Wenn die Drogen-Lieferung stockt

Von | 17. Juni 2017

“…..Es ist doch so simpel: Unser Wirtschaftssystem erlaubt das (fast) unbegrenzte Schaffen neuen Geldes (und damit von Kaufkraft) durch die Geldschöpfung des Bankensystems mit (fast) jeder Kreditvergabe. Das ist deshalb gut, weil wir so immer dann, wenn es irgendwo zu stocken droht, noch einen nachlegen können. Und genau das machen wir. Die weltweite Verschuldung wächst seit Mitte der 1980er-Jahre deutlich schneller als das Welt-BIP und auch die Finanzkrise hat daran nichts geändert. Im Gegenteil: Wir haben die Krise, ausgelöst durch zu viele zu schlechte Schulden, durch noch mehr Schulden überwunden und so die Fallhöhe für die nächste Krise erhöht. Da die Schulden immer mehr für unproduktive Zwecke verwendet werden – Spekulation, Kauf vorhandener Assets und Konsum – sind wir davon abhängig, dass die Dosis immer weiter steigt. Eine Dynamik, die auch andere Beobachter als der Schreiber dieser Zeilen schon vor Jahren erkannt haben. Ändern daran konnten sie nichts…..” (hier)

7 Gedanken zu „Wenn die Drogen-Lieferung stockt

  1. dna1

    Trifft es fast, aber nicht ganz.
    Solange man nicht erkennt, dass das Problem im System steckt, und zwar im Geldsystem selbst und nicht bei der systembedingten Abhängigkeit der (Demokratie)Politik vom Geld, wird man nichts ändern können. Der Anstieg der Schulden (und der Geldmenge, das läuft ja parallel) ist exponentiell und entsteht aus dem Zinseszinsprinzip, das können sie drehen und wenden wie sie wollen, ob gute produktive oder schlechte unproduktive Schulden (eigenartige Unterscheidung) ist komplett egal. Ich erinnere nur an das “Schachbrett”.
    beste grüße

  2. Christian Peter

    @dna1

    Richtig. Schulden stehen in unserem ‘Schuldgeldsystem’ Guthaben gegenüber. Ohne Schulden keine Guthaben.

  3. Christian Peter

    Das Anwachsen der Schulden ist in unserem Geldsystem vorprogrammiert. Nach Berechnungen von Experten wird ein derartiges System nach etwa 70 – 80 Jahren zusammenbrechen.

  4. namor

    man beachte den Leserkommentar von Dietmar Tischer im Orginalartikel. Seine Überlegungen gehen Richtung meiner Überlegungen. Sein Verweis auf das Verwendungsverhalten von Helicoptergeld bei Verbrauchern ist sehr sehr gut. Der Mensch will horten. Die Schuldenblase ist die andere Seite der Sparblase.

    @ch peter
    wenn den steigenden Staatsschulden Guthaben gegenüberstehen, welche sind das, wer besitzt sie? oder anders gefragt, die Ausweitung der Finanzanlage der Bürger stehen welche Werte gegenüber? Wichtige Fragen, die beim modernen Kontrollwahn leicht zu beantworten wären.

    der Mensch will horten, es stillt das Sicherheitsbedürfnis. Nichts materielles kann dies Bedürfnis zufriedenstellend, im Sinne von, alle können am Horten partizipieren. Entweder, Güter sind knapp und werden für viele unerschwinglich und der Handel kommt zum erliegen, da keiner mehr hergibt bzw oder Güter sind fast unbegrenzt verfügbar sodass sie keinen Wert haben.

  5. Oliver H.

    @namor

    Sie verweisen auf den Kommentar von Dietmar Tischer und seine Ausführungen zum Thema ‘Helikoptergeld’. Die Kernaussage daraus:

    — ‘Nach Darstellung des Handelsblatts war das Ergebnis ernüchternd: Die meisten der Befragten (52%) würden das Geld eher sparen (..) Die Menschen WOLLEN nicht so viel Geld ausgeben, wie für ein gewünschtes Wirtschaftswachstum erforderlich ist und dies – ENTSCHEIDEND – auch dann nicht, wenn sie von der Verschuldungsbelastung (Zinszahlungen, Rückzahlung des Darlehens) BEFREIT sind.’–

    Dieser Zugang verkennt m.M.n. drei Faktoren: Erstens ist die Debatte um Helikoptergeld fiktiv, kommen doch die beiden Arten von ‘Geld’ (*), mit denen wir es heute zutun haben, zurzeit anders in Umlauf, als per Hubschrauber.

    Zweitens stellt sich bei Helikoptergeld die Frage des Wollens von längerem Horten nicht, denn sobald die verbliebenen Ausgabewilligen ihr Geld loswerden, bedingt der dadurch einsetzende allgemeine Preisauftrieb ein rasches Umdenken der am Sparen Interessierten, wird doch ihr gehaltenes Geld zunehmend entwertet. Beim Helikoptergeld verlieren die Langsamen.

    Drittens ist Giralgeld, das Einzelne bei Geschäftsbanken beziehen, indem Sicherheiten angeboten werden, erkennbar ein Indiz für den Willen, dieses individuell bezogene Geld auch auszugeben.

    Sehen Individuen angesichts der Wirtschaftlage keine ausreichenden Gründe für Ausgaben, sinkt, wie in den letzten Jahren beobachtbar, die Giralgeldmenge, zumal eher vorige Kredite getilgt werden.
    Diese Tilgung ist zugleich das Zurückziehen der Sicherheiten, die zuvor mit der Kreditaufnahme geldwert in Umlauf kamen. Mitkausal für die mangelnde Investitionsbereitschaft ist perfiderweise das Antizipieren der platzenden Blase.

    Was wir also erleben, ist der exzessive Anstieg von Zentralbankgeld, das nicht per Helikopter abgeworfen, sondern mit dicken Schläuchen an einigen wenigen Stellen ins System gepumt wird. Am Desinteresse zu Investitionen und nachfolgender Wertschöpfung dadurch hat dies nichts geändert, daher auch der alleinige Effekt eines Preisauftriebes als falsches Signal, es herrsche ökonomische Aufbruchstimmung.

    Diese Stimmungseinschätzung ist nicht nur grundlegend falsch, sondern zugleich mangels fehlender Gelddeckung inform des Verdrängens von Giralgeld durch Notenbankgeld letal. Wir haben eine zunehmend größer werdende Fiktion von Reichtum, ein Irrtum, der früher oder später Common-Sense wird.

    *) Anführungszeichen mit Absicht gesetzt, zumal es sich dabei nicht oder nur unzureichend um Geld im tatsächlichen Sinne handelt.

  6. namor

    @oliver h
    ich denke wir reden hier aneinander vorbei. Um was es mir geht ist kurz folgendes.

    Menschen wollen Sicherheit und dieses Bedürfnis ist unstillbar. Besitz ist Sicherheit. Mit Geld kann man (vermeintlichen) Besitz einer breiten Masse bieten. Geld muss irgendwie hinterlegt sein, nur Staatsschulden sind flexibel und ausreichend vorhanden, v.a. damit ist Geldanlage hinterlegt.

    Nun hat man ein Bedürfnis das man in der Masse ehrlicherweise nicht bedienen kann. Läßt man es bleiben hat man unzufriedene Staatsbürger. Bietet man pyramiedenspielartig Staatsaleihen an, hat man zwei Effekte

    a) Menschen fühlen sich sicher und sind zufrieden

    b) Menschen arbeiten mehr als sie müßten (und für diese Mehrarbeit wird es kaum Lohn geben, sondern nur ein Versprechen. Dieses Versprechen wird für die ersten gehalten irgendwann nicht mehr. WICHTIG: die Mehrarbeit wurde geleistet, fast wie ein Frondienst an der Gesellschaft.

    Wann der Preisauftrieb kommt und wie er sich auf Sparer auswirkt, wir werden sehen. Wenn die Sparbuchzinsen-Kest niedriger sind als die Inflation verlor man bisher auch Geld. Bei Strafzinsen kommt sicher noch ein psychologischer Faktor hinzu. Es ist ein Angriff auf die Sicherheit, da werden Menschen irrational.

    bsp. Salzburg, Immo-Versteigerung: Ertragswert (für Anleger) = 100; Vergleichswert (was für solche Immos bezahlt wird) = 115; versteigert für = 125

    Vielleicht wissen die Menschen schon, dass sie Geld verlieren werden und bemühen sich ihre Sicherheit möglichst zu erhalten, dann würde die Sparrate sich eher erhöhen. Flucht in andere Anlagen wird es auch geben.

    Ich fachfremd, aber groß genug um den Unterhaltungswert der Medien und Experten über deren Informationswert zu stellen.

  7. Oliver H.

    @namor

    “Um was es mir geht ist kurz folgendes.”

    OK. Lassen Sie mich Ihre Prämissen bis zu den expliziten Punkten a) und b) mit Vorbehalt übernehmen und auf Nachfolgendes einsteigen:

    “Wann der Preisauftrieb kommt und wie er sich auf Sparer auswirkt, wir werden sehen. Wenn die Sparbuchzinsen-Kest niedriger sind als die Inflation verlor man bisher auch Geld. Bei Strafzinsen kommt sicher noch ein psychologischer Faktor hinzu. Es ist ein Angriff auf die Sicherheit, da werden Menschen irrational. [Ertragswert vs. Vergleichswert vs. Verkaufspreis]”

    Ich teile Ihre Einschätzung der Irrationalität, mache diese jedoch nicht generell am Markt fest, sondern an Markteilnehmern am Ende eines Trends. Genau genommen ist es sogar nur eine halbe Irrationalität, gibt es doch zu jedem, der überteuert einkauft, einen abgebenden Verkäufer mit konträrer Markteinschätzung.

    “Vielleicht wissen die Menschen schon, dass sie Geld verlieren werden und bemühen sich ihre Sicherheit möglichst zu erhalten, dann würde die Sparrate sich eher erhöhen. Flucht in andere Anlagen wird es auch geben.”

    Leider läßt sich über die Absichten der Menschen im Allgemeinen nur schwerlich spekulieren, ist doch deren Wissensstand ebenso inhomogen, wie deren Austattung mit Geld und Assets. Faktum bleibt aber, wonach die breite Masse dank monetärer Repression enteignet, das heißt entweder um deren Besitz oder Arbeitskraft gebracht wird.

    Wie Sie zutreffend anführten, haben wir es mit einem Pyramidenspiel zu tun, bei dem die Basis verliert. Das Drücken des Resetknopfes nimmt das ungedeckte Geld vom Brett, übrig bleibt eine vermehrte Besitzverteilung an der Spitze der Pyramide, denn dort hatte man rechtzeitig das Fiatmoney abgestoßen, sprich gegen Handfestes eingetauscht. Nichts anderes ist der Zweck des heutigen Zentralbankwesens.

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