Wehende Fahnen, klingelnde Kassen

Von | 27. Oktober 2017

(C.O.) In der Diskussion darüber, wie legitim die Forderung von Regionen wie Flandern, Baskenland, Korsika, Norditalien oder Katalonien nach Unabhängigkeit ist, herrscht bei allen beteiligten Parteien mittlerweile ein erhebliches Maß an Scheinheiligkeit und doppelbödiger Argumentation vor. So pochen die jeweiligen Separatisten stets auf das Recht auf Selbstbestimmung der Völker. Ganz grundsätzlich ist das in Ordnung: Wenn die Katalonen mehrheitlich einen eigenen Staat wollen, steht ihnen das in einer liberalen Demokratie auch zu. Es fällt freilich auf, dass der Wunsch nach Sezession fast immer dort entsteht, wo eine wohlhabende Gegend es satthat, quasi der Bankomat einer wenig effizienten Zentralregierung zu sein und weniger erfolgreiche Regionen innerhalb des Staates alimentieren zu müssen. (weiter hier)

5 Gedanken zu „Wehende Fahnen, klingelnde Kassen

  1. Thomas Holzer

    Aus dem Artikel: “Es ist nur etwas unehrlich, nicht klar auszusprechen, worum es wirklich geht.”

    Dieses Verhalten trifft doch auf (fast) alle Politikbereiche zu.

  2. astuga

    Wobei die EU-Nomenklatura hier durchaus eine ambivalente Haltung einnimmt.
    Schließlich gilt dort überwiegend der Nationalstaat als Feindbild, der medial diffamiert wie auch auf vielfältige Weise aktiv geschwächt und bekämpft wird.

    Sei es durch die Gesetzgebung des EuGH, die Politik der Kommission, oder durch die Aktivitäten der Spinelli-Gruppe im EU-Parlament.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Spinelli-Gruppe

  3. Lisa

    Meist ist es tatsächlich so, dass sich wohlhabendere Regionen von bedürftigen und zwangssolidarisch zu unterstützenden Anhängseln separieren wollen. Allerdings können auch grössere Mentalitätsunterschiede, Sprache, Kultur und alte Animositäten ein starkes Bedürfnis nach Befreiung nähren. “Lieber arm, aber frei” mag für manche ein stärkeres Motiv sein als nur gerade wirtschaftliche Vorteile. Zudem kann auch ein armes Land plötzlich durch irgend eine Nische, globale Umwäzungen oder was immer zu einem kleinen “Tigerstaat* werden.

  4. Rennziege

    27. Oktober 2017 – 12:03 — astuga
    Danke für den BBC-Link. Hab’ das unsägliche Ding soeben gelesen. Peter Sutherland steht für die UNO und ihre Unterorganisationen, die allesamt die Auslöschung der in Jahrhunderten gewachsenen Kulturen und Identitäten betreiben. Bis jetzt ist der weltweit, die US-Südstaaten ausgenommen, verteufelte Donald Trump der einzige Politiker, der vehement dagegen ist. Mit dem absehbaren Austritt der USA aus dem UNO-Karpfenteich könnte sich einiges ändern. Könnte, wohlgemerkt. Aber:
    Die auch von der EU postulierte Supranationalität stößt an ihre Grenzen, hüben wie drüben. So ziemlich alle Menschen sind es leid, zu gesichts- und geschichtslosen Weltbürgern degradiert zu werden.

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