Wie sozial ist der Sozialstaat?

Morgen Montag erscheint mein neues Buch  „Hört auf zu heulen“ (edition a, 16,95 Euro). Der “Kurier” hat das zum Anlaß genommen, den langjährigen Caritas-Chef Franz Küberl mit mir über meine Thesen diskutieren zu lassen, nachzulesen hier.

7 comments

  1. Thomas Holzer

    “Die neoliberalen Sklaventreiber, Herr Ortner, sind ganz einfach zum KOTZEN!”

    Köstlich der Kommentar eines gewissen “Manfred Kremser”, vor allem der oben zitierte letzte Satz 😉

  2. Mourawetz

    Zum Schluss meint Herr Küberl, es sei ihr Pech, wenn Afrikaner freiwillig aus Afrika fortgehen und dann im Meer ersaufen. Es wäre sehr zynisch, wenn Küberl das ernst meint. Da gibt es handfeste Grunde dafür, die mit Glück oder Pech nichts zu tun haben. Denn hinter dem Ersaufen stehen skrupellose Schlepperbanden, die vor den Küsten Lampedusas die Kutter mutwillig versenken.

    Zweitens meint Herr Küberl wir Europäer müssten gegen die “entsetzliche Schlepperei” was tun. Da gebe ich ihm teilweise recht. Dagegen muss man was tun. Aber nicht wir Europäer sondern ihr Afrikaner. Wie sollten wir Europäer Afrikaner zu etwas zwingen, soweit ich mich erinnere, sind diese Staaten schon längst in die Selbstbestimmung entlassen worden, Küberl fordert Eingriffe wie zu Zeiten des Kolonialismus’. Das einzige, was wir als Europäer tun können, ist, nicht mehr durch den Sozialstaat Anreize zu schaffen. Aber das wird Herr Küberl ja nicht meinen, oder?

    Gerne hätte ich auch gewußt, was Herr Ortner repliziert hätte. Leider reißt das Interview hier ab.

  3. Mourawetz

    @Thomas Holzer

    Leute, wie dieser im Kurier Postende, können es nicht ertragen, wenn ihr naives Weltbild nicht von allen geteilt wird. In keinem Satz schimpft Herr Ortner, dafür wird er beschimpft. Ansonsten Unterstellungen am laufenden Band. Er sei Kurier-Redakteur, ist sicher nicht böswillig, daran sieht man, dass dieser Poster nicht viel mitkriegt. Ein im Vollbesitz der Weisheit sich dünkende Linker mehr.

  4. gms

    Allein Küberls Eröffnungsstatement (“Das Ökonomische ist Ihr Metier, da will ich mich nicht verbreitern.”) veranschaulicht das grassierende Übel überdeutlich: Man hat von Fakten und Zusammenhängen keinen Tau, gibt dies anerkennenswert unumwunden zu, aber beansprucht trotzdem(!), als Gegenüber in der Debatte zu diesem Thema ernstgenommen zu werden, war im Anlaßfall doch das ökonomisches Auskommen der Ärmsten Thema der Eröterung, und nicht deren Seelenheil oder mentale Gelassenheit abseits jeglichen Kontextes.

    “Die Bautechnik ist Ihr Metier, da will ich mich nicht verbreitern.” — Kein intellektuell Redicher käme nach einer derartigen Selbstoffenbarung auf die Idee, über physikalische Ursachen und Hintergründe einstürzender Häuser zu disputieren, auch dann nicht, wenn einem an weniger dabei zu beklagenden Opfern gelegen ist. Kann man jemanden ernstnehmen, der sich als selbstdeklarierter Laie in Sachen Statik dennoch über die Belastbarkeit von Mauern und Trägern auslassen will und wie diese zwecks Bruchvermeidung zu gestalten seien?

    Nachdem aber solche Überlegungen im Gutmenschen-Milieu irrelevant sind, meint Küberl mit Ausführungen über Effekte von gespendeter Gebrauchtware und Inlandsjobs im Handel punkten zu können. Skurril! Wenn die Caritas wohl nur genügend Putzfetzen nach Afrika liefern könnte, verdiente sich dort jeder seinen Unterhalt als Reinigungskraft und der Kontinent wäre endlich aus dem Schneider.

    Mit seinen nachfolgenden Ansichten über den “eisener Vorhang” finalisiert er den Befund, den Unterschied gegenläufiger Flußrichtungen zweier Transaktionen zu negieren.
    Klar — weil alles irgendwie etwas ist, ist auch dessen Gegenteil etwas. Man muß nicht wissen, wovon man spricht, weil es reicht, wenn “es um die Menschen geht” und alle wissen, daß einzig diese einem ein Anliegen sind. Derart gutmenschlich aufgeladen ließe sich als deklarierter medizinischer Laie auch fordern, man müße Leuten zu deren Vorteil im Minutentakt auf den Kopf schlagen, und niemand können einem daraus einen Strick drehen, hat man doch vorab erklärt, man wisse nicht, wovon man rede.

  5. Herr Karl jun.

    @gms
    Eugen Maria Schulak hat einmal den erhellenden Satz geschrieben: “Der Idealfall in einem Sozialstaat ist eben der Sozialfall”.

  6. gms

    Herr Karl jun.,

    als ich mich vor Jahrzehnten (Details spielen keine Rolle) einmal selbst ehrenamtlich ins Gutmenschenmilieu begab und dabei sogar organisatorisch nach oben geschwappt wurde, kam es zum unvermeidlichen mehrtägigen ~Teambuilding~ in irgendeinem Seminarhotel und den damit zwangsweise einhergehenden Fragen, wer wir denn eigentlich seien, was wir wollen und wie denn unsere Vision laute, aus der sich alles andere ableitet.

    “Die Leute müssen zu uns kommen!” — “Wir müssen Interessen durchsetzen!” — “Die Leute sollen uns achten und respektieren!” usw. usf.
    “Nein”, entgegnete ich, “wir waren dann erfolgreich, wenn wir nicht mehr gebraucht werden. Dies soll unsere Vision sein: Wir sind überflüssig, alles läuft perfekt ohne unser Wirken.”

    Vereinfacht gesagt lassen sich Menschen einteilen in beziehung- vs. sachorientiert. Die meisten der sog. Sozialhilfeindustrie fallen in erste Kategorie, während die meisten Liberalen zur Sachorientierung neigen. Leute wie Küberl sind sind ebensowenig bessere oder schlechtere Menschen wir ihre Kritiker, zu denen auch ich mich zähle. Unversöhnlichkeit jedoch erwächst aus dem simplen Umstand, wenn die eine Seite den Zwang auf die Bürger in ihrer Gesamtheit, erhöhen und hierfür das Gewaltmonopol einspannen will oder sich von diesem einspannen läßt.

    Nachdem Sie Eugen Maria Schulak zitierten, – ich schätze ihn als großen Menschenkenner und gelassenen Denker. Gewiß habe ich auch den einen oder anderen Gedanken von ihm übernommen und hier wiedergegeben.

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