Wem gehören geniale Ideen?

Von | 1. Mai 2014

“…..In den vergangenen Jahren hat wohl kaum ein Thema das Interesse der Libertären so sehr geweckt wie intellektuelles Eigentum. Welche Rolle, wenn überhaupt irgendeine, würde intellektuelles Eigentum – also Patente, Urheberrechte, Markenschutz und dergleichen – in einer libertären Gesellschaft spielen? Die Objektivisten um Ayn Rand halten intellektuelles Eigentum für das grundlegendste Eigentumsrecht überhaupt. Im krassen Gegensatz dazu stehen jene, die darauf beharren, dass eine Idee gar nicht besessen werden kann. ….” (hier)

12 Gedanken zu „Wem gehören geniale Ideen?

  1. Heinrich Elsigan

    Auf die Idee kommen öfters mehrere unabhängig, weil die Zeit reif für eine Idee ist und viele Ideen sind nur eine Kombination und Transformation von bereits vorhandenen.
    Als VW den TDI Motor für PKW “erfand”, da gab es den Diesel Direkt Einspritzer schon lang vorher für LKWs, aber VW ist die technische Umsetzung für PKWs in einem viel kompakteren Motorraum als erstes gelungen und darauf haben sie ein Patent. Wenn jemand dann den TDI für Traktoren erfunden hätte (falls es den nicht schon gibt), dann wäre es keine Patentverletzung gewesen, außer der Betreffende hätte den Bauplan 1:1 kopiert.

    Ich hatte auch schon einige (IT) Ideen, auf die ich sicher 100% selbst kam! Beim Recherechieren, ob es die Idee schon gab, sah ich dass einige andere auch vor ein par Monaten fast die gleiche Idee hatten und irgendwer schon einen Prototyp gerade herstellt.

  2. Heinrich Elsigan

    Ich würde sagen, der als erster die Idee in die Form umsetzt, hat auf diese Form und sehr ähnliche Formen der Idee das Urheberrecht (also technischer Prototyp, fertig niedergeschriebener Song und nicht im Geiste komponiert, Logo gewählt und markenrechtlich registriert, …)

  3. Sybille Stoa

    Eine schützenswerte erfinderische Idee muss neu, einzigartig, ausserhalb des Stands der Technik und gewerblich nutzbar sein.

  4. Sybille Stoa

    Patente müssen IMMER zeitlich begrenzt sein, damit jemanden kein Monopol im freien Markt zu teil wird.
    Coca Cola, Pepsi Cola, Red Bull Cola, Afri Cola
    1:1 kopieren und zu ähnlich geht nicht, aber monopole sind der Feind der Marktwirtschaft!

  5. Mourawetz

    Ideen sind sehr empfindlich gegen geringste Eigentumsverletzungen. Während einer noch vor sich hin sinniert, was er mit seiner Idee anfangen soll, ist der andere, dem er die Idee mitgeteilt hat, schon entschwunden, zum Chef, sie als seine Idee ausgebend. Ideen sind zwar sehr schützenswert, aber wenig schützbar. Kaum ausgesprochen verbreitet sich eine Idee wie ein Lauffeuer und wird Allgemeingut, oder noch schlimmer sie wird die Idee eines anderen. Menschen mit Ideen sind meist lernfähig und behalten daher Ideen in Zukunft für sich.

  6. Heinrich Elsigan

    Gestern sagte die EU-Komission:

    Ganz klar, Patentklagen sind mühsam und behindern Entwicklungen am Smartphone-Markt und genau hier will nun die Europäische Kommission unter der Leitung von Joaquin Almunia einschreiten. Es müsse, so Alumnia, eine ausgewogene Balance zwischen Patentinhaber und Wettbewerbsregeln gefunden werden. Eine solche Balance ist laut Alumnia dann gefunden, wenn Patente ohnehin bereits zum Standard wurden.

    http://www.telekom-presse.at/patentklagen_europaeische_kommission_haut_google_und_samsung_auf_die_finger.id.30229.htm

  7. dieter

    Neben den theologisch anmutenden Prinzipienstreitigkeiten ist das ganze schon von vornherein durch die Frage der praktischen Umsetzung eingeschränkt.

    Früher brauchte man eine Druckerpresse oder eine Schallplattenpresse um Text und Ton zu vervielfältigen. Das konnte man noch kontrollieren. Aber heute kann das jedes Smartphone praktisch kostenlos und millionenfach schneller.

    Selbst wenn man Urheberrecht per komplexen Verträgen konstruieren könnte, ist zu bezweifeln, ob die Vertragspartner bereit wären, die Kosten für das notwendige totalitäre Überwachungssystem zu tragen und sich auch überwachen zu lassen.

    Kinos, Buchhändler, Veranstaltungen, kommerzielle Webseiten wie Youtube, usw. kann man aber sehr wohl wie ehedem kontrollieren. Ein Urheberrecht, das sich auf öffentliche Angebote beschränkt, ist in der Umsetzung denkbar. Und genau das ist Situation, die wir heute de facto haben. De minimis non curat praetor hieß das bei den Römern.

  8. FDominicus

    Man kann Ideen nicht verbieten oder erzwingen und schon gar nicht “besitzen”. Es heißt eben die Gedanken sind frei und damit kann es an einer Idee keinen Besitz geben. Gerade in meinem Bereich der Programmierung gibt es sehr viel Ideen die sich aber of auch ähneln können. So bin ich nicht der Meinung das Algorithmen jemanden “gehörten” könnten. Alle Patente darauf sind zumindest eines: Eine Goldgrube und eine Waffe für denjenigen der diese Idee als estes patentiert bekommt. Warum wohl gibt es so viele Streitigkeiten um bestimmte umgesetzte Programme.

    Ich frag anders herum was konnte je an One-Click patentiert werden?

  9. Reinhard

    Ein zeitlich begrenztes Patentrecht hat sehr wohl einen Vorteil. Denn wenn ich keine Chance sehe, mit meiner Idee Geld zu verdienen, weil jeder große Billigkopierer sie sofort vervielfältigen und mir mein Geschäft abgraben darf, ohne dass ich irgend einen Einspruch erheben kann – tja, dann spüle ich meine Idee in die mentale Kloake und lehne mich zurück. Denn ohne die Aussicht auf einen lohnenden persönlichen Vorteil lasse ich es – das nennt man unternehmerisches Denken.
    Beispiel: Ein bekannter Sänger hört die wohlklingende Eigenkomposition eines kleinen unbekannten Provinztinglers, kopiert das Teil und koppelt es aus seinem nächsten Album aus – verdient sich daran dumm und blöd, während der eigentliche Komponist leer ausgeht. Nein, das kann es nicht sein, nicht ohne Schutzfrist – erst wenn der Kleine es in dieser Zeit nicht schafft, Kohle aus dieser Grube zu fördern, dürfen sich andere daran versuchen. 5 – 10 Jahre wären da vollkommen ausreichend.
    Idiotisch finde ich dagegen solche Auswüchse wie das Patent auf Naturgeräusche wie Vogelgesang oder Grillenzirpen – Patente dürfen nur auf menschliche Produkte erteilt werden.

  10. dieter

    @Reinhard: Sie vergessen die andere Seite der Medaille. Nämlich, dass Sie eine Idee erst gar nicht umsetzen, weil sie bemerken, dass es bereits eine Vielzahl Patente auf ähnliche Ideen gibt und sich den Streit und die Anwälte niemals leisten könnten.

    Das ist jedenfalls eine empirische, utilitaristische Frage. Historisch gesehen hatten aufstrebende Industrienationen wie die USA, Deutschland, auch die Schweiz, heute China und Indien entweder überhaupt keine Patent- oder Urheberrechte, oder ignorierten diese schlicht und einfach. Erst nachdem in diesen Ländern eine Industrie entstand, fing diese an beim Staat für intellektuelles Eigentum zu lobbyieren.

    @FDominicus: Bei Softwarepatenten kommt das gleiche Problem wie beim Urheberrechten hinzu. Jede Software könnte zehntausende von patentierbaren Ideen enthalten und jeder kann sie vervielfältigen. Also wer soll das wieder kontrollieren?

    @Reinhard: Auf Musik gibt es keine Patente. Heino musste nicht mal für seine Cover-Versionen zahlen. Und das ist gut so, denn seine Interpretationen brachten eine neue Qualität und dass den Erfindern der Musikstücke deswegen ein Verlust entstanden wäre, glaube ich nicht. Eher im Gegenteil. Rammstein griff das auf und trat gemeinsam mit Heino auf.

    Aktuelles Beispiel:
    Der bekannte amerikanische Hersteller von Multimetern namens Fluke lässt die amerikanischen Zollbehörden dutzende Import-Multimeter aus China beschlagnahmen und vernichten. Und welches Patent haben die chinesischen Billighersteller gebrochen? Gar keines, denn die sind schon lange abgelaufen, aber Fluke hat eine Handelsmarke auf Geräte-Gehäuse, die dunkelgrau und gelb kombinieren:

    https://www.sparkfun.com/news/1428
    http://www.usitc.gov/publications/337/pub4210.pdf

  11. Rennziege

    Die Titelzeile ist falsch formuliert. Denn unrealisierte Ideen sind urheberrechtlich nicht schützbar. Sehr wohl aber ihre Umsetzung durch Veröffentlichung (als Roman, wissenschaftliches Werk, Lied, Patentschrift, Prototyp, marktfähiges Produkt, etc.) “Der Schutz beginnt mit der Schaffung des Werkes.” So beginnen die großteils identischen Urheberrechtsgesetze aller Kulturstaaten.
    Und es ist gut, dass es sie gibt. Ohne die Geschwister Urheber-, Patent- und Markenschutzrecht wären alle Industriestaaten aufgeschmissen, ebenso große Teile ihrer Kultur. All das Geschwätz der “Piraten” und ähnlicher Halblustiger, dank neuer medialer Verbreitungswege sei das Urheberrecht obsolet, ist Humbug erster Kajüte. Kein Staat der Welt wird sich darauf einlassen, innovative Forscher, Tüftler und deren Arbeit zu entrechten, zumal diese seinen Wohlstand (und seine sozialen Verwöhnungen) federführend ermöglichen.
    Und Reinhard darf ganz entspannt bleiben: Die frechen Versuche, Naturgeräusche “patentieren” zu lassen, sind kläglich gescheitert; denn nichts, was bereits existiert, ist patentfähig. Ebensogut könnte jemand versuchen, sich das Rad oder den Gechlechtsverkehr patentieren zu lassen. 🙂

  12. Sybille Stoa

    @Rennziege vollkommen einverstanden, wobei das Werk, die Form (also die Umsetzung der Idee in der realen Welt als schützenswert gilt) und nicht die Idee selbst.

    @FDominicus auf einfache Algorithmen (Quick Sort, Bubble Sort, … gibts keine Patente, ebenso nicht auf 1 click, slide to unlock)
    Bei Bussystemen, Dateisystemen und Funknetzprotokollen haben sich eher die frei verwendbaren oder die mit geringen Lizenzkosten, wie VFAT etc durchgesetzt, als teure wie Firewire.
    Jeder Digikam-Hersteller oder USB-Stick Hersteller muss nur eine sehr geringe Gebühr pro Gerät an Microsoft abzühren und kann das Gerät in der Masse noch immer günstig genug am Markt anbieten. Bei zu hohen Lizenzgebühren schlägt sich das auf den Verkaufspreis nieder und man kann sein Produkt nicht mehr so gut in der Masse loswerden.

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