Wir sind nicht Charlie

“….Dass Charlie Hebdo ein auf Papier gedrucktes Magazin ist, ist so ziemlich alles, was viele Printmedien, die jetzt „Wir sind Charlie“ titeln, mit ihm gemeinsam haben. Nein, wir sind nicht Charlie Hebdo. Unsere Kinder wurden am Vormittag des 7. Jänner nicht zu Waisen gemacht. Wir haben nicht seit Jahrzehnten alles für die Freiheit der Meinung, der Kunst und der Medien riskiert ­– ohne Kompromiss und ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer oder schon gar auf unsere eigene Sicherheit. Wir sind nicht Charlie. Aber wir sollten vielleicht versuchen, mehr wie Charlie zu sein und die Freiheit, die wir so vehement für uns in Anspruch nehmen, auch tatsächlich nützen…” (hier)

4 comments

  1. Thomas Holzer

    Diese Vereinnahmung ist nur zu verständlich in unseren Zeiten des freiwilligen Kollektivismus.
    Nicht umsonst titelte “Die Bild” vor ein paar Jahren: “Wir sind Papst”

  2. Der Realist

    diese Vereinnahmung erfolgt meist durch die miesesten Zeitungen und ihrer miesen Schreiberlinge. Natürlich kriechen jetzt auch jene hervor, die stets die Meinungsfreiheit hochhalten, besonders wenn es um ihre eigene, die alleine gültige Meinung geht, da sind die sogenannten “Qualitätsmedien” federführend.
    Viele sehen in dem Vorfall in Paris einen Anschlag auf die Meinungsfreiheit, übersehen aber gerne, dass diese in den letzten Jahren auch bei uns mit Füßen getreten wurde. Da wurde nach Wahlen eine ganze Wählerschaft verunglimpft, vielleicht holen die “Hüter” der Meinungsfreiheit in diesem Zusammenhang einmal ältere Zeitungen hervor. Eine gutmenschliche Welle der Empörung überschwemmte Österreich nach dem Auftauchen harmloser Karikaturen und Comics. Diese künstliche Aufregung wurde immer damit untermauert, dass ja die ganze Welt auf uns schaut, und da könnten wir halt ein schlechtes Bild abgeben.
    Gerade jene, die jetzt am meisten Angst haben sind ohnehin ein Hort an Angepasstheit, deren Redaktionsstuben sind von Schleimspuren durchzogen.

  3. Fragolin

    Ich frage mich nur eines:
    Hätten damals fanatische Moslems (und es gab einige Morddrohungen) eine Frau Winter in Graz auf offener Straße ermordet, nachdem sie auf einer Parteiveranstaltung Mohammed als “nach heutiger Rechtslage Kinderschänder” bezeichnet hat – hätten dann auch alle europäischen Medien “Wir sind Susi!” auf ihre Titelseite gedruckt? Es gab damals nicht wenige Kommentare, die jedem Attentäter Erfolg wünschten und für diesen Fall offenen Jubel versprachen.
    Meinungsfreiheit ist ein Gut, das scheinbar selektiv zugestanden wird.

  4. Fragolin

    Ganz großes Tennis:
    http://www.focus.de/kultur/medien/talkshow-eklat-nach-paris-attentat-moderator-zu-radikalem-imam-du-bist-ein-uebler-scheisskerl_id_4393747.html
    Und man beachte die Wertung des focus: der Eklat ist nicht, was dieser Imam absondert, sondern dass ihn der Moderator mit einem, mit Verlaub, eigentlich noch harmlosen Spitznamen belegt. Man prügelt genüsslich auf diesen angeblichen “tendenziösen Berichterstatter zu Gunsten des rechten Flügels der Republikaner” ein, wahrscheinlich weil es den Focussierten sehr bewusst ist, dass die Gefahr, einen Fan von FoxNews mit Kalashnikov in den Gängen der Redaktion zu treffen geringer ist als die Chance, einem Fan dieses muslimischen Würdenträgers samt Bombengürtel in der Tiefgarage zu begegnen.

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .