Wie gehirngewaschen sind wir eigentlich schon?

(C.O.) Wer in Österreich ein Unternehmen gründen will, der braucht dazu nicht nur eine gute Idee und die nötige Kohle, sondern auch eine ganz offizielle Erlaubnis der Obrigkeit, dieses Unternehmen zu betreiben. Der Wisch heißt „Gewerbeberechtigung“ und ist neuerdings in vielen Fällen mit deutlich weniger bürokratischem Aufwand – so etwa einem halben Arbeitstag – als früher zu bekommen.

Das freut viele Jungunternehmer, doch diese Freude darüber, nicht mehr so viel Zeit wie früher mit bürokratischem Unfug verplempern zu müssen, zeigt auch recht drastisch, wie mehr oder weniger gehirngewaschen wir alle vom hyperbürokratischen Vormunds-Staat bereits sind. Denn schon als Fortschritt zu empfinden, dass bürokratische Mühlen jetzt halt schneller mahlen als vor der Erfindung des Computers ist ungefähr so, als würde man es als Fortschritt empfinden, dass räuberische Wegelagerer nicht nur Bares nehmen, sondern auch Kreditkarten akzeptieren.

Je schneller Unternehmer an Gewerbeberechtigungen kommen, umso weniger wird leider die einzige wirklich sinnvolle Frage gestellt: warum der Staat überhaupt das Recht haben soll, Dir zu erlauben oder zu untersagen, Dein Geld selbständig zu verdienen. Was, bitte, geht es den Staat an, ob und wo und wie Du morgen ein Geschäft aufmachst? (Ausgenommen natürlich alles, wo Gefahr für Leib und Leben droht; dass Elektrotechniker oder Chemikalienhändler Lizenzen brauchen, macht Sinn).

In Wahrheit hat diese staatliche Bevormundung der Unternehmer – und ihrer Kunden – überhaupt keine Existenzberechtigung. Die Behauptung, sie diene dem Schutz der Konsumenten vor Übervorteilung durch profitgierige Unternehmer ist ziemlich verwegen: Schlechte Friseure (oder beliebige andere Gewerbetreibende) gibt es mit und ohne Gewerbeschein, und um die Qualität von Produkten und Dienstleistungen zu bewerten und entsprechend zu bezahlen, hat sich eine Erfindung namens „Markt“ bestens bewährt. Einen vernünftigen Grund, dass der Staat seine Pfoten da hineinsteckt, gibt es nicht.

Junge Unternehmer, die hungrig und leistungsfroh sind, sollten ihre Geschäfte dann starten dürfen, wenn sie sich dazu bereit fühlen – und nicht erst dann, wenn ihnen eine bürokratische Obrigkeit gnadenhalber eine Erlaubnis dazu ausstellt. Die Berechtigung, einem Gewerbe nachzugehen, ist in einem freiheitlich-liberalen Staat ein Recht, das jeder Mensch von Geburt an hat – und keines, das man untertänigst erbitten muss. (fischundfleisch.at)

10 comments

  1. Ehrenmitglied der ÖBB

    Nicht nur der Staat, Herr Ortner, auch die WKO! (ok ich weiss, halbstaatlich, 🙂 )
    Die Schutzmantelmadonna der bereits bestehenden Unternehmen ist manchmal die “hintergründige” Ursache der von ihnen aufgezeigten Probleme.
    Ein Bekannter, Leiter der Gewerbebehörde einer LR sagte mir einmal, wenn ich verzweifelt bin weil ich eine Ablehnung schreiben muss, hefte ich die negative Stellungnahme der WKO dazu. So viel zur Realität.

  2. Fragolin

    Mit welchem Recht schreibt mir der Staat vor, auf welche Weise ich meinen Lebensunterhalt verdiene?
    Mit welchem Recht enteignet er der rechtlosesten Gruppe der Gesellschaft, nämlich jenen Selbbstständigen die die Hürden überwunden haben, über die Hälfte ihrer Einkünfte?
    Ganz einfach: mit dem Recht des Stärkeren.
    Der Staat ist ein Unterdrückungsinstrument, basierend auf dem Gewaltmonopol, das er sich selbst deklariert hat.
    Der Staat, wie wir ihn begreifen und erleben, und liberale Gesellschaft schließen sich gegenseitig aus.

  3. Selbstdenker

    “Denn schon als Fortschritt zu empfinden, dass bürokratische Mühlen jetzt halt schneller mahlen als vor der Erfindung des Computers ist ungefähr so, als würde man es als Fortschritt empfinden, dass räuberische Wegelagerer nicht nur Bares nehmen, sondern auch Kreditkarten akzeptieren.”

    Herrlich! 🙂

    Wobei: wer die Gewerbeberechtigung schon als ein großes Hindernis betrachtet, sollte sich das mit der Selbständigkeit besser nochmals überlegen.

    Die eigentlichen Tücken für Unternehmer hierzulande sind viel tiefgreifender: exzessive Steuerbelastung, Regulierungsflut, einander widersprechende Rechtsnormen, rückwirkende Gesetze bei stark sinkender legistischer Qualität, einseitige öffentliche Berichterstattung, Verhaberung von Politik, Medien und einzelnen Unternehmen, etc.

    Man sollte den Gewerbeschein nicht als Berechtigung, sondern als eindringlichen Warnhinweis verstehen:
    “Achtung! Sie betreten ein vermintes Gebiet.”

    So gesehen erspart der Gewerbeschein als Abschreckungsmaßnahme gegen Träumer, die von viel Geld, schnellen Autos und hübschen Sekretärinnen träumen viel unnötiges Leid.

  4. Erich

    Nicht zu vergessen die SVA – die lauert hinter jedem und kassiert gnadenlos ohne Rücksicht, ob der Selbständige genügend Gewinn macht. Auch die WK braucht die Gewerbescheine: wie könnte sie sonst wissen, wie viel der Selbständige an Zwangsbeiträgen abführen muss? Da die dafür vorhandenen Einteilungen neue Bereiche nie berücksichtigen werden Jungunternehmer irgendwelchen Branchen zugeteilt (natürlich jenen, die einen hohen WK-Beitrag verlangen). Staat und Gemeinden verdienen an der Ausstellung der Berechtigungen (abgesehen vom amtlichen Aufwand, der wahrscheinlich mehr kostet als die Gebühr einbringt); das Finanzamt erfährt das auch sofort und lauert.
    Aber träumen dürfen wir schon, dass es das nicht mehr geben wird.

  5. Thomas Holzer

    “Wobei: wer die Gewerbeberechtigung schon als ein großes Hindernis betrachtet, sollte sich das mit der Selbständigkeit besser nochmals überlegen.”

    Darum geht es gar nicht. Es geht schlicht und einfach alleine darum, daß es den Staat, respektive seine Repräsentanten nicht mal äußerst peripher zu tangieren hat, wer womit seinen Lebensunterhalt verdient, so lange der das Strafrecht nicht verletzt; Gewerbeberechtigungen, welche von ahnungslosen Beamten ausgestellt werden, haben spätestens am Ende das Mittelalters ihre Berechtigung verloren.

  6. jvj

    Absolut keiner, der als Unternehmer etwas taugt, hat in der Wirtschaftskammer (als Funktionär, alles andere ist ohnehin staatlicher Zwang) etwas zu suchen.

    Tut er es nicht, so ist ihm (zurecht) schade um die Zeit. Tut er es schon, so ist er nur da, weil er sich seinen Marktanteil (und seine Existenzberechtigung) durch “Klüngelwirtschaft im Verfassungsrang” sicher will.

  7. Selbstdenker

    @Holzer:
    Eine viel fundamentalere Einschränkung als die Gewerbeberechtigung sind da schon die Kampagnen gegen Werksverträge und “Scheinselbständige” von den üblichen Verdächtigen (AK+ÖGB+SPÖ).

    Wenn die AK Angst davor hat, dass ihr ein paar Schäfchen davonrennen, gegen deren Interessen sie üblicherweise “arbeitet”, wird den Betroffenen schlichtweg die Fähigkeit abgesprochen die geeignete Rechts- bzw. Vertragsform auszuwählen bzw. nach freien Stücken Verträge abzuschließen.

    Wie sieht es hier mit der Empörung über die Dekonstruktion der Erwerbsfreiheit aus?

    Man könnte immerhin ja auch niedergelassene Kassenärzte als Angestellte der Gebietskrankenkasse, Rechtsanwälte als Vertragsbeamte beim Bezirksgericht oder freie Journalisten als Mitarbeiter der staatlichen Medienförderung sehen.

  8. Thomas Holzer

    @Selbstdenker
    Da haben Sie schon recht; deswegen “hinweg mit all diesem Schwachsinn”, ersatzloses Streichen aus allen Paragraphen.
    Die von Ihnen erwähnten Kampagnen können aber auch nur deswegen lanciert werden, weil der Gesetzgeber in seinem Regulierungswahn Vorschriften erlässt, welche (fast) jedem die Möglichkeit zu einer Interpretation in seinem Interesse einräumen.
    Der nächste Schwachsinn ist das kommende EEG, welches auf Grund seiner Komplexität und den Wust an Bürokratie, den es einfordert, gleich mal “sicherheitshalber” in Verfassungsrang erhoben wurde, um allfällige Anfechtungen zumindest zu erschweren.

  9. Manfred erzetic

    Bei Berufen wo es gegen Leib und Leben geht, wie Baumeister usw. Ist eine Zugangsberechtigung unbedingt notwendig. Genauso notwendig ist eine “Zwangshaftpflichtversicherung” zum Schutze des Konsumenten.
    In der Vergangenheit ist es immer wieder vorgekommen, dass Firmen großen Schaden anrichteten ,und anschließend in Konkurs gingen.

  10. carambol

    Meine Dichtungsfirma darf z.B. keine 3mm Nut in einen Fensterstock fräsen, da wir keine Tischlerkonzession besitzen. Diese eingeschränkte Erweiterung unseres Gewerbes wurde abgelehnt, der Kommerzienrat, der das befürworten oder ablehnen kann, eine weitere Konkurrenz für seinen Betrieb befürchtete.
    Dadurch wurden wir gezwungen innovative Alternativen anzugehen und haben damit ein besseres System für Kastenfenster-Abdichtungen gefunden.
    Jetzt hat der Hr. Kammerfunktionär eine noch stärkere Konkurrenz 🙂

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