Wie die “Target-Salden” Deutschland erpressbar machen

“Ja, die Target-Salden müssten bei Austritt eines Landes oder gar eines Kollapses des Eurosystems abgeschrieben werden und die Bundesbank sähe sich einer riesigen Überschuldung gegenüber, schließlich verfügt sie nur über wenig Eigenkapital und der Staat müsste sie rekapitalisieren. Dass eine Rekapitalisierung bei Verlusten nötig werden könnte, ist die Auffassung des Bundesverfassungsgerichtes. Aber auch wenn nicht rekapitalisiert wird, sind die Verluste da, weil der ewige Zinsstrom auf die Target-Salden, den die Bundesbank sonst bekommen hätte, wegfällt. Mit diesen möglichen Folgen wird man Deutschland konfrontieren und wird es zwingen und bitten, das Portemonnaie aufzumachen für eine Transferunion, um auf diese Weise den überschuldeten Ländern der Eurozone zu ermöglichen, weiter ihren Schuldendienst zu leisten. Dann zahlen wir die Zinsen, die die Schuldner an uns zahlen, letztlich zwar doch wieder selbst, doch wird das Problem auf die lange Bank geschoben” (Hans Werner Sinn, hier)

7 comments

  1. CE___

    Der Euro ist auf der gewollten glitschigen Rutschbahn in Richtung der verblichenen Lira/Peseten/Escudo/Drachmen.

    Die der Bevölkerung in den ehemaligen Hartwährungsländern vorgegaukelte Benchmark der D-Mark für den Euro wurde schon längst entsorgt.

    Auf diesem Wege, so werden sich die EU/Euro-Bonzen denken, werden auch die nominell (und derzeit auch noch real) untragbaren “Target-Salden” in naher Zukunft keine Probleme mehr bereiten da sie durch kommende weitere Inflationierungsorgien entwertet werden.

    Derzeit lebt der Euro nur noch – sowohl innerhalb der Euro-Zone als auch in der Fremde – vom Nimbus der verblichenen D-Mark und der “Stärke” der Industriemacht Deutschland die alles finanziell schultern KANN and WILL.

    Sollte dies einmal, vielleicht sehr schnell, wegfallen, dann fällt auch der Euro auf das zurück was er ist:

    Eine Ramschwährung von und für Italiener, Spanier, Portugiesen und Griechen, auf die kein denkender Mensch in der Welt einen Pfifferling setzt geschweige denn länger als bis zur nächsten lokalen Geldausgabe nötig im Portemonnaie haben will.

  2. FDominicus

    Es gibt keine Überschuldung bei einer Zentralbank. Wenn die will legt Sie eine Geldnote auf , so hoch wie sie will und ein negatives EK ist für eine Zentralbank auch noch lange kein Grund die Geschäfte einzustellen. Wenn man bedenkt welchen Schaden Zentralbanken anrichten, dann weiß man genau in was für eine Welt man lebt, wenn da so gut wie niemand etwas dran ändern möchte. Übel ist ein viel zu mildes Wort dafür

  3. Dieuetmondroit

    Das ist ziemlich kompliziert. Vermutlich ist es so kompliziert, damit es kaum jemand versteht.
    Ich sehe das so: Deutschland kann die Forderungen aus den Target-2-Salden getrost jetzt schon abschreiben. Das Geld sehen sie ohnehin nie wieder.

  4. dna1

    @FDominicus
    1. Natürlich gibt es eine Überschuldung bei einer Zentralbank.
    2. Geld auflegen kann sie nicht, soviel sie will, weil das Geld ja nicht verschenkt, sondern als “Kredit” vergeben wird, und dazu braucht es jemanden, der diesen Kredit auch will.
    3. Ein negatives EK ist sehr wohl ein Grund, die Geschäfte einzustellen, es sei denn die “Aktionäre” i.e. die nationalen Notenbanken, schießen Geld nach.
    4. Auch eine Zentralbank kann zahlungsunfähig werden, weil sie nicht einfach all das Geld für ihren Aufwand drucken kann, der Aufwand muss aus den Gewinnen der Zentralbank gedeckt werden.

  5. Johannes

    Ich denke das System Merkel mit ihrem gesamten Stab ist zu lange im Amt um dieses Problem auch nur ansatzweise als solches zu akzeptieren.
    Es fehlt mit Sicherheit, nach so vielen Jahren, die Fähigkeit dynamische Akzente zu setzen, neue Richtungen einzuschlagen, Probleme aus einem anderen Blickwinkel anzugehen.
    Merkel verkörpert die Garantie das Deutschland alles bezahlt, diese gewachsene Aufgabe kann sie nicht abschütteln es ist ihr Renommee das ihr anhaftet und nur durch einen Wechsel an der Spitze kann ein glaubwürdiger Neubeginn, auch für alle europäischen Länder, gelingen.

  6. Christian Peter

    Weg ist das Geld ohnehin. Weit besser wäre es, der Bevölkerung reinen Wein einzuschenken und durch Ausstieg aus dem Euro den Schrecken zu beenden, andernfalls werden die Forderungen der deutschen Bundesbank an das EZB – System ins Unermessliche steigen. Dass würde den Partnerländern gleichzeitig die Möglichkeit geben, im Vergleich mit Deutschland an Wettbewerbsfähigkeit zu gewinnen und die Abhängigkeit Deutschlands vom hochsubventionierten Exportsektor zu verringern, denn deutsche Produkte werden mit dem weichen Euro weit unter Wert verkauft. Erst wenn wieder Wechselkurse eingeführt werden, haben andere europäische Länder die Chance, Arbeitsplätze auf- und Schulden abzubauen.

  7. Thomas F.

    Die EZB wird einfach weiter immer mehr Geld drucken. Sie kann gar nicht anders. Technische Details wie ‘Target-Salden’ sind Kleinigkeiten. Da hat sie sich schon über ganz andere Beschränkungen lässig hinweggesetzt. Kostet Draghi nur einen Huster. Wenn es um die Währung geht, ist der Rechtsstaat ausser Kraft gesetzt.
    Das Problem wird erst dann spürbar, wenn die Währung (plötzlich) keiner mehr ernst nimmt. Dann haben wir Zustände wie in Zimbabwe oder Venezuela.

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