutschen – und eine Zeit lang auch die deutschen Gewerkschaften – waren erheblich klüger: sie haben die Produktivität und die Qualität entlang der gesamten Logistikkette erheblich gesteigert. Aus diesem Grund sind sowohl die Konzernzentralen als auch die produzierenden Werke namhafter Automobilhersteller noch in Deutschland angesiedelt.

  6. Selbstdenker

    @Falke:
    Die Aussagen von Zetsche ergeben nur aus der Sicht erwarteter Absatzchancen im Mittleren Osten sowie als (erwartete) politische Unterstützungserklärung an die GroKo einen Sinn. Eventuell spielt die Eigentümerstruktur auch eine bestimmte Rolle.

    Volkswirtschaftlich gesehen waren die Aussagen von Zetsche völliger Bullshit. Die Glücksritter aus dem mittleren Osten werden in der legalen Wirtschaft so gut wie nirgends gebraucht. Vielleicht bekommt der Eine oder Andere einen Job als Türsteher einer Disco oder von einem Puff, als Außendienstler eines Inkassobüros oder als Beauftragter für irgendwas im staatlichen Sozialbereich.

  7. gms

    Selbstdenker,

    “Die von mir geschilderten Prozesse spielen sich innerhalb der Industrie ab und haben mit der New Economy eigentlich nichts zu tun.”

    Absolut richtig.

    “Es ist ein Unterschied, ob man ganze Sektoren (z.B. das produzierende Gewerbe in den USA) absterben lässt und glaubt, dass ein neu entstandener Sektor die wegfallenden Jobs auffangen würde oder ob man den Sektor an sich produktiver macht.”

    Die USA sind ein eigentümlicher Sonderfall. Tatsache ist, wonach dort der Mittelstand erodiert. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen sinken nur deshalb, weil Leute zunehmend den Hut draufwerfen und sich nicht mehr arbeitslos melden.
    Kausal dafür ist die intensivierte Nutzung Asiens als verlängerte Werkbank, weswegen redliche Linke in den USA sich mit Verweis auf bisherige Effekte vergleichbarer Handelskommen entschieden gegen TTP und TiSA richten.

    Daß die USA dennoch nicht kollabierten, ist dem Dollar als weltweiter Leitwährung und Exportgut geschuldet, mit dem das exhorbitante Außenhandelsdefizit finanziert und das Staatsdefizit ausgebaut wird. Feuchte Lappen ins Ausland und handfeste Güter retour. Zusammenbrechen wird auch dieses Kartenhaus, die Frage aber lautet, ob Europa davor zerbröselt.

    Die ökonomische Potenz des aktuellen Deutschland beruht auf seiner Industrie vorort, dasselbe, was die USA am Ende des 19en und hernach im 20sten Jahrhundert stark machte, wobei man gleichzeitig begann, im Ausland zu produzieren beziehungsweise das Ausland mit heimischen Gütern zu beliefern. Die Bedeutung von Kriegen sollte sich in diesem Kontext leicht erschließen.
    Globalisierung ist das zwangsnotwendige Paradigma der USA — zumindest deren Eliten und deren uralten Industrieformen; nachlesbar in allen Regierungserklärungen, Strategiepapieren, Reden von Politikern und was sonst noch relevante amerikanische Quellen sind.

    Ist das unredlich? — Die entscheidende Crux liegt darin, wonach aus dem Weltall betrachtet, mit Adam Smith im Hinterkopft, der gesamte globale Wohlstand sich langfristig tatsächlich vergrößert, so Waren und Menschen gleichermaßen schrankenlos zirkulieren und Angebot und Nachfrage jedweder Art zueinander finden.

    Nachdem die USA nicht vollends vertrottelt sind, betreiben sie eine andere Migrationspolitik als ihre geopolitischen Mitbewerber in Europa. Warum aber ausgerechnet Globalisten zugleich diese richtige Politik der USA hintertreiben, ist langfristigeren Zielen geschuldet.

  8. Selbstdenker

    @gms:
    “Kausal dafür ist die intensivierte Nutzung Asiens als verlängerte Werkbank, weswegen redliche Linke in den USA sich mit Verweis auf bisherige Effekte vergleichbarer Handelskommen entschieden gegen TTP und TiSA richten.”

    Ein unverzeihlicher Fehler war meiner Meinung nach die Aufnahme von China in die WTO in den 1990iger Jahren. Soweit ich mich noch entsinnen kann, waren damals die USA dagegen und die Franzosen explizit dafür. Die verlängerte Werkbank an sich ist meiner Meinung nach nicht grundsätzlich das Problem: Österreich und Tschechien waren bzw. sind ja auch in gewisser Weise die verlängerte Werkbank von Deutschland. Der Unterschied liegt meines Erachtens darin, ob die beteiligten Länder ein gewisses Wertefundament teilen und somit bestimmte Mindeststandards gegeben sind.

    Eine sich mit Beginn der 1960iger Jahre breit machende Wohlstandsverwahrlosung, die in Kombination mit einem absinkenden allgemeinen Bildungsniveau und erstarkendem Kulturmarxismus der Produktivität im Industriebereich stark zugesetzt hat, schickte die Mittelschicht mit zunehmenden Freihandel sprichwörtlich südwärts.

    Um als Industriestandort in einem Freihandelsszenario strukturell als Sieger hervorzugehen bedarf es meiner Meinung nach der Kombination aus a) Technologie, b) Work Ethics und c) einem gewissen allgemeinen Bildungsniveau. Ultimativ resultiert dies alles in der Produktivität bzw. den Lohnstückkosten. Die Deutschen waren über lange Zeit hinweg in allen drei Gebieten weit voraus, während die US-Industrie seit den 1960iger auf diesem Gebiet immer mehr abgebaut hat. Mit der Merkel-Politik, die seit 2013 immer deutlichere Konturen annimmt, dürfte es mit diesem Vorteil aber bald vorbei sein.

    „Globalisierung ist das zwangsnotwendige Paradigma der USA — zumindest deren Eliten und deren uralten Industrieformen; nachlesbar in allen Regierungserklärungen, Strategiepapieren, Reden von Politikern und was sonst noch relevante amerikanische Quellen sind.“

    Hier schließt sich meiner Meinung nach der Kreis zwischen (aktueller) US-Elite und Neoprogressivismus: weil man nicht auf die Produktivität im eigenen Land setzt, versucht man die halbe Welt in die Wertschöpfungskette zu integrieren. Niedrige Produktivität der US-Arbeiterschaft bei vergleichsweise hohen Löhnen konkurriert mit niedriger Produktivität von irgendwo bei vergleichsweise niedrigen Löhnen.

    Damit sollte klar sein, dass aus Sicht globaler Konzerne Standorte in westlichen Ländern mit relativ niedriger Produktivität bei relativ hohen Löhnen zu sicheren Layoff-Kandidaten zählen. Um die Sympathie anderer Kulturkreise als Arbeiterschaft und künftige Konsumenten zu gewinnen, ist man sogar bereit den Pakt mit dem Neoprogressivismus einzugehen: Political Correctness und Muli Culturalism werden so zu Pflichtübungen für das globale Business. (Bsp.: wenn sich die Hackfresse vom Fratzenbuch mit dem chinesischen Propagandaminister trifft, dann wohl kaum aus dem Grund, dass er die Chinesen von den Vorteilen der Meinungsfreiheit überzeugen möchte)

    Die US-Elite wird an den Unis seit mehreren Jahrzehnten auf diese linke Ideologie, die in der Vergangenheit aufgrund einer eher unauffälligen Rhetorik nicht ohne weiteres als solche leicht zu erkennen war, eingeschworen. Die Ereignisse, die sich jetzt an den US-Unis abspielen haben sogar eine bestimmte Gemeinsamkeit mit denen von Köln: die Geister, die man rief, wird man nicht mehr los und sie haben entschieden, dass sie sich bereits vorzeitig austoben.

    Mein Dank gilt der Unbeherrschtheit der menschlichen Natur in der Gruppe: vielleicht haben diese Geschehnisse sogar eine heilsame Seite – immerhin sollten einigen Leuten nun (spät aber doch) die Augen aufgehen.

  9. gms

    Selbstdenker,

    “Ein unverzeihlicher Fehler war meiner Meinung nach die Aufnahme von China in die WTO in den 1990iger Jahren. Soweit ich mich noch entsinnen kann, waren damals die USA dagegen und die Franzosen explizit dafür.”

    Die Verhandlungen zum Beitritt Chinas in die WTO liefen in den 90ern und wurden 2001 finalisiert, die US-Administration unter Clinton sprach sich vehement dafür aus [1], wenngleich man deren ökonomische Forecasts damals schon für blanken Unsinn hielt,

    “Hier schließt sich meiner Meinung nach der Kreis zwischen (aktueller) US-Elite und Neoprogressivismus: weil man nicht auf die Produktivität im eigenen Land setzt, versucht man die halbe Welt in die Wertschöpfungskette zu integrieren.”

    Man setzte der eigenen Propaganda nach sehr wohl auf gesteigerte Produktivität im eigenen Land, mit 10% gesteigerten Ausführen nach China bei einem gleichzeitigen Importplus von nur 7%.

    Neoprogressivismus (left-wing fascism) basierend auf der Frankfurter Schule wiederum geht weit über Multikulti hinaus. (1984 wurde Habermas Ehrenmitglied der ‘American Academy of Arts and Sciences’) Die USA waren getreffend WTO gewiß nicht daran interessiert, billige Arbeitskräfte zu importieren und diese mit einem Wir-haben-uns-alle-lieb-Gedöns der eigenen Bevölkerung schmackhaft zu machen.
    Die politische Korrektheit, die Clinton beginnend mit 1993 von oben herab dem Land verordnete, diente anderen Zwecken.

    “Mein Dank gilt der Unbeherrschtheit der menschlichen Natur in der Gruppe: vielleicht haben diese Geschehnisse sogar eine heilsame Seite – immerhin sollten einigen Leuten nun (spät aber doch) die Augen aufgehen.”

    Jup

    [1] abcnews.go.com/International/story?id=82426
    ‘President Clinton today signed into law a historic bill granting permanent normal trade relations to China. He also dispatched his top trade negotiator for urgent talks with Premier Zhu Rongji in hope of settling disputes that threaten Beijing’s WTO bid.’

    globalpolicy.org/component/content/article/209/43601.html (Sekundärquelle, Original kostenpflichtig)
    The Economist, October 5, 2000: ‘After the American Senate overwhelmingly approved “permanent normal trade relations” for China last month, only one piece of the puzzle known as the Clinton-China legacy had still to be put in place, China’s admission to the World Trade Organisation (WTO). With Congress out of the way, the administration hoped to usher China into the WTO by the end of this year, just before the president leaves office. But now China is unlikely to join until next year, or even later, and for the most obvious of reasons: it may be urgent for Mr Clinton, but it is not so for the Chinese.’

    epi.org/publication/issuebriefs_ib137/
    ‘No one can predict the future. But the Clinton Administration is confidently forecasting that the huge U.S. trade deficit with China will improve if Congress accords China permanent normal trade relations (PNTR) in order to accommodate Beijing’s membership in the World Trade Organization (WTO). President Clinton claims that the recently signed trade agreement with China “creates a win-win result for both countries” (Clinton 2000, 9). He argues that exports to China “now support hundreds of thousands of American jobs,” and that “these figures can grow substantially with the new access to the Chinese market the WTO agreement creates” (Clinton 2000, 10). [..]
    The U.S. government’s most comprehensive economic case for the China-WTO deal, conducted by the U.S. International Trade Commission (USITC), argues that China’s accession to the WTO would increase U.S. exports to that country by 10.1%, while U.S. imports from China would grow by only 6.9%.’

  10. Fragolin

    @Selbstdenker

    “…immerhin sollten einigen Leuten nun (spät aber doch) die Augen aufgehen.”

    Wie wahr. Nur leider bringen “einige Leute” gar nichts. So lange der großen Masse ihre Bildschirme von Handy, TV oder Playstation vor den Augen kleben und denen gar nichts aufgeht, nicht einmal ein kleines Licht, welches perfide Spiel da gespielt und in welchem Umfang sie verraten und verkauft werden, wird es immer lustig so weitergehen. Die große Masse wurde mit einfachen Drogen – Konsum, virtuelles Leben, Brot und Spiele – sediert und trottet debil grinsend zur Schlachtbank.
    Dass es diesmal nicht ums Scheren geht merken die Schafe erst, wenn sie den Bolzen im Genick spüren. Oder das Messer am Hals. Nur dann ist es zu spät.
    Bis dahin bleibt jeder Warner ein Spinner, Verschwörungstheoretiker, lachhafter Aluhutträger oder rechter Hetzer…

  11. Selbstdenker

    @Fragolin:
    Das Problem ist, dass vieles bewusst mit umgekehrten Vorzeichen unter liberaler Flagge fährt und daher häufig erst spät als Cultural Marxism erkennbar ist. Oft springen die Verfechter vom Cultural Marxism auch auf liberale Trends auf um diese umzupolen und gegen den Liberalismus zu richten. Meist reicht ein wenig Dialektik um die benötigten Schalter umzulegen. Und wenn es schief geht und alles voll gegen die Wand knallt, ist eben “der Liberalismus” die Schuld.

    Man sehe sich mal an, was aktuell an den US-Unis abgeht:
    http://www.campusreform.org/

    …das ist die Elite von morgen! Viele dieser kosmopolitisch links-orientierten Studenten werden eines Tages in internationalen Organisationen wie der UNO landen.

    Ich behaupte dass Ende 2015 / Anfang 2016 dennoch der Wendepunkt erreicht wurde: die Unbeherrschtheit der menschlichen Natur in der Gruppe hat ein Narrativ nach dem anderen zum Einknicken gebracht.

  12. Fragolin

    @Selbstdenker
    Die Frage ist doch, ob es überhaupt noch eine halbwegs friedliche Lösung für diese Probleme gibt, vor Allem, da ja ganz offensichtlich der gewaltsame Kampf zum angestrebten Zustand derer gehört, die im Hintergrund agierend jede Situation zu ihrem Vorteil ausnutzen wollen und werden…

  13. Lisa

    Was sicher nicht ersetzt werden kann, sind Erziehungs-und Pflegeberufe, sowie Juristen, da sie Empathie und persönlichen Kontakt verlangen. Kinder kann man nicht wie Mastkälber am Gumminuckel aufziehen und kein Computerprogramm kann ein gerechtes Urteil sprechen. Man wird also in körperlich anstrengenden Berufen, in Technik und Forschung naturgemäss weniger, dafür in sozialen Berufen eher mehr Frauen finden. Dass Häuser, einschliesslich Hochhäuser, weltweit aus Fertigmodulen erstellt werden, der Bergbau durch unterirdische Drohnen und Abbaumaschinen computerisiert, Arbeiten in Kanalisation und Strassenbau ebenso, Busse und Züge ohne Führer verkehren etc.- alles vorstellbar, wenn ich auch einen Bus mit Fahrer vorziehe und nicht einer unkontrollierbaren Elektronik ausgeliefert sein möchte. Schon die Eigenleistung beim Einkauf ohne Kassiererinnen, raubt mir meine Zeit. Stehe ich in der Schlange, kann ich nämlich vor mich hin träumen, bis ich dran bin, manchmal auch mit Leuten vor oder hinter mir oder mit der Kassiererin plaudern. Allein die Mülltrennung, hab ich mal ausgerechnet, stiehlt mir pro Woche durchschnittlich zwei Stunden, macht fast 100 Stunden pro Jahr. Schön, dass man diese und ähnlich langweilige Arbeiten nicht andern überlässt, sondern selbst verrichtet. Und Drückeberger gibt es da auch…Aber letztlich ist man dann auch als urbaner Mensch wieder im alten Zwang, dem man durch die Abwanderung in die Städte entkommen wollte: aufstehn, melken, füttern, misten, güllen, säen, ernten – nur unpersönlicher und naturferner, und bei Nichtbeachtung der Mitarbeit verhungert man in einem „Sozial“staat trotzdem nicht. Je mehr Apparate und Maschinen es zur Arbeitsentlastung gibt, und je weniger Rohstoffe für Neuproduktion vorhanden sind, desto mehr werden auch Dienstleistungs-, Reparaturservice- und Recyclingberufe gefragt sein. Mein Vater konnte an seinem Fiat noch Reparaturen selbst vornehmen, ohne das gelernt zu haben, heute brauchts dazu Mechatroniker. Daher bin ich mal gespannt auf die Abstimmung (CH) im Juni betr. BGE: Viele Sympathisanten – teils aus Einsicht in die unvermeidbare strukturelle Arbeitslosigkeit, teils, weil sie einem ungeliebten Brotberuf nachgehen müssen – werden trotzdem Nein stimmen, weil die Finanzierung nicht geregelt und auch nicht klar ist, inwieweit auch die Renten betroffen wären.

  14. Fragolin

    @Lisa
    “Kinder kann man nicht wie Mastkälber am Gumminuckel aufziehen”
    Naja, würde ich sooo nicht unterschreiben… 😉

  15. Selbstdenker

    @Fragolin:
    “Die Frage ist doch, ob es überhaupt noch eine halbwegs friedliche Lösung für diese Probleme gibt”

    Gute Frage. Ein Bekannter von mir (ein Jurist) sagte immer: wenn das Recht versagt, fliegen die Zähne. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass wir uns genau in diese Richtung bewegen.

  16. Herbert Saurugg

    Ja, wir leben in spannenden Zeiten ;-). Ob es wirklich diesmal anders ist, oder es doch so kommt, dass uns die Arbeit abgenommen wird, werden wir erst in der Zukunft wissen. Davon auszugehen, dass es wie bisher sein wird, halte ich trotzdem für den falschen Ansatz. Wir haben wahrscheinlich die technischen Möglichkeiten, uns wirklich von der Arbeit bzw. Erwerbsarbeit abzukoppeln. Daher wäre es angebracht, darüber nachzudenken, wie wir uns dann als Gesellschaft organisieren können, damit wir trotzdem vernünftig zusammenleben können. Ansonst werden wir möglicherweise schneller als uns lieb ist, von der Wirklichkeit überrollt, was derzeit doch bereits häufiger eintritt.

    Es gibt verschiedene Überlegungen, die darauf hinweisen, dass wir diesmal nicht einfach so wie bisher weitermachen werden können:
    a) Die Grenzen des Wachstums – auch wenn viele noch nicht daran glauben, bzw. sich nicht wirklich mit dem Fakten beschäftigen wollen – werden eine Abkehr vom weiter wie bisher erzwingen
    b) Die Transformation von der Industrie- zur Netzwerkgesellschaft wird unser Denken und Handeln fundamental auf den Kopf stellen bzw. tut das bereits.
    c) Sollten die Erwartungen zum 6. Kondratieff-Zyklus stimmen, dann deutet dies auch daraufhin, dass wir unsere Arbeitswelt anders gestalten werden.
    d) Zur Kreativität von Automaten empfehle ich das Video Humans Need Not Apply
    e) Wenn wir mit den Arbeitsmarktentwicklungen mithalten wollen, dann sollten wir schleunigst unser Bildungssystem – das noch auf die Ausbildung von braven Industriearbeitern ausgerichtet ist – auf die neuen Herausforderungen der Netzwerkgesellschaft umstellen (siehe dazu Aufbrechen! Warum wir eine Exzellenzgesellschaft werden müssen
    f) … es gebe noch einiges mehr 😉

    Ich denke, es gibt hier eine Menge Diskussionsbedarf. Wer an ein weiter wie bisher glaubt, wird wohl in den nächsten Jahren von einigen heftigen Entwicklungen überrascht werden – so wie etwa unsere Politik.

  17. gms

    Herbert Saurugg,

    “Es gibt verschiedene Überlegungen, die darauf hinweisen, dass wir diesmal nicht einfach so wie bisher weitermachen werden können:”

    Dem kann man zustimmen, so man ein Weitermachen versteht als Prolongation ohne reale Not begangener Fehler, die dem anmaßenden Übersteuern gesellschaftlicher Entwicklungen durch solche Demiurgen geschuldet waren, die vorgaben, die Zukunft besser zu kennen, als alle anderen Individuen. Auf gut Deutsch: Dem Obsigen des Zentralkommitees über Emergenz.

    “Die Grenzen des Wachstums”

    Das ist eine leicht zu widerlegende Mär. Leben wie ebenso die Schaffung von Wohlstand basiert auf Transformation unter Energieeinsatz. Bislang haben weder relevante Mengen an Materie unseren Planeten verlassen, noch ist das absehbare Ende der Sonne in einige Milliarden Jahren aktuell Anlaß zur Sorge.

    Weniger kryptisch: Jedes vergangene und hinkünftige Wachstum ist einzig ein solches im Organisations- respektive Strukturierungsgrad sowohl von Wissen als auch Materie. Daß naturtrübe Baumumarmer Wachstum nur so verstehen, einem Adipösen weitere zwanzig Kilogramm an den Leib zu mästen, langweilt dementsprechend nur noch.

    “Die Transformation von der Industrie- zur Netzwerkgesellschaft wird unser Denken und Handeln fundamental auf den Kopf stellen bzw. tut das bereits.”

    Falls das als Arbeitshypothese zutreffen sollte, so begründet sie nichts, ja viel mehr noch kann unterstellte Transformation sogar im Widerspruch zum Sonstigen stehen, was Sie hier darlegen.
    Subsidiarität, koordinierte Manufaktur, Tailerismus, Fordismus, Postfordismus, Kaizen, Postkaizen — die Arten und Weisen, wie Menschen arbeitsteilig agieren, wandeln sich permanent, ziehen Schleifen retour, münden teilweise im Nomadentum mit wiederum temporär kooperierenden Nomanden, und so weiter und so fort.

    Der aktuell weltweit größte Beherberungsbetrieb besitzt kein einziges Zimmer, der größte Taxiunternehmer kein Fahrzeug, weshalb es auch nicht verwundern sollte, wonach morgen der weltweitgrößte Arbeitgeber nicht einen Angestellten hat.

    Bug oder Feature? — Nüchtern betrachtet sind es Anpassungsprozesse basierend auf technischem und gesellschaftlichem Fortschritt, derer viele wir auch weiterhin erleben werden.

    “Sollten die Erwartungen zum 6. Kondratieff-Zyklus stimmen, dann deutet dies auch daraufhin, dass wir unsere Arbeitswelt anders gestalten werden.”

    Das erkennbar Grundfalsche an solchen Prognosen von Zyklen ist das Verkennen der Rekursivität. Im Anlaßfall ist es das zwangsweise Nichtwissen darum, wieweit solche Vorhersagen aktuell schon eingepreist sind — ein Umstand, der insbesondere im aktuellen Informationszeitalter noch stärker wiegt, aufgedoppelt um die zunehmend steigende Vielfalt diverser Industrien in unterschiedlichen Entwicklungsstadien.

    “Zur Kreativität von Automaten empfehle ich das Video Humans Need Not Apply”

    Das ist zugegeben ein valider Punkt, den allerdings Humoristen sehr entspannt sehen.

    “Bildungssystem – das noch auf die Ausbildung von braven Industriearbeitern ausgerichtet ist”

    Teilweise richtig. Das Bildungssystem war bis hinein in die 1970er-Jahre noch ein solches, im Gegensatz zum späteren Ausbildungssystem und dessen aktueller Karikatur namens ‘Kompetenzaneignungssystem’. Mit Libertären oder Bürgerlichen brauchen Sie also die Versaubeutelung hin zum Unbildungssystem nicht zu debattieren.

    “es gebe noch einiges mehr”

    So eine Art Vielfachjoker, nicht wahr?

    “Wer an ein weiter wie bisher glaubt, wird wohl in den nächsten Jahren von einigen heftigen Entwicklungen überrascht werden – so wie etwa unsere Politik.”

    Womit wir beim Ausgangspunkt angelangt sind — dem Treiben der politischen Demiurgen.

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