Warum wird Amerika gar so gehasst?

(C.O.) Die USA sind eine von gewissen Ostküstenkreisen gesteuerte imperialistische Macht, die für Erdöl jedes Verbrechen dieser Welt begeht, andere Nationen überfällt, wenn es ihr gerade innenpolitisch in den Kram passt, mittels Drohnen und Supercomputern wahllos tötet und belauscht und sich in Form der Nato willfährige Vasallen hält, die sie bei Bedarf verwendet, um sich den Rest der Welt gefügig zu machen.

Ungefähr so sehen, grob zusammengefasst, derzeit erstaunlich viele Nutzer sozialer Netzwerke wie Twitter oder Facebook, aber auch die traditionellen Leserbriefschreiber großer Boulevardzeitungen die USA; und genau so wird die westliche Supermacht auch in aller Regel dort kommentiert, wo Menschen noch offline ihre Vorurteile austauschen, in der städtischen Sauna oder am ländlichen Stammtisch.

Nun haben sich die USA hierzulande nie besonders großer Beliebtheit erfreut, doch seit rund um die Krim-Krise ein “Kalter Krieg 2.0” zu eskalieren droht, wird der allgemeine Tonfall in einem Ausmaß gehässig, das selbst für hiesige Verhältnisse bemerkenswert ist. Fast könnte man angesichts der enormen Hasswelle im Souterrain der öffentlichen Meinung vermuten, nicht Russland sei in die Ukraine einmarschiert und habe sich dort rechtswidrig die Krim unter den Nagel gerissen, sondern US-Marines hätten Simferopol erobert, den Beitritt der Krim zur Nato ausgerufen und den Dollar als Landeswährung eingeführt.

Dass die USA nicht zuletzt in den Jahren seit den 9/11-Anschlägen Fehler begangen haben, wird vernünftigerweise niemand bestreiten. Trotzdem ist eher befremdlich, wie maßlos überzogen der Hass und die Feindschaft sind, die den USA momentan entgegenwehen.

Zu speisen scheint sich dieser Hass im Wesentlichen aus zwei völlig unterschiedlichen Quellen. Im eher linken, städtischen Milieu ist es die Abneigung gegen den Kapitalismus, die freie Marktwirtschaft und die Globalisierung, als deren wesentliche Agenten die USA in diesen Kreisen (inhaltlich ja übrigens nicht zu Unrecht) gesehen werden. Im eher rechten, leicht heimattümelnden und oft ländlichen Milieu hingegen gelten die Amerikaner als verdächtig kosmopolitische Kraft, die mit der Kraft von Monsanto und Coca Cola eine globale Unkultur errichtet.

Nicht selten wird den USA in diesem Milieu noch immer nicht verziehen, dass sie uns 1945 von den Nazis befreit haben; und noch immer kommt da der Antiamerikanismus als nur mühsam camouflierter Antisemitismus daher. Gemeinsam ist all diesen Amerika-Hassern, dass sie sich wünschen, die USA mögen sich nicht länger als “Weltpolizist” gerieren, sondern sich bloß noch um ihren eigenen Kram kümmern.

Zu vermuten, dass so eine bessere Welt entstünde, ist freilich ganz außerordentlich naiv. Denn ohne die USA hätten all jene Bösewichte, die regelmäßig irgendwo in dieser Welt hochpoppen und Ärger machen – von Pjöngjang bis Moskau, von Schwarzafrika bis in den Hindukusch, von den Mullahs bis zur Al-Kaida – endgültig freie Hand. Dass Europa, wenn es hart auf hart kommt, solche Probleme notfalls mit militärischer Gewalt lösen kann, war ja bisher nicht zu erkennen. Aber vielleicht entspringt der Hass auf Amerika ja auch diesem Wissen um die eigene geopolitische Impotenz. (WZ)

18 comments

  1. Menschmaschine

    gut zusammengefaßt.
    nur eines fehlt: der zunehmende antisemitismus von links, der immer unverhohlener und immer nachlässiger als “antizionimus” getarnt daherkommt.

  2. Plan B

    Nun, der „Große Satan“ hatte spätestens keine gute Presse mehr, nach dem die vielen „Amerika-Häuser“ in deutschen Städten zu No-Go-Areas wurden, weil sie keine Ho Chi Minh-Fotos aufhängen wollten (könnte aber auch damit zusammen hängen, dass die Parkas aus der Mode kamen). Die 68er lassen grüßen.

    Man muss kein Prophet sein um vorherzusagen, was bei einer Verschärfung des USA-Iran-Konfliktes durch den Blätterwald geistern wird; blicken wir zehn Jahre zurück.

    Laut dem Magazin DER SPIEGEL haben “Wilder Zorn und enormer Durst nach Rache […] das Land am 11.09.2001 erfasst” (S.20) (17/2003). Die daraus resultierende “US-Draufgängerei” (S.1) ist aber immer häufiger dem Vorwurf der “Heuchelei” (S.1) ausgesetzt: “In Wahrheit gehe es nicht um Freiheit und Menschenrechte, sondern ums Öl, um geostrategische Positionen, um die Weltherrschaft” (S.1) (DIE ZEIT 16/2003). Oder wie in der Wochenzeitschrift Freitag (12/2003) ausgedrückt: “Erdölinteressen, Geheimdienstbündeleien und ein bigotter Fundamentalismus faschistoider Prägung” kennzeichnen die USA. Letztendlich führen die USA einen “Kreuzzug gegen den Islam” (S.90) (DER SPIEGEL 08/2003).

    Es liegt wohl daran, dass in den Redaktionsstuben jene Platz gegriffen haben, die Götz Aly („Unser Kampf“) quasi als „verdrängende“ Nachgeburten bezeichnet hat. Und er meinte damit das totalitäre Erbe. Wenn man sarkastisch einen Aspekt isoliert, war es wohl unerträglich, dass sogar „Neger“ daran beteiligt war, den Deutschen den brauen Virus auszutreiben. Leider vergebens. Er hat nur die Farbe in Rot gewechselt.

    Meine Empfehlung an alle, die der imperialistischen Verschwörung eins auswischen wollen:

    Kauft Euch eine Eigentumswohnung in Pjöngjang.

  3. gms

    “.. kommt da der Antiamerikanismus als nur mühsam camouflierter Antisemitismus daher.”

    Das kann man, von wegen Meinungs- und Redefreiheit, so darstellen. Man kann aber ebenso wie der Jude Gregor Gysi jene unzähligen Doppel-Standards kritisieren, die auch der Mehrheit der Liberalen in dieser Angelegenheit über alle Maßen stinkt. In einem waschechten Crookfight haben definitionsbemäß beide Seiten Dreck am Stecken. Schwer wird’s mit der Äquistanz aber spätestens dann, wenn ausgerechnet spärlich Bekleidete sich breitbeinig aufs hohe Roß der Sittenwächter setzen.

    Tatsachen und Fakten spielen in diesem Ringen um die Deutungshoheit kommender Geschichtsbücher keine Rolle mehr, statt dessen verliert man sich im Schnitzen von Motiven, die man Opponenten umbinden kann. So soll doch tunlichst der Adressierte beweisen, daß er nicht so tickt, eine Praxis, die man auch in Kindergärten antreffen kann. Die Guten rittern heldenhaft und selbstlos für Menschenrechte, Demokratie und Weltfrieden, die Bösen lassen bei jeder sich bietenden Gelegenheit ihren inneren Hitler von der Leine und würden am liebsten noch vor dem Frühstück die Welt in Schutt und Asche legen.

    “Denn ohne die USA hätten all jene Bösewichte, die regelmäßig irgendwo in dieser Welt hochpoppen und Ärger machen – von Pjöngjang bis Moskau, von Schwarzafrika bis in den Hindukusch, von den Mullahs bis zur Al-Kaida – endgültig freie Hand.”

    Wer die letzten Jahrzehnte nicht urlaubend auf der Rückseite des Mondes verbrachte, dem klingelt noch den Spruch “They are bastards, but they’re our bastards” im Ohr.
    Klar doch — wenn’s aber nicht in die Krim paßt (pun intended), war dieser Sager ganz anders gemeint, es hat ihn in all seinen Variationen nie gegeben, alles ist irgendwie unredlich geklittert.
    Staaten hatten demzufolge niemals wirtschaftliche Interessen, die sie mit fragwürdigen Mitteln verfolgten und überhaupt, daß weiß ja schon jeder, ist der ein verkappter Nationalsozialist mit inbrünstigem Abscheu vor Coca-Cola, der soetwas thematisiert. Klappe zu, Affe tot.

  4. Erich Bauer

    OgottOgottOgott,

    Da liegt doch endlich die nächste Keule am Wegesrand. Die Nazi-Keule ist da schon etwas abgenützt. Vor allem lag sie schon inflationär hochgepusht für jedermann greifbar herum. Die Wirkungslosigkeit war ja tatsächlich schon augenscheinlich. ABER, neuerdings wird an einem neuen Baseball-Schläger geschnitzt: Die Antiamerikanismus-Keule.

    Erstens hat sie den Vorteil: Sie ist NEU! Zweitens: Den “Antiamerikanern” kann man vorwerfen, dass sie “Antisemiten” sind! Drittens: die “Ostküste” dieser Insel zwischen Atlantik und Pazifik darf nicht mehr erwähnt werden. Die gibt’s nicht. Vielleicht hat sie’s eh nie gegeben.

    Natürlich bin ich den damaligen Amerikanern 1945 dankbar… Ich wurde während meines bisherigen Lebenslaufes auch schon des öfteren von wohlmeinenden Artgenossen bisweilen “gerettet!”… vor falsche Entscheidungen, auch vor den Konsequenzen falscher Entscheidungen…

    Und ich bin ihnen allen auch heute noch dankbar. Wenn ich aber meine zahlreichen “Retter” heute als total verrückt erkennen muss… was kann ich da tun? Ich nehme sie alle liebevoll in den Arm und übergebe sie der Obhut von Fachärzten!

    Wenn ich merke, dass in meiner Nachbarschaft, in der Nachbarvilla, seltsame Gerätschaften eingebracht werden, ich bald darauf Gewehrläufe auf mein Fenster gerichtet sehe, die Nachbarn neben und hinter mir – die eh nix zum Fressen haben – nächtens vom Villenbesitzer aufgerüstet werden…was muss ich mir da denken? Natürlich könnte ich mich für paranoid erklären und mit der Pharmazie dieses unangenehme Gefühl “wegdrücken”. Ich bin aber nicht PARANOID! Ich bin sogar auch ein bisschen ein “Waffennarr”! Möglicherweise biete ich afghanischen Flüchtlingen sogar Asyl an… vorausgesetzt man bringt mir die alten aber durchaus wirkungsvollen “Stingers” mit…

    So. Sogar die Alpha-Journalisten unterstellen Putin Intelligenz (wenn man dem die “Insane” Mc Cains gegenüberstellt ist dem durchaus Glauben zu schenken). Warum sollte Putin “Appetit” auf die EU-Armenhäuser (z.B. Rumänien, Bulgarien…) haben? Genau an dieser Durchfütterungsstrategie ist das Sowjetreich zusammengebrochen (eh bestens). Und da wollen nun die “Kämpfer des Lichts” für “Demokratie”, eine Vorkriegsordnung installieren? Dummheit ist schlimmer als Bosheit!

    Auch unser Gastgeber hatte schon des öfteren z.B. das EU-“Parlament” mit dem “Chinesischen Volkskongress” verglichen… Dieser Vergleich hinkt! Ich kann mir nämlich bei bestem Willen nicht vorstellen, dass im Chinesischen Volkskongress die gesammelten rot-grünen-Blödel aus Europa sich dort herumtreiben könnten.

    Für mich stellt sich die Frage: Was ist das jetzt? Muss ich da zur “Apokalypse” von Johannes greifen, um eine Erklärung zu bekommen?

    Zurückkommend auf das Beispiel vom verrückt gewordenen Retter… wir sollten liebevoll mit ihnen umgehen… aber, konsequent in ein namhaftes Sanatorium stecken.

  5. Der Unternehmer

    Ich empfehle Herrn Ortner dringend die Lektüre des Buches des ehemaligen US-Sicherheitsberaters
    (Berater von 5 US-Präsidenten) Zbigniew Brzezinski “The Grand chessboard – american primacy and its geostrategic imperativs” .

    Wenn Sie wollen oute ich mich als “Amerika-Hasser”. Ich habe überhaupt nichts gegen das amerikanische Volk, wogegen ich entschieden etwas habe, ist dass die US-Plutokraten und US-Politik seit über 100 Jahren der Welt ihr marxistisches Fiat-Money-Falschgeld-System aufzwingen. Stellen Sie sich das westliche Währungssystem genauso vor wie die Machenschaften eines gewissen Mr. Madoff.

    Die”Primacy”-Strategie sieht vor, dass die USA die gesamte Welt unterwerfen. Aus diesem Grund und um das dafür notwendige Fiat-Money-US-$-Weltleitwährungssystem zu erhalten geschieht das auf diesem Globus, was gerade geschieht. Krieg, Bürgerkrieg, Destabilisierung, Wirtschaftskriege. Eine Kriegszone
    von der Sahelzone bis faktisch an die chinesische Grenze und jetzt bis nach Mittelosteuropa.

    Deshalb geben die USA für ihre Militärmaschine mehr Geld aus als alle anderen Staaten der Erde zusammen
    genommen. Diese gewaltigen Summen lassen sich natürlich schon lange nicht mehr aus Steuermitteln bezahlen. Und schon sind wir wieder beim Währungssystem.

    Warum gab es den Irakkrieg? Weil Saddam (den ja die USA erst aufgebaut hatten) aus dem Petrodollar aussteigen wollte. Damit wurde er dem eigenen Weltmachtsanspruch extrem gefährlich. Ein Kriegsgrund
    musste also her. Der lässt sich immer leicht finden oder erfinden.

    Das Gleiche mit Gaddafi. Gaddafi wollte ebenfalls aus dem Petrodollar aussteigen und für die muslimischen
    afrikanischen Länder den Gold-Dinar (also eine gedeckte Währung) einführen. Das hätte das Ende der USA
    als Weltmacht bedeutet.

    Ein anderes wichtiges Ziel ist natürlich die geostrategische Eingrenzung gefährlicher Konkurrenten wie
    China und Rußland. Erleben wir gerade live mit.

    In der Ukraine wurden die “Demonstranten” zum Teil von der CIA ausgebildet und bezahlt. Und gleich hat man auch 46 t. Gold in die USA ausgeflogen.

    Warum muss z.B. jeder deutsche Bundeskanzler eine “Unterwerfungserklärung” gegenüber den USA
    unterschreiben, wie kürzlich der SPD-Politiker Egon Bahr in einem Artikel in der “Zeit” geschrieben hat?

    Wenn das hier das “Zentralorgan des Neoliberalismus” sein soll, dann empfehle ich sich mit den Grundlagen
    von Ökonomie und Geld und Währung vertraut zu machen (nicht die pseudowissenschaftlich politisch okkupierte Ökonomie von heute). Ohne das kann man das Zeitgeschehen nicht verstehen.

  6. Christian Peter

    Man stelle sich vor, Russland oder China würden sich erlauben, was die USA und Deutschland in der Ukraine taten : Finanzieren von Oppositions- und Neonazi – Parteien, Schüren politischer Unruhen und subversiver Tätigkeiten mit dem Ziel, demokratisch legitimierte Regierungen zu stürzen ?

  7. joksch

    Es ist entlarvend, wie schnell sich die Paradeliberalen hier als Putin-Adoranten outen – Chapeau Herr Ortner !

  8. Reinhard

    Soweit sind wir also schon?!
    Es gibt nur zwei Arten von Menschen: Die einen sind freiheitsliebende Ameriakfreunde und Russlandhasser, die anderen sind böse Putinfreunde und Amerikahasser.
    Sich dazwischen zu stellen und objektiv die Fehler beider Seiten anzuprangern oder das gleiche Verständnis für die Handlungsweisen beider Seiten aufzubauen, geht nicht. Es ist der Krieg der Worte ausgebrochen. Wer nicht kritiklos loyaler Freund ist, wird zum Feind erklärt.
    Liberal? Nein, liberal ist an diesem Erguss gar nichts. Nur enttäuschend. Wenn selbst in liberalen offenen Blogs nur noch die Meinung der Systemmedien verbreitet werden darf und jeder, der sich der Guter-Ami-böser-Russe-Denkdiktat der Kriegstreiber nicht unterwirft zum Feind erklärt wird, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Zwischen den Fronten im Krieg der Worte weiter für eine offene Sichtweise zu schreiben oder in Schweigen zu desertieren.

  9. Erich Bauer

    Die Maske der jokschn fällt seit mehreren Wochen schon. Die Fratze der Vorkriegsordnung zeigt sich. Auf die Idee, dass die “Putin-Versteher” ganz einfach nur den sog. “Westen” und sein derzeit völlig unverständliches Handeln verstehen wollen… kommen die selbsternannten “Lager”-Amerikaner gar nicht. Obwohl das doch aus jedem Posting herforgeht. Ganz Böswillige könnten diese hasserfüllte Amerika-“Identifikation” – mehr als eine diffuse Emotion ist das nämlich gar nicht – als Erfüllung eines langersehnten Wunsches sehen: Faschismus der “lichten Kräfte”? Oder noch mehr?

  10. joksch

    Einfach schön, wie sich die richtigen sofrt angesprochen fühlen, besonders die HERFORGEHER !

  11. Der Unternehmer

    @ Reinhard

    Bitte nicht ins Schweigen desertieren und diesen toleranten Vertretern der Political Correctness das Feld
    überlassen.

    Dem “Qualitätsjournalismus” klar machen, dass sie nicht bestimmen können, worüber öffentlich debattiert werden darf und was die richtige Meinung zu sein hat.

  12. Erich Bauer

    @jockschl,

    also, das ist wirklich das allerste, absolut stichhaltige Argument, der letzten Wochen, für mich. Ausgesprochen überzeugend. Ich hab mich schon bei Rassmusson (oder so) angemeldet die NATO zu verstärken. Auch lass ich mich an den neuesten schweren Waffen ausbilden. Dann wer ma’s den Russkis zeigen!!! Das wär doch gelacht, wenn ma mit diesen U….menschen im dritten Anlauf nicht endlich fertig werden!

    Beim Vorstellungsgespräch bei Rassmusson nahm ich sogar eine Amerika-Fahne mit. Die hatte ich beim Donauinselfest auf der Country Insel erstanden. Rassmusson ist wirklich a ganz a gscheiter Mensch… Er hat mich darüber aufgeklärt, dass diese Fahne die sog. “Konföderierten” schwenkten. Und er hat sich gewundert, dass ich mit dieser so anstandslos reisen konnte.

    Ich habe, das Gefühl, dass ich jetzt endlich auf der RICHTIGEN Seite stehe. Übrigens F steht vor VOGEL… (Euren)

  13. Christian Weiss

    Das Problem aktiver, interventionistischer Aussenpolitik besteht darin, dass man Fehler machen kann, welche den Passiven nicht passieren. Letztere profitieren zwar alle auch davon, dass der Krieg gegen den Terror die islamistische Front in ihre Herkunftsländer zurückgedrängt hat, dass die Rüstungsausgaben der USA die Sowjetunion in Schach gehalten haben und Europa doch noch ein halbwegs demokratischer Kontinent wurde. Aber mit dem Finger auf die zu zeigen, die sich die Hände schmutzig machen, ist eben so angenehm.
    Auch hier tummeln sich einige, die es nicht verdient haben, dass junge Amerikaner unter Einsatz ihres Lebens in der Normandie gelandet sind.

  14. world-citizen

    Es sind nur ganz wenige, die einen Hass gegen die USA haben. Aber es sind viele, die an der US-Politik oder auch an verschiedenen Zuständen in den USA Kritik üben – und das ist ja immerhin ein Menschenrecht.
    Wenn man in die USA kommt, begegnet man vielen netten, zuvorkommenden und freundlichen Menschen. Aber nur ganz wenige sind in der Lage, differenzierte Argumentation zu verstehen, weshalb es oft ratsam erscheint, kritische Bemerkungen tunlichst zu unterlassen. Kritik wird mit Feindlichkeit gleichgesetzt, weil es für die meisten nur schwarz oder weiß ist. Wer nicht beipflichtet, dass Amerika “great” und “wonderful” ist, wird sehr schnell zum Feind abgestempelt.
    Das ist zwar auch in Zentraleuropa nicht viel anders, aber da gehört es eben fast zur Normalität der kleinen Bürger, zu glauben, immer vor vermeintlichen Feinden auf der Hut sein zu müssen.

  15. gms

    Christian Weiss,

    “Auch hier tummeln sich einige, die es nicht verdient haben, dass junge Amerikaner unter Einsatz ihres Lebens in der Normandie gelandet sind.”

    Wie mehrmals hier schon angemerkt: Aktuelle Fakten spielen zwischenzeitlich wohl keine Rolle mehr. Das ist schade. Daß sogar die USA ihre eigene Unabhängigkeit ohne den Sanktus aus London bekommen mußten, kann die Freunde geschichtlicher Aufarbeitung aber ebenso wenig beeindrucken. Cherry picking nennt man dies, weniger plastisch: Double standards.

    Füttert man heute um 17:24 Tante Gurgel mit “Polen Ukraine”, spuckt diese — welch eine Überraschung aber auch — an oberster Stelle einen Artikel der “Welt” aus: “Polen rüstet aus Angst vor Russland auf” [1]
    Im zweiten Absatz ist u.a. zu lesen: “Diese Aussagen der polnischen Regierungsmitglieder verdeutlichen, wie sehr sich Polen bedroht sieht durch die Ukraine-Krise. Und wie es andererseits die Krise zu nutzen sucht, um seine Sicherheit zu stärken und der eigenen Bevölkerung die Notwendigkeit verstärkter Rüstungsausgaben zu verdeutlichen.”

    Der Tenor alle anderen ausgeworfenen Treffer ist gleichlautend. Und nun die Frage an Sie, Herr Weiss: Glauben Sie ersthaft an eine Bedrohung Polens durch Rußland? Können Sie, nach einigen Minuten mentaler Innenschau, guten Gewissens ausschließen, daß hinter dem ganzen Kriegsgedöns andere Motive stecken, als man uns breit verklickern will?

    Ungeachtet Ihrer obigen Antworten: Spielen wir das Ganze durch mit Schweden (google Schweden Ukraine). Erster Treffer: “N-TV: Schweden erwartet Donner.”

    Sie sind noch immer überzeugt, daß alles mit rechten Dingen zugeht?

    Eine kleine weitere Facette dazu, wie Medienkonsumenten permanent verarscht werden, sind die Verwirrspiele rund um Truppenwegungen an der Grenze zur Ukraine. Während Rasmussen von der Nato noch wütend trommelt, die Russen würden keinen Millimeter gewichen sein, verteidigt zeitgleich Verhofstadt die Wichtigkeit der Wirtschaftssanktionen mit den Hinweis darauf, daß nun ja die Truppen zurückgewichen sind. Fakten? — Pustekuchen!

    Bleibt die letzte Frage an Sie: Hat jüngst ein russischer Soldat irgendwo rund um die Ukraine einen Menschen getötet oder verletzt? Wurde in kriegerischer Absicht ein Stein geworfen? Vertrauen Sie mir — ich wäre der erste, der tatsächliche Gewalt aufs Schärfste verurteilen würde. Im Moment hyperventilieren die Medien um eine potentielle Gewalt, um eine Gefahr, die in ihrer aktuellen Darstellung nicht lächerlicher sein könnte.

    Diese Hyperventilieren kann man als gerechtfertigt ansehen. Man kann aber auch versuchen, hinter die Kulissen zu blicken und ein paar weitere Bausteine einarbeiten, die medial nicht im Brennpunkt stehen. So schwierig ist Tetris nicht.

    welt.de/politik/ausland/article126455385/Polen-ruestet-aus-Angst-vor-Russland-auf.html

  16. Erich Bauer

    @world-citizen,

    ein sehr wohltuend unaufgeregtes Posting – wenn ich mir erlauben darf, das zu sagen. Ihre Beschreibung des “Massen”-Amerikaners (patriotisch-chauvinistisch-nationalistisch-“deppert”) ist auch mir nicht ganz unbekannt…

    Was mich aber in diesem Gesamtzusammenhang wirklich außerordentlich frappiert, ist die Tatsache, dass die veröffentlichte Mainstream-Journaille, nahezu gleichgeschaltet, die NULL-Ahnung=Meinung” (?) der “Massen”-Amerikaner (?) wie verrückt trommelt! Das widerspricht doch der vielgepriesenen “Intellektualität” europäischer, sattsam bekannter “Medienprofis”. Trichtert man dem “Massen”-Europäer doch schon seit Jahrzehnten ein, dass er ständig zu “differenzieren” habe. Ja, die “intellektuelle-Medienprofi-Olympiade” verstrickte sich nahezu in der Disziplin auch die “Differenzierungen zu differenzieren”…

    Und seit Maidan… seit “Insane” McCain sich dort samt Kerry – der sich in Israel einen veritablen Tritt in den Allerwertesten einfing – herumtrieben… Man fasst es nicht. Mit Bestürzung muss man zur Kenntnis nehmen, dass die Medien-“Intellektuelle” Europas weder “differenziert”, geschweige denn reflektiert! Da stellt sich dann tatsächlich die Frage, ob diese “Intellektuellen” jemals intellektuell waren! Vielleicht waren sie von Natur aus immer schon “Tintenstrolche”? Da wird seit nahezu 2 Monaten – entgegen jeglicher menschlicher Logik – Schwarz/Weiss gezeichnet, welches kaum auf den miesesten Stammtischen, im notärztlichen Suffzustand, vorzufinden ist… Manchmal erscheint mir das in dieser, “ästhetisch”, schrecklichen Day-for-Night Kopierwerkstechnik, die mich an diese – mir immer etwas komisch vorkommenden – John Wayne-Filme erinnert.

    So. Was sagt ein Weltbürger dazu? Wohin geht die Reise. Glaubt der Weltbürger, dass die Menschheit – mit diesem “Material” – ins Universum vordringen kann? Werden es die “Russen” sein? (*g*)

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