Wer keine Völkerwanderung will, braucht eine Therapie

Von | 28. Mai 2016

(MARCUS FRANZ) Die exakte Verwendung von sprachlichen Begriffen wird paradoxerweise gerade jetzt, im Kommunikationszeitalter, immer seltener. Dieses Phänomen ist in Anbetracht der zunehmend härter geführten politischen Debatten ein echtes Problem, weil es die Diskursqualität genau in jenem Maße verschlechtert, in welchem es das immer und überall vorhandene und grundsätzlich durch Spracharmut gekennzeichnete Ressentiment verschärft. In den Medien wie auch in der Politik ist die herrschende Begriffs-Verschluderung naturgemäß am auffälligsten. Eine zentrale Frage dabei ist, ob die schwammige und ungenaue Verwendung von diversen wichtigen Begriffen absichtlich und mit tendenziös-politischem Kalkül erfolgt oder ob sie mangels souveräner sprachlicher Fähigkeiten einfach passiert. Vermutlich ist es eine Mischung aus beidem: Die einen wissen genau, was sie reden und tun, die andern plappern es halt einfach nach und fühlen sich noch gut dabei.

Besonders klar zu diagnostizieren ist diese mediale und politische Diffusion der Sprache aktuell bei der Verwendung des Begriffes “Angst”. Seit dem Beginn des europäischen Migrationsproblems wird den Kritikern der ungehemmten Völkerwanderung eine Angststörung unterstellt. Alle, die nicht akklamierend und mit vor humanitärem Stolz geschwellter Brust die Massenmigration begrüßen, hätten Ängste, so wird gemeinhin behauptet. Diese Ängste müsse man freilich ernst nehmen, sagen die einen, denn Angst haben ist ja etwas Schlimmes.

Manche Kommentatoren und Politiker ringen sich sogar durch, die Ängste als berechtigt zu bezeichnen. Andere wiederum machen die angeblich unter einer Angststörung Leidenden verächtlich und mokieren sich arrogant über die nationalistischen und natürlich politisch immer rechts angesiedelten Angsthasen, die ihre spießigen kleinen Reviere unbedingt verteidigen wollen.

Beide Argumentationslinien sind falsch. Wer Bedenken und Sorgen betreffend die Migration hat, leidet nicht unter Angst, sondern er hat konkrete Befürchtungen, dass rational erklärbare und durchaus negative Zukunftsszenarien Realität werden könnten. In der Unterscheidung zwischen Angst und Befürchtung liegt der Kern der Verwirrung: Eine Befürchtung (oder auch die Furcht an sich) ist kategorisch etwas ganz anderes als die Angst. Jede Befürchtung ist durch vernünftige Argumentationen begründbar und mit Befürchtungen kann der Einzelne im Regelfall auch gut umgehen. Sie veranlassen ihn dazu, nachzudenken und kritisch die jeweiligen, seine Befürchtungen induzierenden Entwicklungen zu beobachten.

Mit der Angst ist das definitionsgemäß ganz anders: Jede Angst ist irrational und oft gar nicht beherrschbar. Angst ist beklemmend, meist akut auftretend und körperliche Reaktionen hervorrufend. Und sie ist immer schwer zu ertragen. Überdies zieht Angst regelmäßig Reaktionen nach sich, die Kampf oder Flucht heißen.

Wenn nun in der öffentlichen Debatte immer der Begriff “Angst” statt des Begriffes “Befürchtung” verwendet wird, schreibt man den Bürgern Zustände zu, die sie so nicht haben. Und damit richtet man etwas Schlimmes an: Falsche Diagnosen führen stets zu falschen Therapien. Letztlich erklärt man die Bürger, die sich kritische Gedanken über das zweifellos bedrohliche Phänomen “Massenmigration” machen, durch die ständige Erwähnung ihrer angeblichen Ängste zu unter einer Angststörung leidenden Kranken. Und Kranke müssen behandelt werden.

Ergebnis dieser perfiden Begriffsverwirrung ist, dass man elegant die großen politischen Aufgaben verschieben kann: Die Politik muss nun nicht mehr vordringlich die Migrationsprobleme lösen, weil sie ja jetzt die vielen heimischen angstkranken Bürger therapieren muss. Eine Leitlinie für diese Therapie ist z.B das Motto “Integration ist keine Einbahnstraße.”  Damit werden kritische Bürger ruhig gestellt, weil sie in eine spezielle Pflicht genommen werden  (die übrigens demokratisch nicht legitimiert ist). Aus der unterstellten Angst soll das Bemühen werden, fleißig beim Integrieren zu helfen, denn gegen die Einbahnstraße darf man laut Gesetz nicht fahren.

Anders gesagt: Eine Art von “linguistic turn” hat Platz gegriffen und diese Wendung und die Umwertung der Begriffe ermöglichen es, dass die völlig insuffiziente und letztlich gegen den Bürger gerichtete europäische Migrationspolitik auf unabsehbare Zeit prolongiert werden kann. Die rettende Gegenbewegung kann nur gelingen, wenn die rechtsliberale und an den Nationen orientierte Politik weiter gestärkt wird.

47 Gedanken zu „Wer keine Völkerwanderung will, braucht eine Therapie

  1. Thomas Holzer

    Deswegen wird ja auch in der “Islamdebatte” immer gleich die Wortkreation “Islamophobie” verwendet, um alle Menschen, welche Bedenken, Befürchtungen ob der Auswirkungen “größerer Konzentrationen von Anhängern dieses Glaubens in Europa” haben, hegen, gleich eine Krankheit zu unterstellen.
    (Neo)liberalismusphobie, Sozialismusphobie z.B. wurde noch niemandem unterstellt 😉

  2. Mourawetz

    Die Unterstellung von Angst hat mich in der laufenden Debatte auch immer geärgert. Ja wir Angsthasen sind ja nur kleine Kinder, die man an der yhand führen muss, damit sie keine Angst haben, auf dem Weg durch den dunklen Wald.

  3. Herrschende Leere

    Mir fällt immer wieder der unsinnige Ausdruck “irrationale Ängste” auf. Als ob es rationale Ängste geben würde. Ängste sind per se irrational; ganz im Gegensatz zu Sorgen, die per se rational sind, als Resultat vorausschauenden Denkens. Es wäre geradezu irrational, keine Sorgen zu haben, also sorglos zu sein.

  4. Astrid G.

    Andere Wort-Gedanken:
    _Den_ Islam gibt es nicht. + Der Islam gehoert zu Deutschland.

    Gut und relativ neu: der real existierende Islam

  5. Gerald Steinbach

    Zur Unterstreichung der unbegründeten Angst, wird ja sehr oft das Wort “diffus” davorgesetzt, da kommt ja zum Ausdruck, welche Angst hat der den eigentlich, weiß der eigentlich von was der überhaupt Angst hat

    Nach jeden Anschlag mit ein paar toten werden die Wörter diffus und Angst strapaziert, ein ORF Sozialpsychologe (Lüders) hat sich einmal “ausgerechnet” das die Wahrscheinlichkeit höher ist mit einen Flugzeug abzustürzen, als in einen Anschlag zu sterben

  6. Selbstdenker

    Mich regt der Satz “die Ängste der Bevölkerung sollte man aber ernst nehmen” am meisten auf.

    Liebe Politiker, die Bevölkerung ist der Principal und Ihr seid die Agents. Ihr habt die Leute nicht für irrationale Mündel zu erklären, sondern Ihr habt das zu tun, was Euch der Chef (=die Bürger) sagt.

  7. Thomas Holzer

    @Selbstdenker
    Deswegen gibt es für Selbstdenker 😉 auch keine dümmeren Politikerdarsteller Aussagen als: “Wir müssen die Menschen abholen, wir müssen sie mitnehmen, wir müssen aus Betroffenen Beteiligte machen et al.”

  8. Thomas Holzer

    Und in Deutschland forderte der Innenminister eine Diskussion über eine “Klarnamenpflicht” im internet; wenn ein Politikerdarsteller eine Diskussion fordert, weiß jeder vernünftige Bürger, wie das Ergebnis aussehen wird 🙁
    So es zu einem Kompromiss kommt wird er -befürchte ich- wie folgt aussehen: Das Verwenden von Pseudonymen wird weiterhin erlaubt, aber nur, unter vorheriger Registrierung im staatlichen Klarnamen und Pseudonymen Register; damit die Untertanen nicht zu sehr dagegen rebellieren, wird die Identifizierung mit handy-Signatur und/oder elektronischer Bürgerkarte erlaubt werden 😉

  9. Eva Zacharias

    warum immer von Angst oder Befürchtung reden. Ich habe weder Angst noch irgendeine Befürchtung. Warum traut sich keiner klipp und klar zu sagen: wir wollen sie hier nicht haben, anstatt schwammig herum zu eiern?

  10. Thomas Holzer

    @Eva Zacharias
    Ich will sie auch nicht hier haben, und ich habe große Bedenken, daß die, die schon da sind, sich so, wie es sich “unsere” Politikerdarsteller vorstellen, integrieren.
    Der Schaden ist schon angerichtet, eine Massenausweisung von über 100.000 Menschen aus Österreich kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen

  11. Selbstdenker

    @Thomas Holzer:
    Da verrechnet sich der deutsche Innenminister aber massiv. Wenn die Möglichkeit des anonymen Protests im Internet wegfällt, werden die Leute auf der Straße ihren Ärger Luft machen.

    Und dann kommt noch der “Nazi”-Unterstellungseffekt dazu: 50 Leute von 8,5 Millionen als “Nazi” zu beschimpfen, bleibt in der Regel folgenlos. Wenn hingegen 50% der Wähler eines Landes als “Nazi” beschimpft werden, schaufelt sich das System das eigene Grab.

    Aus diesem Grund war das Anti-Ösi-Bashing in den deutschen Regierungsmedien unterm Strich ein elender Rohrkrepierer: vor ein paar Jahren hätte das alles wie geschmiert funktioniert – nur dieses Mal haben die Deutschen nicht mehr mitgespielt.

    Warum? Weil sie selbst oft genug als “Nazi” bezeichnet wurden. Die Leute merken sich das und die politischen Dreckschleudern verspielen immer mehr ihre ohnedies stark angeschlagene Glaubwürdigkeit.

    Lasst Euch nicht untereinander Aufhetzen.

    Das wahre Problem sind die Politiker und jene Leute, die zusammen mit ihnen Geschäfte zu Lasten Dritter abschließen.

    Hier gehört die ganze Wut hin.

  12. Enpi

    @Holzer
    “Der Schaden ist schon angerichtet, eine Massenausweisung von über 100.000 Menschen aus Österreich kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen”

    Na wenn Sie sich das beim besten Willen nicht vorstellen können, dann kennen Sie, falls Sie die Grundrechenarten beherrschen, ja auch schon das unvermeidliche demographische Endergebnis in den nächsten Jahrzehnten, oder?

  13. Thomas Holzer

    @Enpi
    Ja, das kenne ich! Und der sog. Familiennachzug ist ja auch noch nicht eingerechnet.

    Wie wollen Sie über 100.000 Menschen abschieben, und wohin?

  14. Herbert Manninger

    Welche Ängsteschürer-Warner-Partei verdankt seit ihrer Gründung dem Ängsteschüren immerhin 12% Stimmenanteil und 90% medialen und damit auch politischen Einfluss?
    Ängste vor Feinstaub, Ängste vor Glyphosphat, Ängste vor Rechts, Ängste vor Handystrahlen, Ängste vor Gentechnik, Ängste vor den Ängsten der Angstbürger usw….. usw…

  15. Enpi

    @Holzer
    “Wie wollen Sie über 100.000 Menschen abschieben, und wohin?”

    Ich denke nicht emotional sondern logisch. Daher ist die logische Antwort: dorthin woher sie kamen. Daß unsere Gesellschaft eine zeitlang, während des Deportationsprozesses, nicht mehr das von Illusionen und Östrogen geschwängerte Wohlfühlparadies wäre, welches sie im Moment ist, sehe ich als ein notwendiges Übel.

  16. Thomas Holzer

    @Enpi
    Ja eh, dorthin woher sie kamen; das sagt aber noch nichts über das wie 😉
    Mit verplombten Zügen, per Flugzeug; was machen Sie mit den tausenden Afrikanern; da kann man beim besten Willen bei einem Großteil nur raten, aus welchem Land die kommen………

  17. Enpi

    @Holzer
    verplompte Züge? exakte Länderbestimmung bei denjenigen Afrikanern die keine Angaben machen wollen? Das sind doch Detailfragen über die sich die beauftragten Fachleute Gedanken machen sollen.

    Sie fragten wie ich das Problem lösen wolle, welches uns mittelfristig unsere kulturelle und finanzielle Existenz kosten wird. Diese Lösung beeinhaltet leider eine Therapie ohne Ponyhofmentalität oder allzugroße Rücksicht auf individuelle Befindlichkeiten. Nennen Sie es ruhig ein gesellschaftliche Chemotherapie.

  18. Thomas Holzer

    @Enpi
    Ja, so agieren “unsere” Politikerdarsteller auch; für Detailfragen haben wir ja Fachleute, damit beschäftigen wir uns nicht, wir haben die großen Zusammenhänge, das große Gesamtbild im Auge 😉
    Und wie schaut Ihre Chemotherapie aus?

  19. wbeier

    @Enpi
    Zum >demographischen Endergebnis<
    Na und?
    Wer heute zwei Drittel seines Einkommens abgeben muss, kann den eine Dhimmiesteuer noch beeindrucken?
    Wenn der pflichtversicherte Nettoeinzahler im Gesundheitswesen mit Generika abgespeist wird und der familiennachgeführte Opa ein Top-Service für lau bekommt?
    Wenn unbotmäßige Meinungen zur Existenzvernichtung führen können?
    Wenn staatliche Bildungseinrichtungen sowieso einfachsten Anforderungen nicht mehr entsprechen?
    Wenn die Gscheiteren im Lande dieses schon verlassen haben oder solches erwägen?
    Wenn sich staatsbürgerliche Rechte darauf beschränken, alle fünf Jahre ein Kreuzerl zu malen (selbst in der DDR bestand die Möglichkeit zu Streichungen auf der Einheitsliste)?
    Wenn Rechtsprechung Gleiche und Gleichere kennt unter besonderer Berücksichtigung kultureller und politischer Folklore?
    Wenn wir uns sowieso schon an sich verschlechternder Infrastruktur und öffentlichen Leistungen gewöhnt haben?
    Kann da der demographische Wandel und entsprechende Verschiebung der Machtverhältnisse wirklich noch schrecken?
    Vielleicht gibt es ein Überleben in Reservaten irgendwo im Waldviertel, weil es da den Wüstensöhnen zu kalt ist.

  20. Thomas Holzer

    € 753,– pro Flüchtlingskind pro Monat ab 14 Jahre bei Pflegeeltern……….über diesen Geldsegen würden sich die autochthonen Eltern -und alle Alleinerzieher- wohl mehr als nur freuen

  21. Gerald Steinbach

    “””Vielleicht gibt es ein Überleben in Reservaten irgendwo im Waldviertel, weil es da den Wüstensöhnen zu kalt ist -“”

    Das Beispiel Schweden zeigt , das die die Kälte kein Schutzmechanismus ist, die würden sich auch bei den Eskimos ansiedeln wenn es dort genügend Sozialleistungen gibt und sie ihre Moscheen bauen können

  22. Gerald Steinbach

    Thomas Holzer@
    Gibt’s eine Quelle für die 753 €?
    Danke

  23. Gerald Steinbach

    Thomas Holzer@ Bereits gefunden die Quelle

  24. Thomas Holzer

    Bericht im heutigen Mittagsjournal

  25. Thomas Holzer

    @Gerald Steinbach
    Ist es nicht erklärtes Ziel “unserer” Politikerdarsteller, daß Eltern, Väter und Mütter, so wenig Zeit wie nur irgendwie möglich mit den Kindern verbringen, diese so schnell wie möglich in Kindergärten, Kindergruppen und Ganztagsschulen abgeschoben werden?!
    Aber bei UMF ist natürlich alles anders, sprich genau umgekehrt.
    Wer sich da nicht gefrozelt fühlt, dem ist nicht zu helfen

  26. Thomas Holzer

    @Ortner
    die Verlinkung zu zwei substandardseiten sollte aber schon möglich sein 😉

  27. Gerald Steinbach

    Auffallend wie lieb der ORF Sprecher diese brutale Auseinandersetzung skizziert(menschenunwürdig), erinnert mich an Idomeni
    Dort wollten ja die Flüchtlinge nach “””Europa”???!!, jetzt wollen ´sie von Mitteleuropa nach Nordeuropa, und O-ton ORF: Sie sitzen halt wieder einmal fest
    Idomeni kann man halt vielen Leuten noch als Nicht Europa verkaufen, Calais ist schon etwas schwieriger…es wird immer bizarrer

  28. gms

    In derselben Schublade sprachlicher Verirrungen wie das hier thematisierte notorische Verkleistern des Unterschieds zwischen Furcht und Angst, liegt das unangebrachte Ersetzen von Zorn durch Wut. Zorn hat einen artikulierbaren Grund und eine erkennbare Richtung, weshalb selbst theologisch Unbeleckte als Fehler erkennen würden, wollte ihnen jemand einen alttestamentarischen Gott beschreiben, der ob seines Zorns ausgerechnet als erster überirdischer Wutbürger in die heiligen Schriften einging und vorgeblich deshalb auch durchgängig als solcher bezeichnet würde.

    Chattering Classes schwätzen naturbedingt, egal, ob sie Irgendwas-mit-Medien im Lebenslauf anpreisen oder das Schild mit der Aufschrift ‘Politik’ auf ihrem überwiegend gerittenen Steckenpferd prangt. Würden Maurer nach diesem ‘Ich plappere, also bin ich’-Prinzip operieren, zögen sie konsequent Wände aus Pappkartons und Spucke hoch und überhäuften sich gegenseitig mit Architekturpreisen angesichts der gepriesenen Tragfähigkeit dieser Gebilde.
    Das inzestiöse System dieser rhetorischen Kulissenschieber in potemkinschen Dörfern übt sich in permanenter Selbstvergewisserung, es nimmt jeden freudig auf, der Dank seiner Leere zwischen den Ohren zumindest zur medialen Echokammer taugt und spült diejenigen nach oben, deren bewiesene Schmerzbefreitheit sie jede noch so große kognitive Dissonanz ertragen läßt.

    Nachdem bereits im Dezember des Vorjahres unser damaliger Bundeskasperl mit einer Wortspende rund um “subjektive Angst” auffiel und dies hier im Blog aufgegriffen wurde [ortneronline.at/?p=38208], nachfolgend als Wiederholung mein damaliger Kommentar dazu:

    Einmal mehr erkennt man in der Debatte die linke Allzweckwaffe, die beim Versagen der auf roten Theorien basierenden Argumente eingesetzt wird — also nahezu immer.

    Hat der Opponent andere Ansichten, so sind diese laut rot eingebundenem Vademecum falschem Bewußtsein geschuldet. Demgemäß bedarf es keiner Erörterung oder gar Debatte, kann doch beides durch eine simple Motivzuschreibung abgedreht werden. So ist der Unternehmer laut Handbuch notorisch gierig und gegenüber seinen Mitarbeitern latent sadistisch, und der renitente Untertan, so er nicht ins klassenkämpferische Fadenkreuz paßt, neuerdings mental mit Ängsten durchseucht. Klappe zu, Affe tot!

    Beweisen braucht man solche Zuschreibungen nicht, es reicht die wiederholte Etikettierung, kann doch auch der dermaßen Apostrophierte beim besten Willen ohne Rückgriff auf medizinische Hightec-Geräte nicht das Gegenteil beweisen. Der Jacobinerausweis per Hirnscan als Persilschein wider die Hate-Fear-Speech-Anklage — entweder man hat ihn, oder es gibt Zeugen aus dem eigenen Zirkel, die dem potentiellen Deliquenten die korrekte innere Haltung attestieren, dann darf dieser schon mal rotzgrün sein und dennoch die Wahrheit sagen.
    Und obwohl diese unredliche Vorgangsweise der Motivzuschreibung seit Ewigkeiten nahezu ausnahmslos beobachtet werden kann, wo Linke über Sachverhalte und deren Ursachen fabulieren, haben Nicht-Linke dafür weder ein Sensorium oder gar Gegenmittel entwickelt.

    „Hass“ und „Phobie“ konnten dergestalt mangels Abwehr bereits im Sprachgebrauch verankert und im rhetorischen Köcher jedes noch so brustschwachen Kämpfers für die ach so gute Sache deponiert werden, und so ist es vermutlich Zufällen geschuldet, daß man vom Bundeskasperl abwärts nicht durchgängig eine „Asylsuchendenphobie“ zu erkennen behauptet.

    Falls es kein Zufall war, wenn bislang kein Leitartikler oder sonstiger Meinungsvortuner sich im gegebenen Kontext der Phobiezuschreibung bediente, dann vermutlich die Mutmaßung, wonach mit „Angst“ die dem Gegenüber umgehängte Bleikugel schwer genug sei, selbiges wirksam am Boden zu fixieren. Zugleich wäre es unklug, einem nennenswerten Teil der Bürgerschaft Psychosen anzudichten, auch wenn es noch so in den Fingern juckt.

    Die Angst ist per Definition unkonkret, der Ängstliche ist eines Teils seiner mentalen Kapazitäten beraubt. Darauf kann man sich trivial einigen und dennoch das Kind beim Namen nennen.
    Aber es ist eben nicht Angst, welche die Leute auf die Straße treibt, sondern Furcht! Das geistig Vorweggenomme und Unbehagen verursachende Momentum angesichts einer Fortschreibung aktueller Tendenzen ist nämlich verdammt konkret, es wird überall dort zutreffend artikuliert, wo nicht ausnahmslos glatzköpfige Bomberjacken- und Stiefelträger den Ton angeben.

    Höhere Arbeitslosigkeit, höhere Steuern, weniger leistbarer Wohraum, soziale Spannungen durch kulturell bedingt unterschiedliche Herangehens- und Vorgangsweisen — all diese furchteinflößenden Phänomene haben aussprechbare Namen, nichts daran ist diffus. Klar kommen diese alles andere als nebulosen Aussichten mitterdings an die mediale Oberfläche, und dennoch oder gerade deshalb wird die Linke nicht müde, das Ganze mit einer herbeiphantasierten Wolke der Angst zu vernebeln, oder wie die [Anmerkung: vormalige] Handpuppe an der Spitze der lokalen Volkstreter demonstriert, mit „subjektiver Angst“.

    Eines nämlich weiß unser oberstes Wernerle dank seiner Einflüsterer: Seine eigenen Ängste, mit einer Beschränkung des entgrenzten Zuzugs verzichteten wir scharenweise auf Ärzte, Architekten, Wissenschaftler, Pensionssicherer und was sonst noch unter „Bereicherer“ firmiert — diese Ängste sind gar objektiv und dergestalt auch keine solchen, sondern mögliche Fakten, die mit dem Schaffen alternativer Fakten vermieden werden müssen. Die Angst, ohne intensivierte Umverteilung, betrieben durch die eigene selbstlose politische Kaste, würden Horden marodieren, Häuser und Villen brennen — diese Angst ist ohne Zweifel ebenso objektiv, wie der Untergang Europas ohne bisherige und perpetuierte Eingriffe in die Automomie der Bürger.

    „Das Sein bestimmt das Bewußtsein“ — Ja, ihr lieben Linken, da mag schon was dran sein, denn ihr stündet nicht links, triefte eurer eigenes Bewußtsein nicht vor Angst, ausserhalb der eigenen Meute den gesellschaftlichen Bodensatz zu bilden. Das eigene Innerste den anderen überstülpen, von sich auf andere schließen, Doppelstandards und Doppelsprech zum Dauerkult erheben — ja, liebe Sozialisten, das mit der Motivzuschreibung geht auch andersrum, und falls ihr es drauf anlegt, könnt ihr sogar unseren Haß haben. Versprochen!

  29. astuga

    Nun, Frau Merkel schwört gerade ihre Landsleute auf weitere 400.000 Flüchtilanten ein.
    Bei uns sind für die kommenden drei Jahre über 100.000 weitere bereits eingeplant – Minimum.

    Die der Sozi-Brutus Kern natürlich schnellstens in den Arbeitsmarkt integrieren möchte (kleiner Scherz: eventuell bei der ÖBB?).
    Und laut Hofberichterstattung der Krone würde er dafür auch “Schulden wie Kreisky machen”.

    Nur ein Gedanke: je schneller das Sozialsystem kollabiert umso besser.
    Denn scheinbar arbeiten die Steuerzahler ja gerne für das Wohlergehen von hunderttausenden Muslimen in Österreich
    Jedem der jung ist kann man nur raten, auszuwandern und nicht mehr zurück zu schauen.
    Jedem der dafür schon zu alt ist, selbst alles aus dem System rauszuholen was nur geht, und so wenig wie möglich einzuzahlen.
    Der letzte dreht das Licht ab…

  30. astuga

    @Thomas Holzer

    An dem Tag an dem die Politiker auf ihre Immunität verzichten, und auch tatsächlich für ihre Handlungen persönlich juristisch und finanziell zur Verantwortung gezogen werden.
    An dem Tag verzichte ich freiwillig auf meine Internet-Nicks.

  31. Gerald Steinbach

    astuga@
    Da sieht man wieder wie weltfremd dieser Kern ist, eine typische Behauptung eines Menschen der weit ab von der Realität ist, man kann vielleicht bei der ÖBB Versorgungsposten installieren, aber bei Gott nicht in der Privatwirtschaft
    Detail am Rande: Heute hat die Sahra Wagenknecht am Parteitag eine Torte mitten ins Gesicht bekommen, der Grund: Weil ihre Position ist, dass Deutschland nicht alle Flüchtlinge aufnehmen kann

  32. Thomas Holzer

    @astuga
    Nicht nur in der Krone, in allen Zeitungen wird das Kern’sche Diktum der Schuldenpolitik nach Kreisky kolportiert.
    Das verheißt nichts Gutes 🙁

  33. Thomas Holzer

    Wenigstens hat der Herr Mazyek ein Grußwort am “Die Linke” Parteitag an die Genossen richten dürfen 😉

  34. wbeier

    @Thomas Holzer
    >Nicht nur in der Krone, in allen Zeitungen wird das Kern’sche Diktum der Schuldenpolitik nach Kreisky kolportiert.<
    Wer keine Lehrer, Dolmetscher, Ausbilder und Ausbildungsstätten für eine Konditionierung der "ungeschliffenen Rohdiamanten" selbst auf allertiefstes Niveau hat, kann höchstens seinen Pimmel und nicht das Geld anderer Leute in die Hand nehmen. Auch mit Geld aus der Druckerpresse gibt es diese Strukturen zeitnah nicht. Wächst ja alles auf den Bäumen Herr Kern, oder?

  35. mariuslupus

    Das Lieblingswort der Machthaber in der EU ist Angst. Mit verbreiten von Angst kann man das Volk einschüchtern, klein halten um sich dann als Beschützer und Wohltäter aufspielen zu können. Es wird Angst vor Rechtsextremismus, Gewaltexzessen der rechten Parteien, Nazismus, Rassismus, vor dem Klimawandel usw.etc. , geschürt. Und siehe da, der kleine Mann und seine kleine Frau glauben es den Machthabern. Aufs Wort.
    Auf der anderen Seite werden berechtigte Sorgen der Bürger bagatelisiert und lächerlich gemacht. Der sich traut zu sagen, dass die Flut an Ungebildeten zu Destabilisierung des Staatswesens und der Finanzen, führen wird, wird als Pack, Dumpfbacke von den Machthabern und den Medien beschimpft.
    Völlig ausgeblendet und geleugnet wird die Welle der Gewalt die in Europa kontinuierlich anwächst.
    Ausgeblendet wird auch die Tatsache dass die Analphabeten, tatsächliche oder funktionael, nie werden in den Arbeitsprozess eingegliedert werden. Zuerst wollen sie nicht eingegeliedertz werden, weil sie dann arbeitem müssten. Die bisherigen Versuche sind gescheitert. In Deutschland wird behauptet dass nach 5 Jahren 55% der Eingewanderten arbeiten könnten. 45% bleiben in der Sozialhilfe. Im Klartext bedeutet dass einen Zuwachs von Sozialhilfeempfänger um 800.000 Menschen, Wahrscheinlicher Stand Frühjahr 2016. Weitere Flüchjtlinge will Merkel noch ins Land holen, Familiennachwuchs noch nicht eingerechnet.
    Nicht erwähnt, und geleugnet wird, dass in den nächsten Jahren die Komplexität der Arbeitsabläufe und die Anforderungen am Arbeitsplatz, weiter steigen werden. Diesen Leuten und ihren Förderern läuft der technische Fortschritt davon. Die Arbeitspätze für die man heute versucht Analphabeten fit und fähig zu machen, wird es in 5 Jahren nicht geben. D.h. 95% der Einwanderer bleibt im sozialen Netz hängen, ernährt von einer immer kleineren Zahl der arbeits- und beitragswilligen. Aber dass kümmert die Machtaber nicht. Hautsächlich sie haben eine zahlreiche und hörige, Wahlmanövriermasse zu Verfügung.

  36. Thomas Holzer

    @Gerald Steinbach
    Ma Parteitag der “Die Linke” sagte ein Delegierter: “Wenn wir den Kapitalismus nicht töten, werden wir den Rassismus nicht besiegen” 😉

    Das möge, mit anderen Parametern, mal ein “Rechter” öffentlich sagen……….

    @wbeier
    Die “Aufbruchsstimmung” die von (fast) allen herbeigeschrieben wird, wird nur in einem noch böseren Erwachen enden

  37. Gerald Steinbach

    Thomas Holzer@ Man nimmt sich eigentlich kein Blatt mehr vor den Mund, man spricht schon unverblümt aus, was man sich denkt,…auch ein Tempo das mich überrascht, offenbar möchte man diesen Prozess schleunigst zu Ende bringen bevor die Mehrheit der Bevölkerung “draufkommt”, bis dahin müssen halt die “neuen Sätze/Wörter kaschierend einwirken

  38. Thomas Holzer

    @mariuslupus
    “Die Arbeitspätze für die man heute versucht Analphabeten fit und fähig zu machen, wird es in 5 Jahren nicht geben.”
    Die gibt es de facto heute schon nicht. Wenn “unsere” Neubürger weder willens noch fähig? sind, ihre eigenen WC zu reinigen, wie wollen Sie die dann z.B. bei Mc’Donalds zum Bodenschruppen “begeistern” 😉

  39. Hanna

    “Integration” (in Sachen Ausländer) ist leider per definitionem auch ein missverstandenes Wort, denn in der Tat heißt es, dass wir die Ausländer “einbeziehen” müssen. Sie haben also Recht (Sarkasmus!), wenn sie keine Eigeninitiative zeigen, wir müssen uns ja bemühen, sie zu integieren” (s. Artikel im Standard, wonach die armen Zuwanderer jahrelang zum Herumsitzen und Nichtstun verdammt sind, wenn sie keinen staatlich bezahlten Deutsch-Sprachkurs bekommen; Aber dass sie selber die Sprache lernen oder sich irgendwas Anderes in Sachen Können oder Bildung aneignen könnten, das fällt niemandem ein! In der Schule wird einem ja auch nur Grundsätzliches gezeigt, Lernen muss man selber; Online-Tutorials gibt es Millionen, von Sprachkursen bis zur Gehirnchirurgie, meist gratis!)
    “Angst” ist übrigens die Vorstellung (Imagination) von etwas, das noch nicht eingetroffen ist und vielleicht nie eintreffen wird, das aber als schmerzhaft erwartet wird (denn der Mensch fürchtet sich nun einmal nur vor körperlichem Schmerz, alles Andere ist davon abgeleitet).
    Übrigens ist “Multikulti” ja keineswegs ein kulturphilosophischer Ausdruck, sondern eine politische Agenda, wo bewusst diverse Menschengruppen unterschiedlicher Sprache, Kultur und daher Gewohnheiten nebeneinander leben sollen: Das kommt aus den USA, aus einer Zeit, als noch Einwanderung in ein Land kam, das keine gewachsene Originalkultur hatte. Da wurde alles erst entwickelt. Multikulti geht klarerweise nicht in einem Land mit über Jahrhunderte gewachsener Kultur, da müssen die Einwanderer “assimiliert” werden, aber nicht “integriert”!
    Denn sonst erwartet man “Multikulti”, das es gar nicht geben kann, weil es eben eine Gastkultur gibt, eine etablierte.

    Und last, but not least, DAS “Unwort” des Jahrhunderts: “Österreich”. Nazi-Ausdruck, siehe “Reich”!

  40. Mourawetz

    Ich höre immer “Neubürger”? Die fahren doch alle wieder nach Hause, wenn der Krieg in Syrien vorbei ist. Ob Syrer oder Nicht-Syrer.

  41. Fragolin

    Oh, hat es sich jetzt bereits bis in Politikerkreise herumgesprochen, dass wir es mit einer riesiegen Wortverdreherei zu tun haben? Die Verbaldrechsler lassen ihren Gegenern jedes Wort im Mund rotieren, drehen jede Bedeutung einfach rotzfrech um und erklären ihre Gegner zu Geisteskranken.
    Die “Radikalisierung der Gesellschaft” geht genau von jenen aus, die diese bejammern, und zwar verbal.
    Und besonders lustig fand ich Van der Bellens Aussage im ORF kurz vor der Stichwahl, täglich vor der Kamera mit seinem Wahlkampfleiter in Rollenspielen Rhetorik zu üben – um dann Hofer vorzuwerfen, NLP-Werkzeuge zu verwenden.
    Gelaber, Gesülze, Belug und Betrug allerorten – und dann wundern, dass die Menschen von der Politik die Schnauze einfach gestrichen voll haben. Und zwar wörtlich.

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