Welt am Wendepunkt

“….Während fast vierzig Jahren erlebten die westlichen Volkswirtschaften sinkende Realzinsen, stagnierende Lohneinkommen und steigende Schulden. Damit könnte es bald vorbei sein…” (hier)

17 comments

  1. sokrates9

    Für mich gibt es noch einen weiteren / anderen Grund: Die Steuerbelastung hat sich in den europäischen Staaten in den letzten 30 Jahren verdoppelt! Fazit: Den Leuten bleibt immer weniger Geld für den privaten Konsum, weniger Investitionen.., die Spirale dreht sich nach unten. Und der Staat der die Mehreinnahmen kassiert investiert durch die EU und international völlig sinnlose Projekte, Förderung Palästinas, usw

  2. Selbstdenker

    Sehr interessante Analyse!

    Folgende Punkte möchte ich besonders hervorheben:

    Zu China:

    “Die Arbeitskosten in China steigen seit mehreren Jahren im Schnitt um 16% per annum; die Demografie der Volksrepublik ist derart ungünstig, dass auch dort die Zahl der im Erwerbsalter stehenden Einwohner bereits schrumpft.”

    Auf das japanische Deflationsszenario gehe ich nicht näher ein, da es meines Erachtens in hohem Maße dem sehr abgeschotteten Arbeitsmarkt und bestimmten Eigenheiten der japanischen Wirtschaftskultur geschuldet ist.

    Meines Erachtens das wahrscheinlichste Szenario für Europa und die USA:

    “[…] Der schrumpfende Anteil der arbeitstätigen Bevölkerung wird zu Knappheitserscheinungen und damit zu steigenden Arbeitskosten führen. Unternehmen werden wieder mehr Anreize haben, in Technologie zu investieren, um ihre Arbeitsproduktivität zu erhöhen. Die gestiegene Investitionsnachfrage – gekoppelt mit sinkenden Sparquoten, weil ein immer grösserer Teil der Bevölkerung das Rentenalter erreicht hat – wird Kapital teurer werden lassen: Die Realzinsen steigen. In diesem Szenario werden die Zentralbanken möglicherweise unverhofft mit hartnäckiger Inflation konfrontiert sein, wenn sich am Arbeitsmarkt die Lohn-Preis-Spirale zu drehen beginnt.”

    Für den typischen mitteleuropäischen Facharbeiter ist dies in Wahrheit eine Frohbotschaft, da sich die internationale Wettbewerbsfähigkeit wieder zugunsten der Westler dreht und sich die bislang sehr exportorientierten Chinesen eher um den Aufbau einer Binnennachfrage kümmern werden. Mit entsprechenden Produktivitätssteigerungen könnten auch im Westen wieder Reallohnsteigerungen erzielt werden.

    Da die Arbeitsproduktivität hier der zentrale Schlüssel ist, wird dies für die EU in der heutigen Form sehr weitreichende Konsequenzen haben:

    Frankreich mit einer (kumuliert betrachtet) günstigeren Demographie setzt auf Abschottung, Verknappung vom Arbeitsangebot (35h-Woche…) und gewerkschaftlich kontrollierter “Produktivität”. Deutschland mit einer (kumuliert betrachtet) ungünstigen Demographie setzt hingegen auf einen offenen Arbeitsmarkt und auf bewusste Investitionen in die (Arbeits-)produktivität (z.B. Industrie 4.0).

    Das französische Modell kann – im Gegensatz zum deutschen Modell – in einer offenen Volkswirtschaft nicht funktionieren. Die Wahlerfolge vom Front National lassen zudem erkennen, dass die Franzosen nicht gewillt sind ihr Modell zu hinterfragen. Die Tage vom Euro sind schon alleine aus diesem Grunde gezählt.

    Die Politik in Deutschland – noch besser: ganz Europa – sollte klare Rahmenbedingungen schaffen, die den Zuzug ähnlich dem kanadischen Modell regelt. Ungelernte und häufig auch lernresistente Migranten haben keine reale Aussicht ein produktiver Teil in einer technologie- und produktivitätsbasierenden Wirtschaft zu werden.

    Statt einer unkontrollierten Zuwanderung sollte das Können und das Wollen hinterfragt werden. Registrierungszentren vor Ort würden durchwegs Sinn machen, wenn dies mit einer 1) ernsthaften und genauen Prüfung, 2) befristeten Aufenthaltsgenehmigungen, 3) einer militärisch gesicherten Außengrenze zur Unterbindung illegaler Migration und 3) einer konsequenten Rückführung abgelehnter Migrationswerber verbunden wäre.

  3. Selbstdenker

    @sokrates9:
    Wenn man sich die in meinem obigen Kommentar beschriebene Entwicklung vor Augen hält, könnten die Westler aufgrund der Marktentwicklungen wieder auf die Gewinnerstraße wechseln. Die größte Hindernisse werden – wie Sie beschrieben haben – von der Politik verursacht:

    Die Politik vermarktet sich als Problemlöser für Probleme, die wir ohne die (exzessive) politische Einflussnahme auf das Wirtschaftsgeschehen gar nicht hätten. Ganz besonders ausgeprägt: Frankreich.

  4. sokrates9

    Selbstdenker@ Teile völlig Ihre Ansichten! Was wir jetzt zusätzlich zu immer höheren Steuerbelastung bekommen sind die Refugees, die laut Volkswirte bei völliger Integration positive Effekte auslösen! Leider ist das reine Theorie! Ein Österreicher mit deutscher Muttersprache benötigt für seine Ausbildung 17 Jahre! Die afghanischen Analphabeten aus anderer Kultur mit Durchschnittsalter von 25 Jahren schaffen das schaffen das angeblich in 2 – 3 Jahren und sind dann laut unseren Politikern voll integriert! Fairerweise muss ich gestehen dass im umgekehrten Fall – Konfrontation mit Studium in Afghanistan ich mich auch nie völlig integrieren und von der Bevölkerung akzeptiert werden könnte! Es werden somit in Europa natürlich islamische Parallelgesellschaften entstehen mit entsprechend hohen Terrorpotential! Zusätzlich sinkt auch das Niveau der Bevölkerung! Diese nicht unbedeutenden Facts sollten auch bedacht werden!

  5. Lisa

    Manche haben sich gewundert, dass Schweizer zu so verführerischen Initiativen wie Kaufkraftinitiative/Freigeldinitiative, Herabsetzung des Rentenalters oder der 44-, meist 42- Stundenwoche auf 40 oder gar 36Std. mehr bezahlten Urlaub, wirkliche Volkspension, wirksamen Mieterschutz, sozialere Krankenkassen usw. ablehnten. Sind das Masochisten? Warum sollte man da nicht zugreifen? Vielleicht denken sie aber auch ein wenig weiter, die linksphobischen Stimmen abgezogen: Wer etwa früh in Rente geht, hat nicht nur weniger Geld zur Verfügung, um den Konsum anzukurbeln, sondern auch weniger Bedürfnisse. Da kommen junge Zuwanderer gerade recht, da die noch Raum und Möbel, Kleider und Auto, Elektronik und bestimmt mehr Nahrungsmittel konsumieren als ältere Mitbürger, die “alles haben”. Allerdings gehen auch die juungen Zuwanderer mal in Rente und “brauchen” dann nur noch wenig… Woher sollen dann die Käufer noch kommen? Vom Mars? Entweder müssen sich die Bürger und ihre Ansichten über den “Staat” ändern und ihre Eigenverantwortung dem Gemeinwohl gegenüber wahrnehmen – oder es braucht immer neue “Fremdgenerationen”, welche die Bevölkerungszahl stabil und die materiellen Begehrlichkeiten wach halten.

  6. Selbstdenker

    @Lisa:
    An materiellen Begehrlichkeiten mangelt es – zumindest in Österreich – in der Frühpensionist*innengeneration nicht. Das Problem besteht darin, dass das aktuelle umlagefinanzierte System eine massive Verschiebung von Lebenseinkommen von künftigen Generationen auf die heutige Frühpensionist*innengeneration bewirkt.

    Am Anfang stand das Versprechen des Staates auf einen bestimmten Lebensstandard im Alter, der sich am Lebensstandard während der aktiv erwerbstätigen Phase oriertierte. Man zog auf der einen Seite Beiträge ein und forderte auf der anderen Seite eine bestimmte Erwerbsdauer ein.

    Dieser “Generationenvertrag” wurde gebrochen:

    1) Die Pension steht häufig in keinem Verhältnis mehr zu den tatsächlich eingezahlten Beiträgen. Sie wird vielmehr politisch vorgegeben (Beispiel: in den ÖBB-Zügen verteilter Pensionistenbrief von Franz Vranizky)
    2) Dem knallhart exekutierten Beitragseinzug jetzt steht ein immer verwascheneres Leistungsversprechen in der Zukunft gegenüber; zentrale Statuten werden nicht eingehalten (Beispiel: wer bis dato viel ins System eingezahlt hat und erst nach 2025 in Pension geht, wird keine adäquate Gegenleistung bekommen; stattdessen billigt man den Frühpensionisten heute einen Leistungsbezug zu, den sie sich nicht verdient haben).

    Dieses umlagefinanzierte Pensionssystem wirkt sich aktuell wie folgt auf das Wirtschaftsgeschehen aus:

    1) Die Arbeitskraft wird erheblich verteuert. Es entsteht ein künstlicher Auslagerungs- und Rationalisierungsdruck.
    2) Es fehlt den Menschen in der aktivsten Phase ihres Lebens das Geld. Die Folge: Konsumeinschränkung.
    3) Dank niedriger Zinsen besteht für viele Pensionisten kein Anreiz mehr das Geld zur Bank zu tragen. Sie investieren lieber in eine oppulente Sammlung an Heizdecken oder in Fernreisen. Ob damit der heimische Wirtschaftsstandort gestärkt wird, wage ich zu bezweifeln.

    Dank (aktuell) niedriger Zinsen sinkt auch der Anreiz der Menschen sich einen Notgroschen für das Alter beiseite zu legen: der Staat wird schon einspringen…

    Sie sehen: wir werden in Zukunft noch alle mächtig “viel Spaß” haben…

  7. dougaesl

    Ich kann das im Artikel beschriebene Reflation Szenario nicht ganz nachvollziehen.
    Warum sollten Unternehmen investieren wenn der Markt schrumpft?

    Angenommen ein Unternehmen kauft eine Maschine. Das macht aber ein Unternehmen nur dann, wenn die Maschine zu 100% ausgelastet ist. Angenommen der Markt schrumpft mit (wie ich zugeben muss viel zu hohen) 10% dann ist die Auslastung nach 5 Jahren nur noch bei rund 60% und nach 10 Jahren bei nur noch rund 35%. Über die 10 Jahre gesehen entspricht das nur einer durchschnittlichen Auslastung von 62%.
    Wer sowas macht kann entweder keinen Taschenrechner bedienen, oder ist einfach nur dumm. Vermutlich aber beides.

    Auserdem: Wenn steigende Lohnstückkosten zu mehr Investitionen führen, dann müssten die Unternehmen in Ö jetzt auch mehr investieren. Machen sie aber nicht – seltsam nicht wahr?

  8. Fragolin

    Aber aber, die europäischen Arbeitsmärkte werden doch gerade von Millionen muslimischer Billigarbeitskräfte geflutet (dieses Jahr war noch keine Lawine, das waren die ersten Steinchen…), alle angeblich hochgebildet, hochmotiviert und geradezu darum bettelnd, rund um die Uhr um einen Bettel zu schuften…

  9. Lisa

    @dougaesl: Meist sind die Unternehmen zu wenig flexibel und innovativ, verkaufen einen mittelständischen Betrieb lieber einem Grosskonzern als sich zu fragen, was veränderbar wäre (und was nicht!)
    @selbstdenker: wenn der Staat nicht in so unzulässiger, weil Initiative abbremsender Weise in die Wirtschaft eingreifen würde (Hallo! Wo sind wir da eigentlich? im Kommunismus?), würde sich der Markt von selbst austarieren. Wozu braucht es Mindestlöhne, wenn die Leistung nicht beachtet wird? Warum muss die Altersvorsorge über den “Generationenvertrag” laufen, wenn einem die “Generationen” eh wurscht sind (kenn die ja nicht!) und zweitens so viel an Steuern und Abgaben abgezwackt wird, dass es für die individuelle Alterssicherung gar nicht reicht? Es gibt nicht wenige Betriebe, die von ihrem Recht, Rentner weiterzubeschäftigen und temporäres Hilfspersonal (kein Mindestlohn) einzustellen Gebrauch machen und damit nicht nur als Unternehmer gewinnen, sondern auch den dort Arbeitenden entgegenkommen, immer eingedenk der Einsicht, dass jeder Arbeitnehmer eigentlich ein Arbeitgeber ist, da er seine Arbeit “gibt”, während der sog. Arbeitgeber eigentlich nur ein “Stellengeber” ist. Und wenn der klug ist, bezahlt er einen leistungsstarken Angestellten entsprechend.
    @Fragolin: Wenn Leistung zählt, braucht niemand die “Flutlinge”zu fürchten. Wer die Landessprache nicht kann und nicht bereit ist hart zu arbeiten kriegt logischwerweise weniger – zudem ist es ebenso logisch, die freien Stellen erst einmal mit Einheimischen zu besetzen – allerdings auch hier Leistungswille vorausgesetzt… gar nciht immer so evident…

  10. Selbstdenker

    @dougaesl
    Aggregierte Zahlen geben maximal die halbe Wahrheit wieder. Sie sagen nichts über die Schichtung und Einflussgrößen innerhalb des Aggregats aus.

    Wenn die Lohnstückkosten in China rasant steigen, führt dies bei angenommenen gleichbleibenden Verhältnissen in Europa zu einem relativen Gewinn an Wettbewerbsfähigkeit.

    Der absolute Vergleich von Stundenlöhnen ist irreführend. Es geht darum was eine Fachkraft während der bezahlten Arbeitszeit qualitativ und quantitativ leistet.

    Ein amerikanischer Industriearbeiter kostet verglichen mit einen deutschen Industriearbeiter erheblich weniger. Allerdings ist auch die Arbeitsproduktivität deutlich niedriger. Wenn jemand, der ein Drittel weniger kostet auch ein Drittel weniger leistet, ist das in Wahrheit ein Nullsummenspiel.

    Den klassischen Job des Schweissers werden Sie in der Serienproduktion in Deutschland nicht mehr finden; diese Arbeit würde kein Inländer mehr machen wollen. Stattdessen wird die Arbeitskraft deutlich produktiver im Werkzeugmaschinenbau und in der Automatisierungs- und Prozesstechnik eingesetzt. Dort sind – dank des höheren damit realisierbaren Gesamtoutputs – auch höhere Löhne möglich.

    Die Deutschen haben aufgrund ihrer Demographie folgende Wahl:
    1) Entweder kompensieren sie das sich abzeichnende schwindene Arbeitskräfteangebot durch Investitionen in Produktivitätssteigerungen, oder…
    2) …sie importieren billige ausländische Arbeitskräfte, die eine Zeit lang in naher Zukunft wegbrechende Jobs ausüben.

    Die Variante 2) hätte zahlreiche Risiken; insbesondere jenes, dass ein (ehemaliges High-tech Land) zu einem teuren Billiglohnland absteigt.

  11. Selbstdenker

    @Lisa:
    “@selbstdenker: wenn der Staat nicht in so unzulässiger, weil Initiative abbremsender Weise in die Wirtschaft eingreifen würde (Hallo! Wo sind wir da eigentlich? im Kommunismus?), würde sich der Markt von selbst austarieren […]”

    Ich muss gestehen, dass ich Ihren Einwürfen nicht ganz folgen kann. Vielleicht beruhigen Sie sich erst einmal, lesen das Geschriebene nochmals durch (um nicht möglicherweise Dinge rein zu interpretieren, die hier so nicht stehen) und formulieren Sie ihre Gedanken in einer etwas verständlicheren Form.

    Haben Sie vielen Dank.

  12. gms

    Selbstdenker,

    Sie führen das nachfolgende und im Artikel ausformulierte Szenario als plausibel an:

    „Der schrumpfende Anteil der arbeitstätigen Bevölkerung wird zu Knappheitserscheinungen und damit zu steigenden Arbeitskosten führen. Unternehmen werden wieder mehr Anreize haben, in Technologie zu investieren, um ihre Arbeitsproduktivität zu erhöhen. Die gestiegene Investitionsnachfrage – gekoppelt mit sinkenden Sparquoten, weil ein immer grösserer Teil der Bevölkerung das Rentenalter erreicht hat – wird Kapital teurer werden lassen”

    Korrekt bis hierher. Das Leben ist hart, deshalb beginnt man, sich unternehmerisch in der Wertschöpfungskette früher einzubringen, als an deren Ende in der unmittelbaren Herstellung von leicht verkäuflichen Konsumgütern. Krisen sind immer Ausdruck eines erhöhten Innovationsbedarfs bei gleichzeitiger Schwierigkeit, eben diesem zu begegenen.

    “Die Realzinsen steigen.”

    Insofern korrekt, alsdaß Kreditgeber im Schnitt dann höhere Risiken tragen und diese abgegolten sehen wollen.

    “In diesem Szenario werden die Zentralbanken möglicherweise unverhofft mit hartnäckiger Inflation konfrontiert sein, wenn sich am Arbeitsmarkt die Lohn-Preis-Spirale zu drehen beginnt.“

    Das ist falsch. Gefragt und damit teurer einzukaufen sind Innovateure und Fachkräfte, eine generelle Lohn-Preis-Spirale setzt das aber nicht in Gang, sondern ein Auseinanderfallen der Gehälter unterschiedlicher Berufsgruppen, zumal weniger Leistungs- oder Innovationsfähige noch weniger Nachfrage erlebten. Machen Zentralbanken nichts, gehen den Staaten die Luftgelder zu Alimentierung der Arbeitslosen aus, was wiederum erhöhten Steuerdruck für die Leistungsfähigen bedeuten würde.

    Unternehmertum ist aber vermehrt gefragt, und dieses wiederum setzt sich, so keine Geld vorhanden ist, der Selbstausbeutung aus in der Hoffnung, später hierfür entlohnt zu werden. Zugleich kann es keinen gesamtheitlichen Preisauftrieb geben, wenn nicht zugleich inflatorisch die Geldmenge erhöht wird, weswegen es bei Preisen für Güter ebenso bloß zu Verschiebungen kommen kann, wie bei jenen für Arbeitskraft. In der Krise ist /anderes/ gefragt, nicht mehr von allem. Wenn das Andersartige wiederum sehr spezifisch ist, macht die summierte Nachfrage danach eventuell bloß einen Teil davon aus, als es in nicht krisenhaften Szenarien der Fall wäre.

    Zur hartnäckigen Geldentwertung kommt es einzig, wenn die Menschen bemerken, wonach dem Fiatmoney der Vergangenheit keine handfesten Güter gegenüberstehen und sie für ihre in Geld denominierten Ansprüche gegen echte Werte und Leistungen eintauschen wollen. Möchte das zentralbankelnde Irrtumsmonopol dem entgehen, müßte es die Leitzinsen anheben (und damit Gelder direkt und absaugen), was Geld für Innovationen wiederum verteuerte wie auch indirekte Staatsfinanzierung, weswegen dies bislang auch konsequent unterblieb. Der einzig richtige Weg wäre schmerzvoll und wurde daher auch konsequent unterlassen.

    Die Vorstellung, eine Lohn-Preis-Spirale am Arbeitsmarkt könne Inflation hervorrufen, ist falsch. Zutreffen ist, daß falls am Richtigen gearbeitet wird, Wertschöpfung stattfindet und diese wiederum /gedecktes/ Geld darstelt. Güter gibt es dann mehr, und weil es auch mehr Geld gibt, kann das allgemeine Preisniveau nicht steigen.
    Geldsozialisten und Fiatmoney-Adepten leugnen die langfristige Neutralität des Geldes — mit sattsam bekannten Folgen, denen der unaufmerksame Beobacher schon mal auf den Leim gehen kann.

  13. gms

    Lisa,

    „Wenn der Staat nicht in so unzulässiger [] Weise in die Wirtschaft eingreifen würde [..], würde sich der Markt von selbst austarieren”

    Korrekt. Die Krise (etymologisch vom gr. Wort für ‘Entscheidung’) ist jene Zeit, welche die richtige Antwort erfordert. Solange der Aberglaube an Staaten und Zentralbanken mit ihrem Täterverbund des Irrtumsmonopols das von Ihnen zutreffen geforderte Austarieren verhindert, solange schlittert die Wirtschaft nur von einer Krise in die nächste noch größere.

  14. Selbstdenker

    @Lisa, @gms:
    “@selbstdenker: wenn der Staat nicht in so unzulässiger, weil Initiative abbremsender Weise in die Wirtschaft eingreifen würde (Hallo! Wo sind wir da eigentlich? im Kommunismus?), würde sich der Markt von selbst austarieren.”

    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob dieser von mir angeführte Punkt richtig angekommen ist, deshalb möchte ich nochmals darauf eingehen. Wahrscheinlich dürfte der folgende Satz von meinem Kommentar weiter oben gemeint sein:

    “Die Politik vermarktet sich als Problemlöser für Probleme, die wir ohne die (exzessive) politische Einflussnahme auf das Wirtschaftsgeschehen gar nicht hätten. Ganz besonders ausgeprägt: Frankreich.”

    Es gibt meiner Meinung nach kurzfristige Anpassungserscheinungen auf dem Markt bei denen die Politik die theoretische Möglichkeit hätte dämpfend entgegenzusteuern. Beispiel: Austritt aus einem Währungsverbund bei gezielter anschließender Währungsabwertung zur kurzfristigen Verhinderung von Massenarbeitslosigkeit.

    Auf langfristige Trends – insbesondere die Veränderung der Faktorpreise – kann die Politik meines Erachtens bestenfalls reagieren aber nicht die Entwicklung von sich aus steuern.

    Ich behaupte, dass sich die Politik bei solchen Ansinnen – häufig aus einer Kombination aus guten Absichten und einer erheblichen Portion Selbstüberschätzung heraus – regelmäßig selbst ein Bein stellt.

    Die Politik ist nicht allwissend (auch wenn ihr bestimmte akademische Kreise neuerdings mit Computersimulationen diesen Eindruck vermitteln möchten). Die ihr zur Verfügung stehenden Informationen sind häufig veraltet und leiden an einen enormen Informationsverlust durch die Bildung von Aggregaten.

    Selbst wenn der Politik in Echtzeit die richtigen Informationen zur Verfügung stehen würden, wage ich zu bezweifeln, dass sie zeitnah die richtigen Entscheidungen treffen würde. Die Ursache dafür liegt im politischen Betrieb selbst:
    1) Die Prioritäten ergeben sich aus politischen Zielen und nicht anhand des Marktgeschehens
    2) Die Politik kann in den seltensten Fällen für getroffene Entscheidungen haftbar gemacht werden
    3) Der politische Betrieb ist seinem Wesen nach grundsätzlich behäbig
    4) Politik wird nicht mit komplexen Analysen sondern mit der Reduktion von Komplexität auf wenige – idealerweise einen – Kampfbegriffe gemacht
    5) Es kommt zwangsläufig zu einer Reduktion der auswählbaren Alternativen. Wer stellt sicher, dass nicht ausgerechnet die falschen Alternativen verfolgt werden und die richtigen Alternativen ausgeschlossen werden? Angela Merkel?
    6) Kompromisse schließen die Auswahl einer grundlegend richtigen Alternative häufig aus. Vielfach gibt es aber keine “halbrichtigen” Alternativen, sondern nur richtige und falsche Alternativen.
    7) Durch strategisches Abstimmungsverhalten wird häufig eine unrichtige Alternative gewählt

    Die Politik traut sich zu mit einer langsamen und zitternden Hand auf ein sehr bewegliches Ziel zu schiessen. Bestenfalls verfehlt es dieses und schlimmstenfalls trifft es das falsche Ziel. Auf jedem Fall verstärkt sie mit jedem Eingriff die Unruhe und auf daraus resultierende Verwerfungen folgen üblicherweise weitere Eingriffe, etc.

    @Lisa:
    (Hallo! Wo sind wir da eigentlich? im Kommunismus?)

    Für die obigen Effekte braucht es nicht den Kommunismus; der immer mehr ausufernde Interventionismus in Europa ist dafür mehr als ausreichend.

    Der Euro ist das Paradebeispiel dafür, dass die Politisierung fundamentaler ökonomischer Zusammenhänge nicht funktionieren kann. Am Ende wird damit niemand glücklich werden – nicht einmal die Politik mit ihren selbstverursachten Arbeitsbeschaffungsprogramm.

  15. gms

    Selbstdenker,

    über die Anmaßung der Politik von oben im Gestalten sowie die Ursachen im konsequenten Versagen dabei scheint Einigkeit, und all diese laufen letztlich auf Eines hinaus:

    Jeder einzelne Mensch betreibt permanent Politik, jeder einzelne Akt ist eine individuelle Abstimmung über unzählige Alternativen. Das von oben herab beeinflussen zu wollen, ist immer zugleich das auch offen so apostrophierte ‘Gegensteuern’, das direkt oder indirekt jeden einzelnen Bürger gegen den Strich bürstet.
    Macht ersetzt Fähigkeit, weil wir anderen gestatten zu bestimmen, was gut und was falsch für uns ist. Welch eine sadomasochistische Zweckgemeinschaft, dieses schlampige Verhältnis zwischen Politikern und dem von ihnen besachwalteten Souverän!

    “Es gibt meiner Meinung nach kurzfristige Anpassungserscheinungen auf dem Markt bei denen die Politik die theoretische Möglichkeit hätte dämpfend entgegenzusteuern. Beispiel: Austritt aus einem Währungsverbund bei gezielter anschließender Währungsabwertung zur kurzfristigen Verhinderung von Massenarbeitslosigkeit.”

    Die währungstechnische Bevormundung wird nicht legitimer, wenn sie statt aus Frankfurt von Athen aus erfolgt. Das Zielgebiet ist vielleicht kleiner, doch wollte man stringent sein und die Analogie aufgreifen, so müßte man auch den einzelnen Provinzen Chinas eine monetäre Abspaltung von der Zentrale in Peking zugestehen, so Spannungen das nahelegen und Provinzen es wollen. Die meisten dieser Provinzen wiederum schlucken Griechenland, ohne es zu merken.

    Was im Logischen hinkt, weil ein beliebig großes territoriales Irrtumsmonopol akzeptiert, bestätigte sich unlängst im Empirischen: Die Schweiz hat nach dem Lösen der Eurobindung nicht abwertend eingegriffen, und dennoch sind all die vielerorts geäußerten Befürchtungen nicht eingetreten. Wechselkurse sind echt, wenn sie Tatsachen widerspiegen, ein Überschießen korrigiert sich von selbst und jedes künstliche Eingreifen wird vom Markt an anderer Stelle eingepreist und bringt damit ebenso künstlich Begünstigte und Verlierer hervor. In der Schweiz wären dies Berufsgruppen gewesen und Kantone, abhängig von der dortigen Wirtschaft.
    Sollte jetzt noch immer jemand meinen, der Staat möge bei drohender Massenarbeitslosigkeit eingreifen, dem bieten sich immer noch gezieltere Mittel, als der ultimative Vorschlaghammer der Geldmanipulation.

    Politik von oben ist immer und unvermeidbar Klientelpolitik! Ob Politiker das wollen oder überhaupt wissen, was sie tun, ändert daran nichts, daß mit jedem Eingriff abseits von Liberalisierungen allenfalls die Interventionsspirale am Laufen gehalten wird.

    > Durch strategisches Abstimmungsverhalten wird häufig eine unrichtige Alternative gewählt

    Es kann keine richtige Alternativenauswahl basierend auf einer Gruppenabstimmung geben, solange deren Mitglieder nicht wie im sozialistischen Utopia bar jeglicher Eigeninteressen sind und diese auch verfolgen wollen. Mehrheitsentscheide klappen allenfalls im kleinen Rahmen, denn hierfür ist der Mensch als soziales Wesen, das tatsächlich ist, auch wirklich kompatibel. Die heutige Politik jedoch verkennt diese begrenzte Fähigkeit zur Ein- und Unterordnung in jeder Hinsicht, und der verhaustierte Bürger nimmt diese nicht artgerechte Haltung sogar hin. Traurig.

  16. Lisa

    @gms: “Täterverbund des Irrtumsmonopols” – *g*so kanns mans auch formulieren… wenn die Irrtümer wenigstens 100%ig wären – so könnte man sich immerhin darauf verlassen…
    @selbstdenker: Wieso beruhigen? Die Vertipper haben andere Gründe als Aufgeregtheit: ich bin ein eher besonnener beobachtender Mensch, was aber nicht heisst, dass ich dürre Worte für lebendige Phänomene brauchen oder auf Humor und Ironie verzichten muss. Vor allem, wenn ich spontan einen Kommentar abgebe, möchte ich ihm nicht diese Frische nehmen, indem ich möglichst gedrechselt und nach NRS formuliere. Verständlich ist ja genug. Also: Was war denn nicht verständlich? Ich habe Ihnen nicht mal widersprochen, sondern eher illustriert, was Sie so schön strukturiert aufzeigten. Ich nehme an, es ist eine Frage des Stils, der Ausdrucksweise, wie jemand Tatsachen und Erfahrungen beschreibt oder Ansichten in Worte fasst. Der Artikel zB war ziemlich konkret, Fakten aufzählend – Ihre Kommentare dazu eher abstrakt. Ich möchte das keineswegs kritisieren, aber abstrahierende Sprache gibt Inhalte vor, die nicht leicht zu durchschauen, zu widerlegen sind – oder überhaupt wirklich begriffen werden, da nicht nachvollziehbar ist, auf welchen konkreten Tatsachen der Redner/Schreiber seine Abstrahierungen aufbaute. Das ist übrigens auch der Trick populistischer Politisierer: sie bleiben im Konkreten, formulieren vorerst keine Schlussfolgerungen, sondern rechnen damit, dass das „Volk“ seine Schlüsse aus den geschilderten Tatsachen selber zieht, d.h. die Abstraktion selbst vornimmt und sich so respektiert, intelligent und frei in seinen Entscheidungen fühlen wird. Bombardiert man sie mit bereits getätigten Abstrahierungen, erstarren sie nicht etwa in Ehrfurcht vor dem Gewörtel wie der von unbewussten Minderwertigkeitsgefühlen zerfressene Halbgebildete, sondern wenden sich einfach ab, hören nicht mehr hin – und das will ein Politiker ja eher nicht. Am Stammtisch kann man viel lernen… allerdings setzt man sich als Frau besser nicht dazu, sonst verstummt die Runde und wird plötzlich langweilig-wohlerzogen 😉

  17. Selbstdenker

    @Lisa:
    Ich habe Ihre Antwort im obigen Kontext wirklich nicht (vollständig) verstanden und daher nochmals nachgefragt. In diesem Fall war ich derjenige, der etwas reininterpretiert hat, das so gar nicht geschrieben wurde. Dafür meine aufrichtige Entschuldigung. Selbstverständlich werden Sie als Frau in unserem virtuellen Stammtisch gerne gesehen! 🙂

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