Wenn gerechte Pensionen ungerecht sind

Von | 18. August 2021

(C.O.)   Wenn nicht alles täuscht, werden die Pension in Österreich demnächst so angehoben, wie das jetzt schon seit einigen Jahren Usus geworden ist: die Bezieher kleiner Renten dürfen mit einer stärkeren Erhöhung rechnen, jene mit etwas besseren Pensionen werden weniger bis gar nichts lukrieren.

Dass nicht alle Pensionisten die gleiche Erhöhung bekommen, wie es eigentlich naheliegend wäre, hat einen ganz einfachen Grund: weil es hierzulande als irgendwie „gerecht“ empfunden wird, den Kleinen mehr draufzulegen als den Bessergestellten. Die Politik, stets um Maximierung der Wählerstimmen bemüht, fügt sich diesem weit verbreiteten Sehnen nach „Gerechtigkeit“ natürlich gerne.

Das kleine Problem dabei: wirklich gerecht ist an dieser asymmetrischen Erhöhung der Pensionen genau nichts. Sie appelliert höchstens an jenes Teils naive, teils uninformierte Verständnis von Gerechtigkeit, in dem die Welt ein besserer Ort wird, wenn man alle Unterschiede an Einkommen und Besitz möglichst klein hält. Wir haben es hier sozusagen mit einer Dorfdeppen-Kommunismus zu tun, der leider bis hin in gebildete und bürgerliche Milieus weit verbreitet ist.

Überhaupt nicht gerecht sind diese Pensionserhöhungen, weil sie über kurz oder lang aus rein mathematischen Gründen zu einer Art Einheitspension führen, in der die Ruhebezüge weitgehend unabhängig davon sind, ob jemand auf Grund seiner Aktiveinkommen mehr eingezahlt hat oder weniger. Wenn Jahr für Jahr nur die kleineren Pensionen angehoben werden, sein irgendwann alle gleich hoch.

Das führt natürlich dazu, dass die, die ihr ganzes Leben härter gearbeitet haben und mehr verdient haben, in der Rente schlicht und einfach beschissen werden; während all jene, die auf Grund geringerer Einkommen weniger eingezahlt haben, zu nie verdienten Zusatzpensionen kommen.

Das Leistungsprinzip, demnach höhere Gehälter zu höheren Prämien, aber dafür auch höheren Renten führen, wird damit zerstört.
Menschen etwas wegzunehmen, wofür sie Jahrzehntelang malocht haben, hat mit Gerechtigkeit ungefähr so viel zu tun wie ein Gürtelpuff mit der großen Liebe – genau nichts.

Leider ist dieser „Dorfdeppen-Kommunismus“ so tief in der wirtschaftspolitischen DNA dieses Landes verankert, dass sich nicht nur die Politik, sondern selbst die meisten Betroffenen dieser vermeintlichen „Gerechtigkeit“, also die Bezieher höherer Pensionen, kaum zu wehren trauen, weil sie fürchten, sonst als kalt, herzlos und menschenverachtend dazustehen. Wir haben es sozusagen mit einem Fall von ökonomischem Stockholm-Syndrom zu tun.

Ich plädiere deshalb dafür, sich endlich von diesem zu tiefst ungerechten Prinzip der ungleichen Pensionserhöhungen zu verabschieden, und zwar für immer, und endlich wieder den wirklich gerechten Zustand herzustellen – indem die, die über Jahrzehnte mehr eingezahlt haben, auch entsprechend mehr herausbekommen.  (“Exxpress”)

13 Gedanken zu „Wenn gerechte Pensionen ungerecht sind

  1. Susi

    Ich weiss jetzt aber nicht genau ob die Nationalbankmitarbeiter härter und länger gearbeitet hat wie zB. eine Frisörin, die Durchschnittspension in der ÖNB dort beträgt 70.000€, nach 35 Dienstjahren gehen sie mit 55 Jahren in Pension, Ausbildung brauchen sie auch KEINE spezielle, die Frisörin schon. Die Regierung wollte die Sonderpensionen bekämpfen, ein Gericht hat dagegen entschieden. Das gilt übrigens nicht nur für nur für Nationalbank-Mitarbeiter, sondern auch für Expolitiker mit einer alten Politikerpension und für Ex-Führungskräfte verschiedener Einrichtungen (wie zB. ORF, Sozialversicherungsträger und Kammern). Wenn ich mich recht erinnere hat doch ein ehemalige ÖNB Präsident über 35.000 € monatlich. Sollen DIE wirklich alle angehoben werden?

  2. Erich H. Ulrich

    Einen dümmeren und niederträchtigeren Vergleich wie ihn die “liebe Susi” anführt, wird man wohl nicht mehr erfinden können. Sie bestätigt damit nur das ewige Neid-Idiom der “Dorfdeppen-Kommunisten”.

  3. Allahut

    Grundsätzlich muss man Herrn Dr. Ortner natürlich zustimmen, aber wie schon “Susi” in ihrem Kommentar angeführt hat, sind bestimmt nicht alle Pensionen gerecht. Und viele mit eher bescheidenen Pensionen haben ihr Leben lang oftmals auch hart gearbeitet, nur kann halt nicht jeder Generaldirektor sein. Berücksichtigt man, wie großzügig der Staat Milliarden für Asylsuchende ausgibt und auch sonst recht locker mit Steuergeld umgeht, dann haben sich wohl jene, die Kinder großgezogen haben, nebenbei Teilzeit gearbeitet haben und sich vielleicht noch um pflegebedürftige Angehörige gekümmert haben, die paar Euro mehr, die ihnen aufgrund geltender Regel zur Berechnung der Pensionen nicht zustehen würden, mehr als verdient.

  4. Susi

    An Erich H. Ulrich: IHR Beitrag lässt aber eher in IHRE Persönlichkeit tief blicken. Eine frei geäußerte Meinung, in der KEIN persönlicher Angriff stattfindet mit einer Beleidigung zu beantwortet spricht auch nicht gerade für Intelligenz und Kommunikationstalent ihrerseits. Wenn sie, Herr Erich H Ulrich, angesichts meiner frei geäußerten Meinung überfordert fühlen, lesen sie sie doch einfach nicht, kleiner Tipp für ein besseres Stressmanagement.

  5. dna1

    Alles richtig, aber leider unterliegt auch Hr. Ortner hier einem weitverbreiteten Denkfehler. Er schreibt von “…die, die über Jahrzehnte mehr eingezahlt haben”. Die staatlichen Pensionen sind keine Versicherung, wo man einzahlt und hinterher etwas rausbekommt (wie bei der privaten Vorsorge), das System ist auf Umlage ausgelegt, d.h. man zahlt nicht ein, sondern bezahlt jetzt mit einem Anteil seines Einkommens die Pensionen der jetzigen Pensionisten, das ist als reine Steuer zu betrachten. Welche Pension man selber später bekommt ist eine rein politische Entscheidung, und die Politiker haben versprochen, dass jemand, der in seinem Leben immer höhere Steuern bezahlt hat, auch eine anteilig höhere Pension bekommen soll. Aber wie das mit Politikern eben so ist…….Mit ihrer privaten Versicherung haben sie einen Vertrag, mit dem Staat nur eine Absichtserklärung.
    Das selbe mit Arbeitslosenbeiträgen, wenn ich schon jemanden sage höre, er hätte einen Anspruch auf Arbeitslosengeld, “weil er ja auch eingezahlt” hätte. Auch da wir nichts eingezahlt.

  6. sokrates9

    Mehr Transparenz wäre da wünschenswert.es müsste auch Priorität für Leute geben die ihr Leben lang in Österreich gearbeitet und einbezahlt haben, gegenünber tausenden Wehrdienstverweigeren die Sozialpicking betreiben und es sich in Östereich gut gehen lassen.Jetzt müssen wieder alle afghanischen Aktivistinnen gerettet werden, wir müssen alle versorgen außer die eigenen Leute.Welchen Standard hätten wir in Österreicjh ohne 2 Mio Neubürger die zum Großteil – wenn überhaupt – in den untersten Levels arbeiten?

  7. GeBa

    Es lag bei jedem selbst, ob, wieviel und was er gearbeitet hat, wir alle wußten dass wir mit unseren Beiträgen und denen das Arbeitgebers unsere Pension beeinflussten.
    Ich denke heute noch mit Zorn an die, die halt nur halbtags gearbeitet haben und am Nachmittag schon auf der Donauinsel lagen, während ich im damals noch unklimatisierten aber heißen Büro bis 17:00 meiner Arbeit nachging. Diese Leute jetzt auf den gleichen Level heben zu wollen, würde nicht nur dem hoffentlich noch bei vielen vorhandenem Leistungsdenken widersprechen sondern wäre ein vollkommen falscher Ansatz.
    Daher ist dieses – die haben so wenig, denen müssen wir jetzt mehr geben – absolut falsch!
    Da bin ich 100%ig auf Seite von Herrn Ortner!

  8. Allahut

    @GeBa
    Grundsätzlich bin ich auch auf Ihrer Seite. Dabei könnte man, gerade in Wien, froh sein, würden viele wenigstens halbtags arbeiten. In Wien gibt es die meisten Bezieher der Mindestsicherung, und die haben auch noch viele Begünstigungen und Gebührenbefreiungen. Viele die praktisch kaum gearbeitet haben, maximal die Mindestanzahl an Beitragsmonaten für eine Pension erreicht haben, bekommen oftmals, inklusive Ausgleichszulage, mehr Pension als eine Frau die wegen Kindererziehung halt nicht Vollzeit arbeiten konnten. Die Wiener Stadtregierung will jetzt wieder großzügig Afghanen aufnehmen, dabei ist das Budget durch das Asylwesen ohnehin schon massiv belastet. Im Vergleich zu den “Schutzsuchenden” haben jene, auch mit geringer Pension, wenigstens für das Land etwas geleistet und auch ins Sozialsystem eingezahlt.

  9. Falke

    Natürlich sind die Pensionen Umlagebeträge der aktuell Beschäftigten, aber in ihrer Höhe doch genau nach der Lebensarbeitsleistung des Betreffenden berechnet und gesetzlich geregelt. So sollte es auch bleiben. Dass aber der derzeitigen Regierung Gesetze und Verfassungsbestimmungen ziemlich wurscht sind, hat sie ja zumindest während der vergangenen 18 Moate ausreichend bewiesen. Also warum nicht auch bei den Pensionserhöhungen?

  10. Johannes

    Interessant wird es werden wenn viele Migranten von der Sozialhilfe in die Pension wechseln und wie dann mit dieser “”Armut ” umgegangen wird.

  11. seerose

    Also prinzipiell ist diese Diskussion vollkommen sinnlos. Ich habe vorige Woche gelesen, dass die Pensionserhöhung 1,7 % betragen soll und bei den kleinen Pensionen (die vielfach Personen erhalten, die aus dem Ausland eine zusätzliche Pension erhalten. Jene, die weniger als 15 Jahren einbezahlt haben, viele Ordinationshilfen, die in der Ordination des Ehemanns geringfügig versichert und nur das mindeste in den Pensionsversicherung einbezahlt haben). Nunja, es wird halt heute nicht mehr überprüft, was eigentlich Sache ist. Seis drum.
    Aber, dass selbst ASVG-Pensionisten mit Pensionen über 2000 Euro nicht die volle Pensionserhöhung kriegen soll, ist irgendwie unanständig.
    Aber, wie gesagt, die Diskussion ist sinnlos. 1,7 % sind sowieso ein Witz. Ich habe gerade in “Der Presse” gelesen was Wien an Erhöhungen ab 1.1.22 plant und auch in “DerPresse”, dass die Preiserhöhungen bei Lebensmittel mit 5,2 % angenommen werden.

  12. Gast

    Apropos Verzicht:
    MAn hätten auch die Pensionisten – jedenfalls wiederum die, die über der Mindestpension liegen – auf bis zu 20% ihrer Pension verzichten müssen in Analogie zum Kurzarbeitergeld. Dann wäre die “Pandemie” in Windeseile vorbei gewesen.

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