Wie Wirtschaft geht

(STEFAN WEHINGER) Nach vielen Jahren in Wien bin ich zurück in meine Vorarlberger Heimat gezogen, in ein Dorf über welches die Kabarettistengruppe „die Hektiker“ schon meinte, dass Sie dort nicht einmal tot über den Zaun hängen  wollten. Dort wo die Alemannen sparen, die Zaunlatten parallel und senkrecht sind und kein Herbstblatt den Platz, welchen ihm der letzte Windstoß zugewiesen hat, länger als ein paar Stunden behalten darf. Aber in diesem Dorf kann man gut studieren, wie Wirtschaft geht.

Beispiel 1: Das Postamt wurde vor Jahren aus bekannten Gründen geschlossen, der lokale Anglershop hat die Funktionen übernommen und bietet als Postshop nun Forellenköder und Eilsendungen aller Art. Das Geschäft boomt, nicht nur vor Weihnachten. Das Betreiberehepaar hat schon 2 Mitarbeiter,  der Anglerbedarfumsatz hat sich glatt verdoppelt. Batterien konnte man anfangs keine kaufen, aber nach dem verschiedene Kunden danach gefragt hatten gibts jetzt auch diese und allerlei Anderes für den täglichen Bedarf. Manchmal gehe ich einfach so hin auf einen Automatenkaffe, man trifft immer nette Leute.
Das Geschäft wurde aufgebaut auf erspartem Eigenkapital, mit persönlichem Einsatz ohne Stechuhr und viel Unternehmergeist.

Beispiel 2: Gleich daneben steht das letzte Gasthaus im Ort, mit einem prächtigen Kastanienbaumgarten und verschiedenen kleinen Stuben sowie einem Veranstaltungssaal. Nachdem die Familie aus gesundheitlichen Gründen schließen musste, schäumte die dörfliche Bierseele. Ein neuer Wirt sollte gefunden werden, und die Gemeinde soll das alles bezahlen oder zumindest stützen, um willige Wirtsleute anzulocken. Inzwischen hat freilich der dritte Nachfolgebetrieb wieder geschlossen. Die Qualität war jeweils lausig, die Wirte hatten keinen Bezug zum Dorfleben aber dafürgute finanzielle Unterstützung vom Gemeinderat. Dennoch reichte es nicht, keiner der Nachfolgebetriebe hat überlebt. Ich selber gab jedem Wirt drei Chancen, keiner hat diese genutzt.
Das Geschäft wurde aufgebaut auf Subventionen, persönlicher Absicherung mit kommunalen Garantien und einer Vollkaskomentalität. – Alles neoliberale Propaganda natürlich! (Der Autor war u.a. Vorstand der ÖBB und Gründer der “westbahn”)

9 comments

  1. lugg

    Das mit dem “Wirt-sein” wird sicher noch ein wenig schwieriger werden, wenn die EU-Richtlinie zur Gestaltung der Speisekarten in Kraft tritt. Da wird nur mehr nach Rezept gekocht, ein paar Tropfen ungeplanter Rahm oder ein Schuss Saucenwein sind schon klagbar. Bon appetit Industrie-Lobby!

  2. Thomas Holzer

    Den Erfolg des Anglershops sollten Sie nicht zu laut verkünden, Herr Wehninger!
    Ist die Bürokratie erst einmal auf “unbotmäßigen” Erfolg aufmerksam gemacht worden, beginnen deren Mühlen langsam, aber unerbittlich zu mahlen. Da wird dann von einem Beamtenheer genauestens untersucht, ob z.B. der Verkauf von Batterien in einem Anglergeschäft mit Postshop überhaupt der Gewerbeordnung entspricht, der Automatenkaffe nicht zu heiß serviert wird, Öffnungszeiten eingehalten werden und so weiter und so fort.
    Wo kämen wir denn hin, wenn sich Erfolg durch Eigenkapital und Eigeninitiative einstellt.

  3. lugg

    gut gebrüllt, Thomas Holzer! Und aufpassen ebenfalls auf: Arbeitsinspektorat, Lebensmittelkontrollor, Krankenkasseprüfung, Finanzamt-Prüfung, und noch weitere ca. 20 Maßregelungen…

  4. Der Realist

    wenn einer Vorstand der ÖBB war, ist er wohl prädestiniert der Welt zu erklären wie Wirtschaft geht, lebten die und leben noch immer von Milliardensubventionen.

  5. AD

    Hr. Wehinger
    was Sie im Beispiel 2 (Gasthaus Krone) beschreiben stimmt so absolut nicht und außerdem gibt es ein paar hundert Meter weiter den Gasthof Bad Sonnenberg den sie auch von zu Hause aus sehen sollten

  6. wrl

    @AD
    …und wird/wurde der Gasthof Bad Sonnenberg ebenso subventioniert oder ist der eher ein “marktwirtschaftlich” betriebener?

  7. AD

    @WRL

    ich wollte nur darstellen, daß “gleich daneben nicht das letzte Gasthaus im Ort” steht, sondern es noch weitere gibt….wg den Subventionen werde ich mich bei der Gemeinde kundig machen

  8. Stefan Wehinger

    KLARSTELLUNG:
    Ortner Online ist offenbar sehr erfolgreich in Vorarlberg, ich habe viele Fragen und Hinweise zum Beitrag bekommen.
    Ich halte fest: Bei den dargestellten Beispielen handelt es sich NICHT um den Postshop Sonnenbergstrasse 4 in 6714 Nüziders und es handelt sich nicht um das ehemalige Gasthaus Krone im selben Ort. Die genannten Beispiele sind aus zwei verschiedenen Orten in Vorarlberg.
    Bei dem Versuch die Beispiele örtlich zu “verschleiern” habe ich offensichtlich Hinweise in die falsche Richtung gegeben. Sollte es deshalb zu Verwechslungen und in Folge zu Diskussionen gekommen sein bedaure ich das.

  9. AD

    @Stefan Wehinger

    Ihr Beitrag lautet:
    “Nach vielen Jahren in Wien bin ich zurück in meine Vorarlberger Heimat gezogen, in ein Dorf über welches die Kabarettistengruppe „die Hektiker“ schon meinte, dass Sie dort nicht einmal tot über den Zaun hängen wollten………………. Aber in diesem Dorf kann man gut studieren, wie Wirtschaft geht….”

    jetzt weiss ich nicht ob und wenn ja welche Substanzen Sie zu sich nehmen …. aber selbst für einen Absolventen der 1. Klasse Volksschule wäre klar ersichtlich, daß Sie von dem Dorf schreiben, in das Sie gezogen sind …. und dies ist nun einmal A-6714 Nüziders.

    es ist beschämdend, daß Sie nicht einmal zu Ihrem Bericht stehen und Ausreden und Ausflüchte suchen, ohne benennen zu wollen, welche Wirtschaftsteilnehmer in welchem Dorf Sie denn gemeint haben. Aufrechte Menschen stehen zu ihren Aussagen (auch wenn die Annahmen falsch waren) und haben eine feste Meinung welche sie durch zusätzliche Erkenntnisgewinne erweitern ….so etwas kann man dann Lernprozeß nennen, im Zuge dessen falsche Aussagen auch revidiert werden könnten

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