Wenn Konservative den Bock zum Präsidenten machen (wollen)

(MARCUS FRANZ) Es ist absurd, wenn Konservative und Bürgerliche wie etwa die ÖVP-Granden Othmar Karas, Erhard Busek oder Franz Fischler den Präsidentschafts-Kandidaten Van der Bellen unterstützen und ihn als Bundespräsidenten empfehlen. VdB hat über Jahrzehnte Positionen vertreten, die konträr zu den klassischen Werten der Bürgerlichen stehen. Mit der Wahlempfehlung wird von den Konservativen der Bock zum Gärtner gemacht. (Über die aktuellen Motive der Bürgerlichen werden wir ein anderes Mal diskutieren.)

Zunächst einmal zur Sachlage und die ist völlig klar. Wenn man als Bürgerlicher Gründe sucht, warum man VdB wählen oder nicht wählen soll, wird man schnell fündig: Es gab und gibt bei VdB eine Vielzahl von Positionen, die man rechts der Mitte ganz einfach nicht teilen kann. Dazu braucht man nur Auszüge aus dem Grundsatzprogramm der Grünen zu lesen, als VdB noch deren letztverantwortlicher Sprecher war und maßgeblich am grünen Grundsatzprogramm mitgearbeitet hat.

Im Folgenden einige Originalzitate aus dem grünen Programm zu VdB`s Zeiten.

Ein zentraler Satz, der fast schon alles sagt:
“Grüne Politik folgt Utopien.”

Multi-Kulti wird klar favorisiert:
“Die Vielfalt der Kulturen und unterschiedlichen Lebensformen innerhalb einer Gesellschaft und zwischen verschiedenen Gesellschaften erfordern nicht nur Respekt, sie erfordern Anerkennung ihrer Gleichrangigkeit und eine Absage an den Überlegenheitsanspruch der westlichen Industriegesellschaft.”

Unsere eigene Kultur und deren Führungsrolle wird in Abrede gestellt:
“Die Rede von der Kultur einer Gesellschaft dient lediglich dazu, hegemoniale Ansprüche einer mächtigen Gruppe in dieser Gesellschaft festzuschreiben.”

Und eine ganz zentrale Passage ist die folgende, sie macht VdB für Konservative absolut unwählbar. Wertehaltungen sind für die Konservativen zentral, für die Grünen aber letztlich disponibel:
“Werte existieren nicht a priori, sind nicht von weltlichen oder göttlichen Mächten vorgegeben und damit nicht absolut zu setzen. Wir stehen Versuchen, geschlossene Weltbilder anzubieten oder eine absolute Wahrheit zu verkünden, mit großer Skepsis gegenüber. Wenn wir Grüne Werte formulieren, sehen wir dies als Angebot, die Welt auf bestimmte Weise zu sehen und sie gemeinsam auf Basis dieser Werte zu gestalten – als Angebot an alle, die an einer ökologischen, solidarischen und nachhaltigen Gesellschaft interessiert sind. Wir versuchen, unsere Grundwerte zu erklären, nach ihnen zu leben und sie politisch zu vertreten. Jede Form der “Missionierung” durch Druck oder Zwang lehnen wir ab. Wir stellen uns der Diskussion über Werte, die nicht die unseren sind, im ständig laufenden Wertediskurs der Gesellschaft. Die Akzeptanz anderer Werte hat freilich dort eine Grenze, wo sie Intoleranz, Ausgrenzung, Ausbeutung und Verhetzung postulieren. Dagegen werden wir weiterhin Widerstand leisten und kompromisslos Stellung beziehen.”

Breiter Raum wird dem Feminismus eingeräumt und schlimme Szenarien werden beschrieben:
“Die Unterdrückung der Frauen und die Verdrängung der weiblichen Bevölkerung aus der gesellschaftlichen Realität und Öffentlichkeit wurden jahrtausendelang mit häufig grausamen Mitteln betrieben. Frauen wurden traditionell reduziert auf die Ebene von Gefühlen, auf das Irrationale und Körperliche und in den Schatten der Welt, ins Private verbannt…. Das erfordert eine klare feministische Positionierung und feministische Politik, bis die Herrschaftsverhältnisse abgebaut und reale Gleichstellungen erreicht sind.”
(Diese Position hat der Kandidat trotz der aktuellen Orientalisierung unserer Gesellschaft und der vor unseren Augen ablaufenden Unterdrückung der Frau wohl vergessen – erwähnt hat er sie im Wahlkampf nie.)

Aber gehen wir weiter im fundamentalen Programm des Kandidaten VdB.

Der Freie Markt wird massiv kritisiert:
“Die Marktwirtschaft ist ökologisch blind und sozial taub.”
“Der Freie Markt hält in der Praxis nicht, was die Politik suggeriert.”

Recht deutlich wird ein arbeitsloses Einkommen für alle gefordert:
“Die Grünen wollen Existenzsicherung vom konkreten Erwerbsarbeitsverhältnis entkoppeln”
“Wir Grüne stehen für ein Gesellschaftsmodell, in dem es möglich sein muss, ohne Erwerbszwang und Diskriminierung sozial abgesichert leben zu können.”

Der Wunsch nach noch mehr Umverteilung wird euphemistisch “Fairteilen” genannt:
“Fairteilen” als gerechte Verteilung von gesellschaftlichem Reichtum und verfügbarer Arbeit sichert Lebensqualität und Zugang zu Chancen für alle.

In der Krankenversorgungs- und Pensionsfinanzierung ist man gegen private Zusatzversicherungen, der Staat soll alles bezahlen: “Die Leistungen der staatlichen Unfall-, Kranken- und Pensionsversicherungen haben ein Niveau sicher zu stellen, das private Zusatzversicherungen nicht notwendig macht.”

Skurril wird es zumindest begrifflich, wenn man die frauenpolitischen Vorstellungen nachliest.
Kinder bekommen wird als “Reproduktionsarbeit” bezeichnet, Schwangerschaft und Gebären sind offenbar Rollenzuschreibungen: “Ziel der Grünen Geschlechterpolitik ist die gleiche Teilhabe von Frauen und Männern an der Reproduktionsarbeit, um Benachteiligungen von Frauen aufgrund der Rollenzuschreibungen zu verringern.”

Abtreibung geht nur Frauen was an, es wird keinerlei Bezug auf den Wert des Lebens genommen:
“Wesentlicher Bestandteil der Selbstbestimmung der Frau ist die Straffreiheit bei Schwangerschaftsabbruch, da es alleinige Entscheidung der Frauen ist, ob sie sich für oder gegen einen Abbruch entscheiden.”

Die Familie als Leitstruktur der Gesellschaft wird in Abrede gestellt: “Die klassische Vater-Mutter-Kind(er)-Familie ist nur ein Modell, wie sich Beziehungen organisieren lassen.”

Migrationspolitik war schon vor Jahren eine grüne “Stärke”, die Österreichs Interessen nicht an die erste Stelle rückt: “Die Grünen vertreten eine Einwanderungspolitik, die die Interessen, Erwartungen und Hoffnungen potenzieller EinwanderInnen und nicht nur die Interessen des Aufnahmelandes, seiner Wirtschaft und seiner Bevölkerung berücksichtigt”

Fazit: Wenn mir nun noch immer jemand erzählt, dass der grüne Kandidat auch für bürgerliche Wähler als Bundespräsident in Frage kommt, dann war diese(r) Bürgerliche wohl nie wirklich bürgerlich – oder er/sie verschließt die Augen vor der Realität. Aber bis zum 4.12. ist ja noch genug Zeit zum Überlegen.

Interessierte, die noch genauer wissen wollen, welche Ideologie da transportiert wird, können das umfangreiche und von VdB verantwortete Grundsatzprogramm der Grünen im Detail auf deren Website ansehen:

https://www.gruene.at/partei/programm/parteiprogramm

 

20 comments

  1. Herbert Manninger

    Was tut so ein mit einem Avantgarde-Komplex beladener Konservativer nicht alles, um in der linken Szene anerkennend auf die Schulter geklopft zu bekommen.

  2. Fragolin

    “Wir stehen Versuchen, geschlossene Weltbilder anzubieten oder eine absolute Wahrheit zu verkünden, mit großer Skepsis gegenüber.”
    Was für ein blöder Schreibfehler, sie meinten natürlich nicht Skepsis sondern Begeisterung. Deshalb hat es nach dem Stalinismus besonderns der Islamismus diesen Leuten so angetan.

    Am Rande bemerkt: Wenn man das ideologische Fundament Herrn Hofers zerlegt, dürfte ein ähnliches Ergebnis in Bezug auf Wählbarkeit für Konservative herauskommen. Es ist ganz allein die Migrations- und Zerstörungsspolitik, die zur Wahl steht. Alles andere ist sekundär.

  3. Nimbus59

    Othmar Karas klebt an seinen Brüsseler Pfründen und der dort verfolgten Ideologie wie der Schleim einer Nacktschnecke auf der Haut – einfach ekelhaft!

  4. Kluftinger

    @ Fragolin
    was tun, sprach Zeus….? Nicht wählen weil keiner wählbar, oder doch? Aber ich würde jeden der die Rolle des BP überbewertet das Buch von M. Welan “Der Bundespräsident” empfehlen. Ist zwar schon älter aber in der Substanz immer noch richtig. Dann hat man wenigstens ein paar Sorgen weniger (weil`s egal ist wer den Grüß-Gott August macht).

  5. Thomas Holzer

    Karas, Fischler, Busek als Konservative, Bürgerliche zu bezeichnen, ist eine Beleidigung für jeden, des Denkens fähigen und vor allem willigen Menschen!

    Es soll schon vorgekommen sein, daß Menschen im Laufe ihres Lebens, sprich mit zunehmendem Alter, in den Sozialismus -sprich die Irrationalität- abdriften, auch wenn sie eine konservative und/oder bürgerliche Erziehung genossen haben. (Ob dies fortschreitender Naivität und/oder Demenz geschuldet ist, lasse ich mal dahin gestellt)

  6. sokrates9

    Fragolin@Es ist ganz allein die Migrations- und Zerstörungsspolitik, die zur Wahl steht.- Ich glaube es geht noch um mehr: Ähnlich wie bei Trump ist die Frage ob wie bisher weitergewurschtelt wird – mit absoluter Presseunterstützung, dem Versuch die freie (kontraproduktive) Meinung der sozialen Medien zu zensurieren, oder eben die Möglichkeit des “Change” zumindest einmal gewisse Positionen zu Hinterfragen! Dass nun zB die Mindestsicherung zur Diskussion steht haben wir sicherllich Hainbucher zu verdanken!

  7. Fragolin

    @sokrates9
    Ich verstehe Sie, aber ich vermute (die letzten Jahrzehnte! sprechen da für sich) dass es den meisten Österreichern egal ist, ob die Regierung sich nur durchwurstelt, denn Durchwursteln ist hier seit mindestens 30 Jahren gelebte politische Kultur. Die Leute würden sich erschrecken, wenn wirklich einmal eine Reform passierte, die diesen Namen verdient.

  8. Falke

    Ich habe das Parteiprogramm der Grünen ja nicht gelesen; ich kann meine Zeit nützlicher verwenden. Ich nehme an, dass die meisten Teilnehmer dieses Forums ähnlich denken. Ich muss allerdings sagen, dass die von Marcus Franz hier zitierten Auszüge meine ärgsten Befürchtungen noch weit übertreffen. Dagegen war ja wahrscheinlich das Parteiprogramm von Breshnev oder Ceausescu noch human und demokratisch. Warum fragt eigentlich niemand den VdB, ob und inwieweit er sich, als “Unabhängiger”, noch damit identifiziert?

  9. publisher

    Sehr geehrter Hr. Dr. Franz,
    da kann man nur jedes Wort unterschreiben.
    Danke für diesen Kommentar!

  10. Herzberg

    @Thomas Holzer

    Es soll schon vorgekommen sein, daß Menschen im Laufe ihres Lebens, sprich mit zunehmendem Alter, in den Sozialismus -sprich die Irrationalität- abdriften, auch wenn sie eine konservative und/oder bürgerliche Erziehung genossen haben.

    Das mag sein, bloß bei den Genannten ist das definitiv nicht der Fall. Über Busek und Karas wurde alles Relevante schon gesagt und Fischler ist, als ehemaliger Kammerfunktionär, glühender Europäer und Global Marschall Plan Protagonist im Windschatten von Al Gore, ein lupenreiner Gamsbartsozialist.

    In den USA warfen sich namhafte Republicans für Clinton in den Wahlkampf, dasselbe erleben wir analog bei uns. Zufall? Sie tun dies nicht wegen seniler Verwirrungen, sondern weil sie Teil des Systems sind und heute die Hosen runterlassen müssen zum Einfahren der Ernte. Vorbei sind die Zeiten der Scheindebatten und Inszenierungen von Meinungspluralismus für’s Volk, denn für die Projektleiter der Globalisierung geht es ans Eingemachte.

    Der Bürger sitzt heute im politischen Theater, dessen Bühnentechniker durch die Umstände in Gestalt eines renitenten Wahlvolkes regelrecht gezwungen sind, Einblicke hinter die Kulissen zu gewähren. Daß nicht alles so ist, wie es scheint, ahnte man bereits, doch tatsächlich sichtbar wird die Mechanik mit all ihren Seilzügen erst jetzt.

  11. astuga

    Die ganze Garde von Karas, Busek, Fischler bis Ederer & CO schadet VdB wahrscheinlich mehr als dass sie ihm nützt. 😉

    “Wegen denen” wählt ihn keiner, aber vielleicht überlegt es sich so mancher gerade deshalb noch anders.
    Aber so oder so, sicher wird es wieder sehr knapp.

  12. Johannes

    Wenn man sich genau anschaut was die Grünen in ihrem Parteiprogramm stehen haben so ist es, für mich zumindest, erschreckend. Da begreift man erst wie es zu den Gaggerlsprüchen und den Österreich ist Scheiße Sprüchen kommen konnte. Die Jugend dieser Partei hat, wie ich vermute, angestachelt durch Passagen wie die, das es keine Leitkultur geben darf da sie hegemonial sei, eine Fäkalsprache für die Österreichische Nation gefunden.
    Der ehemalige Vorsitzende dieser Partei bewirbt sich nun unter Verwendung des Begriffes Heimat für das Präsidentenamt?!
    Das ganze Farbspektrum (außer blau) dieser Republik muß alle ihre selbsternannten Eliten mobilisieren um Hofer ev. zu verhindern.
    Und wofür? Für einen Professor dessen Partei Vorstellungen hat bei deren Verwirklichung wir uns alle noch sehr wundern würden!

  13. astuga

    @Johannes
    Wieso, VdB ist doch so eine Art österreichischer Trump. 😉
    Er liebt die Heimat, ist unabhängig, populistisch, hetzt gegen eine Bevölkerungsgruppe, wird von Radikalen und Hardlinern ebenso wie von der korrupten Macht- und Geldelite unterstützt, war in der Privatwirtschaft erfolglos, und lehnt die Freihandelsabkommen ab.
    Und wenn die richtige Zeit gekommen ist, wird er auch eine Mauer aufbauen.
    Aber so wie in der DDR – damit kein Bürger davon läuft.

    Realsatire Ende.

  14. buerger2015

    @astuga
    sie haben leider recht, der herr b. ist kommunist und nicht weit entfernt von honi. schon dehalb ist er unwählbar – auch weil er antidemokrat ist.

  15. Herzberg

    Wie sehr der von oben angeordnete weltweite Volkssturm bereits tobt, läßt sich unter anderem an Nowaks heutigem Leitartikel in der “Presse” festmachen, betitelt mit: “Ja, wir wählen tatsächlich auch für das Ausland!”.

    Laut “New York Times” ist Merkel bereits “die neue Führerin der freien Welt”, eine Staffelübergabe, auf die auch Nowak anspielt, wenn er schreibt: “Ist unsere Auffassung von Gesellschaft und Politik so oder so ähnlich, wie es das ungewöhnlich enge politische Paar Barack Obama und Angela Merkel noch einmal formuliert und inszeniert hat?

    Politico.eu meldete gestern: “Angela Merkel’s new job: global savior [..] The fear of a xenophobic populist in the White House has liberals everywhere looking to Berlin for moral guidance.”

    Wovor das kleine Österreich den Globus retten muß, für den es stellvertretend im Dezember an die Wahlurne tritt, verrät Nowak uns mit sattsam bekannter Rhetorik: “Oder wollen wir einen mehr oder weniger radikalen Umbruch, eine neue nationalstaatliche und weniger tolerante Welt mit Egomanen als Führern?”

    Noch haben nicht alle Repressiv-Toleranten im Geiste der Raute die Hosen runtergelassen, aber bei der aktuellen Panik ist das nur eine Frage der Zeit. Fast könnte man meinen, es sei egal, wer letzlich das Rennen macht, allein die davor gewonnenen Einsichten waren es wert.

  16. Fragolin

    @Herzberg
    “die neue Führerin”
    Hatten wir ja lange nicht, sowas. Mal sehen was sie tut, sollte Österreich vom Merkelismus abfallen. Eine Wehrmacht zum Einmarschieren hat sie nicht, aber der Schwarze Block tut es auch, da muss der Heiko nur pfeifen und die Hunde sind unterwegs. Ihren Cäsarenwahn wird es jedenfalls befeuern…

  17. Christian Peter

    Viel Lärm um nichts, denn große Unterschiede gibt es nicht zwischen den Parteiprogrammen der FPÖ und den Grünen, jedenfalls beide eindeutig Pro – EU und Euro. Aber das Wahlvolk lässt sich wie immer in Österreich von den Parteien zum Narren halten und wird am 4.12. wie gewohnt in Massen zu den Wahlurnen schreiten.

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .