Wien als lebenswerteste Stadt und die neueste Raubersg`schicht

(MARTIN VOTZI) Das ist sicher Balsam für die rot-grüne Koalition in Wien. So viel Kritik musste sie für all die angeblichen Skandale einstecken und jetzt das. Wien wurde in der neuesten Mercer-Studie für 2016 wieder zur Stadt mit der weltweit besten Lebensqualität gewählt. Und das vor Zürich, Auckland und München. Vancouver muss sich sogar mit dem 5. Rang zufriedengeben.

Zur gleichen Zeit muss sich unser rühriger Bürgermeister mit an den Haaren herbeigezogenen Vorwürfen rund um die Semmelweis-Gründe herumschlagen, die er treffend wie immer als Raubersgchichten einstuft.

Vielleicht werden sie sich jetzt fragen, was das miteinander zu tun hat. Klingt im ersten Moment nicht so. Man muss etwas mehr ins Detail gehen, um den Zusammenhang zu erkennen.

Die Mercerstudie befragt nach Wien entsendete Arbeitskräfte für ihr Ranking, also nicht die Wiener selbst. Es ist auch nicht anzunehmen, dass entsendete Bauarbeiter aus Rumänien und Bulgarien darunter sind. Nennen wir es beim Namen. Es sind Manager und Top-Arbeitskräfte, die befragt werden. Diese leben für einige Zeit hier und erleben Wien schon aufgrund ihres Einkommens etwas anders als ein kleiner Beamter oder Wirt oder Pensionist.

Die Studie besagt also nur, dass Manager gerne für einige Zeit nach Wien kommen, um hier zu arbeiten und zu leben. Das ist gut so, sagt aber nichts über die Lebensqualität für Durchschnittsbürger aus.

Wie man weiß, sind ein guter Teil der Semmelweis-Gründe einerseits für Luxuswohnungen und andererseits für ein privates Musik-Konservatorium verkauft worden, dessen jährliche Schulgebühr das Einkommen eines Durchschnittswieners weit übersteigt.

Diese beiden Maßnahmen könnten gut dazu führen, dass der 1. Platz für Wien noch besser abgesichert wird. Die Luxuswohnungen werden vielleicht auch von Konzernen gekauft, um dort ihre aus dem Ausland entsendeten Manager unterzubringen. Und die Musikschule kann ein interessantes Angebot für ihre Kinder sein.

Wir sollten stolz darauf sein, dass wir unsere(!) Baugründe als Anreiz für nach Wien kommende Manager günstig (ein Euphemismus, ich weiß) zur Verfügung stellen.

Die positive Aufmerksamkeit der internationalen Presse ist uns sicher.

Freut euch also statt über erfundene Raubersgschichten zu mosern.

9 comments

  1. Alfred Reisenberger

    Wird sich sicher ändern! VW hat den Abgasskandal auch erst nach Monaten zu spüren bekommen.

  2. Fragolin

    Wer zeitweise in einer Suite absteigt und mit Limousinen mit abgedunkelten Scheiben durch die Stadt fährt hat eben ein anderes Bild als der Hackler aus dem Block, der täglich mit der U6 zur Arbeit fährt…

  3. Rado

    Mir kann Wien gestohlen bleiben. (Nicht ganz Wien besteht aus dem Parkring)
    Wenn ich in einem pakistanischen Slum wohnen wollte, wäre ich schon vor Jahren ins Original ausgewandert.

  4. Reini

    … wie wurde der Vergleich durchgeführt
    … wurde die pro Kopf Verschuldung, die Zuwanderung, das Bildungsniveau, Soziale Umfeld, Sozialen Leistungen, Ausbildung, die Arbeitslosigkeit, usw. … beurteilt.
    … oder hat man sich den Stefansplatz angesehen, war danach im Schweizerhaus und Übernachtete nach dem Staatsopernbesuch (oder andere Lokalitäten um den Geschäftsabschluss zu Feiern, 😉 ) im Hilton!!

  5. Christian Weiss

    Auch das auf Platz 2 gelegene Zürich wird dunkelrot regiert. Und wie man die Sozialdemokraten und Grünen kennt, welche die Stadtregierung zur grossen Mehrheit besetzen, werden sie dieses Resultat wieder ihrer “gelungenen Politik” zuschreiben.
    Der Haken an der Sache: Die Wirtschaftspolitik in Zürich wird zum Glück für die Stadt durch den liberal-konservativ geprägten Kanton bestimmt. Ohne das liberale Umland, das den weltfremden Stadtzürchern die schlimmsten Flausen austreibt und überdies die Stadt mit 300 Millionen Franken direktem Finanzausgleich und weiteren hunderten Millionen Franken versteckter Subventionen alimentiert (Staatsbeamte mit Mondgehältern, vergoldete kantonale Kultur- und Bildungseinrichtungen), wäre diese Stadt längst ein sozialistischer Moloch, der am Hungertuch nagen würde. So aber kann die Stadt Zürich weltweit wahrscheinlich einmalige 20’000 Franken jährlich pro Einwohner ausgeben und sich damit brüsten, auch noch dem nutzlosesten “Kulturschaffenden” Geld in den Hintern zu blasen. Nur die Kleingewerbler werden bisweilen am 1. Mai wieder etwas ungehalten, wenn ihnen der linksradikale Mob im Kampf gegen das Grosskapital die Scheiben ihrer Ladenlokale einwirft.

  6. Marianne

    Mercer ist bekannt als Anbieter von branchenbezogenen Gehaltsstudien. Konzernzentralen nutzen diese gerne zur Festlegung der Gehälter für jeweilige Positionen. Die lokalen Niederlassungen können oftmals ein Lied davon singen wie meilenweit entfernt die Mercer-Ergebnisse von der Realität sind und wieviel Aufwand es bedeutet die Konzernheinis davon zu überzeugen. Es ist daher gut vorstellbar, wie das vorliegende Städte Ranking mit der Realität übereinstimmt.

  7. Giovanni B.

    Mein Gott wie repräsentativ sind solche Umfragen schon. Klaro, das sich die Rathaussozis u. d. grüne Kampfgenderfraktion darauf stürzt. Das ist zugegeben aergerlich. Tatsache ist, dass die Stadt von Jahr zu Jahr mehr herunterkommt. Bausünden sonder Gleichen, viele Straßenzüge wirken verschmuddelt, ueberall elende Graffities, Aufkleber, wilde Plakate und Schmierereien an fast jeder Hausfassade plus Spuck- und sonstige Flecken auf dem Asphalt. Hässliche Gestaltung fast aller Fußgängerzonen von den Leuchten angefangen. Den Bereich rechts und links der Donau – Mäntelchen des Schweigens. Wenn man rein von der Optik mit Budapest vergleicht…. Lass ma das

  8. Fragolin

    @Giovanni B.
    Stimmt natürlich, der putzigste Nebeneffekt ist natürlich, dass genau jene dieses Ergebnis als ihren Erfolg verbuchen, zu denen man nur sagen kann, dass der nicht wegen sondern trotz ihres Wirkens entstand.

  9. astuga

    Hinzu kommt, dass für fast alle Faktoren die aus Sicht dieser Studie Wien lebenswert machen die Stadtregierung wie die Jungfrau zum Kind gekommen ist.

    Für fast alles was Wien aus Sicht der Einheimischen belastet und unattraktiv macht ist sie hingegen sehr wohl verantwortlich.

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