Wenn Linke gegen Gleichheit sind

Von | 6. März 2021

(ANDREAS TÖGEL) Der geniale Erfinder und Geschäftsmann Samuel Colt starb 1862 – mitten im amerikanischen Bürgerkrieg – als mehrfacher Millionär. Er hatte mit seinem legendär gewordenen „Sixshooter“ eine Waffe mit einem rotierenden zylindrischen Magazin konstruiert, die – ohne nachzuladen – eine mehrfache Schussabgabe ermöglichte. Er ging damit dem Konstrukteur Benjamin Tyler Henry um einige Jahrzehnte voran, dessen berühmte „Henry-Rifle“ (Karl Mays Old Shatterhand führte einen „Henrystutzen“) die erste mehrschüssige Langwaffe war, die Metallpatronen verschoss. Die aus dem Westernfilmgenre bekannten Winchester-Unterhebelrepetiergewehre bilden das daraus entwickelte Nachfolgemuster.

Der auch als Verkaufsslogan verwendete Spruch von der Gleichheit der Menschen, die angeblich durch Samuel Colts Erfindung gestiftet wird, hat viel für sich. Nicht körperliche Überlegenheit oder außerordentliche Schläue geben demnach in einer direkten Konfrontation den Ausschlag, sondern die verfügbare Feuerkraft. In der logischen Folge heißt die berühmteste Waffe aus dem Hause des visionären Konstrukteurs nicht zufällig „Colt Peacemaker“. Frieden durch Stärke hieß auch eine militärische Doktrin, die sich – aus durchaus nachvollziehbaren Gründen – durch beinahe 2000 Jahre abendländische Geschichte zog und zuletzt vom republikanischen US-Präsidenten Ronald Reagan vertreten wurde. Zugrunde liegende Idee: Wenn du Frieden willst, rüste zum Krieg. Ein ebenfalls bis in die römische Antike zurückreichender Grundsatz. Immerhin hat das durch eine mehrfache nukleare Overkillkapazität gebildete Gleichgewicht des Schreckens tatsächlich Jahrzehntelang einen prekären Frieden zwischen den Supermächten USA und der UdSSR garantiert.

An dieser Stelle geht es aber nicht um militärische Überlegungen, sondern um Fragen, die den zivilen Waffenbesitz berühren. Immer wieder hebt die Diskussion um den privaten Waffenbesitz an – zumeist dann, wenn es um ein unter Verwendung von Schusswaffen verübtes Verbrechen geht. Nicht selten führen blutige Untaten verrückter oder fanatisierter Einzeltäter zu massiven Einschränkungen der Freiheit der überwältigenden Mehrheit gesetzestreuer Bürger. Heißt im Klartext: Gewaltverbrecher bestimmen die Waffengesetzgebung. Verrückt. Wer würde wohl auf Idee kommen, Abstinenzler für die Untaten von Alkoholikern zu bestrafen?

Beispielsweise wurden in England, Australien und Neuseeland die Waffengesetze jeweils unter dem Eindruck von „Amokläufen“ (ein von Politik und Medien kontrafaktisch gebrauchter Begriff für die Bezeichnung von Massakern, die von langer Hand geplant waren) drastisch verschärft – ohne dass dadurch der allgemeinen Sicherheit gedient worden wäre. Im Vereinigten Königreich hat die Gewaltkriminalität nach dem faktischen Totalverbot des Schusswaffenbesitzes, das durch Tony Blair 1997 verhängt wurde, sogar drastisch zugenommen.

Der Staatsapparat ist ein Zwangs- und Unterdrückungsapparat. Das Wesen der Staatstätigkeit ist, Menschen durch Gewaltanwendung oder Gewaltandrohung zu zwingen, sich anders zu verhalten, als sie sich aus freiem Antriebe verhalten würden.“
Ludwig von Mises

Den freisinnigen Grundsatz vorausgesetzt, dass niemals die Wahrnehmung von Rechten, sondern vielmehr stets deren Einschränkung begründet werden muss, erscheint es jedenfalls bemerkenswert, dass sich die vehementesten Gegner des Rechts auf privaten Waffenbesitz rund um den Globus aus den Reihen linker Kräfte rekrutieren. Grüne und Sozialdemokraten in Europa würden die Bürger bekanntlich gerne vollständig entwaffnet und wehrlos sehen. Nur die Schergen des Leviathans sollen nach ihren heute vertretenen Vorstellungen über Waffen verfügen. „Keine Waffen – keine Morde“ – so lautet ihr ebenso schlichtes, wie unzutreffendes Motto. Als ob administrative Hürden bei der Beschaffung bestimmter Tatmittel einen zu allem entschlossenen Verbrecher von einer Untat abhalten könnten. Als ob es sich in der Mehrzahl der verhältnismäßig wenigen Bluttaten, bei denen Schusswaffen eingesetzt werden (in den meisten Fällen werden Stichwaffen und allerlei Werkzeuge wie Äxte oder Schraubendreher verwendet) nicht um auf dem Schwarzmarkt besorgte oder gestohlene Waffen handeln würde.

Auf dem im „Dreikaiserjahr“ 1888 in Hainfeld abgehaltenen Gründungsparteitag der österreichischen Sozialdemokratie, wurde die Forderung nach der Volksbewaffnung erhoben und ins Parteiprogramm aufgenommen. Im Lichte der heute von den Roten vertretenen Positionen ist das erstaunlich. Damals wollten die Genossen der staatlichen, aus ihrer Sicht bürgerlichen Macht im Staate nicht wehrlos gegenüberstehen. Im Grunde eine einsichtige Überlegung. Allerdings, das sollte nicht übersehen werden, existierten zu dieser Zeit noch so gut wie keine legistischen Beschränkungen des privaten Besitzes von Waffen. Wer wollte, besorgte sich einfach welche – was übrigens auch für viele heute strikt verpönte psychotrope Drogen galt. Insofern war die Forderung nach „Volksbewaffnung“ ein wenig seltsam. Wie dem auch sei – der Gedanke an Waffen in privater Hand bescherte den Sozialisten damals offensichtlich noch keine schlaflosen Nächte. Das hat sich radikal geändert.

Seit die Linken – nach ihrem in den ersten Jahrzehnten des 20 Jahrhunderts von Antonio Gramsci geforderten, und ab 1968 tatsächlich angetretenen, und leider höchst erfolgreich abgeschlossenen – Marsch durch die Institutionen, alle relevanten Schalhebel des Staates in ihren Händen haben, ist ihre Begeisterung für die Volksbewaffnung stark abgekühlt und einer Präferenz für möglichst restriktive Waffengesetze gewichen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Ausgerechnet die Linke, deren Sinnen und Trachten in allen Lebenslagen auf eine hoheitlich erzwungene Gleichmacherei gerichtet ist, steht der Möglichkeit zur erfolgreichen Selbstverteidigung körperlich schwächerer Personen gegen überlegene Angreifer ablehnend gegenüber – was besonders Frauen und alte Menschen benachteiligt. Colts „Peacemaker“, oder besser: eine moderne Waffe, vermag den körperlichen Nachteil einer zarten Frau gegenüber einem oder mehreren durchtrainierten Angreifern mühelos zu egalisieren, stellt also quasi Gleichheit durch Feuerkraft sicher. Siehe oben: Samuel Colt macht alle gleich. Es ist unbegreiflich, weshalb sich die ansonsten so sehr auf die (Ergebnis-)Gleichheit erpichte Linke in diesem Punkt gegen ihre eigenen Forderungen stellt.

Die von linken Romantikern erträumte verbrechensfreie Gesellschaft gibt es nicht – und wird es auch nie geben. Immer wieder werden Spielverderber auftauchen, die sich nicht an die Regeln des zivilisierten Zusammenlebens halten und stattdessen Gewalt gegen ihre Mitmenschen initiieren. Um diesen Individuen wirksam entgegentreten zu können, bedarf es der dafür nötigen Mittel. Und das sind nun einmal die einzigen für die Selbstverteidigung uneingeschränkt geeigneten Notwehrbehelfe: Schusswaffen. Noch so profunde Karatekenntnisse oder der allzeit greifbare Polizeinotruf auf dem Handy bilden im Fall der Fälle keinen adäquaten Ersatz dafür.

In Wahrheit geht es den Linken aber ohnehin nicht darum, die Bürger vor sich selbst und dem ihnen angeborenen Leichtsinn zu schützen, sondern um etwas ganz anderes. Womit sich auch jedermann erhellen sollte, weshalb die Genossen das Recht auf privaten Waffenbesitz so vehement bekämpfen: Der von ihnen okkupierte Staat soll keinerlei ernstzunehmenden Widerstand zu befürchten haben, wenn er seinen immerwährenden Kampf laufend weiter intensiviert, den er gegen die von ihm zu Steuersklaven degradierten und weitgehend entrechteten Bürger führt.

Aus Sicht der Nomenklatura stellt der unabhängige, stolze, selbstbewußte und bewaffnete Bürger eine potentielle Gefahr für ihre uneingeschränkte Hegemonie dar. Rechtlose Untertanen und Sklaven sind ihr wesentlich genehmer – und die tragen keine Waffen. Die Nationalsozialisten als Erfinder eines „modernen“ Waffengesetzes, haben in den 1930er-Jahren vorgezeigt, wie´s geht. Damit sollte das wahre Anliegen deutlich werden, was unserer Tage den Antiwaffenfuror der Sozialisten in allen Parteien antreibt.

Ein Gedanke zu „Wenn Linke gegen Gleichheit sind

  1. GeBa

    Vor vielen Jahren war es für mich die Bewaffnung von Privaten eine Horrorversion, wenn man die Berichte aus den USA las. Damals war ich auch gegen die Todesstrafe.
    Inzwischen, wo man an jeder Ecke befürchten muss, einem Messerstecher zu begegnen, durch die DNA Erkennung unschuldige Täter so gut wie ausschließen kann, bin ich für beides.
    Es gibt – erhältlich auf den vietnamesischen Märkten an der tschechischen Grenze – sehr echt aussehende Pistolen, statt der mitgelieferten Plastikkugerl kann man bei Amazon günstigst Schrotkugeln kaufen und vielleicht einen Räuber abschrecken. Ich habe jedenfalls so etwas im Auto 🤭

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