Was kommt nach Corona?

(ANDREAS TÖGEL)  Die dritte Woche des von der Regierung verordneten „Shutdowns“ liegt hinter uns. Der Kanzler und seine Minister bestätigen einander täglich, dass sie alles richtig machen und „alternativlos“ handeln. Der Polizeimister stößt im Tagesrhythmus martialische Drohungen gegen Spaziergänger aus und die Grünen in der Regierung träumen bereits davon, das im Zuge der Krise etablierte autoritäre Regime nach Abflauen der Pandemie weiterführen zu wollen. Immerhin steht ja auch noch das Weltklima auf dem Spiel.

Was es „danach“ noch weiterzuführen geben wird, ist noch nicht ganz klar, denn im Augenblick deutet alles darauf hin, dass der Coronakrise eine noch erheblich schlimmere Wirtschaftskrise folgen wird, deren Ausmaß nicht ansatzweise abschätzbar ist. Die bereits auf uns zurollende Serie von Firmenpleiten und Kreditausfällen, die den Banken erhebliche Probleme bereiten werden, ist momentan noch schwer in Zahlen zu fassen. Per 1. 4. halten wir jedenfalls bei der Nachkriegsrekordmarke von 562.000 Arbeitslosen – Tendenz weiterhin steigend.

Diese Arbeitslosigkeit, das sollte nicht übersehen werden, geht nicht auf das Konto des Virus, sondern auf das der Regierung. Viren ruinieren keine Unternehmen und beseitigen keine Arbeitsplätze. Kanzler Kurz und sein Vize Kogler tun das – und sei es als Folge in bester Absicht entfalteter Aktivitäten.

Beiderseits des Atlantiks wirkt sich die „alternativlose“ Lahmlegung der Wirtschaft auf verheerende Weise aus: stellt man in Rechnung, dass ein Wirtschaftswachstum von etwa zwei Prozent erforderlich ist, nur um das Beschäftigungsniveau zu halten, kann man sich ausmalen, was ein Minus von fünf Prozent und mehr bedeuten wird.

Während die Beschwichtigungshofräte von WIFO und IHS ihre Prognosen nur moderat nach unten korrigieren, kommen aus den USA dramatischere – und wohl auch realistischere – Zahlen: Goldman Sachs prognostiziert für das erste Quartal 2020 ein Minus von neun Prozent und für das zweite Quartal eines von –34 Prozent der Binnenwirtschaftsleistung. Die Arbeitslosenrate in den USA wird sich in der Jahresmitte demnach auf etwa 15 Prozent erhöhen. Eine derart hohe Arbeitslosigkeit, wie es sie seit den 1920er-Jahren nicht gegeben hat, wird auch Österreich nicht erspart bleiben.

In Fernost zeigt sich, dass es auch anders geht. Dort beschreiten viele Regierungen einen Weg, der sich für das Leben der Menschen und deren wirtschaftliche Existenzgrundlage weniger schädlich erweist, als die in Europa und in den USA gefahrene Strategie. So ist beispielsweise in Südkorea, Taiwan und Singapur keine Rede von einem totalen Stillstand. Dafür werden in diesen Ländern wesentlich mehr Testungen durchgeführt als hierzulande und in der Folge selektive Maßnahmen ergriffen – wie die Isolation von infizierten Personen und Hochrisikogruppen. Auch das obligatorische Tragen von Gesichtsmasken trägt dort, wie es scheint, zur Verringerung der Ansteckungsgefahr bei. Die fernöstliche Vorlage wurde von der Bundesregierung und ihren Experten ignoriert, alle entsprechenden Vorkehrungsmaßnahmen verschlafen.

Und jetzt besitzen die Regierenden  auch noch die Chuzpe, die Kosten der mit einem Male überfallsartig verordneten Mundschutzmaskenverteilung dem Handel umzuhängen. Der steht nun vor dem Problem, rasch ausreichende Mengen geeigneten Materials zu besorgen.

Die Corona-Pandemie liefert Regierungen und Zentralbanken einen billigen Vorwand dafür, alle Hemmungen über Bord zu werfen und Europa und die USA noch stärker mit Geld zu fluten als bisher. Die FED hat den Leitzins auf die Nulllinie gesenkt und die Trump-Administration mobilisiert zwei Billionen Dollar zur Konjunkturstützung. Dafür ertönt in Europa immer lauter der Ruf nach einer Schulden- und Haftungsgemeinschaft, sowie nach der EZB-satzungsgemäß unzulässigen direkten Staatsfinanzierung mit der Notenpresse.

Die Bürger zeigen in diese Situation eindeutig mehr Gespür für das auf uns zukommende Drama als die Nomenklatura: trotz des kräftig gestiegenen Goldpreises sind viele Edelmetallhändler seit Wochen ausverkauft. Ausgeprägte Pessimisten haben – beiderseits des Atlantiks – zudem Vorräte an Konserven und Munition angelegt.

Leider begünstigt das herrschende politische System extremes Kurzfristdenken. Dass wir „auf lange Sicht gesehen alle tot sind“ (©John Maynard Keynes) könnte sich schneller als wahr herausstellen als man denkt, – leider aber erst dann, wenn sich die Erkenntnis Bahn bricht, dass ohne funktionierende Wirtschaft auch das beste Gesundheitswesen der Welt nicht zu finanzieren ist. Mit dem „Shutdown“ aber wird die Wirtschaft zerstört oder zumindest schwer geschädigt. Die Vorstellung, dass die Regierung in ein paar Wochen einfach einen Schalter umlegt und daraufhin alles wieder laufen wird wie zuvor, ist völlig unrealistisch. Die Wiederherstellung des Status quo wird Jahre dauern. Bis es so weit ist, werden wird durch ein tiefes Tal der Tränen gehen.

19 comments

  1. Gerald

    Im tiefen Tal der Tränen werden sich einige hunderttausend seit kurzem hier Lebende recht heimisch und wohl fühlen und auf ihre in der Heimat erlernten Stärken zurückgreifen. Ob der Linksstaat dann auch so rigoros sein wird und kann wie jetzt wo es nur gilt ein paar renitente Quarantäneverweigerer anzuzeigen?
    Die Schutzmasken werden dann wohl gegen Polycarbonatschilde und der Schreibblock erst gegen Gummigeschosse und später gegen scharfe Munition getauscht werden müssen.
    Was werden die verhätschelten Schneeflöckchen tun wenn sie Freitags wieder auf die Straße dürfen, aber sie selbst bis zur Demo gehen müssen und unterwegs von unzähligen Gruppen von Goldstücken vom letzten Geld und Handy erleichtert werden?
    Und was werden die alten weissen Männer tun wenn ihre Lebensleistung dahingerafft wird, die Altersversorgung weg ist, das Gesundheitssystem den Bach runter ging?
    Viele Fragen, keine Antworten…….wahrscheinlich Neubeginn bei Null nach dem Reset

  2. Mourawetz

    Fragt man einen Fachmann also einen Epidemologen ist weder Shutdown noch Schutzmaske notwendig. Isolation der Gefährdeten und Kranken ansonsten Händewaschen und nicht ins Gesicht greifen. Die gesunden nicht isolierten durchseuchen lassen, damit Herdenimmunität entsteht und die Seuche vorbei ist. Dann können auch wieder die Gefährdeten heraus. Das ist ein Plan mit einem Ende. Wie wir aus dem selbst verschuldeten Shutdown herausfinden, ist die große Frage.

  3. Erich_seit_1947

    Gestern Abend (2.4.) wieder ein hervorragender “Talk im Hangar 7” bei Servus-TV. Fachleute, die mit Wissen argumentierten, sich aber gegenseitig nichts schenkten. Da prallten zB der Maskenbefürwortner mit dem “Masken sind nicht notwendig” hart aber fair (im Gegensatz zum deutschen Staatsfunk zu verstehen) aufeinander. Toll auch die Disziplin der Teilnehmer: wenn der Moderator eingriff wurde nicht (wie es die Nichtfachleute und Politiker gerne tun) weitergeredet oder geschrien, sondern man verstummte und hörte die anderen Argumente an. Zudem war der Moderator wie immer sehr gut vorbereitet.
    In den Servus-tv Nachrichten werden übrigens auch immer die aktuellen Zahlen kritisch beleuchtet und die Relationen zum “Normalfall” ohne Corona hergestellt – oft ein konträres Bild zu dem, was uns die Regierung in der täglichen (!) Pressekonferenz und dann der ORF einreden. 19h20 – ein Pflichttermin!

  4. TomM0880

    Na da schau her, wer hätte sich das gedacht, dass im ÖR auch differenzierte Ansichten verbreitet werden.
    Im ORF wird im Gegensatz nur Panik verbreitet:
    https://youtu.be/VP7La2bkOMo

    Ich Frage mich wer den Ihren-Basti und seine kommunistischen Partner berät und wem nützt es?

  5. Ewald Eigl

    Ich plädiere für die Öffnung aller Geschäfte, mit gleichzeitiger Verpflichtung, vor dem Betreten einen Mund-Nasenschutz anzulegen. Spielen wir Cowboy. Ein verknotetes Halstuch (sollte gut 80 Zentimeter in der Diagonale messen) lässt sich im Freien leicht abnehmen, ist dennoch griffbereit und kann im Bedarfsfall rasch hochgezogen werden. Schützt besser als nichts, es wird darunter nicht zu warm und so feucht, auch das Atmen fällt leichter als mit der eng anliegenden Maske. Dazu Abstand halten und Händewaschen. In Japan und Singapur scheint diese Maßnahme auch auszureichen.

  6. sokrates9

    Anschober spricht in der ZIB 2 von tausenden zu erwartenden Toten (Regierungslinie) wenn nicht alle Maßnahmen kompromisslos eingehalten werden. Jedes Menschenleben sei hundertmal wichtiger als die Wirtschaft! Tolle Philosophie! Nach Krisenende müssen wir sämtliche afrikanischen Menschenleben retten, ob wir dabei zugrunde gehen ist uninteressant!!
    Kann man Schönbrunn eigentlich nicht öffenen weil die Eingänge – Haupteingang schätzungsweise 100 Meter breit – zu schmal sind??

  7. Bürger

    S.g. Sokrates, Schönbrunn könnte man öffnen, um den Bestand im Tiergarten zu ergänzen!

  8. Manuel Leitgeb

    Ach, dei Nutznießer sind ja eh auch schon wieder da. Siehe Rotes Kreuz (ist ja leider einer dieser “unantastbaren” Organisation).
    Kaufen >20 Millionen Masken (mind. FFP2) für den Bund ein, Chefeinkäufer Jürgen Kunert. (siehe ORF Aussendung vom 24.3.)

    Letztens mit ihm gesprochen, auf wie viele Anbieter er das verteilt und bei wem, weil unsere Firma kennt auch einige, und wir hätten auch gern welche. Irgendwelche Begründungen dahingeschwafelt, mit dem Ergebnis: Er (also das RK –> der Bund) kauft alles bei nur einer(!) Firma.
    Lieferzeit daher für den Großteil natürlich auch erst Mai, also eigentlich viel zu spät.

    Die Bundesländer (z.B. OÖ) sind da einmal vernünftiger, kaufen es bei mehreren Anbietern (damit nicht so abhängig) mit Liefertermin schon im April. Kunert lamentiert natürlich öffentlich darüber, er hätt gern noch mehr Aufträge für die Beschaffung.

    Eigentlich der Moment, wo unbedingt eine Untersuchung (zumindest im Nachhinein) ob es da nicht irgendwelche Absprachen, Zuwendungen etc. von dieser einen Firma gegeben hat. Weil niemand wäre normal so wahnsinnig, sich in so einer Situation von nur einem Anbieter abhängig zu machen v.a. bei den Mengen.
    Aber leider, wie erwähnt, das Roter Kreuz und seine Funktionäre sind unantastbar …

  9. GeBa

    Und bitte auch während der jetztigen Situation nicht vergessen – Rotes Kreuz, Caritas etc. sind immer noch NGOs, auch wenn sie sich jetzt wieder sehr besorgt geben um die einheimischen Bürger, die ihnen sonst piepegal sind. Aber jetzt könnte man ja wieder Spenden lukrieren. Ich habe ein gutes Gedächtnis und Spenden gibts bei sowieso keine!

  10. CE___

    @ Manual Leitgeb

    Köstlich (natürlich sarkastisch gemeint)

    Und höchstwahrscheinlich alles in der VR China bestellt und voll angezahlt.

    Blöd jetzt nur dass die VR China an diesem Dienstag ein generelles Exportverbot für medizinische Güter erlassen hat, wie u.a. Masken (ausgenommen eine handverlesene Schar von Herstellern die auch für den Verkauf innerhalb der VR China zugelassen ist)

    Ist wohl DER Grund warum man davon nichts in der Zeitung liest.

  11. Gerald

    Wo das Virus nicht in Gemeinschaft mit anderen Erkrankungen und in seltenen Ausnahmen auch alleine einen Menschen tötet, wird eine Heilung gelingen, bei den allermeisten auch ohne jede merkbare Folge.
    Was sich leider nicht heilen lässt, ist die grassierende Dummheit, mangelnder ökonomischer wie naturwissenschaftlicher Verstand und der Sozialismus. Die werden uns auch danach in der wahren Krise noch begleiten. Vielleicht sogar mehr denn je zuvor.

  12. Falke

    @Ewald Eigl
    Mundschutz auch in Restaurants, Kaffeehäusern, Heurigen usw.? 🙂

  13. Ewald Eigl

    @Falke
    Würde ich bei ausreichend gegebenem Abstand riskieren, auch wenn ich schon zur gefährdeten Gruppe zähle. Laut dem Virologen Streek scheint Schmierinfektion weitgehend ausgeschlossen, und wenn mir mein Gegenüber seinen Kaffee aus zwei Metern Entfernung nicht ins Gesicht hustet, wäre mein Sicherheitsbedürfnis ausreichend befriedigt. 🙂

  14. Der Realist

    Wastl & Co dürften den Ernst der Lage langsam erkennen, schon denken sie über ein Öffnen der Geschäfte nach. Natürlich verkünden sie weiterhin, bisher alles richtig gemacht zu haben, viel haben sie ja noch gar nicht gemacht, außer sich auf die sichere Seite zu schlagen, denn das Argument mit den möglichen tausenden Toten ist halt immer ein Argument. Vielleicht haben Wastl und seine Mitstreiter an den austreibenden Bäumen eben gesehen, dass wieder nur Blätter und nicht Geldscheine wachsen, vielleicht dämmert ihnen mittlerweile, dass die Mühen der Ebene noch auf sie warten, dann ist es mit Inszenierung vorbei.

  15. TomM0880

    Ich hoffe diese Regierung muss sich für den von ihr verursachten Schaden verantworten.

  16. Daniel B.

    “Ich hoffe diese Regierung muss sich für den von ihr verursachten Schaden verantworten.”

    Der war gut! 🙂

  17. Johannes

    So schnell kann es gehen Herr Tögel und das am Morgen geschriebenen ist schon am Abend überholt. Singapur hat heute auf ein drastisches Ansteigen von Neuinfektionen reagiert und neue Maßnahmen angeordnet.

    Alle Schulen und nicht systemrelevante Geschäfte und Unternehmungen wurden geschlossen. Regierungschef Lee Hsien Loong forderte die Menschen auf so viel wie möglich zu Hause zu bleiben.

    “ Die dritte Woche des von der Regierung verordneten „Shutdowns“ liegt hinter uns. Der Kanzler und seine Minister bestätigen einander täglich, dass sie alles richtig machen und „alternativlos“ handeln.“

    Wenn ich Sie richtig verstehe hätten Sie die Partie in Ischgl weiterlaufen lassen, es sei Ihnen diese Meinung ungenommen.

    “Während die Beschwichtigungshofräte von WIFO und IHS ihre Prognosen nur moderat nach unten korrigieren, kommen aus den USA dramatischere – und wohl auch realistischere – Zahlen:“

    Man kann natürlich Fachleute heruntermachen, nach Lust und Laune, wenn es Ihrer “Wahrheit“ dienlich ist warum nicht.

    “Diese Arbeitslosigkeit, das sollte nicht übersehen werden, geht nicht auf das Konto des Virus, sondern auf das der Regierung. Viren ruinieren keine Unternehmen und beseitigen keine Arbeitsplätze. Kanzler Kurz und sein Vize Kogler tun das – und sei es als Folge in bester Absicht entfalteter Aktivitäten.“

    Viren legen auch keinen Voest-Hochofen still, das hat der internationale Einbruch verschiedener Industrien gebracht für die man wohl schwerlich den Kanzler und den Vizekanzler Österreichs verantwortlich machen kann.

    Die Autoindustrie hat nicht nur wegen der Maßnahmen, der jeweiligen hiesigen Regierungen allein, dicht machen müssen, es war der Zusammenbruch der global verteilten und verstreuten Zulieferer welche verhindert haben das auch nur ein Auto in Deutschland zusammengebaut werden kann, selbst wenn es die deutsche Regierung wünschen würde.

    Ich persönlich halte den Artikel von Herrn Christian Ortner in der Wiener Zeitung tatsächlich als ein realistisches Quantum Trost das mir Zuversicht geben kann.

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .