Wie man Mangel produziert

(ANDREAS TÖGEL)  Die jeden ersten Mai von den selbsternannten Vertretern der proletarischen Massen ausgegebenen Parolen zählen – neben den allemal putzigen Einlassungen der Genossinnen Bures und Heinisch-Hosek – stets zu den zuverlässigsten Auslösern von Heiterkeit. Wenn in feinstes Tuch gehüllte Bonzen, die ihr Lebtag lang keinen positiv bilanzierenden Betrieb von innen gesehen und nie ein anderes Werkzeug als eine elektrische Zahnbürste bedient haben, mit bebender Stimme Wert und Bedeutung der (körperlichen) Arbeit beschwören, hat das schon etwas eminent Komisches. Dass der Wiener Bürgermeister, in seiner Rolle als größter Hausherr der Welt (die Stadt Wien verwaltet via „Wiener Wohnen“ rund 220.000 Wohnungen), im Zusammenhang mit „leistbarem Wohnen“, die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten der Politik (die im günstigsten Fall auf ein Nullsummenspiel hinauslaufen: was A gewinnt, muss B verlieren), auf die des Marktes überträgt, wo Transaktionen bekanntlich nur dann stattfinden, wenn sie zum beiderseitigen Vorteil auszufallen versprechen, ist kabarettreif.

Die Häupel´sche Formel zum ersten Mai Wir [die Roten] sind für niedrige Mieten und für die Mieter und sie [die Schwarzen] sind für hohe Mieten und für die Hausherren“, verrät allerdings einen derart eklatanten Mangel an Einsicht in ökonomische Gesetzmäßigkeiten, dass es schon nicht mehr witzig ist. Wer Preise mit politischen Mitteln (also durch Zwang und Gewalt) unter das sich auf dem Markt bildende Niveau drückt, produziert Mangel. Das gilt auch für Wohnraum und sollte sich sogar schon bis ins Wiener Rathaus herumgesprochen haben! Kein privater Bauherr ist scharf darauf, in garantierte Verlustprojekte zu investieren. Folge: Rückgang der Wohnbautätigkeit, da die enormen Schulden der Stadt Wien dieser kaum noch eigene Bautätigkeit gestatten. Konsequenz: Pech für diejenigen, die nicht über ausreichende Mittel verfügen, um sich auf dem (kleinen) unregulierten Teil des Marktes eine Wohnung zu beschaffen – primär also rote Stammwähler. Merke: Gut gemeint bedeutet meist das Gegenteil von gut gemacht.

Es geht nicht um „wir oder sie“, sondern um Angebot und Nachfrage, ein System, das frei von politischen Eingriffen am besten funktioniert – und zwar zum Vorteil aller Beteiligten (von anmaßenden Politschranzen abgesehen, denen große Teile ihrer Macht zu nehmen ist). Dass der schwergewichtige Biologe an der Spitze des Wiener Rathauses, von Fröschen mehr versteht als von der Ökonomie, ist verständlich. Doch leider gibt es nicht wenige „Wirtschaftsfachleute“, die im Auftrag der hohen Politik und auf Rechnung des Steuerzahlers, jederzeit bereitwillig ein X zu einem U umdeuten. Die meisten davon finden sich im Dunstkreis des Staates und seiner zahlreichen überflüssigen Symbionten.

In der letzten Ausgabe des roten Klassenkampblatts „AK für Sie“ etwa, findet sich unter dem Titel „Budget ist im Griff“ ein herausragendes Musterbeispiel: Der Ökonom Markus Marterbauer erklärt an dieser Stelle: „Die Budgetsituation ist deutlich günstiger als vielfach dargestellt.“ Na klar, wer wird sich schon kleinkariert einer weiterhin dynamisch wachsenden Staatsschuld wegen echauffieren? Sind ja nur nebbich 283 Milliarden, oder der Bettel von 68.600,- Euro (!) je Erwerbstätigen. Ein Zinsendienst von knapp 8 Mrd. jährlich – was ist das schon? Dass die staatliche Schuldenlast in dem Moment unfinanzierbar würde, stiege der Zins auch nur um einen einzigen Prozentpunkt an, regt den Genossen Marterbauer und Konsorten nicht im Geringsten auf.

Faktisch unkündbare, mit Steuermitteln besoldete Ökonomen, sind am ehesten mit Anatomen vergleichbar, die nie in ihrem Leben mit menschlichem Gewebe hantiert haben. In der Medizin gibt es solche Typen Gottlob nicht. In den Wirtschaftswissenschaften dagegen wimmelt es von Leuten, die vom Leben außerhalb ihres Elfenbeinturms keinen blassen Schimmer haben. All ihr Denken kreist um blutleere Formeln und Funktionen. Menschen – insbesondere die unternehmerisch tätigen unter ihnen – haben in ihren Überlegungen keinen Platz. Was es im wirklichen Leben heißt, auf eigenes Risiko und unter harten Wettbewerbsbedingungen ein Unternehmen dauerhaft erfolgreich zu führen, oder sich als Unselbständiger außerhalb geschützter Werkstätten zu behaupten, interessiert sie einfach nicht.

Kein Wunder also, dass die Einlassungen Marterbauers folgerichtig in der Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung gipfeln. Ein geradezu geniales Konzept – und ein großartiges Signal an die Unternehmer: Gleiche Kosten für weniger Arbeitsleistung! Wer da keine Lust darauf bekommt, neue Stellen zu schaffen…?

Abgesehen davon, dass  Häupl zwischen Aufwand und Investition nicht zu unterscheiden vermag (er will z. B. in Kindergärten „investieren“!), werden die Betriebe unter diesen Umständen auf die von ihm geforderte „Milliarde zur Wirtschaftsankurbelung“ gerne verzichten…

Tagebuch

11 comments

  1. frustrierter Bürger

    Die Wiener Nomenklatura pflegt seit Generationen üblen Nepotismus (Ausbildung, Qualifikation, Charakter sind Nebensache), besticht die Meinungsbildner (Perseus nannte vorgestern € 10,1 Mio. für Zeitungsinserate allein im 4.Qu.14 ), vernadert Andersdenkende und ruiniert die Finanzen . – Wer kann wie mit friedlichen Mitteln die kommenden griechischen Zustände verhindern?

  2. mike

    Herr Tögel hat recht: mit linken ist kein guter Staat zu machen – Wien ist bester Beweis.

  3. sokrates9

    Ergänzend sei noch die dynamische Schuldenbuchhaltung der Frau Brauner erwähnt, die der Meinung ist dass man Schulden einfach durch Verlängerung der Rückzahlzeit nicht in voller Höhe berücksichtigen muss . Wahrscheinlich tankt sie immer um 30€ und hat daher seit 20 Jahren auch keine Benzinpreiserhöhung!

  4. Thomas Holzer

    “…………das frei von politischen Eingriffen am besten funktioniert”

    Sie wissen es, Herr Tögel, wir wissen es!
    Aber der Zug fährt leider seit Jahrzehnten in die falsche Richtung; und er nimmt leider tagtäglich auch noch Fahrt auf

    @mike
    Mit Linken ist nicht mal “ein gutes Dorf” zu machen 😉

  5. sokrates

    Frustrierter Bürger@ Auch die Griechen haben Griechische Zustände nicht verhindern können! Nachdem die sogenannte 4.Gewalt – die Medien total korrumpiert sind und jede noch so geringe Opposition sofort umgebracht wird, wird wahrscheinlich eine “Revolution” nur mit Gewalt stattfinden können!

  6. Peter Brauneis

    Jedes Wort von Herrn Tögel stimmt. Doch warum hechelt die VP marxistischem Unfug gar so beflissen nach?

  7. Thomas Holzer

    @Peter Brauneis
    Dies sollten Sie den Herrn Mitterlehner, und nicht den Herrn Tögel fragen! 😉

  8. Mario Wolf

    Das süsse Gift des Sozialismus wird nicht nur versprüht, sondern auch gierig konsummiert. Nur manche Gifte brauchen halt länger, bis sie den Konsumenten ins Jenseits befördern.

  9. Rennziege

    Keineswegs O.T. Ich wage es, hier einen klugen Artikel zu verlinken, der die Abgehobenheit der linken (selbsterklärten) Intellegenzia, die Distanz der einstigen Arbeiterpartei zu wirklich arbeitenden Menschen und ihre wohlverdienten Wählerwatschen am Beispiel der jüngsten UK-Wahl schildert:
    http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/0001879
    Das berührt Herrn Tögels Thema nicht nur am Rande.
    Aber ob Österreichs Wähler schon so weit sind, den Zynismus ihrer rotgrünen und opportunistisch (ganz anders als die britischen Tories) mitflötenden Bonzen abzustrafen?
    Schön wär’s. Es käme einer wahren Befreiung aus einem Verlies gleich. Aber ob’s die Musi spüüt?

  10. aneagle

    @Peter Brauneis
    warum wohl?
    Weil diese Restpartei bereits vor langer Zeit entschieden hat, dass es für sie besser ist, bis zum letzten Wähler die Goschn und den Steigbügel zu halten, als nur ersteres.
    Was erwarten Sie von einer Truppe, die Ihnen in kurzfristigen Abständen die “Entfesselung” der Wirtschaft androht, um als erste Tat nach einer Wahl das einzige Wahlversprechen, die kleinen GmbHs, zurückzunehmen.
    Seit kurzem vermittelt Herr Mitterlehner ein neues Asset, das er wenigsten glaubwürdig rüberzubringen imstande ist.: Gutes Aussehen! Das ist zwar mehr als bisher, aber für eine politische Vertretung nicht ausreichend. Sollte es gegen meine Ansicht in Österreich doch reichen, kann man sich ja um Herrn Clooney bemühen. 😉

  11. Rennziege

    13. Mai 2015 – 21:19 aneagle
    Sollte es gegen meine Ansicht in Österreich doch reichen, kann man sich ja um Herrn Clooney bemühen.
    Gute Idee. Allerdings wird er zu ORF-Gagen kaum zu kriegen sein; allein für die Nescafé-Werbung hat er Millionen bezogen. Außerdem ist er wie 90% aller Hollywood-Darsteller ein linker Vogel, der jüngst gelobt hat, Hillary Rodham Clinton um jeden Preis zu unterstützen. Darin den Ösi-Staatskünstlern sehr sinn- (besser: geldbörsel-) verwandt.
    P.S.: Ich danke Ihnen für das Wort “Restpartei”; besser lässt sich die ÖVP nicht beschreiben. (Ich harre des Tages, an dem sie Herrn Mitterlehner in die Wüste schickt und durch Conchita Wurst ersetzt, weil der/die schönere Haar’ hat und sooo progressiv ist, ein neuer Mozart sozusagen)

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