Wieviel Antisemitismus importiern wir gerade?

Von | 26. September 2015

(C.O.) Oskar Deutsch, gemeinhin als nicht sonderlich streitlustiger Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) in Wien bekannt, hat für hiesige Verhältnisse völlig Unerhörtes gewagt. Anstatt, wie sich das geziemt, öffentlich ein feierliches „Welcome refugees“-Bekenntnis abzulegen und im Übrigen die Klappe zu halten, sprach er aus, was Sache ist:
Die Hunderttausenden, die aus Syrien oder Afghanistan nach Europa kommen, waren einem über Jahrzehnte zu besonderer Aggressivität herangewachsenen Antisemitismus ausgesetzt. In Schulbüchern, Zeitungen, im Fernsehen und sozialen Netzwerken wird Judenhass gelehrt und eingefordert. Terror gegen Israelis wird in den Herkunftsländern ebenso bejubelt wie die islamistischen Angriffe auf jüdische Schulen, Synagogen oder jüdische Museen im Westen. Wie sich der latente Antisemitismus unter vielen der rund 20Millionen Muslimen in Europa entladen kann, haben wir in den vergangenen Jahren leider viel zu oft erlebt.“ („Kurier“, 21.9.15)
Öffentlich davor zu warnen, dass wir mit jenen hunderttausenden jungen muslimischen Männern, die nun ins Herz Europas strömen, mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ein gerüttelt Maß an Antisemitismus (und, nebenbei bemerkt, auch Frauenfeindlichkeit und Schwulenhass) importieren, das geht im willkommenskulturell getriebenen Klima dieser Tage nun wirklich nicht. Dass genau dieser rabiate Antisemitismus in den muslimisch dominierten Teilen von Paris, Antwerpen oder Stockholm tagtäglich zu besichtigen ist, gilt in diesem Zusammenhang als inhumane Faktenhuberei, genauso wie der Verweis auf Laufmeter von Studien über Antisemitismus im muslimisch-migrantischen Milieu Europas.

Längst haben wir die „Je suis Charlie“-Plakate gegen den antisemitischen Terror im jüdischen Pariser Supermarkt mit „Welcome refugee“-Sujets überklebt, das spart wenigstens Papier. Zu fragen, ob unter den „refugees“ auch welche sind, deren Trauer über die Anschläge auf die Karikaturenzeitung und den jüdischen Laden in Paris überschaubar war, gehört sich schon aus Gründen der Pietät nicht.

Dass Herr Deutsch nicht, wie in derartigen Fällen mittlerweile routinemäßig geschieht, von der Wiener Twitterblase und dem sich in den Social Media zusammenrottenden politisch korrekten Religionspolizisten als rechtsradikaler Helfershelfer der FPÖ denunziert und einer angemessen harten Beshitstormung unterzogen worden ist, dürfte wohl ausschließlich dem Umstand zu danken sein, dass er a) Jude und b) Präsident der IKG ist.

Optimisten halten den Sorgen des IKG-Präsidenten regelmäßig die fromme Hoffnung entgegen, in Europa würde im Zuge der Integration der zuziehenden Muslime eine Art von Islam light entstehen, also eine mit dem liberalen demokratischen Rechtsstaat kompatible Spielart des Islam. Dazu müsste dieser Euro-Islam einige wenige Prinzipien ohne Wenn und Aber und ohne jegliche Mentalreservation anerkennen: dass nicht Gott, sondern das Parlament Quelle der Gesetzgebung ist, dass alle Religionen gleichwertig sind und es keine bevorrechtete Religion geben kann, dass Männer und Frauen absolut gleichberechtigt sind, und dass sexuelle Minderheiten zu respektieren sind.

Nur ein Islam, der das nicht bloß zähneknirschend, sondern aus innerster Überzeugung heraus akzeptiert, wird langfristig ein gedeihliches Miteinander erlauben. Das kleine Problem dabei: ein derartiger Islam wäre mit dem Islam nicht wirklich kompatibel, denn er stünde frontal im Gegensatz zu dessen tragenden Elementen. Deswegen denkt auch in den spirituellen Zentren des Islam kein einziger der ausschlaggebenden Islamgelehrten auch nur eine Sekunde über dergleichen gottlosen Unfug nach.

Schon allein deswegen, weil die dortigen Hüter der reinen Lehre mit Recht vermuten, ein derart weichgespülter Islam würde schnell genauso marginalisiert werden wie das in Europa schon lang von der Aufklärung eingehegte Christentum. Zu hoffen, die Sorgen des IKG-Präsidenten würden auf diesem Weg verschwinden, erfordert daher ein relativ hohes Maß an Naivität. Leider. (hier)

19 Gedanken zu „Wieviel Antisemitismus importiern wir gerade?

  1. MM

    “Zu hoffen, die Sorgen des IKG-Präsidenten würden auf diesem Weg verschwinden, erfordert daher ein relativ hohes Maß an Naivität. Leider.”

    Ja und leider mangelt auf diesem ressourcenarmen Kontinent an immer mehr aber nicht an Naivität. Man sollte den nächsten Wirtschaftsnobelpreis für die sozialistische Bewirtschaftung von Naivität vergeben – dann ginge endlich auch dort das Angebot zurück.

  2. Christian Peter

    Noch interessanter : Wie viele Terroristen importieren wir gerade ? Immerhin kündigte der IS an, Europa mit illegalen Einwanderern samt Terroristen zu überfluten. Der deutsche und österreichische Innenminister müssten angesichts dieser Tatsache eigentlich sofort zurücktreten, denn die aktuelle Einwanderungspolitik stellt eine massive Gefährdung der inneren Sicherheit dar.

    http://www.blick.ch/news/ausland/bis-zu-500000-migranten-is-droht-europa-mit-fluechtlings-flut-id3498137.html

  3. CE___

    Also wenn sogar schon der IKG-Präsident “Muffensausen” ob der aktuellen und zukünftigen Situation bekommt dann ist wirklich die Kacke am Dampfen.

    Bisher fiel mir der neue Präsident eher durch handzahme Äusserungen auf um es sich im sozialistisch/kommunistisch rot-grünen Wien mit niemandem zu verscherzen.

    Aber Hr. Deutsch kann beruhigt sein: sollten alle Stricke reissen gibt es Israel mit ein paar Tausend Kampfpanzern, einer exzellent trainierten Armee und ein paar Atomraketen im Talon wo er als Glaubensbruder Zuflucht finden kann und die eine jede Feuerwerksrakete auf Israel völlig berechtigt mit allerstärksten Luftschlägen beantworten.

    Nur wird mir das als einem mit nicht-jüdischen Glaubens nichts nutzen.

    Bei uns in Wien lässt sich die Opposition im Gemeinderat schon mit Worten “Ausse mit Euch” aus dem Munde von Kommunisten aus dem Sitzungssaal ins Schmollwinkerl verscheuchen, ohne am Absatz kehrt zu machen um dem Sager dieser Worte mit voller Mannstärke einen Stand-Off à la Ogris vs. Kühbauer zu geben.

  4. Thomas Holzer

    “Wieviel Antisemitismus importieren wir gerade?”

    Viel zu viel!
    Aber von “unseren Politikerdarstellern und der “Zivilgesellschaft” wird dies natürlich geleugnet, respektive als “berechtigte” Kritik an Israel umgedeutet.
    Und in dieser verstehen sich Muslime und Linke ja blendend, da passt kein Blatt dazwischen

  5. Rennziege

    Auch die buntscheckig kostümierten Salon-Antisemiten (“Wir haben ja überhaupt nichts gegen Juden, nur gegen den pöhsen Staat Israel und den Zionismus!”) werden sich über den willkommenen Import ihrer wahren Gesinnung freuen. Mit der sie, da die prognostizierten Migrantenzahlen nur unterste Kajüte sind, nicht mehr lange hinter dem Berg halten müssen.
    So schafft die ungehinderte Immigration auf allen Ebenen grandiose Erleichterung: für die Besitzer abgetakelter Hotels und Messehallen, für Zehntausende Asyl-Profiteure, für neurekrutierte Tintenpisser sonder Zahl, für Berater à la Kleinschmidt, etc. — ebenso demnächst für um ihre vier Wände erleichterte Mieter und Wohnungseigentümer.
    Aber auch für Judenhasser aller Couleurs, die bald das schamhafte Blattl vorm Mund weglassen dürfen.
    Wenn das keine Win-win-win-win-win-win-Situation ist? Die Vollendung der “Friedensidee Europa” wurde uns doch täglich versprochen; nun ist sie endlich erreicht. Hallelujah bzw. Allahu akhbar! 🙂

  6. Syria Forever

    Shabbat Shalom Rennziege.

    Danke für die Erwähnung “Zionismus”. Das hat Methode. Man möchte Judentum mit Zionismus gleich stellen. In den USA und Kanada funktioniert das auch bestens. In Europa ist man noch nicht so weit doch die Erfolge stellen sich ein. Dafür sorgen die alten/neuen Naaz. Meist zu finden unter den sogenannten “Linken”.
    Als Beispiel; In den USA sind die Rothschilds die einzigen Juden unter den zahlreichen Zionisten in den Führungsetagen.

    Guten Samstag.

  7. astuga

    Leider sind es vor allem Sozialisten welche europaweit dem islamischen Antisemitismus brüderlich zur Seite stehen.
    Natürlich nur aus gut gemeinten Motiven, wie Kampf gegen Islamophobie und Israelkritik.

    Von Großbritannien über Schweden bis Deutschland.
    Das reicht dann jeweils vom Parteivorsitzenden bis zum Bürgermeister.
    Auch unser sog. Austrojihadist und IS-Mörder wurde als Jugendlicher und Schüler ja nicht nur islamisch, sondern auch sozialistisch sozialisiert.

  8. Thomas Holzer

    Mir stellt sich aber immer wieder die Frage: Wer kann das eigentlich wollen?!
    Die österreichischen Politikerdarsteller halte ich nicht für ideologisch so “gefestigt”, daß die das wissentlich und willentlich fördern, die sind allesamt doch nur am kurzfristigen Machterhalt interessiert, weil langfristig sind die sowieso unfähig, zu denken.
    ergo: cui bono?!

  9. Volker Seitz

    Ich empfehle das nüchterne und unaufgeregte Buch “Unterwerfung” von Michel Houellebecq zu lesen. Er gibt eine plausible Erklärung für eine durchaus mögliche islamische Regierung .Die Geschichte der Machtübernahme der Muslimbrüder in Frankreich ist angesichts der neuesten Entwicklungen in Europa eine spannende und topaktuelle Utopie.

  10. astuga

    @Volker Seitz
    Ohne das Buch jetzt gelesen zu haben, ich behaupte es gibt bessere Literatur zum Thema als einen Roman.
    Vor allem wenn man an Hintergründen interessiert ist.
    Etwa “Eine Moschee in Deutschland” von Stefan Meining
    Oder “Europa und das kommende Kalifat, Der Islam und die Radikalisierung der Demokratie” Übersetzung, Hintergründe und Kommentierung von Hans-Peter Raddatz.

    Den aktuellen Rest kann man dann mit Ignoranz, Geopolitik, Käuflichkeit und arabischem Ölgeld erklären.

  11. Christian Peter

    Man kann nur hoffen, dass die Wähler bei den kommenden Wahlen die richtigen Schlüsse ziehen und der FPÖ einen Erdrutschsieg bescheren.

  12. heartofstone

    Der Islam ist eine faschistische Ideologie, Frauen- und Judenfeindlich. Period. Der Begründer dieser Ideologie, Mohammed aus einem Kaff namens Mekka, war ein Räuber, Mörder, Dieb, Vergewaltiger und Kriegstreiber. Die Anhänger dieser Ideologie, die seit fast 1400 Jahren unseren Planeten mit Raub, Mord, Diebstahl, Vergewaltigung und Krieg überziehen, sind nach heutigen Maßstäben mit Nationalsozialisten gleich zu setzen … bin gespannt ob irgenwann ein österreichischer Politiker diese Worte über seine Lippen bringt und die richtigen Schlüße zieht und dann auch umsetzt …

  13. Rennziege

    26. September 2015 – 18:58 heartofstone
    Richtige Schlüsse werden in Vorwahlzeiten niemals gezogen, zutreffende Diagnosen aus Politikermund noch weit seltener.

  14. Mario Wolf

    Als Ariel alle bischimpfen durfte die nicht rotrotgrün waren, hat er nicht gewusst was auf ihn , seinen Nachfolger und seine Gemeinde zukommen wird. Nicht jeder ist ein weitsichtiger Prophet. Wer die Meinnung vertritt dass die Einwanderung von hunderttausenden von Muslimen keine einfluss haben wird auf die Situation der Juden in Europa haben wird, möchte absichtlich blind sein. Dazu gehören nicht nur Politiker sondern auch Kirchefürsten. Die in Wien amtierenden Oberhäupter der katholischen Kirche erzählen bei gegebenen Anlass von den christlich-jüdischen Werten die es zu verteideigen gibt. Wird die Angelegenheit konkret zeigen sich die gleichen Bischöfe und Kardinäle als die übelsten Antisemiten. Sie wissen es, aber verschweigen es dass es durch die Zuwanderung der Muslimen zum nächste Exodus der Juden aus Europa kommen wird. Die gleichen Leute die es opportunistisch bedauern was die Wiener, Österreichische und Europäische Kultur durch die Vertreibung der Juden verloren hat, bereiten die nächste Vertreibung. Frankreich hat bereits den Anfang gemacht, wer folgt ?

  15. aneagle

    Islamofaschisten, Linksfaschisten, Grünfaschisten, Nationalfaschisten- whats the difference ?
    Allen gemeinsam: Die totalitäre inhumane Ideologie von der 2-Klassenmenschheit:
    Die Herrenmenschen = WIR
    Die Unterlinge = IHR
    So einfach ist das. Wann gibt es endlich die Wohlfühl-Plakate ” Faschisten welcome!” ?

  16. astuga

    Vergleicht man die drei großen Totalitarismen (links, rechts, islamisch) in den wichtigsten Aspekten: Feindbilder, Selbstwahrnehmung, Umgang mit Kritikern etc., unterscheiden sie sich nur marginal.

    Wobei sich als einzige die extreme Linke zumindest nicht schon von vorneherein auf eine idealisierte, heroische Vergangenheit bezieht, die es wieder zu errichten gilt.
    Aber allen totalitären Ideologien reicht die Realität nicht aus.
    Als Endziel gilt es den Neuen Menschen zu schaffen, der dann Träger einer idealen Gesellschaftordnung sein soll.
    Anstatt also das Weltbild den Unzulänglichkeiten der Realität anzupassen, versucht man die Realität der Ideologie unterzuordnen.
    Womit sich die drei dann doch wieder angleichen.

  17. Fragolin

    @astuga

    “…nicht schon von vorneherein auf eine idealisierte, heroische Vergangenheit…”

    Kommt bei denen auch vor. Sie hängen noch immer am verzerrten Ideal des Sowjetkommunismus (nicht nur Gusenbauer hat den Moskauer Boden geküsst), an der Idee des Arbeiter-und-Bauern-Staates, an der maoistischen “Volksherrschaft”, die in der Praxis bisher immer eine besonders frivole und brutale Spielart der Parteiendiktatur darstellten.
    Alle drei sind gleich. Sie haben ihre Götzen der Vergangenheit und ein utopisches Bild von der Zukunft; sie betrachten die Realisierung ihrer Weltentwürfe als “Fortschritt” und die unweigerliche brutale Vernichtung jedes diesem “Fortschritt” im Wege stehenden Individuums als “Friedensdienst”.

    Jeder Kollektivismus endet in einer Diktatur.

    Dass Menschen, die in einer Diktatur sozialisiert wurden, scheinbar nicht in der Lage sind, dieser zu entkommen, zeigt das Beispiel der Intrigantenkaiserin von Deutschland, die nicht mehr genug damit hat, jeden Konkurrenten aus der Welt zu schaffen (aktuell gab es Anfang des Sommers Gerüchte über einen Aufstieg von Frau Von der Leyen zur Kronprinzessin, plötzlich muss sie ihre Doktorarbeit gegen Plagiatsvorwürfe verteidigen – upps, das kennen wir doch von irgendwoher…) sondern inzwischen auch politische Entscheidungen wie die Legalisierung illegaler Grenzübertritte im Alleingang zelebriert, ohne sich die lästige Mühe des Abnickens durch das endgültig zur zahnlosen Quatschbude verkommenen Parlamentes zu machen.
    Eine Genossin Staatsratsvorsitzende konsultiert kein Parlament, sie informiert es höchstens. Oder lässt informieren…

  18. astuga

    Natürlich, mittlerweile wo der Sozialismus-Kommunismus schon in die Jahre gekommen ist, und auf zahlreiche gescheiterte Experimente und tote Heroen zurückblicken kann, ist auch ein Raum für eine rote Nostalgie entstanden.
    Und natürlich hat auch man bereits früh versucht seine eigene glorifizierte Vergangenheit zu erschaffen – etwa durch einbalsamierte Leichen und entsprechendem Totenkult (Lenin, Kim Jong Dingsbums…).

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