Wenn Pazifisten über Leichen gehen

“…….Mit keiner Behauptung kann man in Deutschland schneller und erfolgreicher punkten als mit der, Gewalt sei “keine Lösung”, sie erzeuge nur Gegengewalt. Nichts wird in Deutschland konsequenter verdrängt als die Tatsache, dass weder die Friedensbewegung noch Gebete das Dritte Reich aus dem Weg geräumt haben, sondern eine militärische Intervention der Alliierten, ohne die der Pazifismus in Deutschland heute so gedeihen würde wie Sonnenblumen im Dunkeln…” (Henryk Broder hier)

26 comments

  1. Wettbewerber

    Broder hat natürlich völlig Recht, was die Intelligenz und Integrität der “Friedensbewegung” anbelangt – und dennoch ist sein Aufsatz gleichzeitig ein unverhohlener Aufruf zur Einmischung und Kriegstreiberei. Er selbst wird ja wohl kaum die Waffe in die Hand nehmen, um den Syrienkonflikt zu beenden. Dafür sollen sich junge Männer (und neuerdings auch ein paar junge Frauen) opfern, wie halt so üblich in der Geschichte.

    Was mich noch mehr stört: Er zeigt den eklatantesten Widerspruch der Pazifismus-Bewegung nicht auf – und zwar, dass nie davon die Rede ist, die Staaten (Polizei und Militärapparate) zu entwaffnen. Wer wirklich “gegen Waffen” ist, sollte nicht sagen: “Waffen sind ja voll ok, aber nur solange sie von Leuten in grünen und schwarzen Uniformen und Schirmkappen getragen werden.” Genau das behaupten aber diese “Pazifisten”, ob offen oder subtil.

    Die “liberale Alternative”? Ganz einfach: Die Bürger dürfen sich so bewaffnen, wie es ihnen gefällt bzw. sie es sich leisten können. Wer da dagegen ist, kann sich am besten gleich bei Misereor und anderen “Pazifisten” einschreiben lassen.

    Und noch etwas: Ja, Gewalt ist tatsächlich nie und nimmer eine Lösung, außer im Falle zur Abwehr von bereits initiierter, unrechtmäßiger Gewalt. Wer dem zustimmt, muss sich allerdings auch fragen, ob unsere Gesellschaft bzw. der Staat nicht geradezu auf dem exakten Gegenteil dieses Prinzips aufgebaut sind.

  2. FDominicus

    Danke an den Wettbewerber. Wer mehr Einmischung in Kriege verlangt soll bitte mit gutem Vorbild voran gehen und sich zuerst verpflichten und eben dort hingehen wo es “nötig” sein sollte. Und nein nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. Nazideutschland war der Aggressor und nicht ein “Verteidiger”. Was dann aber gegen Endes des Krieges von den Alliierten gemacht wurde spottet jeder Beschreibung. Warum es rechtens sein konnte/sollte, Bombardements auf zivile Städte zu fliegen “nur zu Demoralisierung” zeigt mit wievielen Maßstäben gemessen wird/wurde.

    Ich bin für Selbstverteidigung, aber in Afrika kann davon nicht im Entferntesten die Rede sein, und auch wo sonst unsere Soldaten rumschwirren, hat das wenig mit Verteidigung zu tun aber alles mit “das Ziel heilligt alle Mittel” wenn es denn ein “gutes” Ziel ist….

  3. world-citizen

    Das 3. Reich wäre aber niemals entstanden, wenn nicht im März 1933 44% die NSDAP gewählt hätten.
    Die Hauptköpfe wurden 1946 zwar verurteilt. Die Wähler, die das Desaster herbeiführten blieben aber ungeschoren.

  4. Ehrenmitglied der ÖBB

    Sponti Spruch den ich Berlin las:
    “Wenn die Friedensliebe der einen mit voller Wucht auf die Friedensliebe der anderen stößt, gibt es Krieg”
    Kaum ergänzungsbedürftig? 🙂 )

  5. gms

    WC,

    > Die Wähler, die das Desaster herbeiführten blieben aber ungeschoren.

    Es bedarf schon eines gerüttelten Maßes an Vertrotteltheit, um den hungernden, verwundeten und ausgebombten Menschenmassen während und nach dem Krieg ergänzend noch eine ganz bestimmte Haartracht an den Kopf zu wünschen.

    Zugleich läßt Ihr bisheriges Treiben hier den Schluß zu, Sie wären damals einer der eifrigsten, schwarz behemdeten Schafscherer im Dienste des Kosten-Nutzen-Prinzips gewesen, welchem streng folgenden den verblödeten Leuten auf der Straße heimzuleuchten sei.

  6. world-citizen

    >>>>>>>>>>>>>>>>>>> um den hungernden, verwundeten und ausgebombten Menschenmassen während und nach dem Krieg ergänzend <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    …… und was wäre angemessener gewesen, als jene, die das Disaster angerichtet haben auch zur Beseitigung der Schäden und zum Wiederaufbau zu verdonnern anstatt ihnen Renten zu bezahlen für die sie ohnehin keine Leistung erbracht haben.

  7. Wettbewerber

    Zum “Fight” zwischen gms und dem Weltenbürger möchte ich kurz einwerfen, dass mir ausnahmsweise der Ansatz von WC gar nicht so übel gefällt, nicht vom inhaltlichen, sondern vom grundsätzlichen Standpunkt her: Da sieht man wieder, wie menschenverachtend im Grunde doch die Demokratie (wie alle anderen kollektivistischen Systeme auch) ist: Niemand ist je _wirklich_ für etwas verantwortlich. Die wählenden Bürger, die sich vom Gigl anstatt vom Gogl mehr Vorteile für sich selbst erwarteten und deshalb entsprechend beim Weltenverführer ihr Kreuzerl machten, können sich (individuell) auf das Wahlgeheimnis berufen (und es war ja auch niemand ’38 am Heldenplatz oder am Linzer Hauptplatz, wie wir alle wissen) – für nichts verantwortlich. Und die gewählten Abgeordneten (ob nun NSDAP oder sonstwelcher Couleur) haben im allerschlimmsten Fall nur eine Konsequenz zu tragen: Womöglich in vier Jahren nicht mehr gewählt zu werden. Ansonsten – auch für nichts verantwortlich. Ebenso (um auf ’33 zurückzukehren) verhält es sich mit Beamten in der Reichspräsidentschaftskanzlei, des Reichstags, der obersten Gerichte usw. – auch allesamt für nichts verantwortlich. Einen König konnte man noch verjagen, wenn er es zu bunt trieb. Heute nimmt alles seinen gewohnten Gang, ohne dass sich jemals irgendetwas ändern wird.

    Wir fassen also zusammen: Mithilfe des Staates, der Politik und des Beamtentums hat es sich eine (völlig gerechtfertigterweise als “parasitär” einzustufende) herrschende Klasse ein Instrumentatium geschaffen, welches mit ziemlicher Sicherheit den Höhepunkt seiner Zerstörungskraft noch nicht entfaltet hat. Wohl der Zukunft!

  8. gms

    WC,

    ich werde den Verdacht nicht los, Ihr Denken kreist über Gebühr über irgendwelchen Auf- und Abrechnungsphantasien ein Kollektiv betreffend, das als Ganzes irgendwie schuldig und vorgeblich ebenso als Ganzes danach pardoniert wurde. Einmal mehr geben Sie hier den fleischgewordenen Widerspruch, der seine vortreffliche Einzigartigkeit einer homogenen Masse gegenübersieht. Hier das Individuum, dort die Schafherde.

    Mein Vorschlag: Klären Sie die Fragen nach adäquater Geschorenheit mit Ihrem Reichsvolkschuldminister, aufdaß hernach ein Fünfjahresplan effektiv und effizient alle vor 190x-Geborenen einen Kopf oder dessen geldwertes Äquivalent kürzer macht. Wer sich durch vorzeitiges Versterben dieser kollektiven Strafe entzog, gibt die Schuld an seine Nachfahren weiter, die aus dem Wirken ihrer Vorfahren Vorteile zogen. Aus Effizienzgründen kann selbst der zweifelsfreie Nachweis eines Widerstandes gegen das Regime der Nationalsozialisten nicht strafmindernd geltend gemacht werden, zumal insbesonders dieser Widerstand nicht effektiv war und daher als bewußt unzureichende Alibihandlung verstanden werden kann.

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  10. Reinhard

    @WC
    Das deutsche Volk, auch die 56% plus Ungültigen, die keine NSDAP wählten, wurden ausgebombt (ja, auch sehr viele zivile Ziele, sogar Flüchtlingslager wurden innerhalb von Städten mit Brandbombenteppichen belegt). Danach mussten die Überlebenden die Trümmerwüsten abtragen und neue Städte aufbauen. Zusätzlich waren Reparationen zu leisten; zumindest der der Siegermacht UdSSR zugesprochene Teil Deutschlands wurde ausgeblutet – Schienen und Fabriken abgebaut und ostwärts verschifft, jahrzehntelang Produktionsgüter von der Waffel bis zum Kreuzfahrtschiff als “Wiedergutmachung” konfisziert. Dagegen protestierende Bürger durften russischen Kampfpanzern in die Kanone schauen.
    Dass andere Besatzungsmächte ihre Protektorate anders verwalteten und mehr auf Hilfe zur Selbsthilfe als (wieder einmal, siehe WK I) auf Unterdrückung und Kollektivbestrafung zu setzten, half dem Drittel Deutschen im Osten nicht viel. Die arbeiteten 40 Jahre für Milliarden Reparationszahlungen an den “Großen Bruder” und konnten sich danach vom Westen, dem solches auf unbestimmte Zeit ausgesetzt wurde (bekanntlich ist der WK II bis heute nicht beendet…) verhöhnen lassen, sie hätten sich eben was aufbauen sollen.
    Und Sie mit dem Hintern in der westlichen Wohlstandswelt hochgefüttertes Gutmenschlein stellen sich hin und wollen über ganze Generationen und Völker richten? Sie hätten natürlich damals, arbeits- und obdachlos, verzweifelt und flüchtig, niemals einen angeblichen Sozialisten, der Ihnen das Arbeiterparadies mit Vollbeschäftigung versprach, gewählt, nein, über so etwas sind Sie erhaben. Sie hätten niemals der Verlockung des Nationalismus nachgegeben, wenn Sie, auf Grund Ihrer Nationalität zum Paria der Welt erklärt und der Rechte anderer Völker beraubt, einem natinalistisch-sozialistischen Arbeiterführer zuhörten, der Ihnen versprach, Sie wieder mit Rechten auszustatten und Ihnen Ihren Stolz und Ihre Menschenwürde zurückzugeben. Nein, Sie wären in diesen Zeiten niemals auf einen Ultralinken hereingefallen, denn Sie können aus dem weichen Sessel heraus moralisierend den Zeigefinger über hungernde und leidende Völker heben.
    Mein Gott, wie erbärmlich selbstgerecht.

  11. world-citizen

    >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>> Danach mussten die Überlebenden die Trümmerwüsten abtragen und neue Städte aufbauen. <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    Genau das hätte man jenen auflasten müssen, die an der ganzen Katastrophe die Alleinschuld trugen und sonst niemandem. Und das waren nun mal jene 44% die im März 1933 die NSDAP gewählt hatten.

    Nein, ich falle nicht auf Heilsprediger rein, die mir das Schlaraffenland versprechen, weil ich weiß, dass dieses nicht realisierbar ist.

  12. Rennziege

    5. Februar 2014 – 18:05 world-citizen
    Bei allem Respekt vor der Unermüdlichkeit Ihrer senilen Phrasendrescherei, san S’ ma ned pasch:
    Sie reisen ja sogar auf der Schmalspurbahn für geistige Kleinrentner zu halben Preisen.
    Geschäftsidee für Sie: Zeigen Sie dem Schaffner zwei oder drei Ihrer Postings, dann fahren Sie gratis.

  13. Reinhard

    @WC
    “Nein, ich falle nicht auf Heilsprediger rein…”
    Mit voller Hose ist leicht stinken und mit vollem Bauch ist leicht moralisieren.
    Es steht uns mit dem rückblickenden Wissen der zukünftigen Generation nicht zu, über die Beweggründe von Menschen zu urteilen, die unter anderen, vor Allem extrem schlechteren, Bedingungen gelebt haben.
    Seien’S einfach dankbar, dass Ihnen das Schicksal den goldenen Löffel eines friedlichen und satten Zeitalters in den Mund gesteckt hat und lassen’S dafür Ihre Beurteilung derer, die einfach versucht haben, zu überleben und für sich und die Menschen, für die sie Verantwortung tragen (Ihre vollmundigen Sprüche hier legen den Schluss nahe, dass Sie keine Kinder haben) die beste Überlebensstrategie zu finden.
    Keiner, der die NSDAP oder sonst irgendwen gewählt hat, wusste, wie die Politik der nächsten Jahre und Jahrzehnte aussehen wird. Wer geschwiegen hat, hat nicht automatisch gutgeheißen, sondern oft nur überleben wollen in einer Zeit, als politische Verfolgung mit Sippenhaftung existierte.
    Ich kenne einen Mann (der wäre heuer 101 geworden…), der als junger Mann freiwillig der Wehrmacht beitrat, weil er, als er erfuhr dass ihn (damals blond, 1,80m und blauäugig) die Waffen-SS einziehen wollte. Dem zu entgehen gab es zwei Möglichkeiten. Erstens schnell vorher der Armee beitreten oder zweitens sich selbst, die Geschwister, die Eltern und die eigene Frau der Gestapo zu überantworten und mehrjährige Kerkerstrafen und lebenslängliche Entrechtung zu gewähren. Er wählte die Option, die nur ihn betraf und seine Familie rettete.
    Leute unserer Zeit können ihn rückwirkend als Mörder und Verbrecher stempeln und jeden anspucken, der Blumen auf sein Grab zu legen wagt, aber nur, weil wir heute in anderen Zeiten leben. Leute wie Sie glauben, das gibt Ihnen das Recht zur Verurteilung. Aber das haben Sie nicht. Keiner von uns. Nur Sie haben das (noch?) nicht begriffen.

  14. gms

    Wettbewerber,

    Ihr obiger kluger Beitrag verkennt zugleich, woran sich mein Widerspruch zu WC entzündete: “Die Wähler, die das Desaster herbeiführten blieben aber ungeschoren.” — Teilen Sie etwa diesen Befund der Ungeschorenheit?

    Das von Ihnen beschriebene Verantwortungsvakuum jedes Kollektivs, das zu sich selbst in Personalunion den uneingeschränkten Souverän stellt, ist evident. Es beschreibt die gravierendste Form des Zusammentreffens absoluter Macht bei gleichzeitig größtmöglicher Diffundierung der Verantwortung. Die Folgen daraus sind ebenso logisch vorhersagbar wie empirisch belegt.

    Anders als unser weltfremder Bürger aber lege ich den Fokus auf /individuelle/ Verantwortlichkeit, ja mehr noch sehe ich diese auch dann gegeben, wenn ein Unheil nicht verhindert wurde. Die Verantwortung des Individuums im kleinsten denkbaren Rahmen individuellen Handlungsspielraums ist /immer/ existent, die sich daraus ableitbare individuelle Schuld ebenfalls.
    Als Hardcore-Liberaler sehe ich sogar eine Mitschuld dabei, sich täuschen zu lassen und etwa aus echter Not heraus unwissentlich ein noch größeres Übel zu wählen. Was aber aus dieser Verantwortung an Schuld erwächst, welche Geschorenheit als Sühne dafür angebracht ist und wann eine Verfehlung ohne Einschränkung entschuldbar (sic!) ist, ist eine völlig andere Angelegenheit. An eben dieser Angelegenheit scheiden sich die streitenden Geister.

    WCs ostentatives Fingerzeigen auf die ominösen 44% als Träger einer Alleinschuld ist aus prinzipieller und auch aus historischer Sicht völliger Bockmist. Dieses typisch linke Negieren von Mitschuld, bei gleichzeitigem sich Abputzen an Anderen und Pönalisierungsforderungen, saugt Nashörner durch handelsübliche Abflußrohre – und zwar nach oben.

  15. Wettbewerber

    @gms
    Sorry, ich gebe Ihnen (was ich mit dem Hinweis “nicht inhaltlich” auch andeuten wollte) natürlich völlig Recht. Ich bin sogar der Meinung, dass Demokratie heutzutage ohne diese _absolute Verantwortungslosigkeit_ gar nicht funkzionieren könnte: Wer sich nicht sicher sein kann, ob er für sein Kreuzerlmachen später einmal belangt werden kann, wird wohl einen weiten Bogen um eine Wahlzelle machen.

    DIeser Tage habe ich eine Meinung gehört, die mir ganz gut gefallen hat (hab’s mir aber noch nicht abschließend durchüberlegt): Im kollektivistischen System hat niemand je irgendeine Verantwortung, und sogar der einzelne, der nicht gerade Bombardierungen oder Hinrichtungen befahl, trägt auch an nichts schuld. Sie hatten alle einfach Angst – um das eigene Leben und um das ihrer Angehörigen. Und was, wenn die Nazis am Ende gewonnen hätten?

    Das Hauptproblem belibt der Glaube an das Kollektiv, an den Staat, an seine Symbole und Kopfbedeckungen etc. Wenn dies verschwindet, sind die Mengenverhältnisse zwischen Parasiten und Wirten derart zugunsten letzterer, dass sich wirklich alles binnen Tagen oder Stunden völlig auflösen würde. Nur sind wir davon wahrscheinlich noch 200 Äonen entfernt. 🙂

  16. gms

    Wettbewerber,

    “Wer sich nicht sicher sein kann, ob er für sein Kreuzerlmachen später einmal belangt werden kann, wird wohl einen weiten Bogen um eine Wahlzelle machen.”

    Die Crux besteht – aus einer anderen Perspektive betrachtet – genau darin, wonach alle Wähler, unabhängig ihrer artikulierten Vorlieben, ebenso belangt werden, wie Nichtwähler. Die Aufsummierung millionenfacher Einzelversagen führt zur Kollektivstrafe, sei es als Krieg mit dem Elend während dessen und danach, oder abseits von Kriegsszenarien in Gestalt eines ganz profanen Niedergangs der Gesellschaft über Jahrzehnte hinweg. Die einen stellen die Weichen falsch, die anderen verhindern dies nicht, also löffeln beide Seiten gemeinsam die Suppe aus.

    Jedes einzelne Individuum wird permanent belangt für sein falsches oder auch nur unzureichendes politisches Handeln! Es weiß es nur nicht, weil es die Alternativen nicht sieht oder nicht sehen will und sich in der besten aller Welten wähnt. Oder aber es sieht das Übel, negiert aber den eigenen Beitrag hierfür.
    Ist das Kollektiv erst einmal ausreichend groß und damit der potentielle Einfluß des Einzelnen auf Mikrobengröße eingedampft, erscheint Passivität als logisch vollkomme plausible Option. Wozu Energie verschwenden?
    Nachdem aber jedes Individuum zum selben Schluß kommen müßte, wäre angesichts der generellen und flächendeckenden Stille und Zurückhaltung die individuell erhobene Stille umso besser hörbar. Davon wiederum profitieren politische Parteien, sie versammeln die Marktschreier, die in jenes Vakuum vordringen, das die Masse aufgrund individueller Ohnmacht ihrer einzelnen Teile hinterläßt. Zugleich zieht der einzelne Bürger sich zurück, weil er sich fälschlicher Weise in der Minderheit wähnt. Damals eroberte das Regime die Lufthoheit über den öffentlichen Stammtisch mit Gewalt, heute sind die Mittel subtiler, die Ergebnisse aber ähnlich.

    Demokratie ansich birgt die sattsam bekannten Fallstricke, so richtig giftig allerdings wird sie erst beim Erreichen jener kritischen Massen, die das Individuum vollends pulveriseren. Beschleunigt wird das Ganze mit der ab einer bestimmten Größe vorgeblich unvermeidbaren Notwendigkeit zur Repräsentanzdemokratie, deren vorläufiger Höhepunkt die damaligen Ermächtigungsgesetze bildeten.

    > Das Hauptproblem bleibt der Glaube an das Kollektiv

    Ja — verschärft um das Wirken derjenigen, die sich gezielt des Kollektivs bemächtigen.

  17. FDominicus

    > Das Hauptproblem bleibt der Glaube an das Kollektiv

    Ja — verschärft um das Wirken derjenigen, die sich gezielt des Kollektivs bemächtigen.

    – See more at: https://www.ortneronline.at/?p=26957#sthash.V3GNCk8L.qNqsfEUv.dpuf

    Egal wer wie an das Kollektiv geglaubt hat oder glaubt. Eines gilt für Nationen immer: Mitgefangen, mitgehangen.

    Diejenigen die in D geblieben sind obwohl Sie gegen Nazideutschland waren bezahlten wie diejenigen die den Führer ganz famos fanden und den Apparatschiks war es sowieso mehr oder minder egal. Hauptsache man war ja wer…..

  18. world-citizen

    >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>> Keiner, der die NSDAP oder sonst irgendwen gewählt hat, wusste, wie die Politik der nächsten Jahre und Jahrzehnte aussehen wird. <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    Sie wussten es schon viel früher. Das Buch "Mein Kampf" erschien bereits in den 20er Jahren und dort wurde detailliert dargelegt, was die NSDAP vor hat, wenn sie die Macht bekommt.
    Wer die NSDAP wählte, wählte bewusst den Krieg und das ist nicht entschuldbar.

  19. FDominicus

    @WC. Und wer die Sozialisten in der UdSSR “wählte”…. , wählte bewußt die Massenvernichtung und das ist nicht(?) entschuldbar.

    Tja uns wer heute CDU/SPD wählt mit allen daraus sich ergbenden Folgen handelt nach Ihrer Logik sicher auch unentschuldbar. …. – wobei damit könnten Sie recht bekommen….

  20. world-citizen

    >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>> Und wer die Sozialisten in der UdSSR “wählte”…. , wählte bewußt die Massenvernichtung und das ist nicht(?) entschuldbar. <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    Die wurden aber nicht gewählt, sondern putschten sich mit Waffengewalt an die Macht.
    Die Weimarer Republik dagegen war bis zum März 1933 eine Demokratie.

  21. FDominicus

    @WC Ich nehme an die Ermächtigungsgesetze fallen nicht unter Putsch? Man hatte noch nicht einmal auf dem Papier eine absolute Mehrheit, das konnte man aber dank der Ermöchtigungsgesetze gut ändern und danach, war natürlich das protestieren gegen die Nazis immer noch erlaubt…. – oder so…

  22. wrl

    Sehr geehrte Herren,

    ich halte den Begriff der “Schuld” in dieser Diskussion für etwas verfehlt – warum streiten Sie nicht über “Ursache” und “Wirkung”?
    Erstens entkrampft es eine Diskussion sehr, zweitens kann mann dann später immer noch über Schuld, Teilschuld und Unschuld diskutieren.
    Und ja – ich bin dafür dass sich jeder Wähler für die Regierung die er gewählt hat verantwortlich fühlt, vielleicht führt das zumindest vereinzelt zu anderen Wahlentscheidungen – mei waar des schee!

  23. Reinhard

    @wrl

    Ich habe ja versucht, die politischen und auch persönlichen Lebens-Umstände jener Zeit heranzuziehen, um jenen Selbstgerechten, die sich zum Richter über “richtig” oder “falsch”, also Schuld oder Unschuld, berufen fühlen (von wem als sich selbst?), aufzuzeigen, dass ich aus heutiger Sicht mangels Verständnis der damaligen Situation gar nicht in der Lage sein kann, zu bewerten. Ich kann höchstens versuchen, die damalige Lebenssituation, die damalige Bildungslage und die damalige Geopolitik heranzuziehen, um die Triebkräfte der Wahlentscheidungen kennenzulernen.
    Leute, die sich satt im Wohlstandssessel zurücklehnen und mit moralisierendem Zeigefinger Pauschalurteile verteilen, lassen sich in ihrer Selbstherrlichkeit von solch niederen Versuchen, Vernunft walten zu lassen, nicht beeinflussen. Sie teilen die Welt in “Gut” und “Böse”, wahrscheinlich weil sie es brauchen, um die sonst zu komplex erscheinende Welt überhaupt zu verstehen.
    So macht Diskussion keinen Sinn, daher verzichte ich auf weitere Antworten an unseren Weltbürger. Er ist nicht in der Lage, von seinen Phrasen abzuweichen, die seine moralische Überlegenheit beweisen sollen. Wie ein Vegetarier, der am prall gefüllten Gemüsebuffet vollmundig alle Fleischesser zu verachtenswerten Mördern stempelt, weil er sich sicher sein kann, niemals mitten in der Wüste vor die Wahl gestellt zu sein, entweder eine Eidechse zu fressen oder zu verhungern. Deshalb: Mit voller Hose ist leicht stinken. Ich halte mir einfach die Nase zu und beachte es nicht weiter.

  24. Gutartiges Geschwulst

    “Wenn Pazifisten über Leichen gehen”…,
    … bleibt alles beim alten.

    Bereits Rosa Luxemburg, die ewige Weltmeisterin des Pazifismus, pflegte zu sagen:
    “In diesem letzten Klassenkampf der Weltgeschichte um die höchsten Ziele der Menschheit gilt dem Feinde das Wort: Daumen aufs Auge und Knie auf die Brust!”
    Die Pazifistin aller Gewichtsklassen forderte außerdem:
    “… Bewaffnung der gesamten erwachsenen männlichen proletarischen Bevölkerung als Arbeitermiliz, Bildung einer Roten Garde aus Proletariern als aktiven Teil der Miliz zum ständigen Schutz der Revolution vor gegenrevolutionären Anschlägen und Zettelungen.”
    “Der Bürgerkrieg, den man aus der Revolution mit ängstlicher Sorge zu verbannen sucht, läßt sich nicht verbannen. Denn Bürgerkrieg ist nur ein anderer Name für Klassenkampf, und der Gedanke, den Sozialismus ohne Klassenkampf, durch parlamentarischen Mehrheitsbeschluß einführen zu können, ist eine lächerliche kleinbürgerliche Illusion.“
    Also Leute, tut was für den Frieden. Erschlagt Pazifisten!

  25. world-citizen

    >>>>>>>>>>>>>>>>>>>> Bereits Rosa Luxemburg, die ewige Weltmeisterin des Pazifismus, pflegte zu sagen: “In diesem letzten Klassenkampf der Weltgeschichte um die höchsten Ziele der Menschheit gilt dem Feinde das Wort: Daumen aufs Auge und Knie auf die Brust!” <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    Dies könnte ebenso gut auch aus dem Munde eines Andreas Mölzer stammen – vielleicht mit einer geringfügig anderen Wortwahl, aber die Kernaussage wäre völlig gleich.

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