Was ist links, und was rechts?

(A. TÖGEL)  In einem Grundsätzreferat anläßlich der neunten Tagung seiner „Property and Freedom Society“ beschäftigte sich der Ökonom Hans-Hermann Hoppe mit der Bedeutung von rechts und links im (eindimensionalen) politischen Ordnungsschema. Ressourcenknappheit bedinge die Notwendigkeit, soziales Leben unter eine allgemeine Ordnung zu stellen. Eine solche Ordnung diene dazu, den Menschen zu ermöglichen, in Frieden miteinander zu leben. Selbst wenn wir im Garten Eden lebten, wo es alle materiellen Güter im Überfluß gibt, wäre eine solche Ordnung unerlässlich, weil auch hier – hinsichtlich Zeit und Raum – Knappheit herrsche. Selbst im Paradies wären Entscheidungen hinsichtlich der zeitlichen Reihenfolge nötig, in welcher Wünsche verwirklicht werden. Da sich etwa zwei Personen in einem begrenzten Raum zur selben Zeit nicht an derselben Stelle befinden könnten, wäre zur Konfliktvermeidung eine entsprechende Ordnung notwendig.

Die eindeutige Unterscheidung zwischen mein und dein wäre in einer von Knappheit gekennzeichneten Welt eine entscheidende Voraussetzung dafür. Privates Eigentum bilde den Schlüssel. Privateigentum sei keine willkürliche Konstruktion, keine bloße Fiktion, sondern a priori wahr. Jedermann sei Eigentümer seines eigenen Körpers (John Locke hat diese Idee in seiner „Zweiten Abhandlung über die Regierung“ 1689 erstmals ausgeführt). Diese Tatsache sei nicht zu bestreiten, ohne sich dabei in einen logischen Widerspruch zu verstricken; Die Existenz privaten Eigentums somit unwiderlegbar bewiesen.

Die grundsätzliche Unterscheidung zwischen links und rechts sieht Hoppe in der Anerkennung oder Ablehnung der Existenz individueller Unterschiede zwischen den Menschen. Für Rechte existierten derartige Unterschiede – auch solche hinsichtlich deren geistigen Fähigkeiten und der daraus resultierenden Konsequenzen. Diese Unterschiede seien – ob mit oder ohne den Einsatz von Gewalt – nicht aus der Welt zu schaffen. Linke sähen das anders. Für sie resultierten allfällige Unterschiede ausschließlich aus Glück und Zufall (z. B. Ort der Geburt und Herkunft). Da das so sei, müssten derart „ungerechte“ Unterscheide (gewaltsam) eingeebnet werden.

Aus dem bisher gesagten würde klar, daß libertäres Denken mit rechten Positionen kompatibel, mit linken dagegen unvereinbar sei. Linke Positionen stünden in direkter Opposition zu privatem Eigentum. In einem linken System hätten die Machteliten darüber zu entscheiden, wer „glücklich“ ist und wer nicht und welche Maßnahmen zum Ausgleich dieser „Ungerechtigkeiten“ zu ergreifen seien. Da aber, bedingt durch menschliches Handeln, tagtäglich neue Ungleichheiten auftreten würden, wären unentwegte Interventionen unumgänglich. Der fortgesetzte (gewaltsame) Ausgleich von Ungleichheiten führe zwangsläufig zu einer totalitären Kontrolle durch den Staat.

Hoppe erläutert die praktische Unmöglichkeit eines „linken Libertarismus“ anhand der Haltung zur Frage der Immigration. „Linkslibertäre“ argumentierten auf Basis der „Menschenrechte“ pro unbeschränkte Immigration. Rechtslibertäre dagegen auf Basis des Eigentumsrechts dagegen. Privateigentum impliziere Diskriminierung. Es bedeute exklusive Nutzung, das heiße, bestimmte Menschen von seinem Gebrauch ohne weitere Begründung ausschließen zu können. Da in einer Privatrechtsgesellschaft kein „Gemeineigentum“ – auch nicht an Grund und Boden – bestehe, sei der Aufenthalt daher nur mit Zustimmung des jeweiligen Eigentümers möglich. Eine (Massen-)Immigration gegen den Willen der Grundeigentümer könne somit unmöglich stattfinden. Der Staat als Anwalt der Bürger und Steuerzahler habe auf dem „Vollkostenprinzip“ zu bestehen und Zuwanderung auf öffentlichen Grund nur gegen vollen Aufwandsersatz zuzulassen. Tatsächlich aber geschehe das genaue Gegenteil. Für die Volkswirtschaft unbrauchbare Immigranten würden sonder Zahl ins Land gelassen und die Kosten deren Versorgung (in einem Akt der Untreue) den Steuerzahlern aufgebürdet. Da der ungezügelte Zuzug von nicht sinnvoll zu beschäftigenden Immigranten den Wohlfahrtsstaat an den Rand des Kollaps bringe, würde am Ende ein noch stärkerer Staat – zur Durchsetzung noch härterer Enteignungsmaßnahmen gegen die Bürger – notwendig.

Das von „Linkslibertären“ immer wieder vorgebrachte Argument, daß nicht nur Staatseigentum, sondern auch Privateigentum unrechtmäßig bestehen könne, sei grundsätzlich korrekt. Jedoch trage in jedem Fall der Ankläger (in diesem Fall derjenige, der behauptet, ein privater Eigentumstitel bestünde unrechtmäßig) die Beweislast. In jedem Fall zähle der ältere Titel.

„Linkslibertäre“ sähen weder ein Problem im Kampf gegen die Diskriminierung von Minderheiten, noch darin, „affirmative actions“ zu ergreifen. Dabei würde jedoch übersehen, daß die Definition diskriminierter und daher angeblich schutzwürdiger Minderheiten der völligen Willkür der herrschenden Eliten überlassen bleibe. In aller Regel liefen alle Antidiskriminierungsmaßnahmen in der Praxis auf die Benachteiligung weißer, heterosexueller Männer hinaus…

Nach dem Motto „divide et impera“ hätten die herrschenden Eliten die Schwächung und letztlich die Beseitigung aller mit dem Staat konkurrierenden Organisationen auf ihre Fahnen geschrieben. Ganz oben auf der Agenda stehe die Familie (die auch schon Karl Marx als Erzfeind des „Fortschritts“ identifiziert hat). Eine konsequente Antidiskriminierungspolitik führe zu diesem Ziel. Der Staat mache sich zum Anwalt der angeblich Diskriminierten und zugleich zu deren Vollstrecker. Die Gesellschaft würde damit in ihre kleinsten Teile aufgelöst – jedermann folglich zum Klienten und Komplicen des Staates – im Kampf gegen alle anderen Individuen, die um willkürlich verteilte Wohltaten konkurrierten.

Deklariere Etatisten seien realistischer als „Linkslibertäre“. Erstere wollten weiterhin ihre Pfründe genießen und freuten sich daher über jede Hilfe („linkslibertärer) nützlicher Idioten.

Rechtslibertäre seien keine Kulturrelativisten. Niemals sollte der Fehler begangen werden, Staat und Volk miteinander zu verwechseln.

 

Tagebuch

10 comments

  1. MM

    “Eine (Massen-)Immigration gegen den Willen der Grundeigentümer könne somit unmöglich stattfinden. Der Staat als Anwalt der Bürger und Steuerzahler habe auf dem „Vollkostenprinzip“ zu bestehen und Zuwanderung auf öffentlichen Grund nur gegen vollen Aufwandsersatz zuzulassen.”

    Und zu den Kosten gehört eben auch der Preis, den die Kopfabschneider fordern. Machen wir uns keine Illusionen: Wir leben nicht im liberalsten Land, das man sich vorstellen kann, aber die Einwanderer werden mitentscheiden, ob wir ein freieres Land werden, oder ob wir enden wie in Ägypten, Türkei, Venezuela, … Das ist bei der Einwanderungspolitik zu bedenken und auch viel wichtiger als die Frage, ob die jetzt gebildeter oder weniger gebildet sind als der Bevölkerungsdurchschnitt.

  2. Thomas Holzer

    Hätte Herr Hoppe seine Ausführungen zum Paradies weggelassen, wäre sein Beitrag (hier zusammengefasst von Herrn Tögel) noch hörens-, lesenswerter 😉

  3. sokrates9

    Für mich ist die zentrale Frage ob wir den Islam als Religion anerkennen! Im Islam hat es keine Aufklärung gegeben, das Primat der Religion wird über den Staat gestellt! Somit ist der Kampf gegen unsere Gesellschaftsstruktur implementiert!

  4. Thomas Holzer

    @sokrates9
    Auch für mich steht meine Religion weit über dem (demokratischem) Staat und den von diesem erlassenen Gesetze 😉

  5. gms

    Thomas Holzer,

    “Hätte Herr Hoppe seine Ausführungen zum Paradies weggelassen, wäre sein Beitrag (hier zusammengefasst von Herrn Tögel) noch hörens-, lesenswerter”

    Das kann man so sehen. Gegen eine solche Einschätzung spricht das redliche Ansinnen, die libertäre Argumentation wasserdicht zu machen.

    Wollte man aber schon eine Schwäche im Vergleich erkennen, so liegt diese in der Annahme, ein “Tertium non datur” würde in den Gefilden der Seligen tatsächlich gelten. Wäre dies tatsächlich der Fall und somit eine bestimmte Klasse von Wünschen aufgrund innerer Widersprüchlichkeit unerfüllbar, müßte das Konzept ‘Paradies’ eine entscheidende Einschränkung erfahren.

    Ein wahrhaft paradiesisches Paradies entzieht sich der Vernunft, weshalb es auch nicht zur logischen Argumentation taugt. Somit bliebe als Spielfeld noch ein Elysium mit Bodenhaftung, doch dann kann man gleich auf irdischem Terrain bleiben.

  6. sokrates9

    thomas holzer@
    wenn sie Anhänger einer nicht-islamische Religion sind, werden sie mit dem demokratischen Staat relativ wenig Probleme haben!S

  7. Thomas Holzer

    @gms
    Mit dem (“landläufigem”) Paradiesbegriff die libertäre Argumentation “wasserdicht” machen zu wollen, erachte ich als sehr gewagt 😉

  8. Thomas Holzer

    @sokrates9
    Gerade mit dem demokratischem Staat habe ich “sehr viele Probleme” 🙂
    Sprich: ich lehne ihn strickt ab; Demokratie auf Lokalebene, u.U.; niemals aber auf einer “höheren” Ebene

  9. gms

    Thomas Holzer,

    “Mit dem (“landläufigem”) Paradiesbegriff die libertäre Argumentation “wasserdicht” machen zu wollen, erachte ich als sehr gewagt”

    Damit laufen Sie bei mir heftig rotierende Drehtüren ein. Dies bitte ich zu beachten, selbst dann, wenn ich die möglichen Hintergründe hierfür darlege. Das Paradies auf Erden ist nunmal der von Linken angestrebte Endpunkt der Geschichte, weshalb man auch speziell diesen Punkt unters Vergrößerungsglas nehmen kann. Last not least: Schmecken muß der Wurm dem Fisch, nicht dem Angler.

  10. begges

    1)
    ” „Linkslibertäre“ argumentierten auf Basis der „Menschenrechte“ pro unbeschränkte Immigration. Rechtslibertäre dagegen auf Basis des Eigentumsrechts dagegen. Privateigentum impliziere Diskriminierung.”

    Nur: Wenn dem Begriff „libertär“ in der Begriffszusammensetzung „Linkslibertäre“ eine Bedeutung zugeschrieben wird, kann diese Begriffszusammensetzung niemals für Zwang und Etatismus stehen, d. h. sie muss für Staatsferne stehen. Wenn Menschen sich für Migranten oder Flüchtlingen einsetzen, privat, in Vereinen etc., ohne Eigentumsrechte Dritter zu verletzen, ohne einem etwaigen Staat Lasten aufzubürden, so mag man dies als “links” titulieren – es wird nur eine bestimmte Werthaltung gelebt, die in keinster Weise zu kritisieren ist.

    http://ef-magazin.de/2014/04/28/5258-freisinn-links-rechts-oder-freiheitlich

    2)
    “Der Staat als Anwalt der Bürger und Steuerzahler habe auf dem „Vollkostenprinzip“ zu bestehen und Zuwanderung auf öffentlichen Grund nur gegen vollen Aufwandsersatz zuzulassen.”

    Das „Vollkostenprinzip“ ist eine beliebte Phantasie linker Öko-Erweckter, um Zwangsmaßnahmen, wie Glühbirnenverbot, CO2-Steuern etc. zu rechtfertigen. In „Vollkosten“ seien auch alle Kosten, die der Gesellschaft durch Umweltschäden entstünden, berücksichtigt – so die Argumentation.
    Dass im Voraus eines komplexen Geschehens diese Kosten gar nicht darstellbar sind, dass Einflussfaktoren und deren Größen aus prinzipiellen Gründen nicht zu finden sind, wird hier gerne übersehen. (Selbst für eine Unternehmen ist in der Kostenrechnung das Auffinden von Faktoren und deren Größen eine schwierige Herausforderung.)
    Bezogen auf eine Gesellschaft ist dieses Prinzip daher eine Anmaßung von Wissen. Handlungsanweisungen für die Politiker-Kaste, die daraus folgen, Planwirtschaft!

    Wenn ein planwirtschaftliches Prinzip dazu dient, Zugewanderten Kosten “anzuhängen” ,
    falls die Zugewanderten nicht bloß den Status wie Gefängnisinsassen haben – für welche ja eine Aufwands-Berechnung möglich wäre, so ist dies keine wasserdichte libertäre Argumentation !

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