Wie man den Euro ruiniert

Von | 19. Dezember 2020
(C.O.) Weil die einzigen Zahlen, auf die ganz Europa jeden Tag gebannt schaut, die der Neuansteckungen, der Verstorbenen und der Inzidenz des Coronavirus sind, blieb ein ganz anderes Dashboard weitgehend vom Interesse einer breiteren Öffentlichkeit verschont: jenes, das zeigt, wie die EZB heuer mit der Begründung “Corona” Geld an die Staaten der Eurozone verborgt. Unfassbare 1,35 Billionen Euro gibt sie via Staatsanleihen, die sie aufkauft, an die Euroländer – Geld, das zu einem erheblichen Teil den ökonomischen Problembären Spanien, Frankreich und Italien zugutekommt.

Angesichts derartiger Beträge, die sich ja zu den schon bestehenden gewaltigen Schuldenbergen gesellen, stellt sich auch ökonomischen Frohnaturen die Frage, ob diese Schulden je korrekt zurückgezahlt werden oder nicht. Nicht zuletzt deshalb, weil die Empfänger dieses wohltätigen Billionenkredites, kaum dass das Geld auf ihren Konten gelandet ist, selbst erhebliche Zweifel an ihrer Bereitschaft wecken, in Zukunft ihren Verpflichtungen nachzukommen. So forderte etwa der in Rom höchst einflussreiche Staatssekretär Riccardo Fraccaro, ein wichtiger Berater von Premier Giuseppe Conte, die EZB möge doch bitte jene Schuldscheine, die sie heuer von Italien erworben hat, einfach vernichten und somit schlicht und einfach auf die Rückzahlung der Milliarden verzichten. “Die EZB hat kein Schuldenproblem – sie kann so viel Geld drucken, wie sie will”, gab Fraccaro der Fachwelt einen interessanten Blick auf sein Verständnis einer seriösen Finanzgebarung.

Die Forderung eines Regierungsmitgliedes, die Verbindlichkeiten eines EU-Staates bei der EZB einfach für null und nichtig zu erklären, war zwar eine Premiere – aber wir werden das in den kommenden Jahren sicher öfter und von allen möglichen anderen Staaten hören. Klingt für den Laien ja auch irgendwie cool: Ein kleiner elektronischer Buchungsvorgang in Frankfurt, und schwups ist der Schuldenstand Italiens, Frankreichs oder Spaniens wieder im halbwegs grünen Bereich.

Was wie ein Königsweg erscheinen mag, ist freilich in Wirklichkeit eine Straße direkt in den Abgrund. Denn das Streichen der Schulden wäre nichts anderes als die direkte Finanzierung des Staats mittels Notenpresse. Und das ist in den vergangenen paar hundert Jahren nicht ein einziges Mal gut gegangen. In Deutschland und Österreich hat wohl kaum jemand einen Vorfahren, der nicht unter der Hyperinflation litt, die in den 1920ern genau diese Geldpolitik verursachte.

Aber selbst wenn – was sehr unwahrscheinlich ist – keine Hyperinflation daraus entstünde, wäre der Schuldenschnitt eine Art russisches Roulette der Geldpolitik. Denn die privaten Gläubiger der Euroländer hätten wohl mit Recht zu befürchten, dass auch ihnen ein “Haircut”, also ein Schuldenschnitt, droht. Was letztlich den Euro selbst in seiner Existenz gefährden würde. Selbst der französische Finanzminister Bruno Le Maire, ein potenzieller Profiteur eines derartigen Schnittes, hat den Vorschlag aus Rom eher dry kommentiert: “Schulden werden zurückgezahlt, das ist das Prinzip von Schulden.” Alles andere endet im Desaster. (WZ)

6 Gedanken zu „Wie man den Euro ruiniert

  1. Herbert Manninger

    Egal, was danach alles auf uns zukommt: Corona wird die Mutter aller Ausreden werden.

  2. dna1

    Staatssekretär Riccardo Fraccaro offenbart damit nur seine völlige Ahnungslosigkeit. Was er nicht versteht ist, dass auch die EZB ein “Unternehmen mit einer Bilanz” ist, und wenn die einfach auf ihre Forderungen verzichten dann ergibt das einen Verlust, und wenn dieser Verlust größer als das Eigenkapital der EZB wird, dann müssen “die Eigentümer i.e. die nationalen Notenbanken” Kapital nachschießen.
    Dieser Typ hat noch nicht verstanden, dass Geld gleich Schulden sind, und dass Geld mit Schulden geschaffen wird, und warum das so sein muss. Der glaubt noch immer, irgendwer kann es einfach drucken und verschenken.
    Unfassbar, wie kann man nur so ungebildet sein.

  3. sokrates9

    Es müsste einmal seriös geprüft werden inwieweit Corona den Verstand angreift.Als Kollateralschaden langfristig sicher wenn man nun die Performance in der Ausbildung sieht.Das Homelearning funktioniert auch auf den Universitäten nur auf dem Papier, man muss sich mal schildern lasssen wie oft Studenten bei Vorlesungen abstürzen,wie oft der Ton ausfällt, wie sehr eine nicht vorhandene Kommunikation das Studium stört.Eine Umfrage über den geistigen Horizont wäre wünschenswert. Heumilch wird aus Heu gemacht, Strom kommt aus der Steckdose, Geld vom Bankomat, der Rest von der EZB . Diese Erkenntnisse reichen dem Durchschnittsösterreicher.

  4. Gerhi09

    Wirtschaftsverständnis eines Kommunisten: Verbrauchen, was da ist. Dann Elend und Diktatur. Hat noch immer funktioniert. Was für ein elendiger Tr..el!

  5. aneagle

    Herr Fraccaro wird nur seiner Rolle als Krisenbeschleuniger gerecht. Und die europäischen Regierungen lieben das Regieren von einer Krise in die andere, elegant an den Bedürfnissen ihrer Bevölckerungen vorbei, Hat doch schon Herr Kohl, als er von Wirtschaftsexperten in frühen Zeiten auf die systembedingten Schwächen des Euro aufmeksam gemacht wurde, nur lapidar gemeint, erst einige gemeinsam gemeisterte Krisen werden Europas Bevölkerungen zusammenschweissen.

    In der Tat ist Frau von der Leyen als Präsidentin der Europäischen Kommission das Maximaldesaster einer
    solchen Krise, von Zusammenschweissen aber keine Spur weit und breit.

    Unsere “Uschi” hat allen Ernstes vor,1.6 Billionen Euro in einen “green Deal” , einem Klima-Unterfangen so sinnvoll wie der Turmbau zu Babel, nutzlos zu vergeuden. Trotz dieses intellektuell bemerkenswert unterbelichteten Unterfangens, fällt ihr niemand in den Arm. Wem das nicht Krise genug ist, was dann?

    Wir erleben als Versuchskaninchen die Vernichtung unseres erarbeiteten Wohlstandes auf dem Altar einiger romantisch abgehobener Vorstellungen wirtschaftlich bildungsferner Politiker. Noch unsere weit entfernten Kindeskinder werden die außer Rand und Band geratenen EU-Vergeuder unvergesslich in schlechtester Erinnerung haben. Sie werden für die vertanen Chancen auzukommen haben.

    Die Wunschvision des Davoser Wirtschaftsforums für die Zukunft unseres gemeinsamen Europas ” You will own nothing and you will be happy” beginnt bedrohliche Realität zu werden. Das so etwas möglich ist, zeigt die fundamentale Schwäche der EU-Konstruktion auf. Hier läuft etwas gewaltig schief. Es mangelt der EU Politik dringend an Vernunft, die den verrückten Zustand umgehend zurecht rückt.

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