Was einen Liberalen ausmacht

“…Liberale nehmen zuerst das Individuum in den Blick. Darin unterscheiden sie sich von Sozialisten, Sozialdemokraten und Konservativen, die einen anderen Fixpunkt besitzen: das Kollektiv in seiner Ausprägung von der Wohnbaugenossenschaft bis hin zur Nation…” (Kluger Essay in der NZZ)

16 comments

  1. Thomas Holzer

    Ja, wahrhaft wahre Worte, bis auf:

    “Westliche Gesellschaften entscheiden sich eher für mehr Freiheit als für mehr Sicherheit…..”

    Hier liegt der Redner -die Schweiz bei Seite lassend- leider falsch

  2. FDominicus

    “Westliche Gesellschaften entscheiden sich eher für mehr Freiheit als für mehr Sicherheit…..”

    Ja klar und die Erde ist eine Scheibe.

  3. Christian Peter

    Liberale = links
    Sozialisten = links
    Anarchisten = links
    Konservative = rechts
    Nationalisten = rechts

  4. Mourawetz

    Tolle Rede! Damit bin ich einverstanden. Das ist meiner Meinung nach die richtige Antwort auf die Krise der Medien, die ja nur aus der gleichförmigen Linkslastigkeit aller Zeitungen resultiert.

    Mal schauen, ob ich die Österreich-Ausgabe erwische.

  5. Thomas Holzer

    “Liberale = links
    Sozialisten = links
    Anarchisten = links
    Konservative = rechts
    Nationalisten = rechts”

    sehr simpel, aber trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, falsch

  6. Fragolin

    Es geht doch nichts über ein einfaches Weltbild. Klein, in sich geschlossen und ohne störenden Realitätsbezug. Gratulation, Herr Peter!

  7. Marcel Elsener

    @Christian Peter

    Inwieweit Ihre simple Einteilung die wesentlich komplexere Realität widerspiegelt, lasse ich mal beiseite. Das haben andere Kommentatoren schon moniert. Aber wieso glauben Sie, Herr Peter, dass die Nationalisten rechts seien? Historisch und philosophisch gesehen sind sie nämlich eindeutig links.

    Nach dem Liberalismus, war der Nationalismus die zweite auf den Idealen der Aufklärung gründende Ideologie und entfaltete bereits kurz nach Ausbruch der Französischen Revolution seine Wirkung – insbesondere unter der sich kurzzeitig stark ausweitenden Macht des napoleonischen Frankreichs. Als dritte auf den Grundlagen der Aufklärung gründende Ideologie kam später auch noch der Sozialismus (insbesondere in der theoretisch umfassend ausformulierten Version des marxschen Kommunismus bzw. seiner diversen Derivate) hinzu.

    Demgegenüber stand der im Denken des Ancien Régime wurzelnde Konservativismus, der damals vor über 200 Jahren allerdings nicht so sehr ideologisch sondern fast nur strukturell (überkommene royalistische Machtstrukturen) begründet wurde. Ursprünglich war ‘rechts’ einfach die Bezeichnung für royalistisch, und ‘links’ war die Bezeichnung für republikanisch, was sich im Zuge der bürgerlichen Republikanisierung von immer mehr europäischen Staaten während des 19. Jhds. dann allmählich zum allgemeineren Begriff ‘konservativ’ hin verschob, da der Royalismus – zumindest im absolutistischen Sinne des Ancien Régime – zunehmend anachronistisch wurde.

    Konstituierend für den Nationalismus ist die Idee der Sprachnation, des Staates in einem sprachlich einheitlichen Gebiet. Nationalisten waren zumeist Revolutionäre und kämpften einerseits für die Vereinigung gleichsprachiger Gebiete zu einem Nationalstaat und damit oft auch für die Abspaltung aus einem multisprachlichen Königreich (z.B. der Donaumonarchie), welches sich über Jahrhunderte hinweg durch Kriege, Heiratspolitik und sonstige politische Verträge zwischen Herrschern herauskristallisiert hatte. Andererseits kämpften Nationalisten auch gegen Sprachminderheiten im eigenen Land und versuchten diese entweder zu assimilieren oder zu vertreiben. Ideologisch gab es kaum Gemeinsamkeiten mit den rechten Royalisten.

    Die heute gängige Einordnung von nationalistisch = rechts ist somit rein willkürlich begründet und widerspiegelt weder eine historische noch eine philosophische Kontinuität.

  8. Christian Weiss

    Links = Kollektivismus und Staatsgläubigkeit

    Rechts = Individualismus und Eigenverantwortung

    So definiert die Wählerinformationsplattform “Smartvote”, die die politischen Haltungen von tausenden Kandidaten für Schweizer Exekutiv- und Legislativämter kartografiert hat, im weitesten Sinne die verschiedenen Pole. Darum gilt die einzige halbwegs relevante, sogenannt “rechtsextreme” Partei der Schweiz, die Partei National Orientierter Schweizer (<100 Mitglieder), die einen "eidgenössischen Sozialismus" propagiert, in diesem Koordinatensystem als links.
    http://www.smartvote.ch

    Auszug: "smartmap-Grafiken stellen die politischen Positionen von Kandidierenden oder Parteien in
    Form einer zweidimensionalen politischen Landkarte dar. Als Datenbasis dienen sämtliche
    Fragen des smartvote-Fragebogens. Die beiden Achsen der smartmap bilden die beiden
    zentralen Dimensionen der Schweizer Politik ab:
    • Auf der horizontalen Achse (x-Achse) sind in der Regel Fragen verortet, die für den
    politischen Links-rechts-Gegensatz stehen. So werden einerseits ökonomische Verteilungsfragen
    thematisiert: Dazu gehört die Frage nach den Rollen von Staat und
    Markt, aber auch Aspekte der Umverteilung und der Eigenverantwortung, Fragen zu
    wirtschaftlicher Leistung, Privateigentum oder der Ausgestaltung des Sozialstaates.
    Ökologische Themen betreffen den Links-rechts-Gegensatz vor allem dann, wenn
    gleichzeitig ökonomische Fragen (z.B. Umweltsteuern, Einschränkungen des Privateigentums)
    betroffen sind. Andererseits finden sich auf der horizontalen Achse auch
    Fragen zu staatlichen Institutionen insbesondere zur Ausgestaltung und den Aufgaben
    von Armee, Polizei oder Staatsschutz."

  9. Thomas Holzer

    Sag ich doch. Es gibt seit Jahrzehnten keine rechte Partei mehr in Österreich.
    Alles nur noch Kollektivisten und Etatisten, natürlich mit den entsprechenden klientelistischen “Einsprengseln”

  10. PeterT

    zu dem Thema ‘was heißt eigentlich Links und Rechts’ möchte ich auch meinen Senf dazugeben.
    Ich glaube der ursprüngliche Antagonismus ist
    – hier Menschen / Gruppen, die die bestehende Ordnung bewahren wollen – sie sind mit der bestehenden Ordnung zufrieden, profitieren evtl. auch davon, und wollen sie beibehalten – kann man auch Konservative bzw. Rechts nennen.
    – da Menschen die die bestehende Ordnung beseitigen und durch eine Andere ersetzen wollen – sei es aus idealistischen oder einfach aus egoistischen Motiven – wird häufig mit ‘Links’ assoziiert.
    Meiner Meinung nach sind das die fundamentalen Motive politischen Handelns, und die jeweils vorgegebenen Motive – und damit die verbundenen Ettikettierungen (Sozialistisch, Nationalistisch,,….) sind eigentlich zweitrangig.
    Deswegen könnte man durchaus auf die Idee kommen, Nationalisten des 19. Jhdts als ‘links’ zu bezeichnen, als sie gegen das monarchistisch-klerikale Establishment kämpften – heute, im Zeitalter der Nationalstaaten, würde man sie eher Rechts verorten.
    Detto Liberale, je nachdem wo sie in Bezug auf das jeweilige System im jeweiligen Land stehen.
    Das führt natürlich u.a. zu dem Paradoxon, daß man dann die KPdSU in der Spätphase der Sovietunion als Rechts einstufen müsste – aber – genau genommen – so falsch ist das vielleicht gar nicht (und beweist höchtens wie problematisch die Links-Rechts Kategorie als Solche ist)

  11. Thomas Holzer

    Ich denke, Sie verwechseln links, rechts mit dem jeweiligen Zeitgeist.
    Kollektivisten können niemals rechts sein, weil für die Kollektivisten eben die Vielfalt, die Verschiedenheit, die Individualität, die Einzigartigkeit jedes einzelnen Wesens auf dieser Erde einen mit allen Mitteln zu beseitigen Mißstand, ja gar eine Fehlkonstruktion der Natur -oder auch Gottes-, darstellt.

  12. Fragolin

    Weg vom “Rechts-Links-Schema” gibt es für den einzelnen Menschen nur zwei sich direkt auf sein Wohl und Wehe auswirkende Strömungen: Einerseits den Kollektivismus, das Auflösen des Individuums in der zwar bequem schützenen und wärmenden, aber auch die Individualität und das Denken auflösenden Herde, die Verschafung des Menschen zum Wohle des Schäfers (weshalb dies immer in Diktatur endet, denn das Vorhandensein der Herde schreit geradezu nach einem Schäfer, und wo es den gibt, ist auch der Metzger nicht weit…). Andererseits den Individualismus, die Verneinung aller Kollektive bis hin zur Verneinung des Staates und der Nation; die Freiheit des Einzelnen, alles zu tun und zu lassen, was er will, aber auch alle Chancen und Risiken allein zu tragen, Verantwortung für sein Leben selbst zu übernehmen. Dies ist der unbequeme Weg des Einzelkämpfers, der zum Überleben Kompetenzen benötigt, Härte gegen Schicksalsschläge entwickeln und vorausschauend und nachhaltig entswcheiden uund handeln muss. Es birgt eine größere Gefahr des Scheiterns aber auch eine größere Chance des überdurchschnittlichen Erfolgs.

    Der Kollektivismus wird bei den Nachfahren der Affenhorde immer gewinnnen. Denn erstens ist es keinem Herrschaftsinstrument und damit keiner Partei von Vorteil, wenn die Untertanen ihr Schafsein verlieren (Parteien sind per se bereits Kollektive, wie sollen sie also was anderes tun? Genau deswegen funktioniert eine Partei der Einzelkämpfer nicht, siehe TS, denn es bedeutet die Quadratur des Kreises.) und zweitens drängelt die Mehrheit der Horde zum gemeinsamen (sozialen, fairen, gerechten, kuschelwarmen) Fressen und Lausen und möchte sich mit Entscheidungen und Verantwortung lieber nicht belasten. Sie scheut die Gefahr der Jagd, kreischt aber nach einem Rechtsanspruch auf Nahrung. Wer ihr den verspricht und der Horde predigt, sie hätte das geradezu gottgegebene Recht, dem verachteten Einzeljäger die fette Beute wegzunehmen um sie unter sich zu verteilen, dem wird die Horde lobpreisend folgen.

    Wir bezeichnen das als Zivilisation und unterlegen es mit Nukleartechnologie, aber unter’m Strich leben wir immer noch in Affenhorden, die Großmäulern nachlaufen und nur einen Grund suchen, den Erfolgreichen das Fressen wegzunhemen um sich selbst die Mühen der Jagd zu ersparen. “Links” und “Rechts” spielen dabei keine Rolle.

  13. Marcel Elsener

    @PeterT
    Sie stellen hier den Gegensatz zwischen bewahrenden und auf Neuerungen bedachten Ideologien heraus. Den bewahrenden Kräften weisen Sie das Etikett ‘rechts’ zu und den auf Neuerungen bedachten Kräften das Etikett ‘links’. Auf den ersten Blick hin ein durchaus verlockendes Konzept.

    Das Problem ist, dass Sie damit aber einen Grossteil derjenigen, die sich heute selbst als ‘links’ bezeichnen, das Etikett ‘rechts’ verpassen. Der Durchschnittssozi ist heute nach Ihren Massstäben, PeterT, konservativ; er will seine sogenannten sozialen Errungenschaften bewahren. Der Konservative hingegen, der für Familie, für verlässliche zwischenmenschliche Bindungen (insbesondere die Ehe), für eine funktionierende rechtsstaatliche Ordnung, für den Schutz ungeborenen Lebens und für viele andere klassisch konservative Dinge einsteht, ist heute beinahe schon ein Revolutionär, denn das, was er gerne einführen will, existiert grösstenteils nicht mehr und kann somit auch nicht mehr bewahrt werden; es müsste vielmehr wieder neu geschaffen werden. Von den Liberalen, die in unserem freiheitsfeindlich-kollektivistischen Gesellschaftsklima das Banner der Individualität und der Freiheit hochhalten und eine grundlegend andere Ordnung als die vorherrschende haben wollen, ganz zu schweigen – sie sind von ihren Zielen her sehr auf Neuerungen bedacht. Und ist nicht gerade der stockkonservative Islamismus eine extrem revolutionäre Bewegung, die die bestehenden politischen und religiösen Ordnungen radikal umstürzen und zu einem idealistischen islamischen Staat gelangen will, wie er noch nicht einmal unter den ersten Kalifen vor über 1300 Jahren herrschte? Sind Islamisten somit linksextrem?

    Ihr Konzept, PeterT, ist nichts anderes als eine Ad-hoc-Interpretation aufgrund des jeweils gerade herrschenden Zeitgeistes. Sobald man aber ein philosophisches Ordnungssystem errichten will, das über den sich stetig verändernden Zeitgeist hinaus bestimmte Standpunkte und Entwicklungen einordnen will, taugt Ihr Konzept nichts mehr.

    Eine andere Frage ist, ob das traditionelle Links-Rechts-Schema noch sinnvoll ist. War es überhaupt jemals sinnvoll? Oder handelt es sich eher um eine zeitgeistige Wortschöpfung, die unmittelbar nach der Französischen Revolution gerade en vogue und deshalb weitherum anerkannt war, allerspätestens jedoch mit dem Zusammenbruch der metternichschen Ordnung in Europa endgültig obsolet wurde?

    Fragolin hat eine andere Einteilung vorgeschlagen: Individualismus versus Kollektivismus. Tatsächlich glaube ich auch, dass eine Einteilung der weltanschaulichen Strömungen nach diesem Schema wesentlich besser ist als das alte Links-Rechts-Schema. Individualität und Kollektiv hängen am Menschsein selbst; in jedem Menschen sind beide Neigungen vorhanden und konkurrieren sich gegenseitig. Je nachdem, zu welchem Resultat diese Auseinandersetzung innerhalb des Individuums führt, kann das Individuum dann im Koordinatensystem zwischen den Polen Individualismus und Kollektivismus eingeordnet werden. Jene Individuen, die in denselben Bereichen des Koordinatensystems angesiedelt sind, kann man wiederum zu weltanschaulichen Gruppen zusammenfassen.

    Nun könnte man die Kollektivisten auf der linken Seite des Koordinatensystems ansiedeln und die Individualisten auf der rechten Seite. Grob eingeteilt, wären dann die Kommunisten/Sozialisten auf der linksextremen Seite, die Sozialdemokraten auf der stark bis gemässigten linken Seite aufgeführt, die Konservativen würden sich verteilen von stark links bis stark rechts, und die Liberalen/Libertären wären auf der stark rechten bis rechtsextremen Seite. Die Nationalisten wären auf der linken Seite – zusammen mit den Sozialdemokraten – und die Nationalsozialisten sogar auf der linksextremen Seite – gemeinsam mit den Sozialisten und Kommunisten – angesiedelt. Eine bestechende Einteilung, der eine gewisse nachvollziehbare Systematik zugrunde liegt.

  14. FDominicus

    Hätten sie bitte die blaue (rechte) oder linke Pille (links)? Danke ich nehme die wo liberal drauf steht und drin ist 😉 Rechts und links sind keine Alternative. Weil ganz rechts und ganz links der starke Staat steht. Es ist dabei letztendlich egal wem noch die Produktionsmittel gehören. In einer linken oder rechten Planwirtschaft gibt es nur einen Weg: Den nach ganz, ganz unten und zwischen drin muß man durch Meere an Blut waten.

  15. panta rhei

    Für mein Dafürhalten hat es Fragolin wieder auf den Punkt gebracht – das ist letzlich die reale Quintessenz. Alles andere sind Ausprägungen davon bzw. intellektuelles Spiel mit Semantik und Geschichte.
    p.s.: die besagten Schäfchen werden ja schnell zu reißenden Wölfen, wenn ihnen der Futtertrog nicht mehr von oben gefüllt wird bzw. werden kann. Da bedarf es nur mehr eines “Leitwolfes, der ihnen Selbiges verspricht. Da wir das schon mal hatten und man insofern klüger geworden ist, wird auf europäischer (westlicher?) Ebene alles getan, um eine Entwicklung in diese Richtung schon im Ansatz zu vermeiden. Da wird halt gleich alles, was nicht Schaf sein will, als unsozial und gefährlich rechts gebrandmarkt, auch liberales Gedankengut. Daher sehe ich eher die Gefahr der totalen Verschafung. Orwell und Huxley lassen grüßen.

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