Wer ist hier der Geisterfahrer?

Von | 24. Februar 2017

(ANDREAS TÖGEL) Sie kennen bestimmt den Witz, in dem der Beifahrer den Wagenlenker auf der Autobahn warnt: „Achtung, da kommt uns ein Geisterfahrer entgegen!“ Worauf der etwas verwirrte Lenker erwidert: „Was heißt da einer? Hunderte!“

In den letzten Wochen kommt mir dieser Scherz im Gefolge der allmorgendlichen Zeitungslektüre recht oft in den Sinn. Wer ist nun auf der verkehrten Spur unterwegs – ich oder alle anderen? Kann es sein, dass ich langsam verblöde? Oder sollte ich einfach etwas weniger trinken? Geht es mir wie dem psychisch Erkrankten, der sich von lauter Lügnern und Idioten umringt wähnt – unfähig seine eigene Störung zu erkennen? Oder benutzen am Ende doch die anderen die falsche Richtungsfahrbahn?

Ein paar Beispiele, die mich zu derlei Überlegungen veranlassen: Die von der rotgrünen Stadtregierung Wiens geplante Errichtung eines Denkmals für Ho Chi Minh im Wiener Donaupark, ist ein schönes und zudem hochaktuelles Beispiel. Was genau verbindet den bluttriefenden vietnamesischen Warlord Ho Chi Minh mit Wien? Genauso viel wie einen anderen Massenmörder, nämlich Ernesto „Che“ Guevara, dessen großartige Leistungen bereits seit Jahren mit einem Denkmal im selben Park geehrt werden: Gar nichts. Weshalb also noch so ein Denkmal? Weil der dadurch Geehrte Kommunist war und daher naturgemäß die Sympathien der linken Rathausnomenklatura genießt? Als späte Anerkennung, weil immerhin Horden der 68er-Bewegung einst Ho-ho-ho-Chi-Minh-Parolen im Kampf gegen den US-amerikanischen Imperialismus skandierten? Man weiß es nicht. Bleibt die bohrende Frage: Wer fährt da auf der falschen Seite? Das Rathaus oder ich?

Anderes Beispiel: Im schönen Braunau am Inn wird ein junger Mann verhaftet. Was hat er getan? Hat er etwa seine Mitmenschen in ihrer Ehre beleidigt oder gar angegriffen, wie das nicht wenige der eingeschleppten „Flüchtlinge“ dieser Tage zu tun pflegen? Hat er etwa zur Revolution oder zur Gewalt gegen andere aufgerufen? Nichts davon. Sein Verbrechen besteht darin, dass er sich den falschen Bart hat wachsen lassen, der ihn angeblich Adolf dem Braunen ähneln lässt. Unfassbar: Ein politisch unkorrekt getrimmter Bart reicht hierzulande am Beginn des 21. Jahrhunderts als Haftgrund aus. Großartig. Was kommt als nächstes? Gulag für das Tragen eines Dirndls oder weißer Kniestrümpfe?

Zeitgleich verlautet, dass Gewaltverbrecher – zumindest, wenn sie der richtigen Glaubensgemeinschaft angehören und sich mithin der Sympathie der gleichgeschalteten Medien und des Wohlwollens einer linken Justiz sicher sein können – auf freiem Fuß angezeigt werden (und noch am selben Tag untertauchen). Ist da mittlerweile jedes Augenmaß und jeder Sinn für Verhältnismäßigkeit verlorengegangen, oder ist derjenige, der solche Fragen stellt, ein (gedanklicher) Geisterfahrer?

Um einem dringenden Bedürfnis einiger Exponenten des linken Reichsdrittels abzuhelfen, soll plötzlich einer schönsten Plätze Wiens, der Heldenplatz, umgetauft werden. Das “Heldengedenken“ sei angeblich nicht mehr zeitgemäß. Na klar. Haben die beiden auf dem Heldenplatz geehrten Herren (Erzherzog Karl und Prinz Eugen von Savoyen) lange gewirkt, ehe für die Austromarxisten die eigentliche österreichische Geschichte beginnt – nämlich erst anno 1848. Vorerst ist wenigstens nicht daran gedacht, die Standbilder der beiden Helden zu entfernen. Immerhin.

Darf das wahr sein? Kann man derart geschichtsvergessen sein, zwei der wenigen herausragenden Feldherrn im Dienste des Hauses Habsburg einfach nicht mehr wahrhaben zu wollen? Welche Namen auch immer der Platz künftig tragen soll: Wer fährt hier falsch – der Kulturminister und der Kulturstadtrat oder ich?

Dass schließlich ein schwarzer Minister ganz wild darauf ist, das Geburtshaus Hitlers in Braunau schleifen zu lassen, rundet das surrealistische Bild harmonisch ab. Wer der Geschichte mit Verdrängung begegnet, kann keine Lektionen daraus ziehen. Oder fahre ich auch in diesem Punkt auf der falschen Spur in die verkehrte Richtung?

13 Gedanken zu „Wer ist hier der Geisterfahrer?

  1. Kluftinger

    Sie wollen ja Geschichte, aber nur ihre eigene: Che und Genossen…
    Und die Herrschaften wie Rathkolb, Drozdar, Mailath-Pokorny haben die Aufgabe von den wahren Problemen unseres Staatswesen abzulenken. Und das gelingt ihnen perfekt weil die Medien mitspielen.
    PS: Wenn schon Geschichte von 1848 an, dann empfehle ich von William M. Johnston “Österreichische Kultur-und Geistesgeschichte ; Gesellschaft und Ideen im Donauraum 1848 bis 1938” und diese Geschichte wirkt noch bis zur Gegenwart. aber nicht nur im Geiste der oben angeführten Antagonisten. (Ob die genannten Personen diese Buch jemals gelesen haben?)

  2. dr. werner stockinger

    herr tögel, sie wissen, dass sie auf der richtigen spur fahren. dazu passend eine wunderbare aussage des deutschen journalisten und publzisten dirk maxeiner : “wenn der wahnsinn endemisch wird, bemerkt ihn keiner mehr”.

  3. Der Realist

    so wie Herrn Tögel ergeht es mittlerweile mit Sicherheit vielen Österreichern auch

  4. cmh

    Man sollte den Roten ihren historischen Marxismus in den Hals stopfen bis sie daherkommen wie eine Martinigans.

    Also: Ho Chi Min Denkmal mit einer erklärenden Zusatztafel, dass es sich dabei um einen Massenmörder handelte und die Aufstellung einer Art marxistischem Johannistrieb der Rothausproleten zu danken sei. Häupel könnte dann seine lucida intervalla verwenden, die Namen der von Ho Chi Min Massakrierten zu lesen.

    Was den Heldenplatz betrifft, dann sollte man ihn entsprechen der Kenntnisse umbenennen. Und da die Kenntnisse des Experten Ratkolb sich hauptsächlich auf die eigene Person reduzieren lassen wäre “Oliver Ratkolb Platz” wohl angemessen: als Eselsmütze für die im Roten Wien geistig verbliebenen Armutschkerln.

  5. Zaungast

    Demokratisch ist die richtige immer Spur dort, wo die Mehrheit fährt. Dazu reichen 53%. Oder knapp 40+12%. “I loß ma mei Spur net schlecht reden!”

  6. sokrates9

    Die kollektive Massenverbloedung schreitet dank des sozialistischen Erziehung beginnend im Kindergarten dramatisch voran! Klar dass dich dann die Masse aufder linken Spur befindet!

  7. Historiker

    In vorausschauendem Gehorsam plädiere ich für die Umbenennung des “Heldenplatzes” in “Erdogan-Platz”, – und da ohnehin nur mehr jeder zweite Wiener Schüler Deutsch als Muttersprache hat, wird sich dafür bald auch eine entsprechende kulturelle Mehrheit finden . . .

  8. mariuslupus

    “Ist dies ein Wahnsinn, hat es doch Methode”. Danke Herr Tögel für die Darstellung des methodologisch perfekt inszenierten Wahnsinns. Die den Wahnsinn propagieren und ihren Mitmenschen aufzwingen, sind nicht geisteskrank, sondern ideologisierte Realitätsleugner. Sie haben eines mit Geisteskranken gemeinsam, sie verwechseln die Realität mit ihren Wahnvorstellungen.

  9. Thomas Holzer

    “……beautiful clean coal…” Mr. Trump in seiner Rede heute in National Harbor, Maryland……….wer da wohl als Geisterfahrer unterwegs ist 😉

  10. mariuslupus

    @Thomas Holzer
    Sehr gute Reden nicht nur von Donald Trump, sondern auch von Steve Bannon und Nigel Farage.
    Die Geisterfahrer sind die Medien !

  11. Thomas Holzer

    @mariuslupus
    Geschmäcker sind erfreulicher Weise verschieden

  12. humanist

    …ich teile Ihre rhetorische frage tag für tag. und stiege stante pede in Ihr Auto ein, Herr Tögel, um beim bild zu bleiben. Guter Artikel. firm bleiben bittschön!

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