Willkommen in der Matrix!

Von | 23. August 2013

(NATASCHA CHROBOK) Seit bekannt wurde, dass Patientendaten von Ärzten weiterverkauft wurden, ist die Nation wieder einmal schockiert. Und das, kurz nachdem bekannt wurde, wie viele Informationen die NSA über uns Erdenbürger in den letzten Jahren gesammelt hat.  Mehr Datenschutz wird gefordert, nach dem allmächtigen Staat gerufen und neue Verbote werden gefordert. Schließlich und endlich sollen doch die persönlichen Daten der Patienten geschützt werden.

Diese  Diskussion ist verlogen. Denn während es jedes mal einen Aufschrei gibt, wenn bekannt wird, dass mit derlei Daten gehandelt wird, scheint es die Mehrheit der Bevölkerung absolut nicht zu stören, selbst die intimsten Details über das Privatleben auf Social Media Portalen der Weltöffentlichkeit bekannt zu geben.

Auf Facebook werden Babyfotos, Fotos von der Sauferei letztes Wochenende oder auch die sexuellen Vorlieben veröffentlicht, auf Twitter wird jeder noch so kleinste Nonsense in die Welt hinausposaunt, egal ob es jemanden interessiert und wenn man ein Gebäude betritt, checkt man brav bei Foursquare mit seinen GPS-Daten ein. Sportliche verwenden Smartphone Apps, um ihren Fortschritt beim Laufen, Fahrradfahren mit kompletten Bewegungsdaten, Gewichtsangaben etc. zu tracken und finden nichts dabei.

Andere wiederum speichern alle ihre Dokumente in Services wie Dropbox, iCloud und anderen Online-Speicherservices, Fotos unter Picasa, Flickr oder anderen Fotoservices, streamen ihre Musik von Spotify oder spielen Computerspiele, welche regelmäßig Informationen über die Sytemkonfiguration und andere sensible Daten an irgendwelche Server im Internet.

Die Cloud, diese nebulöse Internetwolke, durch die alle Informationen dieser Welt nur einen Mausklick entfernt sind, ist allgegenwärtig und niemand findet was dabei. Die Cloud hat unser Leben doch entscheidend vereinfacht, oder?

Und wenn Sie jetzt sagen: ich verwende keines dieser Services, also hat keiner im Internet Daten über mich, dann irren Sie. Denn wenn Sie regelmäßig im Internet surfen, auf Goolge Suchabfragen machen und ab und zu ein Filmchen auf YouTube anschauen, dann haben Sie ausreichend Informationen über sich preisgegeben, um ihre Daten wertvoll zu machen.

Es geht nämlich in Wirklichkeit nicht um ihren Namen, sondern um Mustererkennung. Auch wenn wir uns immer wieder der Illusion hingeben, dass wir ja solche Individualisten sind, so ist es eine unbestrittene Tatsache, dass sich Menschen in ihren Verhaltensweisen und Vorlieben ähneln. Wenn also ausreichend Daten vorhanden sind, dann kann man vielleicht (und Achtung, das ist jetzt frei erfunden und stark überzeichnet) das Muster erkennen, dass Männer mittleren Alters, die Verdiopern hören, gerne blaue Rollkragenpullover tragen, konservative Parteien favorisieren und heimliche homoerotische Phantasien haben.

Der tatsächliche Name der Person ist dabei vorerst einmal vollkommen nebensächlich. Mithilfe solcher Datamining-Informationen schlagen Ihnen Services wie Amazon Produkte vor, welche Sie unter Umständen interessieren könnten und Twitter versucht ihnen Follower, die ähnlich wie Sie sind, vorzuschlagen.

Viele von diesen Services sind ja ungemein praktisch. Allerdings können diese Daten sowohl für wirtschaftliche Zwecke (Kunden, die dieses Produkt gekauft haben, haben auch jenes gekauft…) aber natürlich auch für geheimdienstliche Nachforschungen verwendet werden.

Der Datenschutz selbst ist mit zunehmender Verbreitung des Internets und der damit verbundenen Services mehr und mehr zu einer holen Phrase verkommen, die eigentlich nur mehr um ihrer selbst existiert. Das liegt zum einen daran, dass es zu wenige Leute gibt, die für Datenschutz zuständig sind und andererseits daran, dass die Datenschützer in der Regel keine Ingenieure sind sondern Juristen und die technischen Möglichkeiten weder erfassen noch verstehen können.

Die Realität ist: wir sind längst alle in der Matrix eingestöpselt, die einen mehr, die anderen weniger. Wir haben es nur noch nicht realisiert und wollen es in Wirklichkeit auch nicht wahrhaben. Die Alternative wäre, die rote Pille zu schlucken, aber das würde beinhalten, dass Sie ihren Internetanschluss abmelden, ihren Computer maximal offline benutzen, kein Handy verwenden (eh klar) und nur mit Bargeld bezahlen (selbstverständlich haben sie natürlich kein Bankkonto). Da diese Option vermutlich für den Großteil unserer Gesellschaft keine Option ist, müssen wir uns mit der Matrix arrangieren oder ignorant bleiben ( http://www.nattl.at )

17 Gedanken zu „Willkommen in der Matrix!

  1. Christian Peter

    Es gibt nur einen kleinen Unterschied : Wer persönliche Daten in den Weiten des Netzes preisgibt, tut dies freiwillig. Die Weitergabe personenbezogener oder gar sensibler Daten Fremder an Dritte ist jedoch (völlig zurecht) eine strafbare Handlung.

    Besonders schwer wiegt die Weitergabe sensibler Daten wie etwa zum Gesundheitszustand einer Person, da es sich dabei um besonders schutzwürdige Daten handelt. Nicht umsonst drohen den betroffenen Ärzten dieses Skandals schwere Konsequenzen wie die Kündigung von Kassenverträgen oder ein Berufsverbot.

  2. Thomas Holzer

    Natürlich ist die Debatte verlogen; nebstbei, der Wahlkampf kommt noch hinzu 🙂
    ABER: alles was auf Facebook etc veröffentlicht wird, sämtliche apps etc, welche auf das Smartphone oder wohin auch immer heruntergeladen werden, all dies erfolgt freiwillig und (sic!) normalerweise im Zustand geistiger Zurechnungsfähigkeit.

    Das verwenden/weiterleiten von z.B. diesen Patientendaten erfolgt aber eben nicht freiwillig durch die Person, auf welche diese Daten sich beziehen. Der Patient müsste im Vorhinein um seine Zustimmung zur Weitergabe (ob anonymisiert oder nicht) ersucht werden; dies wäre mein Standtpunkt.

  3. Nattl

    Wenn Sie sich im Internet bewegen, geben Sie so viele Daten unfreiwillig von sich Preis, die ausgewertet und verkauft werden können, dass das schon bedenklich ist. Gut, ich hab Informatik studiert und meine Diplomarbeit über IT-Security geschrieben, und weiß mich gegen derlei Dinge zu schützen, aber Otto Normalverbraucher?

    Und ich behaupte jetzt mal vollmundig, dass sich die meisten Leute eben NICHT bewußt sind, was sie tun, wenn sie sich eine App am Handy installieren.

  4. Christian Peter

    @Nattl

    Die meisten wissen nicht, was sie tun. Das bedeutet aber noch keinen Freibrief auf Verletzung des Grundrechts auf Datenschutz.

  5. gms

    Nattl,

    Sie schreiben: “Diese Diskussion ist verlogen.” — Falls man das Metapher gelten läßt, ein Abstraktum der Verlogenheit zu bezichtigen, welche Lügen, im Sinne von wissentlichen Falschaussagen, meinen Sie zu erkennen?

    Lügt ein praktizierender Exhibitionist, wenn er behauptet, sich sein Publikum selbst aussuchen zu wollen? Lügen Nicht-Exhibitionisten, wenn sie anführen, das Treiben anderer Menschen stelle keine Legitimation dar, selbst zum Freiwild von Voyeuren jeglicher Art zu werden?

    Verlogenheit scheint mir viel mehr darin zu liegen, sich wissentlich einer unredlichen Argumentation zu bedienen, wenngleich als Motiv dahinter vielmehr exakt jene Dummheit zu vermuten ist, die man einem Teil der Debattenteilnehmer zuschreibt.

    Bleibt last not least die Frage nach Ihrer Konklusio: Angenommen, alle Menschen dieser Erde folgten Ihrem Aufruf und verhielten sich ~Security-konform~, welche Art von Überwachung müßten sie sich dennoch gefallen lassen? Dürften Behörden, wie in den USA geschehen, Dienste für nicht-überwachbare Kommunikation dicht machen? Dürfen Bürger gezwungen werden, unter Strafandrohung Paßwörter und Keys rauszurücken, nachdem man ihnen alle elektronischen Geräte zwecks Durchsuchung abgenommen hat?

    Mit Verlaub — die Diskussion ist nicht verlogen, sie ist auf Kindergartenniveau, solange sie die Frage der Rechte des einzelnen Individuums gegenüber dem Staat ausklammert.

  6. Rennziege

    @gms:
    @Nattl:
    “[Die Diskussion] ist auf Kindergartenniveau, solange sie die Frage der Rechte des Einzelnen gegenüber dem Staat ausklammert”, schreibt gms beherzt. Nun denn! Diese Frage interessiert kein Borstentier mehr, denn aus der Ausklammerung ist längst eine Umklammerung geworden, um nicht zu sagen: ein Würgegriff. Aber nicht nur staatlöich, sondern auch von Datenhändlern aller Art. (Bei weitem nicht nur Google und Facebook profitieren von Data Mining mit höchst gefinkelten Algorithmen.)
    Der Zug ist leider abgefahren, lieber gms, unaufhaltsam.
    Und Nattl hat recht, wenn sie sagt: “… dass sich die meisten Leute eben nicht bewußt sind, was sie tun, wenn sie sich eine App am Handy installieren.” — Womit sie das Kindergartenniveau der Diskussion das reale Niveau der stolzen Smartphone-Besitzer bringt: Die laden sich, wie Nattl richtig anmerkt, ung’schaut jede App in ihren Hirn-Ersatz runter, ohne auch nur zu ahnen, dass sie damit mehr preisgeben als mit ihrer einfältigen Präsenz im Gfrießabiachl, Zwitscher, etc.
    Denn nicht ohne Grund sind diese Apps gratis, aber nur fürs Brieftascherl; die wahren Kosten — unfreiwillige Entblößung jedes Teilnehmers bis ziemlich weit unter die Dessous — tauchen nicht einmal im Kleingedruckten auf. Und gratis ist heutzutag’ einfach geil. Dass andere sich mit diesem “gratis” goldene Nasen verdienen, bleibt den meisten Usern verborgen, mangels Interesse für Fakten, Folgen und Hintergründe jedes Klicks.

    Eigentlich nur die Wiederholung einer seit der Steinzeit erfolgreichen Methode: Der Angler fädelt einen ohne viel Mühe und Schweiß ausgegrabenen Regenwurm auf den Haken, und der naive Barsch beißt an, weil der Wurm gratis daherkommt. (Hechte, Waller et al. fallen auf so primitive Köder nicht herein, weil klüger als die meisten Nutzer elektronischer Gadgets.)
    Herzliche Grüße an Sie beide, von denen ich weiß, dass Ihnen keine Regenwürmer schmecken!

  7. gms

    Teure Rennziege,

    daß der Zug in Richtung: “Lieber Bürger, Ihr Kopf und dessen Inhalt gehören mir, mit vorzüglicher Hochachtung – Ihr Überwachungsstaat”, bereits abgefahren ist, bedarf schon eines gerüttelten Maßes an Fatalismus. Bei allem Vertrauen in die Ignoranz resp. Idiotie der Massen, daß dies durchgehen könnte, halte ich für höchstgradig unwahrscheinlich.
    Mit den entsprechenden kryprotgraphischen Methoden kann auch gegenüber dem Staat ein Mindestmaß an Privatsphäre gewahrt werden, es sei denn, und hier schließt sich erneut der Kreis, die Verwendung dieser Verfahren wird wirksam per Strafe sanktioniert.

    Merkt denn niemand, an welcher Grenze wir hier angelangt sind? Die Debatte von wegen Gfrießbiachl und Co scheint mir mehr der gezielten Ablenkung dienlich, um den Schutzbefohlenen vehement das Ende vom Lied zu suggerieren und sie erst damit mit jenem Zweckfatalismus zu impfen, der ihnen die Alertheit raubt, wenn die wirklich ungustigen Gesetze durchgewinkt werden sollen.

    In den USA wird die rote Line – siehe Lavabit und Silent Circle – bereits getestet, aber im verschnarchten Austriachstan schaufelt man noch in den entsprechenden Sandkisten Häufchen rund um Smartphones und deren weniger smarte Halter, sowie um anonymisierte Patientendaten, um selbige Häufchen danach, je nach persönlicher Gestricktheit, mit ostentativer Abgeklärtheit hinwegzufegen oder sich alternativ in Empörismus zu ergehen.
    Zugleich übt die heimische Dressurelite sich in “Guter Cop, böser Cop” und dient sich dem Volk als wackerer Beistand wider private Datenkraken an, während sie zugleich das Lied von der Notwendigkeit des Großen Bruders staatlicher Provenienz trällert. Gewollt oder ungewollt erhalten die Obertanen hierfür tatkräftigen Support durch jene, die zwar korrekt den Bürger aufklären, wonach schlichtweg sie selbst die Handelswaren auf den Datenmüllkippen sind, diese Botschaft zugleich aber mit der Konklusio verbinden, der Beton sei nun allumfassend und in jeglicher Hinsicht ausgehärtet.

    Exhibitionismus legitimiert Brave new World?! – Irgendwo ist da gewaltig ein Fisch d’rin, aber irgendwie war das Ganze gewiß ganz anders gemeint.

  8. Rennziege

    @gms:
    Wir reden eh im Duett, zweistimmig oder unisono, wie auch immer Sie unser Gsangl intonieren wollen. Kryptographie wirkt nur als kurzfristiges Trostpflaster: Kaum ist es aufgeklebt, wird es durchleuchtet und aufgeblattelt. Wenn Sie ein Smartphone oder Tablet mit Android- oder Apple-Betriebssystem nutzen, können Sie zwar in diverse “anonyme” Modi wechseln, doch die lähmen das Werkel gewaltig und werden bald geknackt — wenn sie nicht schon von Anfang an als Maulwürfe dienen.
    Das Gfrießabiachl ist in der Tat ein harmloser Bandlwurm. (Die Benutzer, so putzig sie sich auch fühlen, fressen die Trichinen ja freiwillig.) Die großen Kraken benützen ihre Fangarme subtiler. Der einzige Unterschied zwischen staatlicher und geschäftlicher Aushorchung besteht darin, dass die Staatsbüttel schlechtere und faulere IT-Fachleute beschäftigen, szenenferne Beamte halt. Das Spiel good cop, bad cop, so vollmundig es im ebenfalls müden Wahlkampf von AT und DE inszeniert wird, ist längst verloren.

  9. Selbstdenker

    Vorweg glaube ich, dass sich viele bei diesem Thema gewaltig irren.

    Die Tatsache, dass viele freiwillig bis aufdringlich Persönliches ins Gfrisabuch stellen, berechtigt noch niemanden daraus eine Zustimmung zur Aushöhlung unteilbarer individueller Grundrechte unbeteiligter Dritter abzuleiten. Oder verlieren Sie automatisch Ihr Wahlrecht, wenn 51% der Wahlberechtigten dieses nicht ausüben?

    Wenn etwas technisch machbar ist, heisst dies noch lange nicht, dass dies in irgendeiner Form legitim wäre oder gar gemacht werden müsste (auch nicht mit dem Hinweis, dass es sonst jemand anderer machen würde). Seit der Erfindung der Wasserstoffbombe wäre es aus technischer Sicht problemlos möglich per Knopfdruck millionenfach Menschenleben auszulöschen. Gemacht wurde dies – trotz zahlreicher Gelegenheiten – bislang nicht.

    Der Glaube an die Unumkehrbarkeit historischer Entwicklungen ist ein regelmässig wiederkehrender Aberglaube, der tragische Fehlentscheidungen in historischen Dimensionen fördert. Es ist eine Art intellektuelle Blasenbildung, die sich zunächst in Form einer Self-fulfilling Prophecy bis zur Super-Nova aufbläst um sich anschließend mit einen riesigen Knall zu verabschieden.

    Dass am Ende der Reise die totale Preisgabe jeglicher Privatheit steht, mit der wir uns – ob wir es wollen oder nicht – zu arrangieren hätten, glaube ich persönlich überhaupt nicht. Die Frage ist wohl eher, wie lange es dauert, bis das Pendel wieder in die andere Richtung ausschlägt und wem es trifft, bis das das Umdenken greift.

    Folgende Artikel lassen erahnen, dass hier das letzte Wort noch lange nicht gesprochen ist:

    http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/1443891/Terrorismusabwehr-Ueberwachung-und-Freiheit
    http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/uebersicht/jede-information-eine-desinformation-1.18136035

    Abschliessend möchte ich anmerken, dass nicht jede Verschlüsselung automatisch als solche erkennbar ist. Beispielsweise können (digitale) Bilder und Videos als Träger optisch codierter Informationen verwendet werden.

  10. gms

    Rennziege,

    > Kryptographie wirkt nur als kurzfristiges Trostpflaster: Kaum ist es aufgeklebt, wird es
    > durchleuchtet und aufgeblattelt.

    Gegen Mathematik im Dienste des Individuums hilft nur Staatsgewalt, mit Betonung auf Gewalt. Solange Hardware ohne Backdoor hergestellt werden darf und solange es TCP/IP-Stacks, VPN-Implementierungen und asymmetrische Verfahren im Quellcode gibt, solange hat der Staat das Nachsehen. Stülpt man das Ganze noch über eine entsprechende Drehscheibe, dann weiß der Schlapphut zwar, daß verdammt viele Menschen mit verdammt vielen anderen Daten austauschten, aber die tatsächliche 1:1 Kommunikation ist ebensowenig nachvollziehbar, wie deren Inhalt.

    Niemand muß seine Systeme beim staatlichen Subunternehmer beziehen. Niemand kann bislang zum Brain-Dump verurteilt werden, bei dem alle Keys aus dem Kopf purzeln. Und weil das so ist, werden demnächst neue Anbieter auf den Markt kommen. Was anno dazumal die Schweiz und Lichtenstein fürs Geld war, wird in Zukunft (pars pro toto und ins Blaue gereimt) Estland sein für elektronische Kommikation ohne unerwünschte Zuhörer.

    Wie’s im Jahr 2084 weitergeht? Wahrscheinlich wird unter dem Vorwand der internationalen Terrorismus-Bekämpfung die Verwendung von KBit-Keys behauptet und danach im Balitkum einmarschiert, es werden Rechner platt gemacht und medienwirksam Mathematiker verurteilt. Die einzig verbliebenen abhörsicheren Systeme be- und vertreibt die Mafia, und Hinz und Kunz stehen bei ihr mit leeren Speichermedien im Dunklen Schlange.

    Ich bleibe dabei: Ohne physische Gewalt hat der Staat das Nachsehen. Prohibition bewirkt den Schwarzmarkt. Noch hat der Bürger die Chance der Dressurelite zu verklickern, daß es nicht soweit kommen muß.

  11. gms

    Selberdenker,

    > Abschliessend möchte ich anmerken, dass nicht jede Verschlüsselung automatisch als
    > solche erkennbar ist. Beispielsweise können (digitale) Bilder und Videos als Träger optisch
    > codierter Informationen verwendet werden.

    Richtig, doch die Crux steckt in der Massentauglichkeit, was wiederum mit einem Mindestmaß an Bekanntheit der entspechenden Anbieter einhergehen muß. Die üblichen Verdächtigen stempeln schon heute ihre Brieftauben mit entsprechenden Wasserzeichen, damit aber auch der Chef von BASF im Urlaub seine Buchhalter um ein aktuellen Zahlen fragen kann, braucht es irgendwen, der im Werbespot freundlich aus dem Fernseher lächelt, und dem zuverlässige Quellen bescheinigen, er würde bezogen auf sein Kryptographie-Produkt korrekt arbeiten.

    Lavabit und Silent Circle als sichere Medien hatte man unlängst in den USA den Hahn zugedreht. Zugleich, und das scheint eine sonderbare Koinzidenz, hat Deutschland Bitcoin als private Währung anerkannt [1]. Wir haben nun den Fall, wonach einerseits heftiger denn je jede Geldtransaktion entweder verboten oder zu melden ist, andererseits eine Währung exisitiert, die derzeit noch elektronisch spurlos an Big Brother vorbeigeschleust werden kann, wenn man sich entsprechender Methoden verdient.

    Massentaugliche Kryptograpie ist der einzige Weg zur Wahrung der Bürgerrechte, zugleich aber erklärt der Staat gerade seine Pappenheimer zu seinen größten Feinden. Das wird interessant.

    [1] faz.net/aktuell/finanzen/devisen-rohstoffe/digitale-waehrung-deutschland-erkennt-bitcoins-als-privates-geld-an-12535059.html

  12. Nattl

    @gms ich verstehe ihre Argumentation und ihre Bedenken. Und ich würde einen Minimalstaat, der sich nicht in alle Lebensbereiche einmischt, ebenso begrüßen, wie sie. Allerdings schwingt das Pendel gerade in die andere Richtung, und es ist unwahrscheinlich, dass es seine Richtung in den kommenden Jahren ändern wird.

    Und selbst unter der Annahme, dass sich hierzulande eine Gesetzgebung etablierte, welche die Persönlichkeitsrechte der Bevölkerung anerkennt und wirklich schützt, so gibt es keinerlei Handhabe gegen Unternehmen und fremde Staaten, die sich nicht die Bohne um unsere Gesetze scheren. Was wollen Sie dann machen? Einen Sitzstreik abhalten und stur auf die Einhaltung ihrer ihnen zugesicherten Rechte auf Privatsphäre hoffen?

    Und BTW: massentaugliche Kryptographie ist ein Oxymoron. Es liegt in der Natur der Sache, dass ein sicheres System höchst benutzerunfreundlich ist und ein “Security for the rest of us”-System höchst unsicher. Zu diesem Thema gibt es einen netten Artikel hier http://www.theregister.co.uk/2013/08/12/secure_webmail_analysis/?page=1 — if it’s useable it’s probably insecure…

  13. Christian Peter

    @Nattl

    Es gibt keinen Vollkaskoschutz für rechtlich geschützte Werte. Sollte man Bankraub legalisieren, weil Banken zuviel Bargeld horten und nur unzureichende Sicherheitsvorkehrungen treffen ? Sollte man Taschendiebstähle oder Fahrraddiebstähle legalisieren, weil die Aufklärungsquote unter 5 % liegt ? Sollte man Urheberrechte oder Markenrechte abschaffen, weil sich ohnehin alles problemlos kopieren lässt ?

    Weiss ehrlich gesagt nicht, welche Aussage hinter ihrem Artikel steckt. Sollte man Persönlichkeitsrechte wie das (Grund-) Recht auf informelle Selbstbestimmung einschränken oder gar beseitigen ?

  14. Selbstdenker

    @Christian Peter

    Ich gebe Ihnen recht.

    Wie steht es um die Freiheit des Einzelnen, wenn jedermann von Staaten und großen Unternehmen beliebig ausspioniert und bei Bedarf auch blossgestellt werden kann?

    Wie ist es um eine Marktwirtschaft bestellt, bei der jene Marktteilnehmer am erfolgreichsten sind, die ihre Mitbewerber am effektivsten ausspionieren? Kann sich unter solchen Bedingungen überhaupt ein gesamtwirtschaftliches Optimum einstellen?

    An diesem Punkt sitzen Liberale regelmässig einem Irrtum auf, da sie sich offensichtlich noch zuwenig mit den ökonomischen und gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Informations- und Kommunikationstechnologien befasst haben.

    So wie es den Staat braucht um Grundrechte durchzusetzen, wird es auch den Staat brauchen, die Möglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechnologie in einem grundrechtsverträglichen Mass zu kultivieren.

    Ein Liberalismus, der aus einer fundamentalistischen Interpretation seiner Werte zulässt, dass liberale Grundprinzipien untereinander ausgespielt und so vernichtet werden, ist akut suizid gefährdet.

    Dass sich ein Staat nicht in alle Lebensbereich einmischt, heisst noch lange nicht, dass es ihn für Belange der Justiz sowie der inneren und äusseren Sicherheit nicht braucht.

  15. gms

    Nattl,

    > Artikel hier [..] — if it’s useable it’s probably insecure…

    Herzlichen Dank für den informativen Text, bloß widerspricht er meinen Ausführungen nicht. Entweder, ein massentauglicher Dienst kommt ins Fadenkreuz der Behörden, oder, und dies hatte ich tatsächlich nicht thematisiert, macht der Anwender in der Handhabung einen Fehler. Gegen Letztgenanntes ist kein Kraut gewachsen, ist dies doch mögliches Charakteristikum jedweder menschlichen Handlung.

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