Was steht eigentlich in «Finis Germania»?

“Das Buch «Finis Germania» des im September 2016 gestorbenen Historikers Rolf Peter Sieferle ist erneut im Zentrum heftiger Diskussionen. Dabei steht weniger der Inhalt als die Rezeption im Vordergrund. Doch worum geht es in dem Buch eigentlich?…” (NZZ, hier)

40 comments

  1. Thomas Holzer

    Buch nicht gelesen!
    Aber daß mehr als nur viele deutsche “Intellektuelle”, Medienverantwortliche, Journalisten und natürlich Politiker(darsteller) die Shoa -natürlich fälschlicherweise als Holocaust bezeichnet- als ewige Schuld aller Deutschen (vor allem der Deutschen, die schon länger in Deutschland leben) bezeichnen, so es ihnen möglich wäre, alle Deutschen zu einem Eingeständnis dieser immerwährenden Schuld liebend gerne verpflichten würden, und mit dieser Schuld nahezu alle (Un)Taten der handelnden Personen rechtfertigen, in der Hoffnung, der Rest der Welt möge den Deutschen diese ewige Schuld durch deren eigene moralische Überhöhung endlich vergeben, sollte aber auch mehr oder weniger unbestritten sein.
    Was mit den Deutschen nach der Vergebung geschehen soll, das bleibt natürlich offen 😉

  2. dna1

    @Thomas Holzer
    Genau das waren auch meine Gedanken und ich verstehe nich, wie jemand die Schlussfolgerung “Die Deutschen seien wie die Juden ein zum Sündenbock verdammtes Volk, da der Holocaust ein bis heute unverzeihliches Verbrechen sei.” als abstrus oder gar antisemitisch bezeichnen kann. Es ist ein Faktum und nicht jeder Vergleich mit Israel / Juden ist automatisch antisemitisch.

  3. Falke

    Das Muster kennt man zur Genüge von den Büchern etwa Sarrazins oder Pirincçis: Diejenigen, die sie nicht gelesen haben, wüten am ärgsten dagegen (einschließlich Merkel, Gabriel, Schäuble und Deniz Yücel). Wenn, wie der NZZ-Rezensent meint, “Finis Germania weniger provoziert als einfach nur ermüdet”, wunderte es mich ja, dass es trotzdem so viele lesen, dass es auf die Bestsellerlisten (außer jene des “Spiegel”) gelangt. Der Autor der “Acta diurna”, Michael Klonovsky, hat übrigens eine sehr positive Meinung über Siefele und sein Werk.

  4. Thomas Holzer

    Und zu dieser pseudomoralischen Selbstüberhöhung der Deutschen durch Sie selbst passt die derzeitige de facto Vernichtung der gesamten deutschen Automobil- inkl. Zulieferindustrie; nicht nur durch die Medien und die Politik, sondern natürlich auch durch die Gerichte (siehe heutige Entscheidung des Verwaltungsgerichtes in Stuttgart)
    Deutschland scheint sich wahrlich mit Wollust und masochistischer Leidenschaft abschaffen zu wollen.
    Ob sich der noch hohe Lebensstandard mit einem Mehr an Kebab-, Falafel- und Kuskusbuden halten lässt, wage ich zu bezweifeln.

  5. Mona Rieboldt

    Es gibt ja auch die Aussage vom “Sündenstolz der Deutschen” Das trifft auf Politiker eher zu, als würden sie sich schuldig fühlen. Deutsche, die heute 70 Jahre alt sind, wurden schon nach dem Krieg geboren und noch Jüngere haben keinen Grund, sich schuldig zu fühlen. Es gibt keine Sippenhaft, auch dann nicht, wenn z.B. Opa Nazi war.

    Heute agieren SPD-Politiker in München und die Antifa genau wie die SA damals. Das ist der eigentliche Skandal.

  6. Falke

    @Mona Rieboldt
    Ein gescheiter Schritsteller, ich glaube es war ein Italiener, dessen Name mir entfallen ist, hat einmal gesagt: “Der Faschismus wird wiederkommen, nur diesmal wird er sich Antifaschismus nennen.”

  7. Rennziege

    @Falke:
    Dieses Zitat, durch heutige Entwicklungen Tag für Tag erhärtet, stammt von dem italienischen Schriftsteller Ignazio Silone (1900 – 1978).
    @Mona Rieboldt
    Sieferles Buch, das auch ich nur in Ausschnitten kenne, mag provokant und teilweise abstrus sein, aber es bewegt sich zweifellos im Rahmen der grundgesetzlich garantierten Meinungs-, Rede- und Pressefreiheit.
    Der mediale Umgang damit lässt allerdings eine unterschwellige Sehnsucht nach den NS-Bücherverbrennungen des Jahres 1933 erkennen, wodurch Ignazio Silone abermals bestätigt wird. Ich tät’ mich nur wenig wundern, wenn die Werke von Sarrazin, Broder, Heinsohn et al. schon bald auf öffentlichen Plätzen in Flammen aufgehen würden. Aber die einzig wirklich hetzerische Schwarte, randvoll gefüllt mit Mordaufrufen gegen alle, die sich dem Islam nicht unterwerfen wollen, wird nicht im Feuer landen. Denn wer den Koran verbrennt oder auch nur kritisch analysiert, ist seines Lebens nicht mehr sicher.

  8. Christian Weiss

    “Aber daß mehr als nur viele deutsche „Intellektuelle“, Medienverantwortliche, Journalisten und natürlich Politiker(darsteller) die Shoa -natürlich fälschlicherweise als Holocaust bezeichnet- als ewige Schuld aller Deutschen (vor allem der Deutschen, die schon länger in Deutschland leben) bezeichnen, so es ihnen möglich wäre, alle Deutschen zu einem Eingeständnis dieser immerwährenden Schuld liebend gerne verpflichten würden, und mit dieser Schuld nahezu alle (Un)Taten der handelnden Personen rechtfertigen, in der Hoffnung, der Rest der Welt möge den Deutschen diese ewige Schuld durch deren eigene moralische Überhöhung endlich vergeben, sollte aber auch mehr oder weniger unbestritten sein.”

    Bezug nehmend auf das Sieferle-Zitat aus der NZZ (Mehr kenne ich vom Buch auch nicht.), erscheint mir aber die Einschätzung, dass der Deutsche der ewige Sündenbock sei, einfach nicht zutreffend. Es gehört nicht zum internationalen Konsens, dass man den Deutschen eine Erbschuld für den Holocaust anlastet und sie für die Verbrechen der Nazis in Sippenhaft nimmt.
    Es ist viel tragischer: Die Deutschen selbst – gemeint ist die vermeintliche “Elite” – glauben sich in der Rolle des historischen Wiederaufarbeitungsweltmeisters, der durch die Arbeit der Wiederaufarbeitung als geläuterter Sünder zur moralischen Schiedsinstanz des Planeten geworden ist.

    Beispielhaft ist an dieser Stelle der Auftritt des damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck in der Schweiz, der bei seinem “freundschaftlichen” Besuch nichts besseres zu tun wusste, als die Schweiz dafür zu tadeln, dass sie während des Zweiten Weltkriegs zu wenig Flüchtlinge aufgenommen habe.
    Man muss sich diese Dreistigkeit vorstellen: Er tadelt die Schweiz für eine Flüchtlingspolitik, die es gar nicht gebraucht hätte, wenn Deutschland diese Flüchtlinge nicht produziert hätte.

    Im Subtext läuft dann eine noch haarsträubendere Idiotie ab: Der Herr Bundespräsident hat sich das Recht auf Kritik erarbeitet, denn schliesslich ist die Bundesrepublik natürlich nicht mit dem Dritten Reich identisch. Man hat den Weg der Sühne begangen und ist als Heiliger wieder auferstanden.
    Anders die Schweiz, die noch immer die gleiche Eidgenossenschaft ist wie 1939 bis 1945. Da darf man die Enkel und Urenkel derer der Erbschuld bezichtigen, weil ihre Gross- und Urgrosseltern in Entbehrung und in Umzingelung durch die Achsenmächte nur 300’000 Flüchtlinge in ihr kleines Land aufgenommen haben und nicht die ganzen 30 Millionen, die wegen deutscher Aggression ihre Heimat oder ihr Leben verloren haben. Gauck machte uns mit seinem Tadel vor, dass wir den Weg der Läuterung noch nicht beschritten haben, den er als Deutscher so erfolgreich vorangegangen ist.

    Darin liegt die wahre Tragik der deutschen Nation. All die moralintriefenden “Medienschaffenden” und Politiker sehen sich nicht als Sündenböcke. Sie sehen sich als moralische Instanzen höchster Güte, die sich durch den Sündenfall der Grosseltern und der danach geleisteten historischen Aufarbeitung das Recht erworben haben, über alle und jeden zu richten, die ihrer Meinung nach ihre beispiellos hohe Stufe der Ethik und der Güte nicht erreicht haben.

    Blöd ist nur, dass die Heiligen in ihrem beispiellosen Akt der Anmassung völlig vergessen haben zu untersuchen, wie Diktaturen entstehen, obwohl sie zwei mal Gelegenheit gehabt hätten, das aus nächster Nähe zu beobachten.
    Mit dem Meinungsdiktat und der sozialen und ökonomischen Ächtung Andersdenkender ist der erste ganz grosse Schritt in die Tyrannei nämlich schon getan.

  9. mariuslupus

    Die NZZ hat es sich nicht nehmen lassen die Rezension mit dem üblichen linken Vokabular, reaktionär, rechtsradikal, zu spicken. Ohne diese Worte, ist es offensichtlich einen “Qualitätsjournalisten” nicht möglich ein kontroverses Thema zu behandeln. Das heisst dann Äquidistanz.
    “Dabei steht weniger der Inhalt, als die Rezeption im Vordergrund”, typische linke Überheblichkeit und Überzeugung im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein und diese dem gefährdeten Leser auch zu vermitteln. Der Leser ist nach Überzeugung der Linken Medienschaffenden am Gängelband und mit Scheuklappen, durch die politisch korrekte Landschaft zu führen. Die Gefahr, dass sich der freiwillige Medienkonsument auch eine eigene Meinung bilden könnte, wäre sonst zu gross

  10. Wanderer

    @Holzer 08:00, 12:51
    Genau die von Ihnen vorgebrachten Punkte führt Sieferle im Detail aus. Wie man in seine Argumentation Antisemitismus hinein interpretieren kann bleibt mir ein Rätsel. Da Sie von einer wollüstigen Abschaffung der Deutschen ihrer selbst schreiben, gehen Sie sogar noch einen Schritt weiter als er.

  11. Thomas Holzer

    @Christian Weiss
    Natürlich die Deutschen selbst!
    So ich mich mißverständlich ausgedrückt habe, bitte ich um Verzeihung

  12. KTMTreiber

    Übernehme den Liebligsausspruch meines 12-jährigen: “Is mir egal !” Ich denke das Lesen des Buches kann ich mir ersparen, da es mit Sicherheit (für mich) keinen Wissensgewinn in Aussicht stellt. Ich (und auch etliche Leser und Kommendatoren hier) wissen zu genau, wie es derzeit mit dieser (kranken und dekadenten) Gesellschaft steht…

  13. Thomas Holzer

    @Wanderer 16:14h
    Nach dem 1.WK wurde Deutschland strafweise deindustrialisiert.
    im 21.Jhdt. deindustrialisiert sich Deutschland anscheinend selbst, aus freien Stücken (vielleicht aber auch als selbst auferlegte Strafe) Immerhin wird ja von allen Seiten die Wirtschaftsleistung Deutschlands kritisiert. 😉

  14. Rennziege

    28. Juli 2017 – 16:28 — KTMTreiber
    Wie Sie glaube ich, dass “Finis Germania” (müsste eigentlich “Finis Germaniae” heißen, korrekt genitivisch) keinen Wissensgewinn verheißt. Seltsam und traurig ist auch, dass Rolf Peter Sieferle noch vor dem Erscheinen seines Buchs freiwillig aus dem Leben schied. Warum, werden wir wohl nie erfahren. Ob er an dieser kranken und dekadenten Gesellschaft (Ihre Worte, unbestreitbar wahr) schlicht verzweifelte?

  15. KTMTreiber

    @ Th Holzer

    … wo wäre die Welt ohne J. Gutenberg, Otto, Diesel, Daimler, Wankel, Ohain / Heinkel, oder Bosch … – um nur ein paar helle Köpfe zu erwähnen – DAVOR fürchtet sich der Rest der Welt, – seit Dekaden…

    DAS fürchtet se

  16. KTMTreiber

    Ups – kam vom “Smartphone ” – sorry für die letzte Zeile… 😉

  17. Klaus Pichler

    Daß der Rezensent des Buches in der NZZ Tobias Sedlmaier den Autor Rolf Peter Sieferle auch nur in die Nähe von Horst Mahler rückt, sagt alles über den geistigen Habitus des ersteren aus. “Da sehnt sich ein im geistigen Vakuum Verlorener”, schreibt der im üblichen Intellektuellen-Jargon mundfertig schwadronierende Kulturkritiker Sedlmaier über Sieferle, der – posthum – von sogenannten Kulturschaffenden zum Abschuss freigegeben wurde, die offenkundig des Lesens nicht mächtig sind. Leuten dieses Schlages hat Rüdiger Safranski im Interview mit dem Deutschlandfunk am 25. Juni meines Erachtens das Zutreffende gesagt:

    http://www.deutschlandfunkkultur.de/rolf-peter-sieferle-und-sein-finis-germania-eine.2162.de.html?dram:article_id=389507

    Dem ist nichts hinzuzufügen, höchstens daß mit Leuten vom Schlage des anmaßenden Herrn Sedlmaier kaum ein vernünftiger Dialog geführt werden kann.

  18. Klaus Pichler

    An Rennziege:

    Ihre Annahme, daß Herr Sieferle hätte “Finis Germaniae” schreiben müssen (korrekt genitivisch), ist – sit venia verbo – besserwisserisch. Tatächlich galt Herr Sieferle Zeit seines Lebens als Liebhaber der lateinischen Sprache. Da es sich bei Ihnen um eine Kennerin / einen Kenner der lateinischen Sprache handelt, könnten Sie Ihren Scharfsinn der Frage widmen, was er wohl mit dem Titel “Finis Germania” gemeint hat.

  19. Thomas Holzer

    @KTMTreiber
    Nicht der Rest der Welt fürchtet sich davor, sondern die dummen Deutschen beweisen keine Dankbarkeit!
    Und deren gewählte! Politiker scheinen ganz im Sinne der dummen Mehrheit zu handeln.
    Mir ist kein anderes Land auf dieser Welt bekannt, welches seine Industrie ganz freiwillig, dafür aber umso “erfolgreicher” vernichtet

  20. Klaus Pichler

    Mir fällt auch nach längerem Nachdenken kein anderes Land ein. Da kann ich leider nicht aushelfen.

  21. Rennziege

    28. Juli 2017 – 17:43 — Klaus Pichler
    Servus, Herr Pichler, und danke für Ihre Replik. Mag sein, dass es besserwisserisch ist, zu vermuten, Sieferle hätte mit seinem Buchtitel “das (Lebens-) Ende Deutschlands” gemeint, was sehr wohl den lateinischen Genitiv verdient hätte. Bei “Finis Germania” versagt mein Scharfsinn, denn “Germania” ist kein Adjektiv; dies würde “germanicus” oder “germanica” lauten; “finis” wird ja männlich und weiblich gebraucht. Die Kurzbezeichnung “Germania” für Tacitus’ Monographie “De origine et situ Germanorum” wird er schwerlich gemeint haben.
    Also setze ich große Hoffnung in Sie, einem schwachen Weibe stark auf die Sprünge zu helfen, wie Sieferles Titelwahl auszulegen sei. 🙂

  22. Klaus Pichler

    Guten Abend, Rennziege (sage ich sehr ungern, da ich Frauen üblicherweise nicht als Ziegen bezeichne, höchstens in Notfällen 😜)
    Daß ich es mit einer Kennerin zu tun habe, ist mir bei der Lektüre Ihres Kommentars bewußt geworden. Daher nehme ich das “besserwisserisch” reumütig zurück.
    Was Herr Sieferle wirklich mit diesem Titel gemeint hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Am ehesten scheint mir “Germania” ein Vokativ zu sein. Oder handelt es sich um einen Nominalsatz, was ich weniger glaube? Wer einige seiner Schriften kennt (und das tue ich) und den durchaus pessimistischen Charakter seiner letzten Schriften, könnte durchaus den Titel als Appell an Germania verstehen.
    Das Buch “Finis Germania” würde ich Ihnen nun nicht zur Lektüre empfehlen, meiner Meinung nach wendet es sich eher an Leser, die mit seinen Schriften vertraut sind. Was ich Ihnen aber vorbehaltlos empfehlen kann, ist sein Buch “Das Migrationsproblem”. Auch wenn man seine Einschätzungen nicht teilt (ich teile sie), gewinnt das Buch durch eine intellektuell redliche Darstellung der kontroversen Positionen. Ein Gewinn in jeder Hinsicht. Ich habe übrigens auch vor wenigen Tagen in Andreas Unterbergers Blog eine Empfehlung dieses Buches gefunden. Auch Rüdiger Safranski lobt es in einem Interview mit dem Deutschlandfunk am 25. Juni a.c.
    Mit herzlichen Grüßen
    PS: Im übrigen habe ich keinesfalls den Eindruck gewonnen, daß es sich bei Ihnen um ein schwaches Weib handelt.

  23. Rennziege

    28. Juli 2017 – 18:58 — Klaus Pichler
    Interessant, mit Ihnen zu diskutieren. Ich hab’ ja schon gestanden, mit Herrn Sieferles Werken nicht vertraut zu sein. Erst sein jüngstes (und letztes) drang in mein Bewusstsein — durch die abrupte Streichung aus der “Spiegel”-Bestsellerliste, die ich grenzwertig fand. Leider heut’ nimmer viel Zeit, Ihnen zu antworten; aber Ihre Vokativ-Version leuchtet ein. Also hätte Sieferle sein Buch auch “Finis, Germania!” nennen können, gell?
    Zur Ziege: Als kleines Mädchen in den Kärntner Nockbergen bekam ich den Spitznamen Bergziege, weil ich so gern kletterte. Später, gar nicht lange her, wurde ich eine flinke Schwimmerin auch in österreichischen Meisterschaften, worauf der Trainer mich zur Rennziege umtaufte. Handelt sich also um einen Ehrentitel, den ich ungern ablege.
    Herzliche Grüße aus Kanada!

  24. sapio

    @Thomas Holzer
    >Und deren gewählte! Politiker scheinen ganz im Sinne der dummen Mehrheit zu handeln.<

    Glaubt man Herrn Gauck, dann ist dem nicht so, seien doch die Bevölkerungen das Problem, nicht die Eliten. Das deckt sich harmonisch mit der Kanzlerin öffentlich artikuliertem Standpunkt: «Man kann sich nicht darauf verlassen, dass das, was vor den Wahlen versprochen wurde, auch nach den Wahlen gilt». Noch pointierter, ebenfalls von Merkel: «Wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und freie Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit.»

    @all
    Zum vermeintlich falschen Genitiv nachfolgend aus zweiter Hand die Interpretation Klonovskys: «Für ‚Finis Germania‘ gibt es nur zwei plausible Lesarten: Entweder man liest ‚finis‘ als Verbform (2. Person Singular) und ‚Germania‘ als Vokativ und erhält: ‚Du gehst unter (endest) Deutschland!‘, oder man betrachtet ‚finis‘ als Substantiv (‚Germania‘ bleibt in jedem Falle Vokativ) und gelangt so zu: ‚Das/dein Ende (der/dein Untergang), Deutschland!‘ (..).»

    Sieferle spricht also nicht über Deutschland, sondern zu ihm.

  25. P.R.

    Was die Übersetzung von “finis Germania betrifft”: einem Liebhaber der lateinischen Sprache, der wusste, dass man ihn nicht mehr danach fragen könnte, traue ich durchaus zu, seine Leser absichtlich darüber im Dunkeln zu lassen. Meine beiden Theorien – einander fast entgegengesetzt und vielleicht deshalb genau so zweideutig:
    1. Finis in einer metaphorischen Übersetzung etwa “das Höchste”, also “Deutschland [ist] das Höchste”; vielleicht eine Anspielung auf die erste Strophe des Deutschlandliedes
    2. Finis als 2.P.Sg. v. finire (enden), also etwa “[so] endest du[,] Deutschland”

    3. Vielleicht noch eine Variante mit Germania als Ablativ – also etwa das Ende durch Deutschland, oder als Eigenschaftsablativ (beides eher weit hergeholt).

    Ich kann mir vorstellen, dass es absichtlich mehrdeutig ist.

  26. Klaus Pichler

    Danke, ersteres (2.sg. von finire) ist einleuchtend. Entspricht auch der pessimistischen Sicht des Historikers Rolf Peter Sieferle.

  27. Klaus Pichler

    @ Rennziege
    Habe gerade in dankenswerter Weise die einleuchtende Erklärung von @sapio (nomen est omen) bekommen: “finis” als 2.sg. des Verbums finire. Paßt sehr gut zur pessimistischen Weltsicht des Historikers Rolf Peter Sieferle.
    Herzliche Grüße aus der Schweiz nach Kanada

  28. Rennziege

    @ To all you highly educated Gentlemen,
    die Interpretation des Verbums “finire” (2.P., sg., praes.) als “Du bist am Ende, Deutschland” trifft es wie die Faust aufs A. Allerdings hätte uns ein Komma zwischem “finis” und “Germania” eher auf die ríchtige Fährte gebracht.
    Man denke an “Et tu, Brute?” (Caesar, von Shakespeare zitiert).
    Ceterum censeo: Es ist erfrischend zu sehen, dass es in Christian Ortners Wohnzimmer wieder mal Gäste gibt, deren Horizont über den täglichen, immer öderen Polit-Jahrmarkt hinausreicht. Bin ja nur ein Zaungast hier, aber jetzt schau’ ich wieder öfter vorbei. Back to work now, and thanks.

  29. Johannes

    Eine Kritik wie ein Richterspruch, der Versuch salomonisch die Verbanner des Werkes und den Autor gleichermaßen lächerlich zu machen.
    Die Wortwahl der Kritik ist verräterisch die Intention spürbar, was soll`s Kritik ist nie objektiv es ist der Versuch subjektives so originell zu gestalten das es interessant wird.
    Was bleibt? Das Werk eines Mannes der in seinem Leben vieles erlebte, der nicht so ungebildet war wie es in dieser Kritik den Anschein erweckt und der ein tiefes Unbehagen hatte von dem was er spürt das da kommen wird.
    Die Apokalypse des Johannes (nicht meine wohlgemerkt) würde von Herrn Sedlmaier wohl in ähnlicher Weise “zerrissen“ werden – weil unklar und wirr – vielleicht wer weis?

    Der Mann ist wie ich hörte durch Suizid aus dem Leben geschieden, dieser Aspekt ist sicher in die für manche wirr erscheinenden Zeilen mit eingeflossen es war wohl vieles was in dem Werk zu lesen ist die Rechtfertigung für seine Entscheidung, aus diesem Gesichtspunkt sollte man das vielleicht öfter als einmal lesen und auf gar keinen Fall eine billige Polemik-Komödie daraus machen.

  30. KTMTreiber

    @Rennziege:

    … betreffend falschen Genitivs und 2. Person Singular, – steig ich als kleiner dummer Volltrottel, der weder eine Matura, noch ein Germanistik -Studium vorzuweisen hat, – aus.
    ..

  31. mariuslupus

    Eine Dikussion über die Überschrift, aber nicht über den Inhalt. Germania ist eine Verkörperung Deutschlands.
    Von dieser Wallküre, vulgo Germania gibt es mehrere Exemplare, verstreut in deutschen Landen. Immer wehrhaft, unerschütterlich, z.T. bedrohlich, dreinblickend. Diese Figur ist nicht am Ende. Ein Irrtum des Autors. Germania feiert eine dominante Auferstehung in der EU. Geopolitisch ist Genossin Germania eine Null. Germania hätte eine wichtige Rolle übernehmen können, aber der teutonische Grössenwahn macht sie zu Gartenzwergin. Aber ,unter kleinen EU Zwergen, wirft der grösste Zwerg den längsten Schatten

  32. Klaus Pichler

    @ Johannes
    Rolf Peter Sieferle war Historiker sowie Sozial- und Politikwissenschaftler und emeritierter Professor für Allgemeine Geschichte an der Universität St. Gallen. Zudem war er Verfasser von bedeutenden Büchern, wie z.B. “Der unterirdische Wald. Energiekrise und industrielle Revolution” oder “Die konservative Revolution”, um nur zwei zu nennen. Und als Autor war er ein glänzender Stilist der deutschen Sprache, dessen sprachliches Niveau sein im üblichen zeitgeistigen Geschwafel dampfplaudernder Kritiker in der NZZ Tobias Sedlmaier nie erreichen wird können.

  33. Klaus Pichler

    @KMT Treiber
    Für mich ist nicht einzusehen, daß Sie sich als “kleinen dummen Volltrottel” bezeichnen, weil Sie weder eine Matura noch ein Studium der Germanistik vorweisen können. Ich kenne Leute, die zwar ein Studium der Germanistik vorweisen können (und als Studienvoraussetzung eine Matura), die aber als Trottel (nicht unbedingt als Volltrottel) zu bezeichnen ich nicht zögern würde. Mit herzlichen Grüßen

  34. Mona Rieboldt

    Thomas Holzer
    Das ganze Theater um Diesel etc. ist ein Ablenkungsmanöver vor den Wahlen, damit die Leute nicht auf die Idee kommen, von Asylantentrecks demnächst von Afrika nach D zu reden.
    Außerdem verkauft VW zur Zeit mehr Autos als vorher, das ganze Theater ist wohl mehr Theaterdonner.

  35. mariuslupus

    @Mona Rieboldt
    War von Anfang an auch meine Meinung. Ablenkungsmanöver. Sie werden sich noch wundern, was der Vereinigten Linken bis zu den Wahlen ,egal ob in D oder A, , noch einfallen wird. Oder auch nicht. Vielleicht nicht nötig. Der Wähler wurde seit Jahren manipulativ durchgeknetet ,so das ein Ausbrechen in Richtung eigener Meinung, Benutzung des eigenen Verstandes, nicht zu befürchten ist.

  36. Wanderer

    Die Titel-Diskussion ist auch bei Klonovsky geführt worden: Dort kommt ein Leser ebenfalls zum Schluss: “finis + Nominativ statt Genitiv ist im Lateinischen alles andere als häufig; ‘finis’ ist hier sicherlich als 2. Person Singular Indikativ Präsens Aktiv von ‘finire’ zu lesen und ‘Germania’ als Vokativ, also ergäbe sich: ‘Du endest (stirbst), Deutschland’ (‘finire’ kann neben ‘beenden’, ‘begrenzen’, ‘aufhören’ usw. auch ‘sterben’ bedeuten). Das fehlende Ausrufezeichen im Titel steht dem nicht entgegen, denn im antiken Latein gab es ja keine Satzzeichen.”

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