Wie Wohnen wieder leistbar werden könnte

(ANDREAS UNTERBERGER) Überraschung, Überraschung. Eine Studie nach der anderen zeigt nun auch schwarz auf weiß: Die Preise für Wohnen explodieren, besonders in Wien. Das ist schlimm. Das weiß jeder Wohnungsuchende freilich längst auch ohne Studie. Noch viel schlimmer aber ist, dass die Politik seit langem in dieser Frage ratlos und lernunfähig ist. Von manchen wird sogar eine Symptom-Behandlung vorgeschlagen, die das Problem noch viel schlimmer zu machen droht.

Die „Statistik Austria“ hat Zahlen veröffentlicht, die zeigen, dass die Anmietung von Wohnungen extrem teuer geworden ist. Die Neuanmietung in einem Zinshaus kostet im österreichischen Schnitt mit 9,7 Euro pro Quadratmeter schon doppelt so viel wie die Miete bei alten (30 Jahre oder länger laufenden) Verträgen. Eine andere Zahl: Allein in den letzten vier Jahren haben sich die Mietkosten um 13 bis 16 Prozent gesteigert.

Was auch immer man vergleicht: die Wohnkosten in Wien sind deutlich höher als in den anderen Bundesländern, und sie steigen deutlicher schneller.

Doppelt so teuer wie Berlin
Ein noch schärferes Bild zeigt eine Untersuchung der Internetplattform Scout24. Sie vergleicht kaufkraftbereinigt den Preis eines Immobilienerwerbs zwischen Wien und Berlin: Das Ergebnis: Mittlerweile ist der Kauf einer Eigentums-Immobilie in der österreichischen Hauptstadt schon fast doppelt so teuer wie in der deutschen. Auch die Mieten sind nach der gleichen Untersuchung kaufkraftbereinigt in Österreich deutlich höher als beim großen Nachbarn. (weiter hier)

 

9 comments

  1. Karl Markt

    Preise steigen nicht, Preise werden erhöht.
    Dass Wien teurer ist als andere Bundesländer ist wenig verwunderlich.
    Es ist London, Paris und New York auch teurer als Mistelbach.
    Ob das mit Berlin stimmt würde ich gern den VFGH klären lassen…

    Was ist eigentlich schlimm daran, wenn Preise erhöht werden?
    Preise spiegeln doch die subjektive Wertschätzung wieder, oder?
    So lange sich ein Käufer findet, wars offensichtlich nicht zu teuer, oder?
    Das Gesudere über zu hohe Preise sollte normal Sozialisten vorbehalten sein.
    Am billigsten ist übrigens der Gemeindebau.

  2. chrisamar

    @ Karl Markt
    Es ist nicht Aufgabe der Steuerzahler Vermieter Vermögen zu beschaffen. Leider besteht ein Zusammenhang zwischen steigenden Mieten und der Nachfrage an Wohnraum durch “Schutzsuchende”. Jene, welche mit Steuergeldern die “Schutzsuchen” zu versorgen haben, bezahlen doppelt. Eben auch in Form steigender Mieten für sinkende Wohnqualität. Das hat nichts mehr mit Freier Marktwirtschaft. Sondern hier hat die Politik für ein Ungleichgewicht gesorgt und muss gegen steuern. Der Unterschied zu NCY, Tokio usw besteht darin, dass kein Wohlfahrtsstaat dort “Schutzsuchende” auf Kosten der Mindestlöhner ansiedelt. Genossenschaftswohnungen sind eine Empfehlung. Offensichtlich aber, steht zu wenig sozialer Wohnraum den Wienern zur Verfügung. Hier in Hamburg, beanspruchen z.B. Staatsdiener / Beamte diesen preiswerten Wohnraum für sich in unangemessener Weise. Das ist so gewollte, damit keine Getto-Bildung entstehen kann. Die Folgen sind grausam. Deutsche werden in die Armutsfalle / Obdachlosigkeit getrieben und den sozialen Wohnraum teilen sich die Staatsdiener mit den “Schutzsuchenden”. Das politische Versagen, die Korruption und Sabotage betrifft alles Bereiche. Ausnahmen bestehen leider keine.

  3. Thomas Holzer

    “Am billigsten ist übrigens der Gemeindebau.”

    Man träume weiter, nur weil es die Sozialisten trompeten, stimmt dieser Satz schon lange nicht mehr.

    Man schaffe das MRG ersatzlos ab und überlasse den Mietvertrag der Privatautonomie, welche natürlich wiederbelebt werden müsste.

  4. Lisa

    Prestigewohnsitz kostet eben. Allerdings sehe ich nicht, warum gerade Zuwanderer aus nicht-europäischen Ländern in dieser kulturell, historisch, ästhetisch so bemerkenswerten Stadt wohnen wollen dürfen, wo ihnen genaus diese u.s.p.s nicht nur nicht bewusst sind, sondern sie sind ihnen auch schlicht egal. Ich verstehe , dass Arme aller Länder in die Städte ziehen wollen, seis in Afrika oder im Westen, denn da gibt es Arbeit, die weniger mühevollist und leichter verdientes Geld, wenn nicht legal, so doch immerhin noch schwarz und grau. Die Landflucht ist weltweit zu beobachten. @Karl Markt: die “Bauern und Arbeiter” sind längst durch Maschinen ersetzt, deren Herstellung ebenso weitgehend durch Roboter. Es ist eine andere Welt als die vor 100, 150 Jahren, eine von Informationstechnik und Dienstleistungen beherrschte. Fertighäuser brauchen nur wenige Bauarbeiter… Wie wollen Sie all die Kleinkapitalisten vom Kebabstand, Nagelstudio, Solarium, Begleitservice, Pizzakurier, Hellsehertelefon, Taxiunternehmen, Reinigungsdienst … etc. zu Sozialisten machen? Den aktiven intelligenten Gewerkschafter, den engagierten Sozi vom Arbeiterhilfswerk gibt es schlicht nicht mehr. Die intellektualisierten gut verdienenden Salonsozis kann man ja schwerlich dazu rechnen, vor allem dann nicht, wenn sie in der Politik herumwuseln und fremde Gelder angeblich für soziale Verbesserungen, in Tat und Wahrheit aber für Wählerstimmen ausgeben.

  5. Peter Matzenberger

    @Andreas Unterberger:

    Die Zahlen der Statistik Austria sind verfälscht.
    Der Grund liegt in dem Umstand, daß beim “Privaten Sektor” kein Unterschied zwischen Wohnungen gemacht wird, die im Vollanwendungsbereich des MRG liegen (klassisches Zinshaus vor 1945 errichtet) und den Neubauten nach 1945 (oder auch 1953), in denen die Mieten nicht durch das MRG nach oben begrenzt sind.

    Hier werden also Birnen mit Äpfeln vermischt!

    Ich habe mit der Autorin der Studie von der Ststistik Austria telefoniert, warum das nicht getrennt erhoben wird. Die Antwort: “Weil wir (die Statistik Austria) keinen Auftrag dazu vom Gesetzgeber haben.” !!!

    Da die dem Vollsnwendungsbereich des MRG unterliegenden privat vermieteten Wohnungen nur rund 400.000 Personen, also ca 5% der Gesamtbevölkerung betreffen, frage ich mich schon, weshalb das zum Riesenthema der politischen Auseinandersetzung gemacht wird.

    So wenig ich Faymann mochte, was er jedoch noch als Wohnbaustadtrat durch intensive Bautätigkeit bewirkt hat, daß es damals fast so etwas wie einen Markt gegeben hat, auf dem auch geregelte Preise nicht mehr in jedem Fall erzielt werden konnten.

    Und man erinnere sich auch noch an die Zeit, Ende der 80-er, vor dem Richtwertmietzinsgesetz, wo praktisch jede Kat.A-Wohnung (ausser in den allerbesten Lagen) um 100,- Schilling (7,20 €) plus Betriebskosten plus 10% USt je m2 vermietet werden konnte.

    Wieso dann jetzt – nach mehr als 25 Jahren und 45% Geldentwertung- so ein Trara??

  6. Falke

    Der gute Herr “Karl Markt” gehört offenbar der bildungsfernen Schicht an. Zuerst glaubt er, dass der VfGH dazu da ist, Preise im Ausland zu klären, dann legt er noch eines nach und schreibt “… spiegeln… wiEder…”. Volksschule nicht erfolgreich absolviert, nicht genügend, setzen!

  7. Reini

    … nennen wirs eine Immobilienblase, wie es sie schon eh und je gab, … einige Beteiligte bestreiten dies, sie wollen ja nicht ihr Geschäft ruinieren, bzw. vom vielen Spekulieren pleite gehen. Und solange Investoren (auch viele Ausländische) ihr Geld in einem “Sicheren Land” Anlegen wollen, wird der Preis weiter steigen!

  8. chrisamar

    @ Danke für Ihre klaren Worte. Dazu kommt, dass die Mindestlöhner der Freien Wirtschaft und die Rentner aufgrund der zu geringen Versorgungen auf das Leben in der Stadt angewiesen sind. Der Nahverkehr ist in Deutschland sehr teuer und in ländlichen Gemeinden zu Gunsten der Autofahrer seit den 70er Jahren faktisch gar nicht existent. Auch das ist ein Grund dafür, warum ländliche Gemeinden entvölkert sind. Die Kosten zum Arbeitsplatz und der mühsame, zeitaufwendige Arbeitsweg gleichen nicht die evtl. günstige Miete aus. Hier am Stadtrand von HH, entstehen und entstanden die Reihenhäuser. In jedem Ort, an jeder Ecke. Nicht für Deutsche. Sondern nur für die Umsiedler. Das ist schon ziemlich hart.

  9. wbeier

    @Peter Matzenberger
    >Wieso dann jetzt – nach mehr als 25 Jahren und 45% Geldentwertung- so ein Trara??<
    Oops, vielleicht ist das Börserl der Wohnmarktteilnehmer (was für ein Wort für ein Grundbedürfniss) doch nicht so prall. Immerhin wollen andere auch noch die sogenannte Kaufkraft abzocken. Verteilungskonkurrenz der Aasgeier?

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