3 comments

  1. gms

    Recht gelungene Visualisierung? — Falls dem so ist, woran mißt sich das Gelingen? Welcher Zweck wurde erfüllt?

    Die Anzahl der Atome im Universum läßt sich durch eine Zahl mit verdammt viele Nullen veranschaulichen. Schlüsselt man’s elementweise auf, liefert das Vorgehen eklatant unterschiedlich langen Zahlen und somit optisch beeindruckendes Lernmaterial über die nominellen Mengen, in denen jedes einzele Element vorhanden ist. Aufpeppen läßt sich die Übersicht um Faktoren wie Anzahl der Protonen im Kern, Massen generell, Valenzen oder die daraus resultierende chemische Reaktionsfreudigkeit.
    Was aber ist gewonnen, wenn man alle existierenden Wechselwirkungen zwischen Atomen in dieselbe Statistik packt und behauptet, es handle sich dabei gleichfalls um Atome?

    Verspricht Grandma Gertrude ihrem Enkel Egon für jeden Einser im Zeugnis zehn Dollar, so ist das ein waschechtes Derivat. Zwei Parteien vereinbaren beim Eintritt bestimmter Konditionen einen Eigentumsübertrag. Full stop.
    Überzeugt Egon dergestalt motiviert seinen Bruder Bert, ihm beim Lernen zu helfen und dabei für jeden Einser in Egons Zeugnis zwei Dollar zu lukrieren, ist das ein weiteres Derivat, doch selbst deren kleine Schwester Sue käme nicht auf die Idee, diese Abmachungen als Geld zu bezeichnen. Spricht sich in der Schule rum, um Egon entstünde ein kleiner Lernzirkel, mag es Leute geben, die Egon für eine Niete halten und trotz seiner Anstrengungen auf dessen schulisches Versagen setzen, doch finden sie dafür nur jene Kontrahenten, die vom exakten Gegenteil überzeugt sind. Am Ende des Schuljahres fließt Geld, bloß ist deshalb kein einziger Cent mehr oder weniger im System.

    Der referenzierte Artikel hält fest: “The more abstract definition of money we use, the higher the number is”. Die einzige Übersetzung, die angesichts des flankierend Dargebotenen korrekt ist: “Je willkürlicher die Definition von Geld ist, desto mehr gibt es davon”. Tell news!
    Sogar wenn man sich einer selbstreferenziellen und somit größtmöglich abstrakten Definition von Geld bedient, ist der Fehler, Derivate als Geld zu bezeichnen, trivial erkennbar: Wenn Geld Geld ist, so kann nicht zugleich das verbriefte Recht auf den Bezug von Geld die tatsächlich vorhandene Geldmenge erhöhen.

    Welcher Zweck wird also verfolgt, wenn man Falsches in optisch beeindruckende Kasterl quetscht? Was sagen Leute, vorzugsweise irgendwie mit Politik oder Geldwesen verbandelt, angesichts der Fantastilliarden des Derivatemarktes (entnommen dem Subtext zu den Bildern des Artikels resp. [1])?:

    “The majority of derivatives are traded outside of exchanges between private companies, and are called ‘over-the-counter’ trades [Ladentischgeschäfte, Anm.]. [..] Collateralized dept obligations and credit default swaps are the two derivative types that are now infamous for the role of the 2008 Financial Crisis [..] The truth is that no one really knows the exact size of the market [..] other experts warn that the massive size of the derivatives market could contain significant risk and consequences the global markets [..] derivatives are still weapons of mass destruction”

    Schaut auf die Kasterl, lest und lernt, liebe Kinder: Derivate sind Geld, und diese Art des Geldes ist des Teufels!

    Derivate entziehen sich wesensbedingt der Kontrolle durch die Obrigkeit, es sind stinknormale Verträge unter freiwillig agierenden Erwachsenen, und Verträge gibt es nunmal verdammt viele. Summiert man die dabei genannten Gelder, wer wann wem unter welchen Bedingenen was überläßt, so ist das Resultat größer als die Summe des existierenden Geldes. Welch Überraschung!
    Warren Buffet, seines Zeichens legendärer Bezwinger der Bank of England, ist ein verdammt guter Player am Geldmarkt, doch bei Derivaten macht er keinen sprichwörtlichen Meter. Was nicht direkt durch Politik und Zentralbanken gesteuert ist, kann von eben diesen auch nicht in die für sie genehme Richtungen manipuliert werden. Milliarden Menschen und die Abermilliarden zwischen ihnen geschlossenen Vereinbarungen wahren private Interessen auch und insbesondere mit Blick darauf, was Politik und Zentralbanken tun, lassen, zu tun beabsichtigen, und so weiter und so fort.

    “The derivatives genie is now well out of the bottle.” Warren Buffett, 2002 [2]. Für Buffet und seine Brüder im Geiste, von Draghi runter bis Faymann, ist es niemals das gewaltige Irrtumsmonopol aus Politik und Zentralbanken, das für vergangenes und kommendes Unheil verantwortlich ist, sondern es ist das Wirken der Privaten, und deshalb ist eben dieses Wirken zu beschneiden. Das beste Mittel zur Vorbeitung der Freiheitseinschränkung ist einmal mehr Propaganda, diesmal eben im Gewand pseudowissenschaftlicher Schaubilder mit beigepackten Gruseltexten.

    [1] theeconomiccollapseblog.com/archives/warren-buffett-derivatives-are-still-weapons-of-mass-destruction-and-are-likely-to-cause-big-trouble
    [2] alchemycommunications.ie/blog/%E2%80%9Cthe-derivatives-genie-is-now-well-out-of-the-bottle%E2%80%9D-warren-buffett-2002/
    As described by John Gapper in the Financial Times recently, the crisis in world financial markets was anticipated by Warren Buffet, who warned that derivatives were “financial weapons of mass destruction”

  2. Luke Lametta

    “Kontraktwerte”sekte bei zerohedge, das is so wie eine SPÖ-Wahlempfehlung von Harald Krassnitzer. “Got gold?” fehlt, “above-ground gold supply” ist zu subtil. Morgen wird dann wieder der High Frequency Trading-Teufel ausgetrieben. Übermorgen fürchten sie sich vielleicht wieder vor Gewittern und der Dampflokomotive, schwer zu sagen.

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .