Wie man sich Staatsschulden schön rechnet

“Die international übliche Bemessung der Staatsschuldenquote am BIP ist nämlich nichtssagender Unsinn, weil das BIP zur Schuldentilgung ja nicht herangezogen werden kann. Seriös wäre die Bemessung an den Staatseinnahmen….” (hier)

13 comments

  1. Thomas Holzer

    Wäre interessant zu erfahren, wer beschlossen hat, daß die Bemessung der Staatsschuldenquote am BIP erfolgt 😉
    Ich wage die Behauptung aufzustellen, es war die Politik

  2. Manuel Leitgeb

    Na, da wäre ich mir nicht so sicher, daß es nicht zur Tilgung heranzgezogen werden kann (Stichwort: Enteignung!). Natürlich ist die BIP Messung nach jedem wirtschaftlichen Gesichtspunkt Schwachsinn, aber erst gestern war in der Wiener Zeitung wieder ein Interview mit dem Ökonom (=Politikhure) Heiner Flassbeck, der u.a. bekannt ist für Aussagen wie: “Wo ist das Problem, wenn die Staaten Schulden in Höhe von 80 Prozent des Einkommens (er meint BIP) haben? Das ist kein Problem, denn wir besitzen auch ein riesiges Vermögen und nur mit dem kann man sinnvoll vergleichen.”

  3. FDominicus

    Wie oft und wie lange habe ich das schon geschrieben. Hier daher die “aktuellen” Zahlen für die USA:
    2008 2.523.991 2.982.544 -458.553
    2009 2.104.989 3.517.677 -1.412.688
    2010 2.162.706 3.457.079 -1.294.373
    2011 2.303.466 3.603.059 -1.299.593
    2012 2.450.164 3.537.127 -1.086.963
    2013 estimate 2.712.045 3.684.947 -972.902

    Natürlich kann man noch etwas oben drauf lege, den Steuererhöhungen gehen meist doch noch – bis zu einer im voraus nicht bekannten Grenze.

  4. Herr Karl jun.

    Wenn Kinder in einem Spiel wiederholt verlieren, kommen sie sehr bald auf die Idee, einfach die Spielregeln zu ihren Gunsten zu ändern. In dem Sinne tendiert jedes politische Establisment dazu, “kindlich” zu sein, wobei dies fast immer nach demselben Schema abzulaufen scheint: Zuerst wird alles daran gesetzt, das pleitebedrohte Politik-Modell so gut es geht fortzusetzen, etwa durch kreatives und fortwäherendes
    Erschliessen neuer Einkunftsquellen; dann folgt eine Phase des trotzigen Leugnens, Verdrängens und Verniedlichens der Fakten, besonders effektiv ist dabei das Negieren aller ökonomischen Grundregeln mit einer exzessiv optimistisxhen Attitüde; in der nächsten Phase wird dann nicht über die strukturellen Ursachen der Misere geredet, sondern es werden öffentlichkeitswirksam vermeintlich Schuldige an den Pranger gestellt. Die sind meist tatsächlich an der Malaise irgendwie involviert, aber im Verhältnis zur Größe der Misere bloß Kleinkriminelle oder gar nur Mitläufer. Und wenn es sich dann in weiterer Folge im Staatshaushalt wirklich nicht mehr ausging, werden Nationalbanken, Statistische Ämter und Budgtevollzieher zu trickreichen Fälscherwerkstätten – bis schließlich die Spielregeln geändert werden (müssen): Man wechselt zu einer neuen Währung…

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  6. aaaaaaa

    Das hab ich schonmal vor Monaten hier in einem Kommentar gefragt. Woher kommt eigentlich diese Idee?

    Die Idee hat übrigens auch einen totalitären Beigeschmack, weil sie suggeriert, der Staat hätte sowas wie einen Anspruch am BIP. Der Keynesianismus ist quasi implizit in diesem Modell schon versteckt.

  7. Manuel Leitgeb

    @aaaaaaa
    Ich weiß nicht seit wann diese Berechnung verwendet wird, aber wenn ich mich richtig erinnere wurde sie ursprünglich verwendet um die Schulden von Ländern vergleichbar zu machen, v.a. auch in Vergleich zu ihrem Entwicklungsstand und ihrer allgemeinen Kaufkraft. Ich würde vermuten, daß man in den 70er oder 80ern auf diese Idee gekommen ist, da sie ja in Maastrichtkriterien akzeptiert und verankert wurde.
    Daß die Politik und ihre Huren, verzeihung, “staatliche Ökonomen” ála Flassbeck und Schulmeister, diese Idee dankend aufgegriffen haben um die Misere zu verschleiern (vom totalitären Beigeschmach gar nicht zu reden), war ursprünglich nicht die Idee dahinter (glaube ich).

  8. Rennziege

    Ach, liabe Buam und Dirndln! Manchmal werde auch ich etwas resignativ. Wir können uns die Mäuler und Goscherln fusselig quatschen, die Tastaturen quälen, bis wir Blasen an den Fingerspitzen haben, aber wir ändern damit partout nixxx. Österreichs Wähler sind es einfach zufrieden, sowohl vor als auch nach den Wahlen schamlos beschummelt zu werden; sie glauben an den Staat, den sie für einen mildtätigen Spender von Wohltaten halten — ohne zu schnallen, dass dieser Staat sie in Wirklichkeit nach Strich & Faden aussackelt. (Und ihre Nachfahren erst recht.)

    Daran wird sich, so steht zu erwarten, erst am St.-Nimmerleinstag etwas ändern: wenn der letzte Unternehmer entweder den Finger gehoben oder (wenn er die Zeichen der Zeit erkannt hat) rechtzeitig emigriert ist, seine Arbeitsplätze ebenfalls.
    Dies entspricht offensichtlich auch dem Konzept der EU: Erst wenn alle Bürger den Speichel der Planwirtschaft und ihrer vollgefressenen Protagonisten lecken, ist das Ziel erreicht, die EUdSSR der entmündigten und versklavten Befehlsempfänger — gegen die die Leibeigenschaft verflossenener Jahrhunderte ein absolutes Waserl war.

    Fragt sich nur, mit welchen Steuern diese menschenverachtende Nomenklatura dann noch ihre fürstlichen Bezüge, bewachten Villen, First-Class-Flüge, Yachten, ihren Kaviar, Champagner, ihre Lustknaben , Konkubinen und Nutten bezahlen will. Aber dazu fällt diesen adipösen Wölfen im Schafspelz sicher noch was ein. Der Ostblock, erbärmlich gescheitert, bietet ihnen wunderschöne Blaupausen, so kläglich er auch scheiterte. Aber diese Methoden sind ja heute schon wieder “in”, denn der Sozialismus liebt nur seine Bonzen, nicht aber die, die für deren Luxus in der Gosse landen.

  9. Nattl

    @Rennziege: die österreichischen Wähler sind Idioten. Das sieht man an den Kommentaren in Onlinemedien wie Standard und Presse, auf Twitter, auf Facebook und jeden Tag wenn man in die Arbeit fährt.

  10. Thomas Holzer

    @Nattl
    Nicht nur in Österreich!
    „Der Vorteil der demokratischen Regierungsform ist die gesicherte Entsprechung zwischen Wählern und Gewählten: je dümmer der Abgeordnete, desto dümmer der Wähler“ Bertrand Russell
    Die Demokratie ist einfach eine Prolokratie, weil die Mehrheit des “vulgus populus” einfach “vulgus” ist 🙂

  11. Heinrich Elsigan

    Dadurch dass die Staatsverschuldung in % des BIPs gerechnet wird, will ich hier einen immer wiederkehrende Fehlschlussfolgerung der Linken entlarven, welche lautet:
    “Austerität führt zur höheren Verschuldung”

    Beim Rechnen in % des BIPs werden auch Staatsausgaben, wie Gehälter von Beamten z.B. und Konsum durch Umverteilung aufgrund neuer Schulden ins BIP hineingerechnet:
    Beispiele mit Zahlen als Mrd. €
    E. … Einnahmen
    A … Ausgaben
    KR … Kreditrate Schuldendienst
    NV … Neuverschuldung

    1.) Schuldenstaat (Mrd. €)
    E: 100
    KR: 10
    A: 120
    NV: 30
    Der Staat hatte 100 Mrd. € an Einnahmen, zahlte 10 Mrd. € Schuldendienst zurück, nahm sich 30 neue Mrd. € an Schulden auf und hat Gesamtausgaben von 120 Mrd. €
    Da viel von den 120 Mrd. € hier auch ins BIP hineingerechnet wird, wirkt das BIP sehr hoch, die Staatsschulden in % des BIPs wirken nicht so bedrohlich!

    2.) Austerität
    E: 100
    KR: 10
    A: 90
    NV: 0
    Hier nimmt der Staat keine neuen Schulden auf und spart rein bei den Staatsausgaben. Dadurch sind hier die Ausgaben plötzlich um 1/4 niedriger im Vergleich zu 1.) und das BIP wird damit kleiner. Gesamtschulden sind dann plötzlich viel mehr in % des BIPs trotz Austerität

    3.) Schuldenabbau bei Niedrigzins
    E: 100
    KR: 10
    A: 99
    NV: 9
    Hier wird 10 Mrd. € Schuldendienst gezahlt, 9 Mrd. € an Neuverschuldung aufgenommen. Die Ausgaben sind hier um ~ 1/6 geringer als bei 1.) Das BIP ist wieder um ein wenig besser (da höher) als bei 2.) und damit ist die Kennzahl Gesamtverschuldung in % BIP wahrscheinlich plötzlich um einiges besser als bei 2.) jedoch nicht so gut wie bei 1.)

  12. Heinrich Elsigan

    Trotzdem bin ich kein reiner Befürworter harter Austerität nur um.der Austerität willen.
    Ich halte bei niedrigen Zinsbedingungen Variante 3 l immer besser als Variante 2.) aus folgenden Gründen:
    1/4 bei den Ausgaben sparen ist viel schwieriger ala 1/6 einzusparen.
    Solange der Staat noch Kreditwürdig ist und der Zins niedrig ist, macht es Sinn sich immer etwas weniger Neuverschuldung aufzunehmen, als der bestehende Schuldendienst für das entsprechende Jahr ausmacht.
    Bei 2.) gerät der Staat leicht in Versuchung die Einnahmen zu erhöhen durch neue Steuern um dann nur zwecks Erhöhung des BIPs wieder gleich alles auszugeben!

  13. Heinrich Elsigan

    Weiterer Nachtrag:
    Am besten ist Variante 3.) wenn die ausgeborgten neuen Schulden immer nur zu zukunftsgerichteten Investitionen verwendet werden.
    Als Gläubiger bekommt man leichter Geld, wenn man investiert statt konsumiert.

    Weiters muss natürlich darauf geachtet werden, dass die Neuverschuldung konstant abnimmt und nicht zunimmt.
    Wenn man das bis 2016/2018 durchzieht um dann ein NULL-Defizit oder höchstens sehr minimale Verschuldung zu erreichen, dann fährt man sicher gut damit.

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