Was, bitte, ist eigentlich “Islamismus” ?

Von | 15. September 2016

(ANDREAS UNTERBERGER) Islam ist gut. Islamismus ist schlecht. Diese schlichte Formel wird von politisch korrekten Medien, Kirchenmännern und Parteien ständig in nur leicht voneinander abweichenden Variationen wiederholt. Sie klingt gut. Sie hat nur einen Haken: Sie ist unbrauchbar, denn dabei wird überhaupt nicht klar definiert, was eigentlich Islamismus ist, wie er sich in erkennbarer Form vom Islam unterscheidet.

Ich habe bei vielen offiziellen wie privaten Diskussionen mit Exponenten des Islams nach einer erkennbaren Unterscheidungslinie geforscht, nach einer nachvollziehbaren Definition. Ich bin aber auf keine gestoßen. Und empirisch hat sich in den letzten Jahren immer dasselbe abgespielt: Offizielle Islam-Exponenten haben sich stets erst dann von Mitmoslems als „Islamisten“ distanziert, wenn diese bei einer Gewalttat erwischt worden sind. Es gibt aber immer nur Ex-Post-Kritik. Ich kenne praktisch keine Hinweise aus islamischen Organisationen, die schon VOR einer terroristischen Tat öffentlich und konkret auf noch nicht den Behörden bekannte Islamisten hingewiesen hätten. Das macht diese Organisationen überaus suspekt.

Es wird dennoch in Leitartikeln, in Politiker-Interviews weiterhin ständig behauptet, dass man zwischen guten Moslems und bösen Islamisten unterscheiden müsse und könne. Es gibt aber Null Klarheit, geschweige denn Konsens darüber, wie man denn diese Unterscheidung vornehmen soll, an welchen Haltungen oder Aussagen man als Nicht-Moslem denn einen Islamisten erkennen kann, bevor er eine strafbare Handlung gesetzt hat.

Das ist freilich auch schwierig

bei einer Religion, die in ihrem heiligen Buch zahlreiche Tötungsaufrufe gegen “Ungläubige” enthält;
bei einer Religion, bei der ein guter Teil der Gläubigen der Überzeugung ist, dass dieser Koran wörtlich zu nehmen ist;
bei einer Religion, die – zum Unterschied etwa zum Katholizismus – zumindest unter den Sunniten keine klare Hierarchie kennt, welche die Religion verbindlich interpretieren könnte;
bei einer Religion, die für viele Gläubige eine Belohnungsgarantie für Gewaltausübung enthält, sobald sie diese als „Heiligen Krieg“ bezeichnen;
bei einer Religion, bei der die von ihr geprägten Staaten heute durchwegs wirtschaftlich und naturwissenschaftlich absolut rückständig sind und deren Bevölkerung daher zu den ärmsten der Welt zählen – sofern nicht Erdöl oder Erdgas (vorübergehend) gekauften Luxus ermöglicht haben. Dabei hatte insbesondere die nahöstliche Region in den Zeiten vor dem Islam einen der kulturellen Höhepunkte der Menschheit gebildet;
bei einer Religion, in deren Einflussbereich beziehungsweise Eroberungszonen seit vielen Jahren mehr Kriege und Konflikte toben als im Rest der Welt zusammen.
Die Folge des Fehlens klarer Trennlinien ist bekannt: Für die Mehrheit der politisch-medialen Propaganda-Klasse sind a priori alle Moslems auf der guten Seite einzuordnen, für die Mehrheit der Bürger sind sie alle Islamisten.

Es gibt sehr eindrucksvolle Exponenten des Islams, wie den Göttinger Politikwissenschaftler Bassam Tibi oder den Wiener Religionspädagogen Ednan Aslan, die den mutigen Schritt zu einem Euro-Islam wagen. Sie haben ein Verständnis von ihrer Religion, das durchaus mit dem Christentum nach der Aufklärung vergleichbar ist. Auch im Christentum ist die Aufklärung anfangs ja vehement abgelehnt worden, inzwischen ist aber für die Kirche die Vernunft absolut kompatibel mit dem Glauben – auch wenn das manche Christen nicht akzeptieren wollen.

Sie bekennen sich zu einer echten Religionsfreiheit, zur vollen Gleichberechtigung von Mann und Frau, zum Vorrang der staatlichen Gesetze und natürlich erst recht zum Verzicht auf Gewalt.

Das ist sehr eindrucksvoll und sympathisch. Aber als ich Aslan fragte, für wie viele Moslems denn seine – eindeutig nicht islamistische – Glaubensauffassung repräsentativ sei, bekam ich eine sehr ernüchternde Antwort: Aslan will jetzt eine entsprechende Gemeinde gründen. Eine erste. Nach einer relevanten oder gar Mainstream-Auffassung innerhalb des heutigen Islams klingt das also ganz und gar nicht. Aslan deutet wohl auch zu Recht an, dass er selbst sich mit seinen Haltungen mehr vor Anschlägen islamistischer Fundamentalisten fürchten muss als etwa Christen.

Nichtmoslems – Christen, Juden, Atheisten, Agnostiker – ebenso wie Staat und Behörden sind bei der Begegnung mit dem Islam mit einer unglaublichen Bandbreite konfrontiert, in der sie sich nicht orientieren können. Wo verläuft da die Grenze zwischen Gut und Böse? Wovor müssen sich die europäischen Gesellschaften fürchten? Wogegen sollten sie sich verteidigen? Wen kann man integrieren?

Auch tiefschürfende Koran-Interpretationen helfen da nicht weiter. Denn im Koran findet man für absolut jede Sichtweise Belegstellen. Daher sollte ein ganz anderer Weg eingeschlagen werden.

Wir sollten bei der Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus nicht von einer komplizierten Koranologie ausgehen, sondern selbstbewusst von unseren europäischen Gesellschaftswirklichkeiten und Rechtsordnungen. Denn diese und nur diese sind bei aller Detailkritik für einen Großteil der Europäer positiv und verteidigenswert. Sie sind das Produkt der christlich-jüdischen Prägung, des antiken Erbes und der laizistischen Aufklärung. Diese drei Wurzeln des Abendlandes haben in den letzten Jahrzehnten – nach vielen Konflikten der Vergangenheit – zu einer gut funktionierenden und für die Menschen lebenswerten Basis geführt. Zum erfolgreichsten Staatssystem der Geschichte.

Und jeder Moslem, jeder Buddhist, jeder Moslem, der diese Basis voll akzeptiert, sei auch selbst voll akzeptiert. Aber nur der. Denn wer versucht, hier eine multikulturelle Zusatzebene einzuführen, wird scheitern, muss scheitern, weil Europa sonst in den Abgrund stürzt oder zumindest in eine Wiederholung der schweren Konflikte der Geschichte. (TB)

 

14 Gedanken zu „Was, bitte, ist eigentlich “Islamismus” ?

  1. Gerald

    Ist ganz einfach, wie bei Alkohol, zuviel davon führt zu Alkoholismus.
    Zuviel Islam führt zu Islamismus. Und da möchte ich am liebsten ganz enthaltsam bleiben.

  2. wbeier

    Wie kommt man als Abendländer überhaupt dazu, sich mit der Unterscheidung von Islam zu Islamismus auseinander zu setzen? Ist das nicht schon ein erstes Signal von Unterwerfung dafür intellektuelle Kapazitäten zu reservieren oder sollte der gesamte Problemkomplex nicht doch besser dort bleiben wo der Pfeffer wächst?
    Die Realität des Faktischen sieht ohnehin anders aus, wie ein Rundgang in bereits gekippten Wiener Milieus beweist. Selbst angebliche kompatible Euroversionen ala Bassam Tibi oder Ednan Aslan erzeugen Potentiale, denen der schwache Europäer im Alltag kaum gewachsen ist. Somit bleiben ihm in letzter Konsequenz sowieso nur mehr die drei entwicklungsgeschichtlichen A:
    Aussterben, Anpassen oder Auswandern.
    Das wissen die Musel, ob radikal oder moderat, genau. Die Zeit arbeitet für sie. Sollte sich doch noch so etwas wie eine breitere islamische Intelligenzia auch noch an den gesellschaftlichen Stellhebeln breit machen, heißt es ohnehin: „Der Letzte dreht das Licht ab“

  3. Fragolin

    Islamismus ist ein Kunstwort zur Beschreibung von ernst gemeintem Islam.
    Wenn Islamismus und Isam nichts miteinander zu tun haben außer so ziemlich alles, dann haben also Sozialismus und sozial auch nichts miteinander zu tun… 😉

  4. Fragolin

    @wbeier
    Richtig. Man will uns weismachen, es wäre unsere integrative Pflicht, uns mit dem Islam auseinanderzusetzen, um ihn besser zu verstehen. Will ich aber nicht. Interessiert mich nicht die Bohne.
    Ich werde gezwungen es zu tun, weil sich der Islam mir gegenüber feindlich positioniert, mich permanent angreift, ich würde ihn diskriminieren oder eine Phobie gegen ihn aufbauen und müsse mich nun rechtfertigen – WIESO? Ich will und muss mich weder mit Buddhismus, Hinduismus oder Judentum auseinandersetzen, also was wollen bitteschön die Museln von mir und warum lassen sie mich nicht in Ruhe sondern belästigen mich mit Stoffkäfigen, Muezzingeplärre und TV-Omnipräsenz?
    Genau DAS ist es, was den Leuten schön langsam auf die Nüsse geht. Dieses aufdringliche, widerwärtig anwanzende Gejammere und diese permanenten frechen Forderungen nach Sonderrechten.
    Muselkinder dürfen kein Schwein essen? Na gut, dann lassen sie’s eben; es ist Sache der Eltern ihnen das beizubringen und nicht Sache der Schulküche. Kinder, die Allergien haben und im Gegensatz zu den Dauermimöschen der Jammererreligion wirklichen Schaden davontragen können, wenn sie was falsches essen, müssen auch lernen aufzupassen.
    Es reicht!

  5. mariuslupus

    Steht im Koran etwas von Islamismus. Steht es nicht im Koran, gibt es kein Islamismus, sondern den Islam.
    Islam gehört dort, wo er hingehört. Europa braucht keinen Islam. Das versuchen uns nur die Politiker, die sich von den eigeladenen Mohammedanern Unterstützung erhoffen, einzureden und als Segen, oder Geschenk, zu verkaufen.
    Europa hat auch ohne die so genannte Flüchtlingskrise genug eigene Probleme. Probleme die Europa nicht hätte, wäre nicht die Poltikerkaste dabei, die Grundlagen des Wohlstands, der wirtschaftlichen Leistung und der kulturellen Vielfalt, mit voller Absicht zu zerstören.
    Die Politikerkaste ist dabei, die bis jetzt zuverlässige Versorgung mit Energie im Namen einer grünen Ideologie, zu zerstören.
    Die Politikerkaste, als EZB getarnt ist dabei die Währung zu entwerten, und damit die Sicherheit der Anlagen, zu zerstören.
    Der Tugendterror der politischen Korrektheit zerstört nicht nur die freie Meinung, sondern auch das Denken wird bereits zensuriert. So genannte Diskussionen, verkommen immer mehr, zum einfältigen papperlapapp, mit von den politisch korrekten, erlaubten Argumenten. Jede abweichende Meinung wird unterdrückt und der Sager, bedroht.

  6. Antonia Feretti

    Islamismus ist ein Kunstbegriff, der von Europäern geprägt wurde, die keine Ahnung von den Lehren des Islam haben und auch den Koran nie gelesen haben, wenngleich dies manche von denen behaupten, ebenso wie die Behauptung existiert, es gäbe einen guten und einen bösen Koran.
    Gewalttätiger Islam findet reichlich Rechtfertigung im Koran und natürlich im Vorbild des Propheten. Wer anderes behauptet, sagt nicht die Wahrheit, auch wenn er Franziskus heißt.
    Die Verkünder eines barmherzigen, weltoffenen Islam mögen sich diesen vielleicht wünschen, in ihren Schriften findet man ihn nicht. Kritisch betrachtet sind diese Personen wirkmächtige Unterstützer der Islamisierung Europas, indem sie naiven, gutgläubigen Europäern, die meinen, alle Religionen müssten gut sein, Sand in die Augen streuen.
    Mohamed ist kein zweiter Jesus (auch wenn er dies selbst vielleicht gern gewesen wäre) und Allah kein liebender Gott für alle Menschen. Allahs Güte und Barmherzigkeit gilt ausschließlich den Muslimen, und da nur den “wahren”. Alle anderen sind Ungläubige, die in die Hölle kommen und im diesseitigen Leben versklavt und getötet werden dürfen, jedenfalls Menschen zweiter Klasse. DAS ist Islam.

  7. wbeier

    @Fragolin
    >Genau DAS ist es, was den Leuten schön langsam auf die Nüsse geht<
    Ich glaube das sitzt tiefer. Es ist diese schleichende Mutation des Alltags die für viele Menschen beklemmend ist und nicht erst seit 2015. Nicht umsonst hat sich der Speckgürtel südlich von Wien zwischen 1990 und 2000 um fast 20% vergrössert. Wer es sich leisten kann haut aus diesem rot/grünen Versuchslabor ab. Der Rest wird integriert, aber andersherum.
    Ist ja ganz hübsch, wenn die Herren "moderaten Moslem" ihre Gschichterln darlegen aber es geht – wie immer – ausschließlich um die Befindlichkeiten ihresgleichen.

  8. Susi Einstsorglos

    @ Fragolin: Ja, Sie haben Recht, das Thema Islam ist omnipräsent und nervt gewaltig. Aber heißt es nicht „… wenn du dich und deinen Feind kennst, brauchst du den Ausgang von 100 Schlachten nicht zu fürchten! Wenn du dich kennst, aber deinen Feind nicht, wirst du für jeden Sieg eine Niederlage erleiden und wenn du weder dich noch deinen Feind kennst, wirst du in jeder Schlacht unterliegen.“ (Sunzi, Die Kunst des Krieges) Da der Islam mit Koran, Hadithen usw. nun mal das Fundament bilden, ob moderat oder fundamentalistisch, ist es sicher nicht verkehrt, zu wissen was da alles drinnen steht. Dieses Fundament erklärt gewisse Beweggründe und Handlungen der „Gläubigen“. Was da drinnen steht, lässt einem „normal“ denkenden Menschen mehr als die Haare zu Berge stehen. Wer an so was glaubt, und sich das als Lebensideologie (weil was anderes ist es nicht) aussucht, kann in meinen Augen nicht ganz dicht sein. Wenn man jetzt weiß, dass das Gegenüber nicht ganz dicht ist, muss man sich auch dementsprechend verhalten.

  9. Geheimrat

    „In keiner anderen Kultur, geschweige denn Religion findet sich die Kodifizierung von Mord, Raub, Versklavung und Tributabpressung als religiöse Pflicht. In keiner anderen Religion findet sich die geheiligte Legitimation von Gewalt als Wille Gottes gegenüber Andersgläubigen, wie sie der Islam als integralen Bestandteil seiner Ideologie im Koran kodifiziert und in der historischen Praxis bestätigt hat. Nicht zuletzt findet sich kein Religionsstifter, dessen Vorbildwirkung sich wie bei Muhammad nicht nur auf die Kriegsführung, sondern auch auf die Liquidierung von Gegnern durch Auftragsmord erstreckte.“ (Hans-Peter Raddatz: „Von Allah zum Terror?“, München 2002, S.71).

  10. astuga

    Wer sich zum Islam bekennt (Shahada) gilt als Muslim.
    Wer den Glauben (Iman) äußerlich lebt und die 5 Säulen befolgt gilt als Muminin.
    Wer den Islam verinnerlicht hat (Ihsan) gilt als Muhsin.
    Auch Fundamentalisten und Terroristen sind auf jeden Fall Muslime und Muminin.

    Ein sog. moderater und säkularer Muslim ist aber bloß ein (schlechter) Muslim, da er ja oft nicht mal den Islam äußerlich korrekt praktiziert, zB die 5 täglichen Gebete oder das Fasten.
    Islamisten: ein westliches Kunstwort, im Islam heißen sie Mujahid-een (jemand der Jihad betreibt)
    Gemäßigte Muslime: ein westliches Wunschbild, im Islam heißen sie Munafiq oder Fasiq (Frevler und Heuchler).

  11. astuga

    Nachtrag.
    Jihad heißt auch nicht wie oft behauptet Anstrengung im Glauben, das wäre wörtlich der Idjtihad.

  12. Fragolin

    @Susi Einstsorglos
    Sie bestätigen den 1. Satz meines 2. Absatzes: Ich werde gezwungen es zu tun, weil sich der Islam mir gegenüber feindlich positioniert.
    Ich beschäftige mich damit, und je weiter ich es tue, umso mehr Ekel befällt mich ob der kranken Regeln und Denkweisen, die hinter dieser zutiefst menschenverachtenden Kriegsideologie stecken. Er entspricht so ziemlich meinem Ekel vor der Herrenmenschen- und Rassen-Ideologie der Nazis. Oder der Massenmord-für-die-Gerechtigkeit-Ideologie der Kommunisten.
    Wenn man Dreck angreift, macht man sich schmutzig. Aber da uns der Dreck um die Ohren fliegt, bleibt wohl nichts anderes übrig…

  13. Hanna

    Islam ist eine oppressive Männerphantasie, die auch von Frauen unterstützt wird, damit sie jene Männer zufriedenstellen und als Konsequenz unbehelligt leben dürfen. Moslems wollen den öffentlichen Raum den Männern vorbehalten, Frauen dürfen ihn zu haushalterischen und erziehungsbezogenen sowie gesundheitlichen Gründen betreten, sind aber ansonsten darin nicht frei, und zumeist dürfen sie nicht ohne männlich Begleitung ausgehen. Warum dieser nötige “Schutz” durch Männer vor anderen Männern – ein Brauch, der ja eben aus islamischen Gegenden kommt? Na, weil die Moslems selber den Frauen ihrer eigenen Gesellschaft nachstellen, die darin nicht sicher sind. Und wiederum – Männerphantasie, infantil: Das Männchen will Weibchen und kämpft mit anderen Männchen darum, die dasselbe im Sinne haben und ihre bereits eingefangenen Weibchen schützen und für sich bewahren müssen. Grr. Da wird mir frostelig vor Graus.

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