Wien 2015: “Juden raus!”

Von einem Bewohner der Nachbarliegenschaft wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass Sie im Fenster ein großflächiges Symbol einer für ihn sehr schmerzhaften und traurigen Vergangenheit angebracht haben. Da er sich selbst mit dieser versöhnt hat, es für ihn jedoch sehr schwer ist wenn er täglich daran erinnert wird, hat er den Wunsch an uns herangetragen, ob wir Sie bitten würden, dieses Symbol so anzubringen, dass es von Außen und damit für ihn nicht sichtbar ist.”
Diese Nachricht einer österreichischen Hausverwaltung wurde einem Untermieter im jüdischen Viertel in Wien vor ein paar Tagen von dem Hauptmieter zugestellt, nachdem der Untermieter es gewagt hatte, im Rahmen des Eurovision Song Contests, der in Wien vom 19. bis zum 23. Mai 2015 stattfand, die Flagge eines teilnehmenden Wettbewerbers im Fenster aufzuhängen. Im Fenster hing die Fahne Israels! (weiter hier)

15 comments

  1. Herbert Manninger

    Doch Vorsicht!
    Man kann nämlich für das unsichtbar Machen von solchen ,,schmerzhafter Erinnerungen” bei uns auch etliche Jahre Gefängnis ausfassen, siehe Urteil wegen Beschmutzens von Stolpersteinen!
    Das Unterscheiden böser, weil original einheimischer, Nazis und guter Nazis, weil Angehörige einer Bewegung, die dafür bekannt sind, nicht genehme Aussagen mit blutigem Terror zu ahnden, wird zusehends merkwürdiger und verlogener.

  2. Der Bockerer

    In den 1980er Jahren wurde die Politik nicht müde, den Antisemitismus auf das Schärfste zu kritisieren. Gleichzeitig wurden aktive Maßnahmen ergriffen, um diese Unsitte so weit wie möglich zu unterbinden.
    Politiker heutzutage unterlassen es oft von vornherein, den wachsenden und zunehmend gewaltsamer werdenden Antisemitismus anzuprangern. Dies ist ein Paradigmenwechsel, wie er einschneidender nicht sein kann. Zumal sich jene Gruppierungen, die in erster Linie judenfeindlich agieren, von der Passivität der Politik noch bestärkt fühlen.

    Ja es ist wirklich erstaunlich: Judenhass ist im 21. Jahrhundert wieder möglich. Völlig straffrei und von den Medien weitgehend ignoriert. Und die herrschende Klasse schaut zu. Beschämend.

  3. cmh

    Man kann sicher sein: es ist kein Thema zu blöd oder zu nichtig oder zu unsinnig als dass nicht entweder ein Nazi, ein Antifaschist oder ein Jude seinen Senf dazu abgibt.

    Ja was hat sich denn der gute Untermieter (???) denn erwartet, als er die Flagge zeigte? Flagge zeigen bedeutet doch eine Meinung zu haben. Und nicht, dass alle anderen der gleichen Meinung sein müssen.

    Als unbeteiligter Österreicher (mir geht der ESC samt allen seinen Flaggerlen am Arsch vorbei) muss man in diesem Zusammenhang ja richtig froh sein, dass nur vom Wiener Judenviertel und nicht vom Wiener Judenghetto die Rede war.

  4. Thomas Holzer

    Interessant an dieser causa finde ich, daß sich die STIWOG für den Mieter einer “Nachbarliegenschaft” “stark macht”.
    Ich dachte ja immer, die Hausverwaltung hätte als “ureigenes Interesse” das Wohl der eigenen Mieter im Auge.

    Aber mit der Zunahme an so fortschrittlichen Gesetzen wie Antidiskriminierungs- Verhetzungs- und levelling-up Paragraphen wird diesem unsäglichen Treiben leider nur Vorschub geleistet.
    @Der Bockerer
    Judenhass ist nicht “wieder” möglich im 21. Jhdt. ; Judenhass war und wird leider immer möglich sein; Dummheit lässt sich weder durch Gesetze noch Sonntagsreden von windelweichen Politikerdarstellern ausrotten.

  5. Fragolin

    Man stelle sich vor der Hauptmieter wäre Jude und sein Untermieter würde eine islamische Flagge hissen. Dann wäre das eine landesweite Schlagzeile über “islamophobe Umtriebe” in Wien. So ist es eine ignorierte Randnotiz. Es geht doch nur um Judenhass, also ein historisches Kavaliersdelikt.
    Mir kommt schon regelmäßig der Kakao wieder hoch, wenn ich unsere ganze Betroffenheitsbagage jährlich in KZ-Ruinen aufmarschieren sehe und das Leid der Juden unter den Nazis beweinen, und am nächsten Tag erklären sie vollmundig ihre Solidarität mit allen Muslimen.
    Ein Bekannter (Jude, der es aber nicht offen zeigt – das hat er von seinen Großeltern gelernt) brachte es säuerlich auf den Punkt: “Kennst du den Unterschied zwischen Nazis und Moslems? Beide wollen alle Juden vernichten, aber nur die Nazis hätten es fast geschafft.”
    Ich staune manchmal über den jüdischen Humor.

  6. waldsee

    da bin ich richtig froh,daß es sich beim
    beschwerdeführer um einen ex/nazi gehandelt hat.man stelle sich nur vor, 1 bis 2 ! friedensreligiöse asylsucher hätten sich durch die fahne beleidigt gefühlt. das hätte dann auch in mehreren redaktionen für kopfweh gesorgt , aber in diesem fall ist es
    einfacher.

  7. Thomas Holzer

    @Waldsee
    Mit Verlaub, aber woher haben Sie das Wissen, daß es sich um einen “ex/nazi” handelt?!

  8. Syria Forever

    Shalom Fragolin.

    Wenn der Galgen ein ständiger Begleiter ist kommt der Galgenhumor von selbst…
    Wie viele Pogrome durften Juden in Europa als Hauptdarsteller miterleben? Unzählige. Die Naaz waren nur das Sahnehäubchen, und ja, sie hätten es fast geschafft.
    Sie sehen, wir Juden haben Übung darin Pogrome und Massenmorde zu überstehen… 🙂

    @Herr Holzer.
    Sie sagen es richtig. Judenhass gab es in Europa immer. Die alten/neuen Naaz hatten sich nur im Verborgenen gehalten. Jetzt, nachdem die alten/neuen Freunde in grosser Zahl importiert wurden, und weiterhin werden, kann man wieder mit stolzer Brust, wie in Berlin “Die Linke”, und Transparenten “Kauft nicht bei Israelis (für Juden fehlt noch, noch, der Mut)”, Pfauen gleich dahin stolzieren.
    Doch wenn es so weiter geht werden sich die alten/neuen Naaz, und deren Freunde, neue Feinde suchen müssen. Bald wird der letzte Jude Europa verlassen haben wo gegen richtet sich der Hass dann??

    Lustig wirds werden in Europa, und Bombenstimmungen werden die Städte erhellen.
    Nicht unbedingt Neuland für die vielen neuen Europäer, nicht wahr? Ich meine die Bombenstimmung…

    Guten Tag.

  9. MaKu

    Eine völlig absurde Diskussion:
    Weder ist klar, ob der eine berechtigt ist eine Fahne ins Fenster zu hängen – noch ist klar, ob der andere berechtigt ist, sich dadurch beschwert zu fühlen.
    Fazit :
    Die Hausverwaltung hat einen Unsinn verzapft – sehr peinlich.
    Der mit der Fahne ( egal welche es konkret ist ) soll diese einfach lassen wo sie ist.

    Devise: Deppen sterben nicht aus, Antisemiten leider auch nicht.
    Das zu thematisieren ist jedenfalls positiv.

  10. Thomas Holzer

    Man darf sich über alles beschweren, ob es sinnvoll ist und von Niveau zeugt, ist eine andere Frage.

  11. Christian Weiss

    Eine Flagge Saudi-Arabiens, des Irans oder Nordkorea hätte sicher niemanden gestört.

  12. Rennziege

    26. Mai 2015 – 19:08 Christian Weiss
    Eine Flagge der Fatah oder der Hamas sicher auch nicht, gell?

  13. Erich

    Sogar “Die Presse” berichtet (online); kurz und p.c. (=sie weiß auch nicht, ob der Nachbar ein Muselmann oder Nazibua ist). Egal, sicherheitshalber kann man auch zu dieser Meldung nicht posten.

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