Wie gefährlich ist es, wenn nicht dauernd alles teurer wird?

Von | 23. Mai 2014

(C.O.) Für ganz normale Menschen, die Jahr für Jahr bekümmert feststellen müssen, dass sie für einen 100-Euro-Schein immer weniger Waren in den Einkaufskorb ihres Supermarktes legen können, muss eher befremdlich geklungen haben, was Europas oberste Währungshüter vor einigen Wochen sagten: „Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

Was so besonders riskant daran sein soll, wenn die Preise einmal eine Zeit lang nicht so schnell steigen wie sonst oder möglicherweise sogar einmal ausnahmsweise zurückgehen sollten, eröffnet sich auch dem intellektuell anspruchsvollen Konsumenten nicht wirklich. Trotzdem warnen Ökonomen, Politiker und Wirtschaftsjournalisten, seit die (offizielle) Inflationsrate in der EU tatsächlich nur mehr knapp über null liegt, vor angeblich drohenden Gefahren einer Deflation – also einer Zeit sinkender Preise –, als handelte es sich dabei um eine Art ökonomisches Ebolavirus.

Zum Beweis der Gefährlichkeit dieser Deflation wird regelmäßig behauptet, die Konsumenten würden angesichts fallender Preise immer mehr Konsum in die Zukunft verschieben, um billiger kaufen zu können, und damit die Nachfrage und in der Folge die Wirtschaftsleistung und letztlich den Wohlstand vermindern.

Besonders plastisch hat die Schrecken einer „deflationären Todesspirale“ unlängst der „Financial Times“-Kolumnist Wolfgang Münchau seinen Lesern nahegebracht. „Wer damit rechnet, dass die Preise fallen, der kauft sich den Kühlschrank erst im nächsten Jahr, weil er dann billiger sein dürfte. Im nächsten Jahr kauft er ihn dann aber auch nicht, denn schließlich könnte er im Jahr darauf noch mal billiger werden“, malte Münchau (auf „Spiegel Online“) ein düsteres Szenario unverkäuflicher Kühlschrank-Gebirge. Er hat damit freilich nur bewiesen, dass auch Star-Ökonomen erstaunlich wenig Ahnung von der Wirklichkeit haben können. Denn dort werden Kühlschränke gekauft, weil und wenn sie gebraucht werden.

Die Vorstellung hingegen, dass jemand ein oder zwei Sommer ohne Kühlschrank verbringt, weil die dann vielleicht billiger werden, kann eigentlich nur in einem geschlossenen Sanatorium für Menschen entstehen, die zwanghaft von der Idee besessen sein, John Maynard Keynes zu sein.
Das gilt natürlich nicht nur für Kühlschränke. Die Mehrheit der weniger gut verdienenden Menschen werden weder ihre Mietzahlungen noch die Ausgaben für Fleisch und Brot, Benzin und Lebensversicherung oder die neue Blue Jean für die Tochter auf das übernächste Jahr verschieben können, bloß weil dann vielleicht die Preise niedriger sind. Man kennt das Phänomen bestens von Laptop und Tablet: Jeder weiß, dass es nächstes Jahr bessere Geräte für weniger Geld geben wird – und trotzdem kauft jeder und jede natürlich hier und jetzt. Für Konsumenten ist Deflation nicht gefährlicher als eine ordentliche Gehaltserhöhung.

Wirklich bedrohlich ist Deflation hingegen für Schuldner – und da vor allem für den größten aller Schuldner, nämlich den Staat. Denn der muss in Zeiten steigenden Geldwertes natürlich immer mehr zurückzahlen und kommt damit in eine eher verdrießliche Lage; während er in Inflationszeiten seine Verbindlichkeiten auf Kosten seiner Gläubiger elegant loswird.

Deshalb fürchten der Staat und seine Funktionäre die Deflation so sehr. Um so mehr, als die Bekämpfung der vermeintlich drohenden Deflation noch dazu ein perfektes Alibi dafür bietet, einfach massenhaft Geld zu drucken und damit die Volkswirtschaft bei Laune zu halten, wie das in den USA seit Jahren üblich ist (und auch von der EZB schon ernsthaft erwogen wird). Anders sind Menschen, die einen Kühlschrank brauchen, ja bekanntlich auch nicht dazu zu bewegen, sich einen zu kaufen. (“Presse”)

24 Gedanken zu „Wie gefährlich ist es, wenn nicht dauernd alles teurer wird?

  1. Heinrich Elsigan

    Die Banken vergeben zu wenig Kredite wegen der Umstellung auf Basel-III und brauchen auch höhere Eigenkapitalquote seit B3. Sie verdienen aber zu wenig durch zu wenig Kreditvergabe. Zusätzlich ist Interbanken-Markt auch noch immer leicht broken. Die Banken in der €-Zone vertrauen einander noch immer nicht ganz und einige parken ihr Geld noch immer ab und zu bei der EZB zum 0-0,25% Zinssatz. Sie warten lieber auf die Bankenunion, aber Draghi weiß, dass die sich vorher wieder mehr Geld borgen müssen, damit da mit der Bankenunion was weitergeht. Draghi würde nicht den Leitzins senken und nur für die Banken, die ihr Geld bei der EZB parken einen leicht negativen Einlagezins verrechnen, damit sie es eben nicht mehr bei der EZB parken. Und alle schreien: Enteignung der Sparer und das bei sehr niedriger Inflation

  2. Heinrich Elsigan

    Das Problem ist, dass große Aktiengesellschaften im Moment dank des niedrigen Zins leicht zu Geld kommen, weil sie bessere Rendite den Anlegern bieten als die Banken. KMU und Private nehmen aber zu wenig Kredite, um sich damit was zu schaffen oder zu erneuern/modernisieren/investieren. Die EU verlangt von den Banken aber einen höheren Eigenkapitalbuffer mit Basel-III und gleichzeitig schrumpfen viele zu aufgeblasene Banken ihre Bilanzen. Da aber zu wenig Nachfrage nach Krediten herrscht und Banken aber mehr EK für Tier1 + Tier2 nach Basel-III brauchen, werden sie halt wieder zocken gehen, um sich dieses fehlende Kapital zu besorgen oder sie werden die Aktien verwässern und sich eine Kapitalaufstockung von Aktionären holen!

  3. Heinrich Elsigan

    Raiffeisen hat grad erfolgreich gezockt – glaub ich zumindest

    Die wollten ihre Aktien nicht weiter verwässern

  4. Sybille Stoa

    Eh es sind alle Hartgeldlobbyisten na gut, wenn sich jetzt eine Bank verzockt, dann ist Gott sei Dank zu wenig Geld mehr da um sie zu retten und die Sparer verlieren alles bis auf die Einlagensicherung.
    Auf die werden sie aber auch 3 Monate im worst case warten müssen, weil auch die aus dem Bankenrettungsschirm erst zusammen geglaubt werden muss. Die 50 Mrd. € halten aber sicher ned bei vielen Verzockereien.
    da gibts dann halt nur gegen Ende 1/4 der Einlagensicherung, außer Draghi würde drucken. Das soll er aber bitte dann justament nicht tun!

  5. Sybille Stoa

    Wär eh geil, wenn die ganzen GÖD und sonstigen Beamten ihre par Milliomen € verlieren würden, weil die alle das in den Banken haben und in Investmentzertifikatten, wo die Emittenten Banken sind

  6. Heinrich Elsigan

    Eh das wär mal Neuordnung der Dinge
    Der alte Geldadel und die IV blieben davon unberührt und die geschickten Gummistiefler sicher auch, aber andere die weniger KnowHow haben eher nicht.

    In so einer Zeit werden Bürgerliche arm
    Glücksritterinnen wie du könnens reich.

  7. Sybille Stoa

    Schau, der IV ist das egal, die kann in jedem Szenario Geld durch Investitionen machen, die mischen sich auch merkwürdiger Weise nie in diese rein monetäre Geschicht ein.
    Mich würd nur Interessieren, ob Herr Ortner für den alten Geldadel oder die Kleinreichen mit Kapital 50 Mio euro Lobby macht!

  8. gms

    Heinrich Elsigan,

    “Und alle schreien: Enteignung der Sparer und das bei sehr niedriger Inflation”

    Und kleine Kinder plappern.

    Bis dato waren die von der EZB bedruckten Fetzen mangels Nachfrage noch halbwegs harmlos, doch Draghi will sie nun mit Gewalt unters Volk bringen, indem er auf Geschäftsbanken Druck aufbaut. Allein die Summen, die in der Vergangenheit mit Bertha und Co an neuem Fiat-Money ausgegeben wurden, reichten für 8% Geldentwertung, falls sie über Nacht gleichmäßig über der Eurozone abgeworfen worden wären. Das BSP der Eurozone beträgt nun mal nur 10 Billionen im Jahr.

    Einzig und allein die bislang rückgängige Kreditnachfrage und die damit sinkende Menge an Giralgeld sorgte bislang noch für erträglichen Preisauftrieb. Einmal mehr gilt: Wer mit der Inflation flirtet, wird sie heiraten müssen.

    Sobald das bislang geparkte Notenbankgeld per Kredit tatsächlich vervielfacht werden, steigen auch die Preise, von 2% aber dürfen wir dann nur träumen. Wieder einsammeln kann die EZB die Gelder mangels Assets nicht mehr, somit bleibt preisdämpfend nur das Heben des Leitzinses — mit erwartbaren Folgen bei einer Staatsverschuldung des Euro-Raums von 96% und anstehendem nennenswerten Refinanzierungsbedarf insbesondere in Spanien und Italien.

    Draghi weiß das, aber Investoren wissen das auch. Draghi greift zu absurden Mitteln, weil die Lage so dermaßen beschissen ist, und ausgerechnet daraufhin soll die Wirtschaft Optimismus aufbauen?

    Im besten Fall haben wir einige Jahre Flaute, enteignete Sparer und konstant wachsende Arbeitslosenzahlen, im schlechtesten Fall kippt dank keynsiansicher Verkurbelung der Wirtschaft durch überamitionierte Staaten das ganze Werkel mit lautem Knall wie schon 2008/2009, bloß wird das Damalige dann wie ein Unfall mit Matchboxautos anmuten.

  9. Sybille Stoa

    Die Lage ist beschissen?
    http://sdw.ecb.int/home.do?chart=t1.9
    http://sdw.ecb.int/home.do?chart=t1.8
    http://sdw.ecb.int/home.do?chart=t1.11
    http://sdw.ecb.int/home.do?chart=t1.6
    http://sdw.ecb.int/home.do?chart=t1.2

    par Südstaaten sind pkeite und Österreich & Frankreich sind dumm?

    Wir haben seit 2008 die €-Krise und die Regierungen hatten jetzt einmal
    5 Jahre Zeit was zu machen.
    Die Griechen hast zwingen müssen, die Portugiesen und Spanier haben protestiert und alle haben Mini-Reformen umgesetzt und alle die Steuern erhöht und Banken gerettet.
    Deutschland war auf zack und das performed wieder gut.
    der Rest Europas will halt ned, ich mein Frankreich und Österreich sind überhaupt total irre.

    In den 5 Jahren hätte schon viel passieren können, in Holland ist auch was passiert, aber ich kann nix für die Blödheit der Regierungen.

    die Transferempfänger und die staatsnahen haben halt in zu vielen Ländern zu viel Macht mit der ‘ja nichts kaputtsparen’ – ‘ich häng an der staatlichen Geld Nadel-Mentalität’

    klar, dass wenn ich in der Krise die Steuern noch dazu dauernd erhöhe, dann wird das unheimlich die realwirtschaft ankurbeln.

  10. S.M.

    Werte Frau Stoa!

    Wenn Sie Ihre Gedanken nicht ordnen und artikulieren können, sollten Sie Ihre Beiträge einstellen. Dies ist keine Aufforderung, Sie können schließlich soviel und so oft schreiben, wie Sie möchten. Ist es Ihr bürgerlicher Name, müssten Sie dann aber einen drastischen Imageverlust befürchten.
    Ist es ein Pseudonym, sind Sie einfach nicht mehr ernst zu nehmen. Ihre Beiträge sind jedenfalls sehr wirr und mir ist bis dato noch kein Beitrag von Ihnen aufgefallen, der von Fakten unterlegt gewesen wäre.

    Ad rem: die Furcht ist aus Sicht der Eurokraten selbstverständlich begründet. Die aktuelle Deflation wäre nämlich eine Kreditkontraktion.
    @gms hat prägnant ausgeführt, dass die extrem niedrige Geldumlaufgeschwindigkeit für die offiziell niedrige Inflation verantwortlich ist. Dies ist m.E. korrekt. Die Banken müssen zwar ihr Geld veranlagen, da sie ansonsten Verluste einfahren würden, durch Basel III gibt es jedoch zahlreiche attraktive Möglichkeiten, Geld zu vermehren, ohne Kredite zu vergeben. Schließlich muss man z.b. für Staatsanleihen kein (!) Eigenkapital unterlegen.

    Falls Herr Draghi den Erwartungen entsprechend die Banken durch ungewöhnliche Mittel dazu zwingen sollte, Kredite zu vergeben, wird die erkleckliche Menge Umlaufgeld für eine Inflation sorgen, die an außer Kontrolle geraten würde, wenn die Zinsen nicht steigen.
    Die EZB steht dann zwischen Skylla und Charybdis: die Zinsen erhöhen und die zahlreichen Staaten, Private und Unternehmen in den Ruin treiben und die nächste Blase platzen lassen, oder eine Hyperinflation zulassen.

    Meine Prognose: die Zinsen werden steigen, die Monsterblase platzt, die Märkte werden mit einer ungeahnten Geldmenge geflutet (ja es geht noch mehr als im Moment), ein finaler Crack-up-boom folgt, eine Hyperinflation nach sich ziehend.

  11. Thomas Holzer

    @S.M.
    “Schließlich muss man z.b. für Staatsanleihen kein (!) Eigenkapital unterlegen.”

    Hinzu kommt, daß bei der geplanten Finanztransaktionssteuer dieser Handel mit Staatsanleihen von dieser Steuer ausgenommen werden soll!

    Ein Schelm, wer Böses denkt 😉

  12. gms

    Sybille Stoa

    > Die Lage ist beschissen?

    Sie haben echt Humor, diese rhetorische Frage ausgerechnet mit ausufernden Charts auf Staatsverschuldung (t1.11) und Arbeitslosenraten (t1.6) zu unterfüttern. Daß weiters die Steigerung (!) der M3 rückläufig ist und nur noch mit 1.1% steigt, will unser Herr Draghi ja ändern, hat das doch von 2006 bis 2008 ja auch so toll geklappt.

    Gestatten Sie mir abschließend die Anmerkung: Ihre Postings würden durch verminderte Schlampigkeit und erhöhte Struktur entschieden gewinnen. Mangels Dechiffrierbarkeit ist vieles aus Ihrer Feder Ihnen schlichtweg unbrauchbar.

  13. S.M.

    Ich forderte von Frau Stoa Fakten. Ich möchte deshalb selbstverständlich keine Aussage einfach in den Raum werfen:

    Dass bei Staaten kein Eigenkapital erforderlich ist, ist in § 95 Abs. 5 Z 4 geregelt.

  14. S.M.

    Verzeihung § 95 Abs. 5 Z 4 Bankwesengesetz selbstverständlich.

  15. S.M.

    Bitte nochmals um Verzeihung, ich bin etwas in Eile. Die Eigenkapitalerfordernisse sind natürlich in der CRR Verordnung (VO 575/2013) geregelt. Wer zehn Minuten Zeit hat, sollte sich Artikel 111 ff. dieser Verordnung zu Gemüte führen. Dann weiß man, woher der Wind weht.

  16. Sybille Stoa

    Sie wollen von mir Fakten, sie bekommen aber nur Überlegungen.

    Die Banken in der €-Zone haben noch immer einige Probleme.
    Die Bilanzen der Banken wurden künstlich aufgeblasen, um die NPL-Ratio (Non Performing Loan = Notleidende Kredite) künstlich kleiner im Vergleich zur Bilanz erscheinen zu lassen.

    Die Staaten in der €-Zone haben im Vergleich zu ihrer Bruttowertschöpfung, realer wirtschaftlicher Leistungskraft, Exportfähigkeit, Importnötigkeit (Rohstoffe, Gas) erhebliche Probleme und die Staatsverschuldung ist zu hoch. Das BIP wurde künstlich aufgeblasen hauptsächlich im Bereich der Staatsausgaben (die man auch ins BIP rechnete, was aber nur begrenzt sinnvoll ist) um die Staatsverschuldung in % des BIPs kleiner wirken zu lassen.

    Die Regierungen sind großteils nicht fähig oder nicht willens in Staaten wie Österreich, Frankreich, Italien gescheite nachhaltige Reformen wie in Deutschland oder Holland durchzuführen und das ist die Hauptursache warum die Staatsverschuldung weiter anwächst!

    Herr Draghi kann nicht viel machen, weil der nur der Chef der EZB ist. Die Regierungen der Staaten müssten was machen und ehrlich gesagt ich wünschte mir auch keinen politischen Diktator, der gleichzeitig Zentralbank-Chef ist.

    Die Eurokrise könnte abgemildert werden und schneller gelöst werden, wenn die Regierung der Staaten vernünftige nachhaltige ausgabenseitige Reformen durchführen.

    Im Moment erhöhen sie andauernd nur die Steuern und durch mehr Steuern wird sich das Problem nicht lösen lassen, weil meiner Meinung nach Steuererhöhungen in einer Krise die wirtschaftliche Situation noch eher verschlimmern.

    Die Staaten hätten die ganze Zeit schon ausgabenseitig konsolidieren können, anstatt die Steuern zu erhöhen.
    Wir haben in Wirklichkeit gar keine Deflation, die erhöhten Steuern wirken mancherorts nur deflationär, weil sie zu einem sinken der inflationsbereinigten Reallöhne und der realen Kaufkraft führen.
    Deswegen wurde die Wettbewerbsfähigkeit auch nur leicht besser, weil der Realllohnverlust nicht durch mehr Wettbwerbsfähigkeit zum Großteil entstand, sondern hauptsächlich durch höhere Steuern.
    Durch die erhöhten Steuern ist es noch schwieriger geworden wieder gescheit wettbewerbsfähig zu werden, da auf jedes Produkt und jede Dienstleistung erhöhte Steuern draufgeschlagen werden (erhöhter Verkaufspreis)
    Geringere Steuern würden helfen wettbewerbsfähiger zu werden und gleichzeitig auch den Wohlstand der Leister zu erhöhen.

    Am Andauern der €-Krise ist die Reformunfähigkeit und Reformunwilligkeit einzelner Staaten schuld.
    Draghi versucht irgendwie die Balance monetär zwischen den Reformwilligen und den reformunwilligen Staaten zu halten, weil das seine Aufgabe ist. Er kann weder Länder aus dem € ausschließen, noch kann sie zwingen Reformen durchzuführen. (ist auch prinzipiell gut so) Es fehlt der poltische Wille zur Änderung in vielen Staaten und das ist das Hauptproblem.

  17. Sybille Stoa

    Österreich hat sich z.B. durch rechtsstaatliche Dinge vielerorts in eine Situation gebracht, die es unmöglich macht gewisse staatliche Transfers für leistungslose Empfänger zu beschneiden. Weiters sind durch diverse schwer änderbare geschaffene juristische Tatsachen Reformen äußert schwierig. Diese rechtlich geschaffenen Dinge sind im Moment weder sozial noch wirtschaftlich.
    Der Rechtsstaat zwingt praktisch dazu, dass entweder bei Zukunftsinvestitionen gespart wird, die Steuern erhöht werden oder der Staat sich neuverschuldet. Das Recht tötet den Staat!

  18. Sybille Stoa

    Man kann der Weg der F gehen oder den Weg der Neos gehen, beide Wege sind aber nur mit Reformen sinnvoll.
    Ohne Reformen führen beide Wege ins Chaos und in düstere Zeiten.

  19. S.M.

    Österreich hat sich z.B. durch rechtsstaatliche Dinge vielerorts in eine Situation gebracht, die es unmöglich macht gewisse staatliche Transfers für leistungslose Empfänger zu beschneiden.

    Dieser Satz ist ein perfektes Beispiel dafür, was ich meinte, Frau Stoa. Sie schreiben viel, sagen aber wenig aus. Nehmen Sie nur diesen Satz. Was sind rechtsstaatliche Dinge? Wissen Sie, was das rechtsstaatliche Prinzip ist und ob und wenn ja wo es verankert ist? Wie können daraus “Dinge” entstehen? Sie meinten wohl eher Normen. Diese entstehen aber nicht durch das rechtsstaatliche Prinzip, sondern weil es das rechtsstaatliche Prinzip gibt. Der konkrete Inhalt ergibt sich aus keinem Prinzip, sondern aus Gesetzesentwürfen und den daraus resultierenden Gesetzen. Zwar ist man an die Verfassung gebunden (das ist das Ergebnis eines Rechtsstaats), die Spielräume sind aber derart groß, dass man sich nur sehr schwer darauf berufen kann. Umso schwerer zu verdauen sind dann Sätze wie dieser:

    Der Rechtsstaat zwingt praktisch dazu, dass entweder bei Zukunftsinvestitionen gespart wird, die Steuern erhöht werden oder der Staat sich neuverschuldet. Das Recht tötet den Staat!

    Dieser Satz ist so abgrundtief falsch, dass man gar nicht mehr begründen muss, warum er falsch ist. Das ist, und bitte nehmen Sie das jetzt nicht persönlich, bei so einem Wissensstand vergebliche Liebesmüh’.
    Zwar wende ich gerne Energie und Zeit auf, um Menschen grundlegende Dinge zu erklären, aber wenn Meinungen dann mit solcher Inbrunst vorgetragen werden…

    @ Weltfremdbürger

    Danke für diese Liste. Sie erlauben, dass ich ein paar Beispiele herauspicke?

    Vollmilch 10,5 Schilling. Beim Billa kostet der Liter Milch 1,15, JA! Natürlich Milch sogar 1,25! 1,15 sind 15,8 Schilling. Also eine Preissteigerung von satten 50%!

    Oder Ölz Zopf: kostete 19,9 Schilling. Dasselbe Produkt (!) bei Billa 3,15; 3,15 sind 43,3 Schilling, macht eine satte Preissteigerung von knapp 120%!

    Oder 10 Semmeln kosten auf Ihrer Liste 12,9 Schilling. 10 Semmeln beim Billa kosten 3,5; 3,5 sind knapp 48 Schilling. Macht fast 400% Preissteigerung!

    Also danke für diese erhellende Liste!

  20. Heinrich Elsigan

    S.M. Sicher stimmt dieser Satz, wenn man sich die ganzen leistungslosen Versorgungsgenüsse ansieht.
    Österreich wird einfach immer mehr zum Verlierer und daran ist das Volk 100% selber schuld. Kein Mitleid, es verdient nichts besseres. Während andere Regionen der Welt unfassenbaren realen Reichtum und Wohlstand sich durch Leistung und Innovationen schaffen, sandelt Österreich immer mehr ab.

  21. Heinrich Elsigan

    @S.M. Die meisten Unternehmen wandern schon in innovativere wirtschaftsfreundlichere Regionen mit besserer Bildung und Leistungsbereitschaft und weniger beamteten Vorgaben, niedrigeren Steuern und keiner Überadministration ab.
    Die Österreicher haben einerseits einen riesigen Minderwertigkeitskomplex auf der anderen Seite glauben sie aber, sie sind so gut, weil sie sich mit der Türkei oder Griechenland vergleichen. Sie sollten sich einmal mit Singapur, Neuseeland, Deutschland, China, Skandinavien vergleichen. Dann würden sie schnell erkennen, wie schwach und rückständig dieses Land wurde. Selbst Polen holte schon gewaltig im Vergleich zu Österreich auf und das obwohl der Kommunismus dort gerade ein par Jahrzehnte vorbei ist.

  22. gms

    Sybille Stoa,

    “Draghi versucht irgendwie die Balance monetär zwischen den Reformwilligen und den reformunwilligen Staaten zu halten, weil das seine Aufgabe ist.”

    Ist das so?

    “Er kann weder Länder aus dem € ausschließen, noch kann sie zwingen Reformen durchzuführen. (ist auch prinzipiell gut so) Es fehlt der poltische Wille zur Änderung in vielen Staaten und das ist das Hauptproblem.”

    Die Versorgung von Junkies mit Drogen ist dessen eingedenk definitiv nicht Draghis Aufgabe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.