Wenn der Geld-Preis sinkt

Von | 22. Oktober 2021

(ANDREAS TÖGEL / “EXXPRESS”) Energie- und Grundstoffpreise ziehen soeben kräftig an. Der bevorstehende Winter sorgt für eine weitere Beschleunigung des Aufwärtstrends. Das wirkt sich naturgemäß auf den Preis des „Warenkorbs“ aus, der die Grundlage zur Messung der amtlichen Inflationsrate bildet. Die wird aktuell mit immerhin 3,2 Prozent ausgewiesen – mit absehbar steigender Tendenz. Für die Industrie und das produzierende Gewerbe zählt indes nicht der Warenkorb, sondern die Entwicklung ganz bestimmter Preise – vorwiegend jener für Rohstoffe, Energie und Löhne.

Die in Deutschland nach dem Kraftwerksunfall im fernen Fukushima komplett vergeigte „Energiewende“, wird daher mit Sicherheit zu einer weiteren Deindustrialisierung des Landes führen, was auch für Österreich nicht folgenlos bleiben wird. Die höchsten Strompreise der Welt bezahlen zu müssen, weil verrückte Ideologen Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit der einstmals für ihre Erfinder und Techniker berühmten Nation ihrem Traum von der „Klimarettung“ opfern, hat eben seinen Preis. Nach ein paar zu erwartenden Blackouts und/oder „Lastabwürfen“, und dem daraufhin auf Nimmerwiedersehen erfolgenden Exodus energieintensiver Branchen, werden in Zukunft viele Germanen davon leben müssen, sich gegenseitig die Schuhe zu schnüren und die Haare zu bürsten. Das kann man schon wollen. Allerdings wird man auf die harte Tour lernen, dass Dienstleistungen, sofern es sich nicht um hochqualifizierte IT- oder Entwicklungsarbeiten handelt, mit einer recht geringen Wertschöpfung und entsprechend niedrigen Löhnen einhergehen. In China wird man sich über den in Europa und besonders in Deutschland tobenden Irrsinn freuen. Aber man braucht ja nicht im Mercedes zu fahren und im gut geheizten Einfamilienhaus zu wohnen. Mit einem Tretroller und bei klimagünstigen 12°C im kommunalen Massenquartier kann man schließlich auch leben.

Wie dem auch sei: Mit Inflation haben die derzeit explodierenden Energiepreise wenig zu tun. Inflation (lat. inflare – aufblasen) bezeichnet nämlich die Ausdehnung der Geldmenge, die – unter sonst gleichen Bedingungen – eine allgemeine Teuerung nach sich zieht. Ergo: Erst die (Geldmengen-)Inflation, dann die Teuerung. Ein allgemeiner Preisauftrieb ist kein Naturereignis, oder der Unersättlichkeit gieriger Unternehmer geschuldet, sondern dem frivolen Treiben der Geldproduzenten zu verdanken.

Wer vergisst, dass Geld ein Gut wie jedes andere ist, wenn auch das liquideste von allen, übersieht, dass es auch wie jedes andere Gut einen Preis hat. Und dieser Preis wird – ebenfalls wie bei jedem anderen Gut – durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Wenn nun die Notenbanken dieser Welt seit vielen Jahren die Geldmenge Jahr für Jahr um zweistellige Prozentbeträge erhöhen, das ihr gegenüberstehende Angebot an Waren und Dienstleistungen aber längst nicht in gleicher Weise zunimmt, darf man sich allenfalls darüber wundern, dass die allgemeine Teuerung nicht bereits längst von gemächlichem Trab in furiosen Galopp übergegangen ist.

Der mit einer Geldmengeninflation einhergehende Verfall der Geldqualität drückt sich in einem Kaufkraftverlust je Geldeinheit aus. Wie das deutsche Goldhandelshaus Degussa errechnet hat, hat der Euro gegenüber dem Gold von 1999 bis 2021 sage und schreibe 84 Prozent seiner Kaufkraft verloren. Wohlgemerkt: Nicht der Goldpreis hat sich erhöht, sondern vielmehr ist der Geldpreis gesunken. Das darf, angesichts der weltweit herrschenden Politik des Geldsozialismus und der monetären Alchemie, allerdings auch nicht verwundern.

Für Produzenten oder private Haushalte, für die die gegenwärtige Teuerung ein Problem darstellt, spielt deren Ursache natürlich nur eine geringe Rolle. Allerdings sollte sich jedermann darüber im Klaren sein, was es bedeutet, dass die Eropäische Zentralbank, jene Instutition, deren Auftrag in der Erhaltung der Währungsstabilität besteht, ein „Inflationsziel“ von zwei Prozent p. a. verfolgt. Eine Inflationierungsbehörde als Wächter über den Geldwert? Der Bock als Gärtner? Und noch etwas: Haben Sie sich schon einmal gefragt, ob es Zufall ist, dass das zurückliegende Jahrhundert des totalen Krieges auch das Jahrhundert der Zentralbanken war?      

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.