Wenn Journalisten Aktivisten werden

Von | 21. Oktober 2015

“……Es ist der Job von Journalisten, die Realität abzubilden und zu kommentieren. Es läuft etwas falsch, wenn sie selbst zu Aktivisten werden.
Rund um die Wien-Wahl war das leider ziemlich häufig der Fall. Man kann es, nur zum Beispiel, durchaus erstaunlich finden, dass die Bewohner von Gemeindebauten, früher eine zuverlässige rote Bank, seit ein paar Jahren so zahlreich die FPÖ wählen. Dieser Umstand ist eine Analyse wert. Aber die Herablassung, mit der sich manche Kollegen neuerdings dem ungehorsamen, weil blau-affinen Volk nähern, verblüfft dann doch. Die SPÖ müsse den Leuten wohl demnächst erklären, „dass all das, was sie hier um wenig Geld benutzen, in anderen Städten nicht selbstverständlich ist“, war unter anderem zu lesen. Sind jetzt also die Medien dafür zuständig, Dankbarkeit für eine Partei einzufordern? Ist es da ein Wunder, wenn das böse Wort „Systempresse“ die Runde macht? (hier)

10 Gedanken zu „Wenn Journalisten Aktivisten werden

  1. cmh

    Man sollte vor Wahlen nicht die Umfragen, sondern die bezahlten Einschaltungen von Parteien verbieten.

    Seit dem Kommentar dieses Fleischhackers, der seinerzeit dem klar prognostizierten Wahlsieger Schüssel empfahl, mit den Grünen zu koalieren, lese ich derartige Elaborate nur mehr als Zeugnis für die Präpotenz der Journalisten. (Schüssel hat diese Wahl dann leider verloren.)

    Auch versuche ich, bei jedem Kommentar mir eine abweichende eigene Meinung zu bilden. Und Überraschung, meistens habe ich recht!

  2. Herbert Manninger

    Welche das Gehirn verändernde Prozesse sind das, die aus intelligenten SPÖ-Wählern plötzlich Dumpfbacken werden lassen, sobald sie FPÖ wählen?
    Gibt’s da schon wissenschaftliche Expertisen?

  3. Der Realist

    FPÖ-Wähler werden von der Systempresse noch immer diskreditiert, viele “Journalisten” glauben ja, es gehört sich einfach, der Political Correctness wegen, auf die FPÖ und ihre Wähler verbal einzudreschen. Als der Gemeindebau noch tiefrot war, waren dessen Bewohner und Wähler keinerlei Kritik ausgesetzt. Jetzt, da viele der ehemals gestandenen Roten blau wählen, sondern einige der “Qualitätsjournalisten” deshalb mit Schaum vor dem Mund ihren geistigen Schleim ab. FPÖ-Wähler sind laut Systempresse Wohlstandsverlierer, gehören der Unterschicht an, die ohnehin nicht wissen was sie wählen, wird ihnen doch pauschal harmloses Gemüt bescheinigt.

  4. publisher

    Die Krone setzte dem Ganzen Christa Zöchling/profil auf, mit einer Hass-Orgie gegen FPÖ-Wähler sondergleichen. Dafür bekommt sie jetzt sogar einen Jounalistinnen-Preis.
    (Und wird, obwohl Studienabbrecherin, dafür sogar zur “promovierten Historikerin” ernannt….)

  5. Leitwolf

    Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf.

    Über Jahrzehnte haben wir es hingenommen, dass demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien mit Füßen getreten werden. Es war immer weit bequemer sich den Machtstrukturen anzubiedern, ein rotes oder schwarzes Parteibuch anzunehmen, als gegen den Strom zu schwimmen. Jeder Skandal wurde schnell wieder vergessen, jedes Verdachtsmoment geleugnet und Zusammenhänge herzustellen galt und gilt als Verschwörungstheoretisieren.
    Und jetzt da wir die Früchte unserer Agonie ernten, wollen wir uns wundern?

  6. astuga

    Das lustige ist ja auch, die selben Deppen… äh, schlichten Gemüter (gibt’s natürlich) sind als SPÖ-Wähler hochwillkommen gewesen.
    Bzw sind es immer noch.

  7. Der Bockerer

    Politik und Medien bilden eine Symbiose. Sie bedingen einander. Nur über die Medien können die Untertanen erfahren, was die Mächtigen im Schilde führen. Die herrschende Politik braucht also die Medien zur Volksaufklärung und zur Propaganda.
    Andererseits genießen es die Medienschaffenden, den Mächtigen nahe sein zu können, ja von Berufs wegen sein zu müssen.
    Diese enge Verflechtung lässt eine kritische Berichterstattung kaum zu. Dazu kommt dann noch die politische Voreingenommenheit zugunsten des linken Lagers, die für die Medienschaffenden charakteristisch ist.
    Wer will da eine unabhängige Berichterstattung erwarten?

  8. Menschmaschine

    Aha, ein Anflug von Selbstkritik beim profil. In Anbetracht der meist unverhohlenen Parteinahme vieler Journalisten darf das bereits als respektabel gelten. Und doch geht der Artikel nicht weit genug. Denn es ist nicht nur hier und da journalistische Distanz abhanden gekommen, nein, Journalisten und ganze Redaktionen sind gekauft. Mit jenen Inseratenmillionen, die ihnen das Überleben sichern. Wobei man viele gar nicht kaufen müßte, sie haben ohnehin die “richtige” politische Einstellung.

  9. Mario Wolf

    Das Problem ist nicht nur das Journalisten korrupt sind, sie hängen an der Nabelschnur der Zuwendungen der Politiker, sonder dass die Politiker gleichzeitig ihre Arbeitgeber sind. Wer würde sich beim ORF trauen etwas kritisches, z.B. die bisherige Erfolgsbilanz im Amt, Genossen BK WF betreffend, zu berichten. Auch ein (Chef)Redakteur hat Frau und Kinder, ohne den gutbezahlten Arbeitsplatz, was macht er ? Zuerst kommt das Fressen, dann die Moral. Der modische Drei-Tages-Bart hat den Vorteil dass es einen Staatsjournalisten nicht so häufig beim Rasieren vor sich selbst graut. Staatsjournalistinen werden in der Maske geschminkt, müssen nicht in den Spiegel schauen.

  10. Christian Weiss

    “Welche das Gehirn verändernde Prozesse sind das, die aus intelligenten SPÖ-Wählern plötzlich Dumpfbacken werden lassen, sobald sie FPÖ wählen? Gibt’s da schon wissenschaftliche Expertisen? ”

    Es ist ja nicht so, dass der gemeine Sozialdemokrat an den mündigen Bürger glaubt. Die Bürger sind eine grosse Herde, die durch den allein mit grosser Weisheit und grossem Wissen gesegneten Sozi in die richtige Richtung gelenkt und zu gesellschaftsfähigem Verhalten erzogen werden müssen. Wählt ein Bürger FPÖ, ist er deswegen nicht dümmer als vorher, er wurde lediglich von der dunklen Seite der Macht mittels populistischer Parolen verführt.

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