Welches “Geld des Staates”, bitte?

Wenn ich dann lese, irgendetwas sei ‚Leistung des Staates’, investiert würden ‚staatliche Gelder’ oder jemand beziehe eine ‚staatliche Rente’, dann wird eine simple Tatsache unterschlagen: Der Staat hat kein Geld. Wenn er Geld hat, dann hat er es den Menschen vorher weggenommen. Wenn er Geld ausgibt, dann gibt er ihr Geld aus. Für etwas, was er für richtig hält. (Reinhard K. Sprenger)

8 comments

  1. Fragolin

    Was kann man denn für eine Denkweise erwarten in einer Welt, in der es für grenzenlose Verwunderung sorgt, wenn man einem arbeitenden Menschen zu erklären versucht, dass auch ein Unternehmen nur soviel Geld für Investitionen und Gehälter auszahlen kann, wie es vorher von den Kunden eingenommen hat und deshalb Sätze wie: “Diese neue Sondersteuer an den Staat darf das Unternehmen nicht auf die Kunden abwälzen.” kompletter Schwachsinn sind, denn jemand anderen hat das Unternehmen nicht, außer es gehört zu den geschützten Werkstätten, aus deren Windschatten meist genau jene Politiker auftauchen, die solchen geistigen Durchfall produzieren. Die Menschen glauben an den Geldbaum hinter dem Chefbüro, an den superreichen Menschenschinder auf dem Chefsessel, und übersehen, dass 99% der Unternehmen Kleinst- und Kleinunternehmen unter 200 Beschäftigten sind, die schon durch ein oder zwei Kunden, die ihre Aufträge zurückfahren, in Existenznot geraten können. Deren Besitzer leben nicht in Saus und Braus sondern in Angst und Sorgen vor dem Morgen. Und “die Firma” hat nicht haufenweise Geld zu verteilen sondern genau soviel Geld, wie ihre Kunden ihr überweisen. Und Kunden zahlen nun mal nur für Leistung, das sollte auch ein einfacher Arbeiter kneißen, der für ein Feierabendbier ja auch nicht drei bezahlt. “Die Firma” wird zu einem eigenen Wesen, einer Person mit praller Geldtasche und der ungehörigen Forderung, für das Öffnen dieser Geldtasche auch noch etwas zu arbeiten.
    Aber zurück zum “Staat”, dieser Verwaltungsorganisation, die von den Menschen inzwischen ebenso als Person wahrgenommen wird; der “Vater Staat”, der im Zuge der Entmündigung seiner Bürger zum “Nanny-Staat” mutiert ist. Wenn man die Menschen fragt, was denn “der Staat” ist, kommt erschreckend oft die Ansicht, “na die da oben”. Das ist Untertanendenken pur. Und der Staat, dieses mächtige Über-Ich der Gesellschaft, hat in diesem Denken eine geradezu göttliche Macht. Er kann Geld aus dem Nichts erschaffen (und das tut er ja auch über seine Banken) und mit nichts als dem Versprechen, es irgendwann wieder zurückzahlen zu lassen, verteilen. Er verpfändet die Früchte der Arbeit kommender Generationen an Banken; dadurch muss er das Geld erst gar nicht den Leistenden hier und heute abpressen (das tut er zwar, aber um seine Exzesse weiter zu bezahlen, müsste er die Steuern fast verdoppeln – was bei 50% Abgabenlast einer Totalenteignung gleichkäme), sondern verspricht den Banken nur, die Kinder und Enkel jener, die heute Nutznießer des Systems sind, auch ordentlich auszupressen. Die Pensionen von heute sind eben nicht eine Versicherungsleistung der gestern eingezahlten Beiträge sondern zu einem immer kleiner werdenden Teil die heute in den Topf fließenden Beiträge plus ein immer größer werdender Teil Zukunft der kommenden Generationen. Es wird fröhlich vorgefressen und dann den kommenden Generationen noch zynisch ausgerichtet, sie sollen sich schonmal darauf einstellen, länger arbeiten zu müssen um ihre Schuld abzutragen. Ist doch praktisch, wenn man mit “wohlerworbenem Recht” vorfressen kann, während dann andere gefälligst zum Nachhungern haben.
    Dieses Bild vom “gütigen” verteilenden Staat als Papa, der den braven Kindern Taschengeld bezahlt, den armen Kindern Speis und Trank bietet und nur die bösen Kinder straft, führt dann zum Umkehrschluss: wer prämiert wird, ist automatisch gut; wer gespeist wird, ist automatisch arm und wer gestraft, enteignet, abgezockt wird ist automatisch böse. Das Erschreckende an Weltbildern ist, dass sie in ihrem Versuch ein möglichst monochromes Bild der Welt zu erzeugen, oft die Realität umkehren, verzerren, pervertieren. Nur eines ist noch erschreckender: dass den perversesten und realitätsfernsten Weltbildern die Mehrheit der Menschen anhängt.

  2. pippin

    Ist so und war immer so. Bis zu einem gewissen Grad sind die Nettozahler (Privatunternehmer mit Unterstützung durch deren fleißige Mitarbeiter) auch bereit, für einen inneren und äußeren Frieden “Schutzgeld” zu bezahlen. Die Schmerzgrenze ist zwar längst überschritten, wird aber in einer Art Eigendynamik immer weiter voran getrieben. Die Parteien, die mit dem imaginären Füllhorn fuchteln, wissen, dass sie damit ausreichend Wählerstimmen für den Machterhalt erzielen können. Nun sind wir fast schon soweit, dass (over all) ein Leistender sein Einkommen annähernd zur Hälfte an einen Nichtleister abgeben muss. Da ist dann der Ofen aus und es gilt das alte Sprichwort vom Sozialismus, der nur solange funktioniert, solange es Geld von anderen zu verteilen gibt.

  3. sokrates9

    Fragolin@ Perfekter Kommentar! Doch wie wollen sie das Menschen mit signifikanter Intelligenz-Gehalts-Relation (Politiker) und einer Bevölkerung wo dank fortschrittlicher genderkonformen Ausbildung das Ministerium stolz erklärt, dass 20% der Absolventen nicht sinnerfassend lesen und rechnen können, erklären??

  4. Hanna

    An dieser Stelle muss ich jetzt erwähnen, dass ich es kaum mehr ertrage “Zeitung zu lesen”, soll heißen, die “üblichen” Medien. Ich brauche Trost (wie viele ZeitgenossInnen). Ich gehöre zu den “Browserinnen”: Täglich schaue ich mir an, was wo wie wann so passiert ist (betreffend den Untergang unserer Heimat und von Europa), aber da die Aussagen von PolitikerInnen und JournalistInnen dabei so unerhört unglaublich unsagbar sind, flüstert eine innere Stimme mir immer häufiger zu “Ich ertrage das nicht mehr”. Sich dem dummen ignoranten Pöbel (und damit meine ich PolitikerInnen und MeinungsmacherInnen) ausgeliefert zu fühlen, ist schlimmer als Kolik. Ich lese dann ortneronline und fühle mich besser. (Ich lese auch Egon W. Kreutzer, und das hilft auch.) Immer öfter denke ich mir aber, es wäre doch toll, sich auch persönlich austauschen zu können … daher meine (ev. ernst gemeinte Frage) and Herrn Ortner: Mögen Sie nicht eine “FreundInnen”-Plattform auf Ihrem Blog einrichten, wo Gleichgesinnte sich auch privat kennenlernen könnten? Es wird die Zeit kommen, wo man konkrete Hilfe brauchen wird – und es werden die Informierten, Vorgewarnten sein, die einer Flut von panischen bisher Ignoranten gegenüberstehen werden. Allein in meinem Bekanntenkreis herrscht teilweise Ignoranz, dass es zum Weinen ist. Und wir, in der Minderzahl, die sich täglich sinnvolle Gedanken machen, werden entweder vor den Hilfsbedürftigen flüchten, oder ihnen auf Kosten unserer eigenen Sicherheit helfen müssen. Und da wäre es cool, Gleichgesinnte auch persönlich zu kennen. Na? Was meinen Sie?

  5. Falke

    Genauso verhält es sich mit dem sogenannten “Arbeitgeberanteil” an der Sozialversicherung. Damit soll dem Arbeitnehmer wohl – allerdings recht erfolgreich – suggeriert werden, der Arbeitgeber zahle die entsprechenden Anteile der Kranken- und Pensionsversicherung aus eigener Tasche oder aus einem geheimnisvollen Fonds, der irgendwoher vom Himmel gespeist wird. Dass es nichts anderes als Teile der vom Arbeitnehmer selbst geschaffenen Werte sind (was denn sonst?), die nur nicht auf dem Lohnzettel aufscheinen, ist den meisten nicht klar.

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