12 comments

  1. sybille Stoa

    Warum konnte in den 1970 ein Hilfsarbeiter seine Familie ernähren und noch im Sommer auf Urlaub fahren?

    Ich nenne nur einige seit 1970 neu eingeführten Steuer- und Gebührenerhöhungen:
    wie kalte Progression, Bankenabgabe im 3-stelligen Millionenbereich, Grundbuchführungsgebühr, Grundbuchsänderungsgebühr, mehr KÖST-Steuer, erhöhte Gebühren der Länder, Städte und Gemeinden, neues Versteigerungsverfahren für Mobilfunklizenzen, das Betreiber abzockt, Steuerabkommen mit Schweiz und Lichtenstein, Spekulationssteuer auf Immobilien, Wertpapier KEST und jetzt noch Sekt, Tabak, Pferde, Nova, Streichung der Invaliditätspension, , Parkraumbewirtschaftungsgebühr, Vignette (gabs früher nicht), Aktien-KEST, mehr GIS, …

    und da gibts noch viele andere mehr!

    Daher muss der Arbeiter länger arbeiten, weil der Staat überall immer mehr mitkassiert.
    40h sind trotzdem OK und wenn Anreize da sind für mehr auch mehr Geld zu bekomnen, dann arbeiten auch einige gerne länger

  2. Leitwolf

    Vielleicht sind wir gar nicht so weit davon entfernt, nur das die Umsetzung etwas anders aussieht.

    450.000 Österreicher arbeiten gar nicht, sind offiziell arbeitslos. Gegenüber den frühen 70ern ist das Pensionsantrittsalter um 6-7 Jahre niedriger, was nochmal rund 500.000 das Arbeiten erspart.

    Wie viele der besetzten Stellen sind tatsächlich produktiv? Und von jenen die produktiv sind, wie viel Zeit wird da mit sinnlosen Verwaltungstätigkeiten verschwendet? Kurz um: wie viel arbeit wird tatsächlich noch produktiv geleistet und mit welchem Zeitbudget wäre das bei effizienter Umsetzung machbar?

    Gar so viel wird da nicht übrig bleiben und somit wäre es zumindest zumindest theoretisch durchaus vorstellbar mit 4-5 Stunden täglich auszukommen. Vorausgesetzt man würde das System mal ordentlich entrümpeln.
    Nur ist das wohl noch weit weniger realistisch als Keynes 15h Woche..

  3. Reinhard

    Produktiv arbeiten wir auch nicht mehr.
    Von 8 Leuten arbeiten 3 den ganzen Tag produktiv, 2 dienstleistend oder verwaltend und der Rest ist Beamter oder in Frühpension.
    Und wenn ich mir die Produktivität in der Fertigung anschaue (und das muss ich oft…) dann sind selbst diese 3h noch sehr hoch gerechnet.

  4. Selbstdenker

    Diese makroökonomischen Betrachtungen leiden doch alle daran, dass man individuelle Präferenzen (in unterschiedlichen Lebenssituationen) in einen Topf wirft, einmal mit statistischen Methoden kräftig umrührt und diesen Eintopf wierum an alle ausschenkt.

    Absolut essentielle Informationen gehen beim Hochaggregieren verloren bzw. saldieren sich aus. Bei den Auswertungen werden häufig methodische Fehler gemacht, die dem Bestreben des Forschers (oder seines Auftraggebers) zur Bestätigung der eigenen Sichtweise geschuldet sind. Und letztenendes tut man so, als ob dieser Planet von einer Horde Clone-Subjekte bewohnt wäre.

    Als ob Stephan Schulmeister wüsste, was rational ist und was nicht. Die Zeitpräferenz eines Studenten, eines Häuslbauers und einer Pensionistin unterscheidet sich – aus gutem Grunde – fundamental. Sie wissen selbst am besten wo ihre Bedürfnisse – ausgedrückt mit dem individuellen Grenznutzen – liegen.

  5. Plan B

    Keynes hat natürlich Recht, wenn er es auf die reine manuelle Arbeit eines Menschen bezieht (Einsatz von Muskelkraft).
    Dazu einige Daten:

    Die durch menschliche Arbeitsleistung gewinnbare Arbeit im Jahr (nur bei jungen Menschen)
    • 100 kWh Arbeitsleistung mit den Beinen
    • 10 kWh Arbeitsleistung mit den Armen

    Die erforderliche Menge von Energie für einen Menschen in einem Jahr
    • 1000 kWh in der Form von Nahrung
    • 6000 kWh als Strom bei uns in Deutschland
    • 50 000 kWh als Primärenergie bei uns in Deutschland

    Daraus folgt, dass unser heutiger Güterverbrauch (gemeinhin als Wohlstand bezeichnet) ohne Energieumwandlungssysteme nicht möglich ist – und diese nennt man simpel Maschinen.

    Produktive, also wertschöpfende Arbeit im Sinne der Gütervermehrung und –bereitstellung kann nur erstens von denen geleistet werden, die Maschinen erfinden, Maschinen bauen und Maschinen bedienen. Und zweitens von denen, die Produkte (Güter) erfinden, die Maschinen reparieren und warten und die Güter verteilen (Logistik und Distribution). Aber auch dieser so genannte Bereich der produktionsnahen Dienstleistungen kommt nicht ohne Energieumwandlungssysteme aus.

    Der Anteil manueller Arbeit (Muskelkraft) an der Produktivität einer Volkswirtschaft ist also verschwindend gering (und war 1930 sicherlich höher als heute, als Keynes seine Aussage tätigte).

    Von der täglichen Energieaufnahme eines Menschen (Nahrung) wird rund zwei Drittel in thermische Energie umgewandelt, mit der ausschließlich das Gehirn versorgt wird.

    Von geistiger Arbeit war also in meiner Betrachtung noch nicht die Rede.

  6. gms

    Plan B,

    verzeihen Sie das Nitpicking, aber obige Darstellung hat zwei kleine Fehler, auch wenn das der abschließenden Zusammenfassung keinerlei Abbrucht tut.

    Im Primärenergiebedarf (für D rund 14 Exajoule/Jahr) ist jener für die Stromgewinnung bereits inkludiert, die genannten 6.000 kWh für Strom fallen daher weg. Kann die durchschnittliche konstante Leistungsaufnahme (bei rund 2.000 kcal/Tag) eines Menschen, wie von Ihnen implizit richtig dargestellt, mit rund 100 Watt angenommen werden [1], so liegt jene an zusätzlicher durch Primärenergie gespeiste Maschinen, Heiz- und Kühleinrichtungen, etc. pp, bei rund 5 Kilowatt [2].
    Das heißt, ungeachtet aller Wirkungsgrade, sind energietechnisch für jeden Menschen permanent etwa 50 zusätzliche künstliche Menschen im Einsatz.

    “Der Anteil manueller Arbeit (Muskelkraft) an der Produktivität einer Volkswirtschaft ist also verschwindend gering (und war 1930 sicherlich höher als heute, als Keynes seine Aussage tätigte).”

    Das ist fraglos der Fall, aber es relativiert sich, zumal davon ausgegangen werden kann, daß anno dazumal anteilig weniger Energie in Komfort und mehr in Produktivität floß.

    Damit ist mittelbar auch Keynes’ wesentliche Fehlerquelle benannt — die These, die damals von den Menschen wahrgenommen Zustände seien mehr oder weniger befriedigend gewesen und bildeten quasi das obere Ende der Fahnenstange des Luxus’, und zu dessen Aufrechterhaltung sei angesichts des technischen Fortschrittes ein menschlich immer geringerer zeitlicher Aufwand nötig.

    Zugleich liegt dieser Betrachtung ein typisch linker Fehler zugrunde — der Glaube, qualitative Aspekte des menschlichen Lebens (ie. Zufriedenheit und dessen Subfaktoren) ließen sich quantifizieren, in Formeln packen und dergestalt für Prognosen heranziehen.

    “Von der täglichen Energieaufnahme eines Menschen (Nahrung) wird rund zwei Drittel in thermische Energie umgewandelt, mit der ausschließlich das Gehirn versorgt wird.”

    ?? – Weder benötigt das Gehirn 2/3tel (es sind nur rund 20%) der dem Körper zugeführten Energie, noch braucht es thermische Energie (wie etwa durch beheizbare Lockenwickler). Nachdem der Kopf rund 10% zur gesamten thermischen Wärmeabgabe beiträgt, kann (bei aller Unexaktheit der Betrachtung) dem Gehirn ein wesentlich höherer Wirkungsgrad attestiert werden, als anderen Körperteilen. Worauf zielten Sie mit Ihrem obigen Satz ab?

    [1] 2000 Kilo-Kalorien = 8.374 Kilojoule (kJ) 1 Watt = Joule pro Sekunde
    1 Tag = 86.400s ~> 100 Watt Dauerleistung => pro Tag 2,4kWh (876 kWh / Jahr)
    [2] Jährlicher Primärenergieverbrauch Deutschland 13.757 PJ (10^15)
    => 3.821 Mrd. kWh ~> 50.000 kWh / Person

  7. Rennziege

    10. März 2014 – 17:32 gms
    Seien Sie bedankt für Ihre energetische Expertise, aus der ich viel gelernt habe, was meine Bio- und Physiklehrer mir verschwiegen haben — oder was ihnen schon an der Uni nicht beigebracht wurde. 🙂

  8. Plan B

    Geschätzter gms,

    ein kleiner Einwand zu Ihrer Darstellung der Gehirnleistung bezüglich der Energieumwandlung: Auch für das Energieumwandlungssystem “Mensch” gelten die physikalischen Gesetze der Thermodynamik. Die Nahrung wird vollständig in thermische Energie umgewandelt (36,5 Grad Betriebstemperatur); nur so können die biochemischen Prozesse im Organismus erst ablaufen.
    Das empfindlichste Organ ist das Gehirn; es bricht bei Temperaturen oberhalb von 40,5 °C und unterhalb von 35 °C zusammen (natürlich reagiert unser Organismus bei kurzzeitigen Extremsituationen – Unterkühlung bzw. hohes Fieber – mit einem inneren Thermostaten, um die Temperatur zu stabilisieren).

    Der Mensch ist eine „Wärme-Kraft-Maschine“.

    Ansonsten vielen Dank für Ihre informative Replik

  9. gms

    Plan B,

    Dank für den Dank, doch Nachfolgendes ist zu absurd, um unkommentiert zu bleiben:
    “Die Nahrung wird vollständig in thermische Energie umgewandelt (36,5 Grad Betriebstemperatur); nur so können die biochemischen Prozesse im Organismus erst ablaufen.”

    Das wäre verdammt dumm, wenn es tatsächlich so wäre. Der Mensch als Heizstab mit 100%igem Wirkungsgrad?! Weder ließen sich in der Außenwirkung die von Ihnen genannten 110 Kilowattstunden eines Menschen pro Jahr nutzen, noch würden körperintern Partikel transportiert zwecks Wachstum, Regeneration oder Erinnerung.

    “Der Mensch ist eine „Wärme-Kraft-Maschine“.”

    Eben! Eine vollständige (!) Umwandlung zugeführter Brennstoffe beschreibt zutreffend eine “Wärme-Maschine”.

  10. Plan B

    gms,

    nur kurz zu Abschluss: Ich habe nirgendwo einen Wirkungsgrad von 100% beschrieben (ein Missverständnis?). Es geht vielmehr um die Energieerhaltung; abgeführte Wärme (Konvektion/Strahlung/Schwitzen) muss durch den gleichen Energiebeitrag wieder ausgeglichen werden, um die Betriebstemperatur konstant zu halten. Und dafür wird die Nahrung in thermische Energie umgewandelt (Oxydation). Der Wirkungsgrad (mechanisch) liegt bei rund 20%.

    Also, nix für ungut

  11. gms

    Plan B,

    “nur kurz zu Abschluss: Ich habe nirgendwo einen Wirkungsgrad von 100% beschrieben (ein Missverständnis?).”

    Ja, nein, vielleicht. In meinen Breitengraden steht “vollständig” nun mal für 100%, und wenn diese wiederum “in thermische Energie” gewandelt werden, braucht es wenig Phantasie, um den perfekten Heizstab vor Augen zu haben.

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