Wenn Politik und Kabarett nicht mehr zu unerscheiden sind

(JÜRGEN POCK) Man glaubt es kaum, aber Politik kann auch Spaß machen. Nämlich dann, wenn Wahlen vor der Tür stehen und man als Politiker das Geld der anderen verschenken kann. Und man sich dafür auch noch öffentlichkeitswirksam in der Rolle des guten Menschen gefallen darf. 

Für die SPÖ ist alles eine Frage des Geldes, das man nicht hat, doch umso bereitwilliger an Wahlgruppen austeilen möchte, als wäre es das eigene. Das ist an sich nichts Neues. Sozialdemokratie, wie wir sie kennen. Dass Türkis und Blau mitziehen und immer noch nicht verstehen, dass sie vom Mitbewerb und den Medien auch dann als unsozial dargestellt würden, wenn sie die Pensionen verzehnfachen, verwundert dann doch etwas mehr. Da sich alle drei Parteien spendabel zeigten, wird nur keiner vom Wählerkauf profitieren.
Spätestens mit dem Start des Intensivwahlkampfs geraten halt auch die guten Vorsätze vergangener Zeiten in Vergessenheit. Aber das kennt man, die Geschichte des österreichischen Wahlkampfs liest sich immer gleich. Was sich ändert, sind Köpfe und Namen. Rendi-Wagner legt die Erbschaftssteuer neu auf, zusammen mit der Millionärssteuer ganz schön viel Geld, das erst einmal umverteilt werden muss. Auf die Publikumsfrage während einer TV-Diskussion, ob sie denn vom eigenen Konzept betroffen wäre, also Kapitalistin sei, reagierte Rendi-Wagner etwas verlegen. Sie blieb eine Antwort schuldig, aber seit Alfred Gusenbauer weiß der interessierte Österreicher, dass Sozialdemokraten ja eigentlich nie gegen die Marktwirtschaft waren.         

Bei der CO2-Steuer nimmt sich die SPÖ vornehm zurück, auch wenn es gegen die eigene politische Geschäftsgrundlage geht. Die Parteichefin sucht eine gewisse Abgrenzung zum Hauptgegner, den Grünen. Denn auf Überläuferstimmen ist diesmal kein Verlass mehr. Der Klassenkampf muss es richten und die von Werner Kogler geführten Grünen möglichst klein halten. Was schwierig wird. Denn die von der vereinten Publizistikbranche unter Artenschutz gestellte Ökopartei fühlt sich von den Prognosen bestätigt und setzt alles daran, den Versuchungen des seriösen Politisierens zu entgehen. Dass sich die Realität dem grünen Glaubensbekenntnis nicht ganz so leicht beugt, wird ausgeblendet. Wahlkampf eben.

Nicht zu übersehen sind die Spitzenkandidaten, die im Tagesrhythmus das Hauptabendprogramm bestimmen. Am mit Abstand auffallendsten verhält sich Werner Kogler. Beim EU-Wahlkampf sagten ihm so manche Kommentatoren noch Entertainmentqualitäten nach, jetzt wird er für die Zuseher mehr und mehr zur Nervenprobe. Hyperaktiv, wie ein kleines Kind, das zu viel Zucker konsumiert hat, schwätzt er alle in Grund und Boden. Entweder ist er so gut vorbereitet, dass Hirn und Sprechapparat keinen gemeinsamen Nenner finden, also wenig Kohärenz erzeugen. Oder aber er improvisiert und spielt aus dem Stegreif den Zappelphilipp, der garantiert den Faden verliert und auch nicht mehr findet. Beide Varianten sind einigermaßen verzichtbar.                    

Jeder Wahlwerbende hat so seine Grundtonalität. Bei Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger ist diese laut und irgendwie angriffig. Vielleicht will die Kleinpartei über die Lautstärke die fehlende klare Inhaltsrichtung kompensieren. Das gelingt tatsächlich nur mäßig. Zwar proklamieren die Neos die meinungslose Mitte für sich, sie können es jedoch nicht lassen, die Linksparteien regelmäßig in gesellschaftspolitischen Fragen zu überholen. Seit sie sich gemeinsam mit den Grünen für eine CO2-Steuer stark machen, ist der Wahlberechtigte gänzlich überfordert. Anscheinend überlässt man die wirtschaftsliberalen Wähler kampflos den Türkisen, während man gemeinsam mit den Roten im Reservoir der Grünen wildert. Auch eine Strategie.                                    

Und was machen eigentlich Norbert Hofer und der Umfragekönig Sebastian Kurz? Nun, der eine lächelt. Und der andere auch.

6 comments

  1. Der Realist

    “Denn die von der vereinten Publizistikbranche unter Artenschutz gestellte Ökopartei…”, Kogler fühlt sich ja wie der Star in der Manege, beansprucht punkto Klimaschutz die alleinige Zuständigkeit und Kompetenz, und glaubt allen Ernstes, Österreich kann das Weltklima retten, allein dafür sollte ihm irgendwer den Weg zum Arzt weisen. Ich bin schon neugierig, ob den Grünen noch im Wahlkampf echte, auch brauchbare und machbare Lösungen zum Schutz der Umwelt einfallen. Der Klimawandel kann ohnehin nur durch enorme globale Anstrengungen verlangsamt werden. Bezüglich Klimawandel glauben Einzelne, das Meinungsmonopol zu besitzen, da wäre auch einmal eine Diskussion mehrerer namhafter Wissenschafter interessant.

  2. aneagle

    Werner Kogler ist tatsächlich auffällig. Zuerst sein Demokratieverständnis. Als grüner Spitzenkandidat bei der EU-Wahl sollte er längst in Brüssel sitzen und jene, die ihn dafür gewählt haben, vertreten. Statt dessen kandidiert er munter weiter, wieder als Spitzenkandidat, diesmal für das grüne Österreich. Wird er falls er Erfog hat, ebenso wenig in Österreich sein und ebenso oder noch weniger die Interessen jener vertreten, für deren Vertretung er sich derzeit bewirbt? Noch dazu mit einem Werbeplakat, in welchem er sich selbst Saubere Politik unterstellt? Das ist nicht mehr Kabarett sondern Schmierenkomödie.

    Aber Kogler weiß, er kann ungestraft die Demokratie ignorieren, seinen Wählern fehlt die mentale Kapazität, und/oder das demokratische Bewusstsein, um zu begreifen was der Mann macht. Er steht bei den Grünen als alter weißer Mann, möglicherweise (un)heimlicher Fleischesser und eventuell auch noch hetero, ohnehin unter permanentem Artenschutz.

  3. Falke

    @aneagle
    Die Kogler’sche Allzeit- und Überallpräsenz zeigt vor allem eines auf: die dünne (oder gar nicht existierende) Personaldecke der Grünen. Offenbar haben sie niemanden außer Kogler, den man irgendwo herzeigen oder gar reden lassen kann. Und schon gar nicht die überwältigende Frauenquote, auf die sie immer so stolz sind. Offenbar haben sie doch etwas aus dem vorigen Wahlkampf mit Lunacek und Felipe (weiß noch jemand, wer das war/ist?) gelernt. Aber mitregieren und damit Ministerposten wollen sie. Gott behüte!

  4. Grill Franz

    Tacitus
    Rendi Wagner und der Populismus: besonders die SPÖ teilt Gelder, die sie nicht hat gerne an alle aus und verspricht auch sonst Goodies, die sie nicht realisieren kann.
    LohnSteuer:
    80% des Steueraufkommens des Bundes sind von der Lohnsteuer – sagt sie
    ( Presse Interview 5.9.)
    Das ist schlichtweg falsch, es sind nur 31,5%. Davon zahlen die oberen 25% mehr als 77%. 2,5 Millionen Arbeitnehmer zahlen gar keine Lohnsteuer .
    Die Einnahmen aus der Einkommensteuer und Vermögenssteuer sind mit 51% deutlich höher als die aus der Lohnsteuer ( amtliche Statistik 2018)
    Populisten negieren Fakten und und wollen die Gesellschaft spalten
    Erbschafts und Vermögenssteuer:
    Die Reichen sollen zahlen. Das gefällt immer. Auch wenn sie selbst als ehem Sektionschefin und Diplomaten Gattin zu reich und schön gezählt werden muß.
    Ihr Vorschlag gehört zu Ende gedacht: Steuer kann man nur einnehmen, wenn man sie erfaßt. Mit den zukünftigen Möglichkeiten der Datenerfassung ( siehe China) ist es möglich nicht nur Millionäre zu erfassen, sondern alle Bürger. Nicht nur Daten von Immobilien, Aktien und Ersparnisse werden dabei gespeichert sondern auch Schmuck, Kunstgegenstände und Goldmünzen. Wenn die alte Oma dann für Ihr Enkelkind bei der Bank einen Philharmoniker einlösen will wird das erfaßt und an das Finanzamt gemeldet, mit allen rechtlichen Folgen.
    Nein Danke, das ist ein weiterer Schritt zu Sozialismus und Entzug der persönlichen Freiheit in einem Hochsteuerstaat – und zur Abwanderung von Kapital und Investments.
    Mit ihr wird alles gerechter , die Reichen sollen zahlen – das gefällt – Klassenkampf.
    Mindestlohn 1700€ steuerfrei, 30 Stunden Woche, Geschenke an Studenten, Abfertigung aufmotzen….
    Ob es der Wirtschaft damit gut geht ist ihr völlig wurscht. Sozialstaat solange bis es kracht.
    Aber Familienförderung a la Orban- dafür gibt’s kein Geld.
    So kauft man mit Populismus Stimmen von der FPÖ zurück.
    Wartezeit auf Arzt und Spitalstermine:
    Rendi Wagner betont immer wieder ihre soziale Einstellung mit dem Faktum, daß Sie Ärztin ist. Ihr Interesse waren aber nicht wirklich „ die Menschen“, sonst hätte sie sich als praktische Ärztin in Favoriten, wo sie herkommt, niedergelassen. Sie hat dem eine Karriere beim Bund vorgezogen und war bereits im Alter von 40 Jahren Sektionschefin. Daher hat sie auch nicht wirklich eine Ahnung davon wie unser Gesundheitssystem funktioniert. Jeder Turnusarzt kann über ihren Vorschlag nur den Kopf schütteln. Aber was soll’s .
    Hauptsache man verspricht den Wählern was sie gerne hören wollen.
    Migration – Beseitigung der Fluchtursachen in Afrika, EU „Seenotrettung“:
    Der größte Schmonzes. Da zweifelt man an ihrem Verstand. Offenbar hat sie dle Welt nur aus dem Blickwinkel der Diplomatengattin erlebt, und ist obwohl sie Tropenmedizinerin ist niemals in Afrika oder Arabien tätig gewesen. Die Bevölkerung wächst dort so schnell, daß man mit der Schulbildung und der Schaffung von Arbeitsplätzen nicht mitkommen kann. Außerdem ist nach wie vor die Korruption ubiquitär. Die Migration über das Mittelmeer wird also Faktum bleiben und sich noch verstärken wenn, wie Rendi Wagner es vorschlägt, die „Rettung“ mit Schiffen der EU durchgeführt wird.
    mit Rendi wird alles gut , die Migration gestoppt und niemand mehr ertrinkt.
    Wahlkampfspenden
    D a s Thema dieses Wahlkampfes, der unter dem Motto „alle gegen Kurz und Türkis- Blau“ läuft.
    Prinzipiell sollte es keine gesetzlichen Obergrenzen geben. Dann fallen dieses Versteckspiel und die pausenlosen Kriminalisierungen weg. Wer viel Steuer bezahlt sollte auch spenden dürfen, egal für wen auch immer.
    Rendi Wagner legt eine Spendenliste der SPÖ vor, die gelinde gesagt ebenso lächerlich wie dreist ist.
    Wo sind denn da die Spenden der SPÖ Millionäre angeführt? Kann man wirklich glauben, daß Gusenbauer, Androsch, Vranitzky, Kern, Lansky, Wehsely….und ein Milliardär, der bekannt für Wahlkampfspenden ist, nichts gespendet haben?
    Klar, nur die Finanzen der SPÖ sind transparent und sauber

    Plan A – Plan B/C gibt es für sie nicht:
    Hat man ihr das bei der Bilderberger Konferenz 2018 eingeredet?
    Vranitzky, Gusenbauer, Faymann waren alle dort und wurden Bundeskanzler. Fischer sogar Präsident.
    Geht sich hoffentlich mit Pink und Grün nicht aus.
    Zeigt das typische Machtstreben einer Populistin

  5. Johannes

    Die schönste Aktion war als Herr Brandstätter im Zuge seines Wahlkampfes sein Buch präsentierte, ich glaube es war sogar beim Fellner nicht beim Sellner und das Buch hieß nicht“ mein Kampf “(gegen Kurz und Kickl) sondern einfach Kurz und Kickl.

    Wenn ein Journalist ohne politisches Talent, ohne -ein für mich erkannbares – Programm und leider muss ich es sagen, ohne Charisma einzig zum streiten und Buch präsentieren, so hat es für mich den Anschein, in die Politik geht hat das etwas was man nicht alle Tage erleben darf.
    Der ständig in seiner Zeitung souverän wirken wollende Brandstätter wird plötzlich zu einem Politiker der es einfach nicht kann. Zu klein ist seine Begabung um auch nur einen Punkt so anzusprechen das man ahnen könnte was er meint und will. Zu verliebt ist er in Streitgespräche die einfach nur langweilen.
    Nichts kann einen Journalisten mehr entzaubern als wenn er in die Politik geht.
    Unter uns Herr Kogler, nehmts den Armin Wolf in eure Fraktion auf, der ist guut der Mann, der ist so guuut.

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