Wir müssen unserer Enteignung hilflos zusehen

Von | 17. März 2016

(ANDREAS TÖGEL) Jetzt scheint es geschafft: die „Brechung der Zinsknechtschaft“, die von Männern wie Gottfried Feder bereits vor vielen Jahrzehnten gefordert wurde (die brillante Idee fand sogar Eingang ins Parteiprogramm der NSDAP), ist endlich geglückt. Die Europäische Zentralbank unter Mario Draghi, hat den Leitzins (das ist jener Satz, zu dem Geschäftsbanken kurzfristig Gelder ausleihen können) in der Vorwoche auf 0,00 Prozent gesenkt. Damit wurde auch noch das letzte Pulver verschossen, das sich im Arsenal „konventioneller“ Maßnahmen der Geldpolitik findet. Weniger als 0,00 Prozent geht im Moment (noch) nicht Die Interessen von Sparern und private Altersvorsorgen schaffenden Bürgern, werden rücksichtlos auf dem Altar der zeitgeistigen Schuldenkultur geopfert.

Im Visier der an den Schalthebeln sitzenden, von den Segnungen ihrer rigiden Planwirtschaft überzeugten Geldsozialisten befindet sich – und zwar schon seit vielen Jahren – die angeblich dräuende Deflationsgefahr. Diese wird regelmäßig dann beschworen, wenn die Regierungen Auswege aus Krisen suchen, die dank ihrer erratischen Politik eingetreten sind. Nach den seltsamen Vorstellungen der herrschenden Inflationisten, kann es nichts Schlimmeres geben, als auf breiter Front sinkende Preise. Wäre ja tatsächlich eine schreckliche Vorstellung, wenn die Kaufkraft der Bürger dadurch stiege, nicht wahr? Seltsam, dass ansonsten unentwegt der Ruf nach Kaufkraftstärkung für die proletarischen Massen ertönt, die mittels staatlicher Regulative (z. B. dem Mindestlohn) erreicht werden soll. Sei´s drum.

Gegenwärtig also sollen die Geschäftsbanken dazu motiviert werden, den Unternehmen billige Kredite zu gewähren. Der Nullzins für Ausleihungen gilt diesem eitlen Bemühen ebenso, wie der nun auf 0,4 Prozent angehobene Strafzins auf Einlagen, die Geldinstitute bei der EZB halten.

Darauf, dass der Coup ebenso wirkungslos verpuffen wird, wie alle anderen bisher ergriffenen geldpolitischen Maßnahmen der international tätigen Geldalchemisten, kann gefahrlos gewettet werden. Denn man kann Pferde zwar zur Tränke führen, sie aber nicht dazu zwingen, zu saufen. Man kann Betrieben billige Kredite andienen, sie aber schwerlich nötigen, diese auch aufzunehmen. Tun sie es nicht, dann hat das in der Regel gute Gründe – etwa eine pessimistische Einschätzung der zu erwartenden wirtschaftlichen Entwicklung. Bei klarem Verstand befindliche Unternehmer machen dann nämlich keine Schulden, auch nicht bei minimalen Zinslasten.

Was ein gestandener Sozialingenieur und von seiner grenzenlosen Weisheit überzeugter Gesellschaftsklempner ist, lässt sich durch derlei Widrigkeiten allerdings nicht beirren. Wenn die Wirklichkeit der Ideologie nicht zu folgen geneigt ist, dann muss sie eben entsprechend verändert werden; dann müssen härtere Bandagen her. Man darf schon gespannt sein, womit die ehrenwerte Gesellschaft um Draghi & Genossen als nächstes aufwarten wird.

Überlegungen und Vorschläge von Fachleuten wie dem Ex- Kapo des Fed, Ben Bernanke, liegen ja bereits fertig in der Schublade. Der Mann hat, in bester keynesianischer Tradition, das Krebsübel des Sparens Gottlob erkannt und bereits vor mehr als zehn Jahren eine gefährliche „Sparschwemme“ diagnostiziert. Der ist entschlossen entgegenzutreten.

Wenn also schon die Betriebe das „geschenkte“ Geld nicht nehmen wollen, dann könnte man es ja auch von Helikoptern aus abwerfen oder – weniger spektakulär – einfach auf die Konten von Krethi und Plethi buchen. Das würde natürlich sofort ein Einkaufsfestival der Sonderklasse initiieren und wir alle könnten uns auf einen Schlag reich konsumieren. Oder so ähnlich.

Zumindest der politisch-geldalchemistische Komplex würde tatsächlich profitieren. Politnomenklatura und Bankster könnten sich an ihrer unumschränkten Macht berauschen und wer bereits wohlhabend ist, fände Mittel und Wege, sein Vermögen vor der Inflation zu schützen. Der „kleine Mann“ wäre der Verlierer. Die sich verschärfende Umverteilung von unten nach oben würde den Sozialisten in allen Parteien weitere Munition für ihren Kampf gegen den tobenden „Turbokapitalismus“ liefern. Von dieser Munition getroffen würden allerdings die Sparer und der Mittelstand. Sie müssten bei ihrer hoheitlich orchestrierten Enteignung hilflos zusehen.

Eine weitere überaus vielversprechende Möglichkeit (für den Fiskus und die Banken), böte die bereits vielfach ventilierte Abschaffung des Bargeldes, die selbstverständlich ausschließlich zwecks Bekämpfung der Steuerhinterziehung und des Drogenhandels erfolgen würde. Dadurch könnte jedermann (insbesondere dem kleinen Mann, der über keine Ausweich- oder Fluchtmöglichkeiten verfügt), mittels des Diktats negativer Zinsen auch noch die letzte Lust am Sparen ausgetrieben werden. Gäbe es keine Möglichkeit mehr, bares Geld zu horten, könnten die Banken, als willige Vollstrecker des Fiskus, problemlos Monat für Monat einen bestimmten, willkürlich festzusetzenden, Prozentsatz der Giroguthaben einziehen – zum Wohle des Gemeinwesens, versteht sich.

Wer sein Einkommen zu investieren gedächte und daher ansparte, würde stehenden Fußes abgestraft werden. Konservativ veranlagte private Vorsorgen würden zur reinen Geldvernichtung entarten und wären bei negativen „Erträgen“ natürlich widersinnig. Sparer wären entweder gezwungen, ins „Finanzcasino“ zu gehen, um den Versuch eines Kapitalerhalts zu unternehmen oder wären auf Gedeih und Verderb den unermesslichen Ratschlüssen der Regierungen und deren Symbionten in der Geldwirtschaft ausgeliefert.

Das von Silvio Gesell (Finanzminister der bolschewistischen Münchner Räterepublik von 1919) erdachte und 1932 in Wörgl in Tirol tatsächlich für kurze Zeit geschaffene Schwundgeldparadies, würde zur europaweiten Realität. Ein wahres Wunderland – zumindest aus Sicht der Nomenklatura. Sie könnte sich mühelos und ohne jede Rücksicht auf Verluste jedes von ihr erträumte Luftschloss bauen. Zumindest eine kurze Weile lang – und wie wir wissen, sind wir auf lange Sicht gesehen eh alle tot (spätestens, wenn der Komet kommt).

Als Folge dieser kurzsichtigen Politik würde allerdings ein galoppierender Kapitalverzehr einsetzen – mit den sich daran bindenden Konsequenzen kollektiver Verarmung und des Ausbruchs brutaler Verteilungskämpfe. Schöne neue Welt.

Merke: man kann ökonomische Grundeinsichten durchaus ignorieren. Dennoch gilt Ayn Rands messerscharfe Feststellung unumstößlich: Man kann die Realität ignorieren, aber man kann nicht die Konsequenzen der ignorierten Realität ignorieren”. Schade, dass im Fall der frivolen Aktivitäten der EZB absolut Unschuldige zum Handkuss kommen.

8 Gedanken zu „Wir müssen unserer Enteignung hilflos zusehen

  1. Thomas Holzer

    “Man kann Betrieben billige Kredite andienen, sie aber schwerlich nötigen, diese auch aufzunehmen.”

    Eine kühne Behauptung! Vielleicht wird ja in Bälde ein Gesetz verabschiedet, welches Betriebe zwingt, Kredite aufzunehmen; mich würde es nicht Wunder nehmen 😉

    Andererseits: hilflos ist gar nichts; wurde doch alles ganz demokratisch legitimiert, und zwar mehrmals!

  2. Selbstdenker

    Ein Ratschlag: legt das Geld nicht aufs Sparbuch oder unter den Kopfpolster, sondern kauft Euch Waffen und Munition. Das ist leider einer der wenigen brauchbare Anlagetips für 2016.

  3. Thomas Holzer

    @Selbstdenker
    Ich schrieb hier vor Kurzem: “In Glock we trust”
    Wurde aber vom Hausherrn gelöscht 😉

  4. elfenzauberin

    Wenn das Bargeld abgeschafft wird, zahle ich eben in CHF.

  5. MD

    “”sondern kauft Euch Waffen und Munition. Das ist leider einer der wenigen brauchbare Anlagetips für 2016.””
    Es gibt eben doch noch Themenfelder, auf denen Österreich seinem nördlichen Nachbarland etwas voraus hat. Mögt ihr auch euren Faymann nicht gerade lieben, ich würde ihn momentan gegen unseren Bundeshosenanzug eintauschen. Und an Waffen lässt man uns bestimmt nicht ran. Bewaffnete Bürger sind dem Staat nicht hilflos ausgeliefert. Vor allem nicht, wenn sie sich einig sind und es schlimm wird. Und das gilt es zu vermeiden.

  6. gms

    elfenzauberin,

    “Wenn das Bargeld abgeschafft wird, zahle ich eben in CHF.”

    Ja, warum nicht, solange Sie selbst mit Franken bezahlt werden. Der ausgeschlafene und noch halbwegs manövrierfähige Bürger wird sich auch nicht ertappen lassen, so er Gewinne aus Währungsaufwertungen oder Bartergeschäften hinterzieht, doch, und das ist die bislang unthematisierte Kehrseite der finanzrepressiven Medaille, wird auch der Obertan seine ausbüxwilligen Pappenheimer vermehrt unter Kontrolle und Druck behalten.

    Ein Unheil kommt demgemäß für die breite Mehrheit auch hierbei nicht allein, und tauschte das geknechtete Volk gesamtheitlich seine Elektro-Euros gegen marktfähige Papier-Franken, Schokoladezigaretten oder liquide Waschmittel, hätte es die Rechnung ohne den an seinem Wirt saugenden Staat gemacht. Alles schon mal dagewesen [1] und heute dank innovativem ‘Staatssicherheitgesetz’ erkenn- und pönalisierbar wie Falschparken mit dem 18-Tonner am Stephansplatz.

    [1] bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/101/feh/feh1p/kap1_2/kap2_106/para3_7.html
    Entwurf eines Gesetzes über Verschärfung der Strafen gegen Schleichhandel und Preistreiberei und Verbot der Ausfuhr lebenswichtiger Gegenstände, 1919

  7. gms

    MD,

    “Mögt ihr auch euren Faymann nicht gerade lieben, ich würde ihn momentan gegen unseren Bundeshosenanzug eintauschen.”

    Ich störe ja nur ungern Ihren Traum, den Sie verständlicher Weise mit vielen anderen Deutschen teilen, doch weder kann unser Bilderberger-Bundeskasperl einen einzigen Schritt ohne Marschbefehl durchführen, noch dient sein jetziges Treiben etwas anderem, als der Herbeiführung einer ‘ever closer union’, auch bekannt als ‘Koalition der Willigen’.
    Wer das Script kennt, muß Griechenland für den kommenden Showdown zum Überlaufen bringen. Daß unserer Wernele von Angela Theaterdonner kassierte, ihr vor den letzten Wahlen flutungstechnisch etwas Luft verschafft zu haben, wird er zu nehmen wissen. Pack versteht sich eben.

    Das mit der selbstverordneten Obergrenze haben heute die üblichen Verdächtigen der Alpenrepublik als unvereinbar mit unserer Verfassung befundet. So eine Überraschung aber auch. Zugleich avisiert unser aktuell in Front liegender grüner Kanditat ums Rennen als oberster Großaugust der Nation, er werde einer Regierung den Sanktus verweigern, die sich einer vollständigen Überantwortung Österreichs nach Strassburg und Brüssel verschließt.

    Put simply: Austriachstan ist genauso organisatorisch umzingelt wie Deutschland. Was sich im Augenblick wie Knirschen im Räderwerk zwischen diesen beiden Ländern anhört, ist wohlkonzertierte Musik. Klingt traurig, ist aber so.

    Zurück zum Topic: Raten Sie mal, wie’s unser Wernerle mit der Bargeldabschaffung hält und wie sich unsere Schwarzen anstellen, die Abschaffung mit grotesken Rückzugsgefechten zumindest dem Anschein nach zu verhindern. Glauben Sie mir, Hosenanzüge wie Ihre Bundesangela haben wir hier allerorts.

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