Weil “Griechen keine Zahlen sind”, sollen andere zahlen

Dafür, dass die griechischen Gewerkschaften diese Woche wieder einmal einen ordentlichen Streik anzettelten, muss man wirklich vollstes Verständnis haben. Schließlich ist es ja wirklich eiskalt und voll brutal, dass die Athener Regierung schon jetzt, nur einige wenige Jahre nach der De-facto-Staatspleite, damit beginnen will, fast zwei Prozent ihrer Dreiviertelmillion größtenteils überflüssigen Beamten loszuwerden. Dies auch noch damit zu begründen, dass der Staat völlig pleite ist, stellt einen weiteren Gipfel neoliberaler Menschenverachtung dar. Als ob schnödes Geld nicht beliebig mithilfe einer simplen Banknotenpresse fast unbegrenzt herstellbar wäre. Was nur leider die germanische Nazi-Bundeskanzlerin in ihrem Berliner Führerbunker noch nicht begriffen hat, die bekanntlich nicht von der Wahnidee abrücken will, dass man nicht auf Dauer viel mehr ausgeben kann, als man einnimmt.

Die im Gegensatz dazu großzügige, von sozialer Wärme charakterisierte Haltung der griechischen Arbeitnehmervertreter wurde dankenswerterweise besonders schön sichtbar durch das Motto der Streiktage: „Menschen sind keine Zahlen“.

Genau, und deswegen sollten die Geldgeber Griechenlands – was für ein diskriminierender Begriff das überhaupt ist – die Griechen bitte nicht länger mit Zahlen belästigen, sondern still und wortlos zahlen. Da Menschen eben keine Zahlen sind (ein Slogan, der sich übrigens auch für den hiesigen Wahlkampf vorzüglich eignete).

Was aber bedeutet diese wunderbare Formulierung eigentlich genau? Ins Deutsche übersetzt: Da die griechischen Gewerkschaften keine Lust haben, ihren verfetteten Beamtenapparat auch nur ein wenig zu verkleinern, sollen die Geldgeber im Norden eben noch mehr Geld geben. Das ist damit gemeint. Hinter dem scheinbar so menschenfreundlichen Slogan steht also nichts anderes als die Forderung, den einen Europäern gegen deren Willen Geld wegzunehmen und es anderen Europäern zu geben, die es nicht verdient haben, aber dafür ein Menschenrecht auf Pragmatisierung eines erheblichen Teils ihrer Bevölkerung für sich in Anspruch nehmen.

Was wie ein Schrei nach Gerechtigkeit klingen soll, ist daher nichts anderes als grobe Ungerechtigkeit, die vom Neusprech der europäischen Umverteilungsmechaniker kaschiert wird.

Von dieser Form als Gerechtigkeit kostümierte Ungerechtigkeit dürfte es noch deutlich mehr geben, sobald die Wahlen in Deutschland (und Österreich) geschlagen sind. Dann nämlich wird die griechische Regierung, so hat es ihr Finanzminister gerade angedeutet, abermals um einen Schuldenschnitt vorstellig werden, dem dann zweiten absolut einmaligen und ausnahmsweisen nach dem absolut einmaligen und ausnahmsweisen Schuldenschnitt vom Vorjahr.

Dabei geht es um schlappe 145 Milliarden Euro, die Griechenland allein den Staaten der Eurozone schuldet, auf Österreich entfallen einem internen Bericht des Finanzministeriums zufolge 1,5 Milliarden Euro, was nicht einmal dem Gegenwert von 5.000 größeren Eigentumswohnungen in Wien entspricht; eine echte Lappalie also.

Geht es nach den Vorstellungen der griechischen Seite, sollte sich Österreich schon bald nach den Wahlen von einem substanziellen Teil dieser Forderung verabschieden müssen.

Dafür werden die österreichischen Steuerzahler sicher Verständnis aufbringen. Menschen dürfen schließlich keine Zahlen sein. (“Presse”)

5 comments

  1. oeconomicus

    Wir sollten uns von der Illusion verabschieden, dass die Griechen und Portugiesen jemals ihre Schulden zahlen, gleich ob sie im Euro bleiben oder austreten.

  2. Prinz Eugen von Savoyen

    Weils wahr ist. Redet den Griechen nicht ständig drein und lasst sie mit ihrem Geld machen, was sie wollen.

  3. DailyMirror

    @manfred
    Oh ja, unbedingt. Nach Staatspleiten brechen ja bekanntlich fast immer gaaaaanz paradiesische Zeiten an…..

  4. world-citizen

    Der Staat mag ja pleite sein, die Kirche ist es mit Sicherheit nicht. Goldene Luster und teuerster Carrara Marmor verbaut in einer Kirche, die gerade erst 5 Jahre alt ist. Wenn man weiß, wie eng Kirche und Staat hier verflochten sind, stellt sich zwangsläufig die Frage ob es nicht einen Weg gibt, die Kirche zur Kasse zu bitten.

    https://fbcdn-sphotos-c-a.akamaihd.net/hphotos-ak-ash3/556989_10200152100225344_1570979739_n.jpg

    https://fbcdn-sphotos-b-a.akamaihd.net/hphotos-ak-ash3/1012198_10200152100265345_864683741_n.jpg

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