Wenn “amazon” das Baby bringt

Von | 23. Juli 2015

(MARCUS FRANZ) Das Herannahen des Designerbabys und die Möglichkeit der Leihmutterschaft machen Frauen zu potenziellen Plantagen für im Labor gezeugte Embryonen. Eine krassere Ausbeutung des weiblichen Körpers ist kaum vorstellbar. Selbst der Organhandel ist in seiner Verwerflichkeit weniger schlimm als die Kombination Designerbaby und Leihmutterschaft, weil bei ersterem “nur” Organe gehandelt und verpflanzt werden und keine menschlichen Lebewesen als Ganzes. Das Argument der Freiwilligkeit zählt bei der Leihmutterschaft nicht, denn der implantierte Embryo wird nicht um seine Meinung gefragt. Das wird er freilich bei der „normalen Zeugung“ auch nicht, aber hierbei geht’s zumindest mit natürlichen und evolutionär entstandenen Dingen zu.

Das Kernproblem bei dieser angeblichen Freiwilligkeit ist, dass dabei die Rechte der Ungeborenen  mit Füssen getreten werden, weil eine  regelrechte Angebots- und Nachfrage-Situation entsteht: Embryonen werden als Handelsware zwischen Kunden und Dienstleistern vermittelt. So eine Situation wird vermutlich nicht dem freien Willen des zu gebärenden Kindes entsprechen.

Der im Namen der Fertilitätsmedizin entstehende Embryonenhandel ist ein Zynismus der besonderen Art: Menschenhandel an sich ist in der zivilisierten Welt verboten, aber bei den Embryonen machen etliche Länder schon jetzt eine Ausnahme. Dem Kinderwunsch und dem Geschäft wird alles unterworfen – vor allem die Schicksale der Ungeborenen. Ein weiterer Haken bei der kolportierten Freiwilligkeit ist: Kaum eine Frau wird aus Altruismus zur Leihmutter, es wird fast immer ums Geld gehen. Was das alles für die ethische Glaubwürdigkeit und überhaupt für die gesamte Ethik einer Gesellschaft bedeutet, mag sich jede(r) selber überlegen.

Man stelle sich das nun plastisch vor: In naher Zukunft ist es technisch möglich, sein Kind vom Laptop online über genetische Baukastensysteme als Designerbaby herstellen zu lassen. Man braucht nur Samen und Eizellen, die nach den Wünschen der zukünftigen “Eltern” (oder nur der “Mutter” oder nur des “Vaters”, je nach Belieben) aussortiert, genetisch getestet und danach verschmolzen werden. Wenn allles passt, wird der Embryo dann in eine Leihmutter implantiert. Die finanziell wohlbestallten Designerbaby-“Eltern” ersparen sich die Mühsal einer Schwangerschaft, die austragende Mutter bekommt für den Gebrauch ihres Uterus eine entsprechende Miete und liefert das Baby zum geplanten Zeitpunkt beim Kunden ab.

Das so entstandene Kind kann theoretisch drei Mütter haben: Zuerst die Eizell-Spenderin, dann die austragende und gebärende und danach die soziale Mutter, die das Kind aufzieht. Infolge des in praktisch allen westlichen Staaten gegebenen Rechts auf Information wird das Kind eines Tages davon erfahren (müssen). Wie die auf diese Weise erzeugten Kinder auf solche Botschaften reagieren werden, weiß noch kein Mensch. Dass eine derartige Information aber psychisch eine extrem schwierige Situation erzeugen kann, ist naheliegend.

Alles Schauergeschichten? Nein. Ganz und gar nicht. Sondern bald Realität. In England haben führende Genetiker und Fertilitäts-Mediziner bereits Anfang des Jahres das britische Parlament aufgefordert, über die rechtlichen Rahmenbedingungen des Designerbabys nachzudenken und entsprechende Gesetze zu erlassen. England ist ja weltweit eines der führenden Länder in der Fortpflanzungsmedizin. Man sollte also auf die Spezialisten dort hören. Bezeichnenderweise ist Robert Edwards, der Erfinder der IVF, ein Brite.

Wir stehen de facto vor einer Zeitenwende, die in ihrer Gewaltigkeit die kopernikanische Wende in den Schatten stellt: Es geht um nicht weniger als die technokratische Transformation der Lebensentstehung von der Natur hin zu einer technologisch vermittelten kontrollier- und steuerbaren Diensteistung, die dem Markt unterworfen wird und ganz klar ausbeuterische Züge trägt. Anders gesagt: Aldous Huxley`s Brave New World wird definitiv Realität.

10 Gedanken zu „Wenn “amazon” das Baby bringt

  1. Selbstdenker

    Kann es sein, dass hier gerade ein schwarzer Schwan gesichtet wurde?

    Es steht damit nicht nur die totale Ausbeutung des weiblichen Körpers, sondern auch die totale Entwürdigung und – aus Sicht der Evolution – totale Entwertung im Raum.

    Peak Feminism sozusagen. Zuerst lösen Feministinnen die Frau von ihrem Vater, ihren Bruder, ihren Mann und ihrem Kind. Und nun löst sich eine technologisierte Evolution von der Frau. Ironischerweise können alle neuen Möglichkeiten nichts an der weiteren Existenz vom biologischen Geschlecht ändern. Dieser Umstand muss die Gender-Gläubigen extrem frustrieren, was deren ausgeprägte Abneigung gegen reale Wissenschaftlichkeit erklärt.

    Sollte es wirklich soweit kommen, wird dennoch vieles nicht einfacher. Je mehr die Menschen Gott spielen, desto mehr müssen sie auch seine Sorgen übernehmen. Dumm gelaufen.

    Auf der anderen Seite könnte damit – sehr zum Missfallen der Mullahs – der demographische Wandel aus einer bislang nicht berücksichtigten Richtung unterlaufen werden.

  2. Mona Rieboldt

    Also wer Kinder haben will, wird die immer noch auf die herkömmliche Weise selbst machen.
    Dass schwule Männerpaare sich eine Leihmutter suchen in Indien, wie schon öfter gehabt, fand ich ethisch noch nie vertretbar, auch dann nicht, wenn sie der armen Frau viel Geld bezahlen.

  3. Thomas Holzer

    Die gewollte Gleichheit von Schwulen, Lesben, Transtschänder und was es sonst noch alles angeblicher Weise gibt, mit den Heteros kann nur durch Manipulationen, wie oben geschildert, “erreicht” werden.
    Daß die Unterschiede de facto jedoch weiterbestehen, kümmert natürlich den “aufgeklärten” Progressisten nicht; Hauptsache ist für ihn nur, daß er sein Zerstörungswerk ex lege immer weiter fortsetzen und jeden einzelnen Untertan indoktrinieren kann

  4. Fragolin

    Alles, was der Mensch tun kann, tut er auch. Hier stellt sich nur die ethische Frage, ob er sein Können als legale Dienstleistung anbieten darf.
    Dass zu Gebärmschinen degradierte Frauen den Wohlbetuchten und Fremdgepolten ihre Designerbabys ausbrüten sollen ist nach meiner Sichtweise menschenverachtend. Es ist gut, wenn darüber diskutiert wird und ich persönlich fände die Verweigerung der Legalisierung wünschenswert. Dies ist m.E. ein klassischer Fall, wo der Freie Markt an ethische Grenzen stößt und die Einhaltung dieser Grenzen muss von der Gesellschaft eingefordert werden.

    Aber ich vermisse eine klare Stellungnahme der ÖVP gegen das ebenso menschenverachtende System der nicht nur legalen, sondern auch noch staatlich subventionierten Massentötung ungeborenen Lebens. Wenn die Entscheidung einer Frau, das Baby anderer auszutragen, als unmoralisch eingestuft wird, wie kann die gleiche Partei dann die Entscheidung einer Frau, ihr eigenes ungeborenes Baby zu meucheln, gutheißen?
    Wie sehen Sie das, Herr Dr. Franz?

  5. Marcus Franz

    Die ÖVP ist gegen Abtreibung, explizit. Steht auch im Grundsatzprogramm 2015 so drinnen.

  6. Thomas Holzer

    @Fragolin
    Ob sich der Herr Dr. Franz aus der ÖVP-Klub Ecke traut?! 😉 Ich wage es zu bezweifeln.
    Die “Progressiven” fordern ja auch Abtreibung und Verhütungsmittel auf Krankenschein.

    Degenerierter können diese Politikerdarsteller eigentlich kaum mehr sein

  7. Thomas Holzer

    In Programme kann man vieles schreiben; öffentlich eintreten für oder gegen etwas, z.B. vor laufender Fernsehkamera, ist schon etwas anderes

  8. Astuga

    Faszinierend vor allem, dass sich gerade die Linken und Feministen dafür einsetzen eine neue Möglichkeit zu etablieren, ökonomisch bedrängte Frauen auszubeuten.
    Weitestgehend ohne Diskussion darüber.

  9. Syria Forever

    Shalom Herr Holzer.

    Der Handel mit Föten aus Abtreibungskliniken ist ein Bombengeschäft. Warum wohl hat man in Wien vor einigen Jahren die Ermordung des 30.000 Kindes, allen voran dieses Ding aus dem Rathaus in Wien, mit Hurra gefeiert?!

    Guten Tag.

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