Welche Karten haben die Griechen im Pleite-Poker?

“…Greece’s new government has been pondering how and when to default on the mountain of debt it has inherited, which now exceeds 175% of GDP. For some reason, this supposedly entails “leaving the eurozone,” and possibly introducing a new, independent floating currency, perhaps reviving the name “drachma.” But is this necessary? It is not necessary at all….” (Interessante Analyse, hier)

12 comments

  1. Thomas Holzer

    “A sound gold drachma might be even more popular than a floating Swiss franc”

    Netter Gedanke, nur bräuchte es dazu
    1.) einer anderen Regierung in Griechenland
    2.) was noch viel wichtiger wäre, einer Bevölkerung mit einer anderen Einstellung

  2. H.Trickler

    Die Argumentation in Forbes ist unrealistisch, weil ein simpler Default von den Gläubigerländern nicht einfach hingenommen würde, d.h. ein Grexit ist dann zwingende Folge um das Gesicht “der Institutionen” zu wahren.

    Wenn der Griechische Staat auf eine eigene Währung verzichtet oder den Goldstandard glaubhaft anwendet, hat er keine Möglichkeit die eigene Währung bei Bedarf abzuwerten und damit die staatlichen Schulden auf ‘elegante’ Weise zu reduzieren. Darin liegt der Hauptvorteil der Drachme und darum bin ich sicher dass sie sehr bald eingeführt wird.

    Dass die Euros auch weiterhin als Zahlungsmittel entgegen genommen werden wird entweder durch die Ladenbesitzer oder durch den Griechischen Staat gewährleistet.

  3. Klaus Kastner

    Der Artikel fällt eher in die Kategorie “lautes und kreatives Nachdenken” als substantielles Reporting.

    Griechenland kann in der Tat Default erklären, ohne die Eurozone verlassen zu müssen. Insolvenzen sind in der Eurzone (noch?) nicht verboten. Außerdem erlauben die Verträge weder einen freiwilligen Austritt und schon gar nicht einen Rauswurf aus der Eurozone. Mindestens 3 Voraussetzungen müssten erfüllt sein: (a) der Staat müsste alle seine Ausgaben (außer Schuldendienst) mit Einnahmen decken können, (b) Bankeinlagen müssten b.a.w. eingefroren werden (ausgenommen Kleinabhebungen) und (c) grenzüberschreitende Kapitalflußzäune, die bis in die Atmosphäre reichen, müssten aufgebaut werden. Per heute sollte Griechenland alle 3 Voraussetzungen erfüllen können.

    Der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr müsste im Detail neu aufgebaut werden. Staatsvermögen (inkl. ausländische Bankguthaben) müssten vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt werden und das gleiche gilt auch für Banken, damit die EZB keinen Zugriff auf Bankvermögen hat. Möglicherweise sollte Griechenland den gesamten grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr auf chinesische oder russische Banken übertragen.

    Innerhalb der griechischen Grenzen sollte es dann mit dem Euro flott weitergehen. Warum sollte sich daran auch etwas ändern? Die Euro-Geldmenge ist vorhanden und der inländische Zahlungsverkehr ist unbetroffen, solange das Euro-Geld im Inland bleibt.

    Die Idee einer Gold-Drachme ist herzig, die unbeantwortete Frage wäre jedoch: “Wo ist das Gold, das als Sicherheit für die Drachme-Geldmenge dienen würde?”

    Eine neue bzw. parallele Währung zum Euro ist etwas kompliziert. Meines Wissen stipulieren die Euro-Verträge das Monopol des Euro als gesetzliches Zahlungsmittel und jede neue Währung müsste wohl vertraglich neu geregelt werden. Griechenland könnte dies eventuell mit vordatierten Euro-Schecks umgehen.

    Die Praxis der vordatierten Schecks ist im griechischen Gewerbe gang und gäbe. Der Staat könnte beispielsweise einen Teil seiner Ausgaben mit vordatierten Schecks bezahlen. Auf diese Weise würde sich ein Sekundärmarkt für vordatierte Euro-Schecks des Staates entwickeln.

    Die Idee mehrerer Währungen ist eine Schnapsidee. Damit eine Währung im Tagesgeschäft funktioniert, braucht sie ein Clearing. Die Clearings für die Währungen anderer Länder werden immer in diesen anderen Ländern sein.

  4. Christian Peter

    @Klaus Kastner

    Unsinn. Dreht man Athen den Geldhahn (samt Finanzierung mittels EZB) zu, bricht in Griechenland rasch das Chaos aus (Kollaps des Bankensystems, etc.) und die Rückkehr zur Drachme bliebe letztendlich die einzige Alternative. Aber leider scheut sich die Politik vor einer solchen Situation und wird der Bananenrepublik am Balkan weiterhin gutes Geld der europäischen Steuerzahler in den Rachen werfen.

  5. Thomas Holzer

    “Außerdem erlauben die Verträge weder einen freiwilligen Austritt und schon gar nicht einen Rauswurf.”

    Dies ist aber nur das “Argument” verzweifelter Politikerdarsteller, viele von denen, die dieses “Argument” anführen, haben selbst alle möglichen (EU)-Verträge gebrochen. Jetzt auf das Einhalten von Verträgen zu pochen ist mehr als nur lächerlich

  6. Klaus Kastner

    @ Thomas Holzer
    Nur nicht so rasch einen ‘unsinningen’ Kurzschluß zu machen!

    Das griechische Bankensystem kann nicht zusammenbrechen, wenn die Passiva des Systems geschützt werden. Die Einlagen werden durch die Depositenkontrolle geschützt und die Verbindlichkeiten gegenüber der EZB durch die grenzüberschreitenden Kapitalkontrollen. EZB und Troika im allgemeinen können den Geldhahn zudrehen; sie können auch Geld zurückfordern; sie werden jedoch kein Geld aus Griechenland bekommen, wenn solche Überweisungen verboten werden. Sie können nur versuchen, ihre Hände auf ausländisches Vermögen des Staates und der Banken zu kriegen. Deswegen mein Vorschlag, zumindest das ausländische Finanzvermögen auf Banken zu übertragen, die nicht unbedingt gierig darauf sind, der Eurozone einen Gefallen zu tun. Auch die Nazis hatten es geschafft, ihren internationalen Zahlungsverkehr aufrecht zu erhalten, obwohl fast die ganze Welt gegen sie war.

    Man hatte leider in Europa keine Erfahrung, wie man damit umgeht, wenn ein Land in externe Zahlungsschwierigkeiten gerägt. Lateinamerikaner hätten erklären können, wie das geht, nämlich: auf sämtliche Auslandsverbindlichkeiten der GESAMTEN Volkswirtschaft (Staat, Banken, Firmen, etc.) wird ein Standstill erklärt, bis die Schulden neu verhandelt werden konnten. In der Zwischenzeit bleibt sämtliches ausländisches Kapital der Volkswirtschaft zur Verfügung. Im Inland geht das Geschäft fast normal weiter.

    Natürlich kommt es zu einigem Wirbel, solange ein Land extern in einem Zahlungsmoratorium ist und das wird Handelsbeziehungen und Investitionen beeinflussen, aber auf der Stelle geht so schnell nichts kaputt.

    @ Thomas Holzer
    So einfach wie beim Verletzen der no-bail-out Klausel wird es hier nicht gehen. Wo kein Kläger, kein Richtiger. Bei einem Grexit würde es aber sehr viele Kläger geben; alle jene, die dadurch Schaden genommen haben. Selbst die SNB wird für das Aufheben des Mindestkurses verklagt, obwohl sie keine gesetzliche Verpflichtung hatte, den Mindestkurs aufrecht zu erhalten. Die EU und die EZB haben sich vertraglich für den Euro verpflichtet. Wenn jemand daraus Schaden nimmt, dass EU und EZB ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen sind, kann sicherlich ein Grieche bei einem europäischen Gericht einen Schadenersatz einklagen. Ob er damit erfolgreich sein wird oder nicht, kann heute sicherlich noch niemand beurteilen.

  7. Christian Peter

    @Klaus Kastner

    Griechenlands Banken werden seit Jahren von der EZB am Leben gehalten. Werden diese Geldflüsse beendet, bricht das Bankensystem in Griechenland zusammen.

  8. Christian Peter

    Überdies ist in Griechenland ein Bunk – Run zu erwarten, sollte sich die Lage zuspitzen. Ohne Hilfskredite wäre in einer solchen Situation das griechische Bankensystem innert kurzer Zeit am Ende.

  9. H.Trickler

    @Klaus Kastner:
    Ich wette eine schöne Schweizer-Schokolade dass der Grexit noch im 1. Semester 15 erfolgt. Und wenn ich mit dieser Prognose falsch liege werde ich mich nicht mehr als Kommentator zu Griechenland äussern.

    Zur Parallelwährung:
    Auch in der Schweiz werden in Tourismusregionen und im ganzen Land von einigen Grossverteilern sowie von gewissen ‘Snack’-Automaten an Bahnhöfen Euros als Zahlungsmittel meist zum Tageskurs akzeptiert. Herausgeld meistens in CHF.

    Auch in Griechenland wird es Geschäften nicht verwehrt sein, andere Münzen entgegenzunehmen, also auch Euros oder Dollars wenn offiziell die neue Drachme gilt.

  10. Klaus Kastner

    @ Christian Peter
    Sie haben mich auch im zweiten Anlauf nicht verstanden.

    Wenn der himmelhohe Zaun von grenzüberschreitenden Kapitalkontrollen aufgebaut ist, kann die EZB keine Geldflüsse beenden. Ihr Geld ist bereits dort und wird auch dort bleiben.

    Neue EZB Geldflüsse wird das griechische Bankensystem nicht brachen. Diese Geldflüsse haben Passiva ersetzt, welche die griechischen Banken verloren (Depositenflucht). Wenn grenzüberschreitende Kapitalkontrollen und Depositeneinfrierung implementiert sind, können Banken nicht mehr zusammenbrechen, weil sie keine Depositen verlieren können. Ein Bank-Run ist dann nicht mehr möglich. Die ganze Idee von Depositeneinfrieren ist es ja, einen Bank-Run unmöglich zu machen.

    So einfach ist das.

  11. Christian Peter

    @Klaus Kastner

    Blödsinn. Kapitalkontrollen sind ein Instrument für kurzfristigen Schutz von wenigen Wochen, lassen sich aber nicht auf Dauer aufrecht erhalten, weil diese die Wirtschaft abwürgen.

  12. Klaus Kastner

    @ Christian Peter
    Wie lange genau hat Zypern mittlerweile Kapitalkontrollen? Wie lange hatte Österreich nach 1945 Kapitalkontrollen?

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