Wie populistisch ist Donald Trump wirklich?

There’s been a lot of talk about populism in this year’s presidential campaign. In particular, Donald Trump and Bernie Sanders are, we are told, populist candidates. But what exactly does populist mean in this context, with these candidates? (hier)

7 comments

  1. Fragolin

    Populisten sind Politiker, die zuhören, was das Volk zu sagen hat, und damit die natürlichen Feinde jener Politiker, die nur verlangen, dass das Volk dem zuhört, was sie zu sagen haben.

    Merkel zum Wahldebakel: “Die Wähler haben uns nicht richtig zugehört!”
    Das Volk zu Merkel: “Nein, DU höst UNS nicht zu!”

  2. aneagle

    @fragolin
    naja, heutige Populisten sind gemeinhin solche , die zwar dem Volk aufs Maul schauen und ihm dann versprechen seine Wünsche zu erfüllen. Nach der Wahl befällt sie dann die gnädige Demenz und sie erfüllen zunächst die eigenen Bedürfnisse. Erst knapp vor den nächsten Wahlen kehrt eine Spur Gedächtnis zurück.
    Despoten sind geradliniger. Sie machen immer nur was sie wollen, solange es geht.
    Die postmoderne Demokratie kennt auch die Mischform des populistischen Despoten. Diese mittelfristig erfolgreich scheinende Spezies, erfährt unter heutigen Politikdarstellern mehr und mehr Zuspruch. Sie täuscht Aktivität vor und folgt dabei ihrer Agenda. Das sind die natürlichen Gegner ihrer Wähler, die sie mit Bestechung zu Stimmvieh korrumpieren.

  3. gms

    Fragolin,

    Merkel zum Wahldebakel: „Die Wähler haben uns nicht richtig zugehört!“

    Aber die Wähler haben tatsächlich nicht richtig zugehört, hält doch Merkel mit ihrer Geisteshaltung definitiv nicht hinterm Berg. Daß Statementes wie nachfolgendes, als eines von vielen, nicht als Bild-Schlagzeile oder Aufmacher der ARD-Tageschau erscheinen, ist eine andere Sache, aber wer sich für Weichenstellungen interessierte, fand bei ihr alles in klaren und einfachen Worten: ‘Die spannendste Frage, um Mauern zu überwinden, wird sein: Sind die Nationalstaaten bereit und fähig, Kompetenzen an multilaterale Organisationen abzugeben – koste es, was es wolle.’

    Man beachte den an Alternativlosigeit gemahnenden Nachsatz.

    Dasselbe Pferd reitet Schäuble mit seinen unzähligen Aussagen bezüglich ‘Krise als Chance zur notwendigen Veränderung’. Abstimmungen oder gar eine neue Verfassung hinsichtlich der kommenden Zentral-Union kann es laut Schäuble niemals geben, weil — Überraschung! — die BRD mitten in einer Krise ist und der Artikel 146 des Grundgesetzes dafür der Behauptung nach nicht vorgesehen ist. Mit dem aktuellen Grundgesetz jedoch kann Deutschland in jede beliebige Richtung bugsiert werden, völlig dämokraturkonform, bloß der nicht zuhören wollende Wähler hat’s bis heute nicht kapiert.

    Die Puppenspieler nennen die kommende Thronfolgerin in Germany ‘Usula major’, und bedenkt man, wie sich diese in den letzten Tagen und Wochen medial gebärdete, trafen sie mit dem geistigen Merkel-Klon eine vorzügliche Wahl.

    Populistisch, egal ob im positiven oder negativen Wortsinn, agiert einzig der politische Gegner, zugleich gilt es für’s Establishment um jeden Preis das Siegel der ‘Demokratie und Menschenwürde’ ausnahmslos für sich zu reklamieren, ist das doch der harte Kern eigener Propaganda.

    Was die USA anbelangt, ist die Schicht unterhalb der Eliten der erklärte Feind, namentlich exemplarisch festgemacht am Hedgefondmanager Larry Fink, Paris Hilton, Mark Zuckerburg oder eben Donald Trump. Deren Vermögen verblassen zwar zu Witzbeträgen, verglichen mit der Manövriermasse, die anderen Individuen zur Verfügung steht, doch sie werden gezielt als Feindbilder aufgebaut zwecks Veranschaulichung der Kluft zwischen Arm und Reich.

    Derselbe induzierte Klassenkampf manifestiert sich im Ringen mit ach so böse Konzerne, die sich dem künstlichen Narrativ nach vorwiegend in der New Economy finden, zugleich aber gegen Imperien aus der uralten Energie- und Finanzbranche regelrechte Garagenfirmen sind. Wo aber tatsächlich die Musik spielt, ist das Geld unantastbar in Stiftungen geparkt oder anderen Einrichtungen unter dem Schutz sogenannter Tax Exemption Rules.

    Wie populistisch ist Donald Trump wirklich? — Michael D. Tanner vom Cato-Institut gehört tatsächlich zu klarsichtigen Libertären, seine Betrachtungen betreffend Trump und Sanders sind wohl richtig, wenn er mit voriger Begründung als Zwischenresume festhält: ‘So if neither Trump nor Sanders really trusts or defends the people, what is it that makes them populists? To some extent, it is simply telling people what they want to hear. They are finding a mob, jumping in front of it, and calling that leadership. [..] This is a belief, not in the individual wisdom, initiative, and responsibility of common people, but in big government.’

    Laut ‘Think Tank Rankings without Most-Cited Economist’ [Table 7, 1] ist das Peterson Institute for International Economics [2] medial tonangebend, wobei auch hinter diesem Institut die schon sattam bekannten und wiederholt genannten Plutokraten stehen. Platz zwei hält die Brookings Institution mit denselben Hintermännern [3], danach kommen nochmals notorische Bekannte (‘Along with the Council on Foreign Relations and Carnegie Endowment for International Peace, Brookings is generally considered one of the most influential policy institutes in the U.S.’)

    Egal wo man betreffend Meinungslenkung, Faktenklitterung und Legendbildung hingreift, man landet dabei nahezu ausnahmslos bei den selben Leuten, die wiederum hernach über Medien und Politik definieren, was ökonomisch richtig oder populistisch ist und was nicht. Wir leben in einer gigantischen Truman Show, leicht erkennbar für jeden, der hinhören kann, anstatt sich nur zudröhnen zu lassen.

    [1] international-economy.com/TIE_F02_ThinkTanksPosen.pdf
    [2] en.wikipedia.org/wiki/Peterson_Institute_for_International_Economics
    [3] en.wikipedia.org/wiki/Brookings_Institution

  4. Rennziege

    16. März 2016 – 17:04 gms

    “Wie populistisch ist Donald Trump wirklich?”
    Ich wundere mich, dass ausgerechnet Sie so eine Frage zitieren oder wiederkäuen. Nennen Sie mir einen einzigen Politiker, der nicht populistisch agiert und dennoch Wahlen gewinnt. Populismus ist eine Hinwendung zu Karlheinz Durchschnitt und Lieschen Müller — und je ehrlicher und glaubwürdiger dieses Herangehen ist, um so erfolgreicher ist es. War schon im alten Rom nicht anders.
    Donald Trump überzeugt. Und die Amis brauchen keine Diagnosen und Ratschläge aus Europa; die wählen so wie immer: Aus dem Bauch, aus dem Gefühl, nicht aus der Kaffeesatzleserei der “New York Times”. Dieses Verhalten nennt man schlicht Demokratie — und die war in der ältesten Demokratie der Neuzeit stets spontaner und beweglicher als hierzulande.
    Nota bene: Käme je ein Ami-Politiker auf die Idee, europäischen Wählern moralinsaure Ratschläge zu erteilen?

  5. Fragolin

    @gms
    “Wir leben in einer gigantischen Truman Show”
    Danke, das beschreibt es recht treffend.

  6. gms

    Rennziege,

    “Ich wundere mich, dass ausgerechnet Sie so eine Frage zitieren oder wiederkäuen.”

    Dieser vermeintliche Widerspruch ist, teilweise anknüpfend an Michael D. Tanners oben zitierte Aussage, rasch aufgeklärt. Demokratie im heutigen Sinne und abseits des originären Gedankens, ist, als Herrschaft der breiten Masse, so diese tatsächlich stattfindet, im positiven Sinne populistisch. Das Volk bestellt an der Wahlurne von der Speisekarte und Politik liefert danach artig und pflichtbewußt.

    Trump sagt seinen potentiellen Wählern, was sie hören wollen. Daran kann und will ich mit keiner Silbe etwas Unredliches behaupten. Dasselbe betreiben auch alle anderen Wahlwerber ihren Anhängern gegenüber. Eine Partei (pars, partis) bedient Partikularinteressen, die in der Regel mit anderen Parteiprogrammen oder objektiver und gesamtheitlich besserer Politik unvereinbar sind.

    Die Crux ist, wonach das Volk definitiv nichts mit Liberalismus am Hut hat und — ganz im Sinne der heutigen Demokratie — über verschiedene Geschmacksrichtungen seinen eigenen Weg in die Knechtschaft wählt. Zugleich ist es argumentativ windschief, von Populismus zu reden, wenn die damit agierende Partei große Teile des Volkes nicht hinter sich vereinen kann.

    Put simply: Partial-Populisten (ein Wort unter Oxymoronverdacht) agieren notgedrungen auf allen Seiten, die alleine oder mit anderen gemeinsam später Parlament und Regierung stellen. Andere Partial-Populisten verlieren.

    “Nennen Sie mir einen einzigen Politiker, der nicht populistisch agiert und dennoch Wahlen gewinnt.”

    Ich habe keine bei Wahlen erfolgreiche und nicht-populistische Partei genannt. Mangels homogenen Wahlkörpers wäre das auch logisch ziemlich unmöglich. Einzig und allein Partial-Populisten gewinnen mit den von ihnen vereinnahmten Stimmen, während sie zugleich andere Teile des Volkes vor den Kopf stoßen.

    Zugleich gibt es erkennbar in der BRD mit der CDU ein Partei, die das eigene Volk zunehmend gegen den Strich bürstet. Ob deren Parolen, Vertrau’ Mutti, alles wird gut, dem Volk nach dem Munde redeten, sei dahingestellt, Faktum ist, wonach die Leute sich einwickeln ließen und danach garnichts gut wurde.

    “Populismus ist eine Hinwendung zu Karlheinz Durchschnitt und Lieschen Müller — und je ehrlicher und glaubwürdiger dieses Herangehen ist, um so erfolgreicher ist es. War schon im alten Rom nicht anders.”

    Richtig. Die Tyrannen waren nicht grundlos die vom Volk gewählten Kaiser, die mit Brot und Spielen die Untertanen bei Laune hielten. Ohne Demokratie gäbe es nicht den geringsten Anlaß, Karlheinz Müller aus der Seele zu sprechen.

    “Donald Trump überzeugt”

    Ich kritisiere Trump nicht. Meinen erklärten Segen hat er.

    “Und die Amis brauchen keine Diagnosen und Ratschläge aus Europa; die wählen so wie immer: Aus dem Bauch, aus dem Gefühl, nicht aus der Kaffeesatzleserei der „New York Times“. Dieses Verhalten nennt man schlicht Demokratie — und die war in der ältesten Demokratie der Neuzeit stets spontaner und beweglicher als hierzulande.”

    Aus vormals mündigen Bürgern wurde heute hüben wie drüben formloser Kaffesatz, mit dem in Wahlurnen von Idioten für Idioten Politik gekocht wird, die zum Großteil auch so schmeckt, wie’s zuvor am Beipacktext stand.

    “Nota bene: Käme je ein Ami-Politiker auf die Idee, europäischen Wählern moralinsaure Ratschläge zu erteilen?”

    Was ich vom aktuellen Politzirkus halte, sollte bekannt sein. Idiocracy. Populismusgedöns ist dabei nur Symptom.

  7. Lisa

    @Rennziege: ich habe das Thema Trump nicht hierhergebracht: andere Themen sind Europäern wohl wichtiger. und Amerikaner können nur schon deshalb Europäern kein Ratschläge geben, weil sie sich höchstens touristisch für Europa interessieren. Was Sie über populistische Sprache Sagen, stimmt schon: wenn sich eine volk aus dem Bauch heraus entscheidet, muss man es auch dort ansprechen. “Wir machen Amerika wieder gross… wir werden sie schlagen (beat), die Chinesen, die Japaner die Mexikaner die uns jahrelang unser Geld aus der Tasche zogen…” Homer Simpson hat zwar einen mächtigen Bauch, aber ohne Kopf läuft auch da nix…

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